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Pfaff vom Kahlenberg

Anastasius Grün: Pfaff vom Kahlenberg - Kapitel 4
Quellenangabe
typepoem
booktitlePfaff vom Kahlenberg
authorAnastasius Grün
year1877
publisherG. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
addressBerlin
titlePfaff vom Kahlenberg
created20040630
sendergerd.bouillon
firstpub1850
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Nithart.

Des wart Engelmar gewar,
Er sprach: »her Nithart, der ist hie,
der uns gespöttes nie erlie:
wol uf, da wir in vinden!
Ir solt in keines argen niht gedenken:
ir get mir zühtiklichen nach;
ouch sit ze vehten niht ze gach:
wir suln im vrolich schenken.«

Nithart (nach v. d. Hagens Ausg.)

Lenzfeier Allerseelen.

            Und wieder ist Lenz im Ostenland,
Wie's tausendmal war und noch wird sein;
Eintönig webt jahraus, jahrein
Natur, die Magd, mit stumpfer Hand
Aus selbem Stoff dasselbe Band;
Was all' in ihr Gewebe sie flicht,
Maikränze, Vogelsang, Morgenlicht
Und Laub und Duft, was ist es auch
Als flüchtiger Schall und Staub und Hauch?
Da tönt ein Spruch nur über den Rocken,
Und grauer Hanf wird zu goldnen Flocken!
Den Zauber spricht das Menschenherz,
Und rings ist Glanz, Muthwill' und Scherz!
Durch Frühlings buntes Einerlei
Ergeht sich die Dichterseele frei,
Sieht rings die Keime von Tod und Zerfallen
Und ahnt das eigne unsterbliche Wallen.
Verblühend spricht zu ihr die Blüthe,
Verduftend ruft zu ihr der Duft,
Verklingend fleht der Klang in der Luft:
O wahr' uns ein Dasein in deinem Gemüthe!
Der Dichter läßt ins Lied sie schweben,
Sie blühn und duften, klingen und leben!
Am Bach den Narziß berührt er kaum,
Da springt ein Götterknab' aus dem Traum,
Und Nachtigallen, Schwalben fahl
Sind Königstöchter im Fürstensaal;
Die glatte Schlang' im Mondenschein
Stolzirt mit dem Krönlein von Golde rein,
Von eklem Gewürm und Gethieren wild
Streift er die Hülle der Häßlichkeit,
Denn Prinzen sind's vom ältesten Schild,
Nur harrend der Erlösungszeit;
Die Himmelsöde gibt er frei
Als Schaugerüst der Götterschaar,
Für Götter ein Schauspiel ist's fürwahr,
Herabzusehn auf das Weltturnei;
Er fühlt's mit Stolz, die Gaffer oben,
Sie müssen die Kämpfer bewundern, loben.
Ein Fähnlein Götter, das Raum nicht gefunden.
Entsandt' er, da er's entbehren kann,
Zum stillen Hain, in den finstern Tann,
Dem Waldeseinsam zu kürzen die Stunden.
So Menschenherz, so Dichtermund
Thut ihr zur Wett' euer Wunder kund,
Zwei Magier, die am Hofe gewandt
Den Zauber mit neuem Zauber gebannt;
Was sag' ich Zwei, die Eins im Bund,
Die Magier sind ja einverstanden!
Jed' Herz ist eines Dichters Zelle,
Und klang sein Lied nicht allen Landen,
Im Weltgesang doch fand es die Stelle.
O könnten die Herzen, die noch lodern,
Aufschlagen das grüne Leichentuch
Und lesen das große Liederbuch
In tausend und tausend Herzen, die modern!
Manch eines, das stumm dahin gefahren,
Kann Lenzgeheimnisse offenbaren,
Denn jedes hat, bevor es gebrochen,
Das Lied gesungen, das Wort gesprochen,
Das der Natur werktägigen Rocken
Verzaubert in märchengoldene Flocken.
Sie weiß zu danken; wenn Lerchenschlag
Einläutet des Maien Feiertag,
Entzündet sie Blumen und Blümlein in Massen,
Gleich Fackeln und Ampeln hellen Scheins
Auf allen Gräbern, vergißt wohl keins,
Wie lieben Todten wir flammen lassen
Viel Lichter und Lichtlein im Friedhofshage
Voll Wehmut am Allerseelentage.

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