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Philosophie als Kunst

Graf Hermann Keyserling: Philosophie als Kunst - Kapitel 6
Quellenangabe
typetractate
authorGraf Hermann Keyserling
titlePhilosophie als Kunst
publisherOtto Reichl Verlag
printrunZweite Auflage
year1922
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Zeitliche, zeitlose, ewige Geister

Unter zeitlichen Geistern verstehe ich solche, die in ihrem Zeitalter, wie man sie auch betrachte, restlos aufgehen. Unter zeitlosen solche, die zu und von keiner Zeit als erschöpft gelten dürfen.

Kaum einer Schriftsteller-Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts ist bei Lebzeiten mehr Verehrung gezollt worden, als George Sand. Heute liest sie kaum jemand mehr. Aber doch beginnt man heute endlich einzusehen, daß die spätere Literatur ihr Unendliches verdankt. Die großen Russen wie die großen Skandinaven wären ohne sie schwer denkbar. Einst gefeiert, bald vergessen, oder doch nur in dem schemenhaften Sinne fortlebend, wie es die Ahnen tun, deren Namen der späte Enkel in verständnisloser Ehrfurcht von dem Grabstein abliest, deren wahres Sein nur noch dem Historiker in seltenen Fällen aufgeht: dies war das Schicksal nur zu vieler. Wieland, sogar Herder, um die Größten und Bekanntesten zu nennen, ist es also ergangen, sie sind in ihrer Wirkung verglüht. Von Modernen, freilich auf niedrigerem Niveau, wird es wahrscheinlich Bourget ähnlich ergehen. Man wird ihn vergessen, vielleicht verachten, nachdem man ihn eine Weile überschwänglich hoch geschätzt, und spät erst ermessen, wieviel Dank der psychologische Roman ihm schuldet. Heute werden diesen zeitlich Großen nicht viele gerecht. Man konstatiert die Kurzatmigkeit ihres Ruhms, die Vergänglichkeit ihres Lebenswerts. Man folgert daraus ein Mißverständnis oder einen Urteilsfehler ihrer Zeitgenossen. Originale, die nur Wenigen etwas zu sagen haben, gelten in jeder Hinsicht für größer als die Sterne vergangener Zeitenhimmel, als die Abgötter verblichener Geschlechter. Man will nur das Zeitlose gelten lassen. Ist dieser Standpunkt berechtigt?

Ich will den größten Zeitlichen, von dem wir wissen, ins Auge fassen: Voltaire. Wie? Voltaire kein zeitloser Geist? Sein absoluter Wert, wie wir ihn heute beurteilen, steht jedenfalls in keinem Verhältnis zu der Wirkung, die er auf sein Jahrhundert ausübte. Wer ihn nach dem wertet, was er für uns bedeutet, wird ihm in keiner Hinsicht gerecht; nur aus seiner Zeit heraus ist er zu verstehen; insofern war er ein ausgesprochen zeitlicher Geist. Voltaires ganz einzige Größe bestand darin, daß er alle die Schlüsse zog, deren Voraussetzungen seine Epoche enthielt, und daß er sie so zog, wie diese Epoche sie aufzunehmen und zu verarbeiten fähig war. Nie hat er über die Möglichkeiten seiner Zeit hinaus geblickt, nie, Zwischenglieder überspringend, Einsichten ausgesprochen, die erst nach dem Hinwelken einer Generation verstanden werden konnten. Gewiß ist Voltaire, wie jeder große Geist, seiner Zeit vorangeeilt, nur ließ er sie dabei nicht im Stich; sie vermochte dem Führer zu folgen. Deshalb vergötterte sie ihn. Was er sagte, nahm sie auf, spann sie weiter; jede seiner Anregungen wirkte fruchtbar, nichts ging verloren. Eben deshalb aber konnte die Nachwelt nie mehr die richtige Stellung zu ihm einnehmen. Sie verstand nur noch Teile seines schillernden Wesens, den Witz, die Sprache, die Klarheit seiner Intelligenz, nie mehr den ganzen Menschen. Was er wesentlich gewesen, schien längst verarbeitet; kein Rest blieb nach. Geister von so unmittelbarer, aufs Nächste gerichteter Wirkung werden bald zu Elementen der Nachwelt; und an Elemente erinnert man sich nicht.

Auch Fichte, der Turnvater Jahn der Philosophie, und Herder, der chaotische Geistestitan, waren im Wesentlichen zeitliche Geister. Was Herder anregte, ist zum größten Teil schon in Erfüllung gegangen; er war nicht von denen, die allen Zeitaltern ein verführerisches Rätsel, ein produktives Staunen bleiben. Aber war er darum geringer als etwa Lichtenberg, der heute noch Anregung auf Anregung ausstrahlt? Gewiß nicht; er war ein Geist anderer Art.

Ich denke, wir nähern uns einem richtigeren Verständnis des Verhältnisses von zeitlichen und zeitlosen Geistern, als es im allgemeinen Bewußtsein lebt. Wenn uns die Legion Voltairescher Schriften heute nicht mehr dasselbe bedeutet wie dem 18. Jahrhundert, so beweist dies nichts gegen deren Verfasser. Wir sind im Unrecht, wenn wir George Sand niedriger einschätzen als so manchen engeren, aber originelleren Geist, nur weil sie uns heute nicht mehr viel zu sagen hat: George Sand war in den meisten Hinsichten sicher größer, als ihre noch heute lebendigen Zeitgenossen. Man kann beim Vergleichen, beim Abmessen der Begabungen aneinander nicht vorsichtig genug sein; zumal wo es sich um Unterschiede der Art handelt, ist ein quantitativer Vergleich nicht möglich. Die Zeitlichen sind mit ihrer Epoche kommensurabel, die Zeitlosen nicht. Die Inkommensurabilität ist an sich noch kein Vorzug, so wenig wie die augenblickliche, gleichsam unvermeidliche Popularität. Voltaire ging auf in seiner Zeit, Diderot nicht. War dieser darum größer? Ich wüßte es nicht zu sagen. Er war ein Geist anderer Art. Von allen Großen des 18. Jahrhunderts erscheint Rousseau als der Unsterblichste insofern, als er von allen am Lebendigsten fortwirkt. Möglicherweise steht seine größte Bedeutsamkeit noch aus. Aber war er darum mehr als die andern? –: Seine Anlage war einfach einer länger andauernden oder häufiger wiederkehrenden Konjunktur gemäß. Es besteht kein Zweifel darüber, daß die meisten seiner »Erkenntnisse« falsch waren. Er war wesentlich das, was die Franzosen einen esprit faux heißen. –: Andere wieder verdanken ihre zeitlos durchschlagende Wirkung geradezu ihrer ausdrucksvollen Armut. So unter Malern Manet, unter Dichtern Mallarme und unter Denkern Nietzsche. Deren Gaben waren übersichtlicher als diejenigen reicher besaiteter Naturen, unter anderen ihnen selbst. Sie ließen sich leichter fassen, leichter bestimmen. Aber ist es gerecht, ist es auch nur richtig, einen kleinen Geist einem größeren deshalb überzuordnen, weil er im Einzelnen Besseres geleistet hat? In letzterer Hinsicht gewiß. Aber da das Urteil über Groß und Klein tatsächlich nicht nach dem Maßstabe der Leistung allein gefällt wird, so täte man gut, diese anderen Erwägungen im Endurteil nicht unberücksichtigt zu lassen.

Es gibt kaum ein Gebiet, auf dem eindeutige Ergebnisse schwerer zu erzielen wären, als auf dem der kritischen Geistesgeschichte. Dies zeigt sich besonders deutlich bei der Beurteilung der Männer, die sich in keine der bisher angewandten Kategorien einreihen lassen, der ganz großen, der wahrhaft ewigen Geister: Shakespeare, Goethe, Kant. Über Kant hat Simmel treffend gesagt, er »gehöre zu den ganz großen Geistern, deren Bild sich mit den Wandlungen der Geschichte selbst wandelt, weil sie der Entwicklung dauernd eingefügt bleiben und darum, sozusagen, immer verschiedene Rollen spielen.« Die ganz Großen sind unfaßbar. Über das, was Kant eigentlich gedacht hat, sind die Philosophen noch heute nicht einig; jeder legt ihn anders aus. Und ebenso wird Goethes Tiefstes der Menschheit ein ewiges Geheimnis bleiben, unergründlich wie die Natur. Wer war Goethe? Wir wissen es heute weniger denn je; bei fortschreitender Erkenntnis des Tatbestandes wird seine Persönlichkeit immer mythischer. Wie die Weltgeschichte nicht nur aus den Faktoren erwächst, die sich aus wirklichen Vorgängen unzweideutig nachweisen lassen, sondern auch aus unbestimmten Vorstellungen, die eine Zeit beherrschen, aus hingeworfenen Gedanken unmaßgeblicher Personen, aus rein theoretischen Urteilsfehlern und Irrtümern, aus unbegründeten Glaubenssätzen und Einbildungen: so ist die historische Persönlichkeit, wie sie der jeweiligen Generation erscheint, stets eine Synthese aus dem, was sie wirklich war, und aus dem, was andere über sie dachten. Im Lauf der Jahrhunderte wächst sie ins Ungeheure, oder wandelt sie sich so gründlich, daß die Realität immer mehr verblaßt. Halbgötter und Sagenhelden, die übermenschlichen Symbole für verdichtete Wirklichkeit, bezeichnen doch nur das Extrem der Entwicklung, die jeder Geist durcheilt, der im Bewußtsein der Nachwelt überhaupt lebendig bleibt. Ob Siegfried oder Goethe, Shakespeare oder Wilhelm Tell: heute sind es mythische Gestalten. Die Entelechie der Natur hat nach ihrem Tode fortgewirkt. Aus ihnen sind Wesen geworden, in die ihre zeitliche Wirklichkeit nur noch als Teil eintritt. Wie oft hat der Anblick berühmter Männer enttäuscht! Der Ruhm tötet sein Objekt, um es dann erst wahrhaft zu beleben; er tut dem Lebendigen unrecht. Träte Christus plötzlich wieder unter uns, es würden wahrscheinlich die Meisten vom Christentum abfallen.

 

Wozu schrieb ich das Vorhergehende? Um einer höheren Gesamtansicht den Weg zu bereiten. Die Begriffe zeitlich, zeitlos, ewig bezeichnen letztlich verschiedene Ansichten einer Wirklichkeit, die sich wesentlich überall gleichbleibt.

Alle Geister sind zeitlich in dem Sinn, daß sie allein im Rahmen einer bestimmten Kulturepoche möglich erscheinen; jenseits dieser fehlt ihrem Dasein und ihrer Wirkung die Voraussetzung. Verstanden kann ein Geist nur von solchen werden, deren Wesensstruktur der seinen einigermaßen ähnelt; wirken allein auf solche, die ihn einigermaßen verstehen. Damit sind dem größten Genie durch die Natur der Dinge so enge Schranken möglicher Bedeutsamkeit gesetzt, daß selbst die Ewigen, aus der Vogelschau betrachtet, zum Rang von Zeitlichen hinabsinken. Hat das lebendige Abendland einmal endgültig das Zeitliche gesegnet, so wird Goethe nicht mehr bedeuten, als heute die Großen von Memphis und Ninive, und dies ist weniger als die Meisten glauben; wird verfeinertem Qualitäts-Bewußtsein ein hoher Ausdruckswert auch in sonst unverständlicher Sprache offenbar, so fehlt diesem Wert nach dem Tod des ihn bedingenden lebendigen Geists doch jede fortwirkende Kraft. Solches gilt heute schon von vielen Werten des 18. Jahrhunderts, nicht zu reden von denen des Mittelalters und des Altertums; sie bedeuten uns nicht annähernd mehr soviel als wir vermeinen. Insofern gibt es überhaupt nur zeitliche Geister. Diese Erkenntnis rückt denn die vorhin scharf von einander Geschiedenen nahe zusammen. Und bedenkt man ferner, wie jeder Einzelne, auch der Ewige, nur das, genau das zu leisten vermag, dessen Voraussetzungen der Zeitgeist enthielt, welcher Umstand dem chronologischen Datum geradezu astrologische Bedeutsamkeit verleiht, so vergeht jede Illusion einer absoluten Zeitlosigkeit. –: Allein in bedingtem Verstand sind doch auch alle Geister, wie sie einerseits zeitlich sind, andererseits zeitlos: jede Individualität ist einmalig, einzig, nie wiederkehrend, findet daher in keiner Epoche einen vollkommenen Spiegel. In irgendeiner Hinsicht gilt von jedem, was von den ausgesprochensten Exzentriks gilt: er ist ein Wesen rein für sich, trifft leichter sporadisch, im Lauf der Jahrhunderte, echtes Verständnis, als seitens der Masse der Mitlebenden. So sind viele Zeitliche durch ihre plötzlich über sie hereinbrechende Popularität befremdet, ja entsetzt worden: sie spürten nichts von der Verwandtschaft mit der Menge, die ihnen Beifall zollte, fühlten sich unverstanden eben dank dem, daß so viele sie zu verstehen meinten. Eben dies erhöhte ihr Einsamkeitsgefühl. So mag auch der Weise von Ferney sich seiner Zeit im Tiefsten fremd empfunden, mag er nach Ungeborenen Ausschau gehalten haben, die seine Seele begriffen ... Hier spielt viel Zufall mit. Es mag einer bedeutsam erscheinen, verstanden werden um solcher Äußerungen willen, die er, so wie sie aufgefaßt wurden, nie getan hat. So fühlt sich schlechthin jeder wesentlich einzig und inkommensurabel mit seiner Zeit, und dies mit Recht. –: Aber auch jeder Geist kann virtuell als ewig gelten, womit das Gerüst der Unterscheidungen, das der erste Abschnitt aufrichtete, sich endgültig eben als Gerüst enthüllt, welches den eigentlichen Bau nicht trägt. Jedes Wesen, sofern es ist, desto mehr, sofern es sich ausdrückt, ist Offenbarung dessen, was in letzter Instanz die Gottheit zum Ursprung hat. Inhaltlich mehr, als das geringste Menschendasein, hat selbst Shakespeare nicht ausgesprochen. Was diesen auszeichnet, zum höchsten Rang erhebt, ist, daß er für das Wirkliche einen wunderbar geistesgemäßen Ausdruck fand. Aber dieser Superlativ setzt Positiv und Komparativ voraus. Weil wir vergleichen können, weil zum Vergleich der Stoff vorhanden ist, deshalb nennen wir Shakespeare ewig im Unterschied von Hinz und Kunz. Aber wie, wenn die Vergleichsmöglichkeiten fehlten? Bei karger Materie besitzt jedes Einzelne höchste Bedeutsamkeit. Es ist vielfach Zufall, wessen Erinnerung erhalten blieb. Ein bei Lebzeiten nie Aufgefallener wird leicht zum Vertreter seines Jahrhunderts. Wohl sind Qualitätsunterschiede unbedingt wirklich; die überragende Begabung, die unerreichte Ausdrucksfähigkeit Größter steht nicht in Frage. Aber daß diese gar so viel bedeutet, ist doch, vom Wesen her betrachtet, ein zufälliges Moment. Auch ohne Genie ist das Leben eine Emanation von Gott; was man Genie heißt, ist häufig nur Teilbegabung; viele Zeitliche waren viel größer im Ganzen als manche Unsterbliche. Letzten Grundes ist es Konvention im gleichen Sinn, wie solche jeder Kunst zugrunde liegt, daß wir den Maßstab der Ausdrucksfähigkeit anlegen. Wir setzen ein a priori, indem wir eine Rangskala aufstellen –: gleichviel, ob diese letzthin überdies im Sinn der Schöpfung verankert sei. Berechtigt ist solch' freigesetztes A priori freilich, denn es macht Geistesgeschichte allererst möglich. Ebensowenig wie voraussetzungslose Forschung, gibt es voraussetzungslose Existenz. So gibt es Genies nur, weil wir gewisse Qualitäten als rangbestimmend postulieren. Allein man könnte dem historischen Werden ohne Gewaltsamkeit auch ein anderes Koordinatensystem zugrunde legen; in diesem Fall ständen gänzlich andere Geister mit einem Mal als größte da. Nicht alle Kulturen hatten überhaupt einen Begriff vom Genie ... Deshalb tut es nicht gut, auf die Unterschiede zwischen zeitlichen, zeitlosen und ewigen Geistern zu großen Nachdruck zu legen. Es tut auch nicht gut, so bestimmt vom Genie zu reden, wie vielfach geschieht. Auch hier handelt es sich um eine wesentlich willkürliche Abgrenzung. Wir müssen vielmehr einsehen lernen, wie geringfügig manche der Unterschiede sind, ohne deren Betonung Ästhetik vielleicht unmöglich wäre, wieviel Willkür allen Unterscheidungen zugrunde liegt, wie wenig irgendeine noch so anerkannte Rangordnung das Wesen erschöpft. Auf allen Gebieten ist unter anderen Transformationen eine Umkehrung denkbar, dank der, wie unter christlichem Aspekt, die Ersten als Letzte erscheinen; überall kommt es auf die Wahl der Koordinaten an, und gegen keinen Ausgangspunkt ist formal das Mindeste einzuwenden. Wahrscheinlich gibt es ein System, das dem vorausgesetzten strebenden Menschen in Hinsicht auf sein äußerstes Ziel wie kein anderes entspricht: dies liegt unbewußt wohl allen Werturteilen zugrunde, in bezug auf welche sich ein consensus gentium feststellen läßt. Allein der Mensch ist nicht bloß oder vollständig strebend, vielleicht gibt es auch »den Menschen« nicht, oder nur zum Teil; deshalb bedürfen die Bestimmungen, die sich aus der Anwendung jenes Systems ergeben, auf alle Fälle der Korrektur. Polar zum Ansatzpunkte jenes gibt es ferner einen ideellen Ort, der, vom Geist her betrachtet, den Weltmittelpunkt bestimmt. Wer aus ihm heraus urteilt, der urteilt, nach menschlichen Begriffen, aus Gott heraus. Aber dann ergeht es ihm auch wie Diesem: auf Gerechte und Ungerechte muß Er die Sonne gleichmäßig scheinen lassen, alle Gegensätze wirken als notwendig in der Weltharmonie, keine Rangordnung erscheint Ihm vorzüglich vor anderen. Der als Gott zu urteilen sich anmaßende normale Mensch wird dergestalt zum vollendeten Skeptiker. Und da aus der Skepsis heraus kein schöpferisches Leben möglich ist, so frommt es den Meisten wohl besser, unbefangen den Teil der Wirklichkeit, dem ihr tätiges Interesse gilt, aus noch so willkürhaften Voraussetzungen heraus weiter zu behandeln. Der Philosoph allein soll tiefer und weiter blicken, denn seine Natur ist ursprünglich kosmisch zentriert. Daher ist es ihm gegeben, das verwickelte Koordinatengeflecht, das für die Menschheit die Wirklichkeit bestimmt, wieder und wieder vom ideellen Weltzentrum her auf dieses hin zurückzuregulieren. Es sei denn –: welcher Fall zuweilen vorkommen soll –:, daß sein persönliches System, obschon übermenschlich, erst recht exzentrisch sei.

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