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Pfaff vom Kahlenberg

Anastasius Grün: Pfaff vom Kahlenberg - Kapitel 2
Quellenangabe
typepoem
booktitlePfaff vom Kahlenberg
authorAnastasius Grün
year1877
publisherG. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
addressBerlin
titlePfaff vom Kahlenberg
created20040630
sendergerd.bouillon
firstpub1850
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An
Nikolaus Lenau.

November 1849.

        Dein Banner war tiefschwarze Seide,
Ich schwang ein rosenfarb Panier;
Sie standen nicht genüber! – Ihr,
Die Beide wob, senkten sich Beide.

Wir folgten Ihren leisen Spuren
Bis in der Vorzeit dunklen Schacht,
Du durch die blut'ge Glaubensschlacht,
Ich durch beglückt're Alpenfluren.

Du sahst Sie über Schwerterbrücken
Und durch der Trauer Pforten nah'n;
Mir wies der Frühling Ihre Bahn
Im Feld, im Wald, auf Bergesrücken.

Da stand Sie selbst, ein leuchtend Bild,
In unsrer Mitte, rein und prächtig,
Wie ein Gewittersturm so mächtig
Und wie ein Lenzstrahl hoffnungsmild!

O selig Schauen, süß Erkennen!
Ein Leid nur durch das Herz mir schnitt:
Du sahst Sie nicht! – Dein Aug' umglitt
Der Schleier, den sie Krankheit nennen.

Da war kein Haupt so nah der Wolke,
Das, schuldbewußt, nicht reuig bebte;
Da war, das hoffnungsreich nicht strebte,
Kein reines Herz so tief im Volke!

In Wogen ging die Saat des Guten,
Ein läuternd Feu'r umquoll die Welt;
O kurzer Tag, der unentstellt, –
Ein Tag wohl kaum, ach, kaum Minuten!

Ins Gotteswerk griff Gottes Affe,
Stahl Ihr Panier und Feldgeschrei,
Die Thorheit rief: Auch ich bin frei!
Die Unthat prunkt' in heil'ger Waffe.

Sie aber wandte Ihre Sohlen
Mit Grausen von des Gräuels Flur.
O glückt' es, die verwehte Spur
In Enkelzeiten einzuholen!

Du hast in deine Nacht gerettet
Ihr Bildniß, groß und rein und ganz;
Uns aber hat an Ihren Glanz
Des Zerrbilds Fratze sich gekettet.

In eig'ne Tiefen taucht die Seele
Hinunter vom Gewirr der Zeit,
Zu bergen, was noch unentweiht,
Daß es an Sie den Glauben stähle.

Dem armen augenkranken Kinde
Genesung bringt das Schau'n ins Grün;
So winkt des Dichterwaldes Blüh'n,
Daß nicht das Seelenaug' erblinde. –

Du mochtest gern dein Ohr mir neigen,
Du liebtest einst dieß Lied im Keim;
Sei einst vollbracht der Guß im Reim,
Gelobt ich's, Edler, dir zu eigen.

Die Sonne jenes heil'gen Märzen
Fand es schon flügg' und flugbereit, –
Zu klein schien mir's der großen Zeit,
So barg ich's scheu im stillen Herzen.

Jetzt tritt es wieder vor mein Auge,
Als ob ein Waffenstück es sei,
Doch dessen Kampfzeit längst vorbei,
Und das dem neuen Krieg nicht tauge;

Als ob dem Preis, den sich's erkoren,
Noch nicht geöffnet das Turnei,
Als ob er längst gewonnen sei,
Vielleicht auch wieder längst verloren.

Man legt doch Schwerter, Banner alle
Zuletzt ins Arsenal zur Ruh;
So trag' ich auch mein Lied dazu
Zur Rast in deutscher Waffenhalle.

Wenn draußen Feuerblitze fallen,
Aufleuchtet auch im Saal das Schwert;
Wenn um den Wall die Sturmbraut fährt,
Rührt drin die Fahnen leises Wallen.

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