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Peter Lebrecht

Ludwig Tieck: Peter Lebrecht - Kapitel 35
Quellenangabe
typenarrative
booktitleFrühe Erzählungen und Romane
authorLudwig Tieck
year1978
publisherWinkler Verlag
addressMünchen
isbn3-538-05211-5
titlePeter Lebrecht
pages73-189
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1795
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Sechzehntes Kapitel

Antwort und Beschluß an den Leser

Hochwohlgeborner Herr!

Über das Zutrauen, das Dieselben zu mir haben, so wie über den Beifall, den Sie mir schenken, bin ich unendlich erfreut, nur tut es mir leid, daß ich nicht so glücklich sein kann, das gnädige Anerbieten des Herrn Barons anzunehmen, denn leider seh ich mich genötigt, zu erkennen, daß ich den großen und heroischen Stil nicht im mindesten in meiner Gewalt habe: ohne daß ich es bemerke, geht er oft ins Gemeine und Scherzhafte über. Ja, es ist mit mir so weit gekommen, daß mich das eigentliche Ernsthafte oft am allerlächerlichsten dünkt, und daß ich in manchen Stunden unter der komischen und betrübten Darstellung keinen Unterschied zu machen vermochte. Daß eine solche Lebensbeschreibung in Wien verboten würde, wäre sehr leicht zu bewerkstelligen, ja, es sollte mir selbst keine Mühe kosten, es dahin zu bringen, daß man es noch in manchen andern Ländern nicht lesen dürfte, so, daß dieses Werk dadurch ein äußerst kostbares und unvergleichliches Werk würde, aber, wie gesagt, der historiographische Stil steht nicht in meiner Macht. Dero Ahnherrn aber haben vielleicht manches Gute und Vortreffliche bewerkstelligt, Länder angebaut, und Tausende von Menschen glücklich gemacht: damit also diese Geschichten nicht verlorengingen, so möchte ich wohl so frei sein, mir manches davon als einen Beitrag zu meinen neuen Volksmärchen auszubitten. – Ich verharre in der tiefsten Ergebenheit

Ew. Hochwohlgeborn

ergebenster
Peter Lebrecht.

An den Leser

Hier schließe ich nun den zweiten Teil meiner Geschichte, wer von Ihnen den Fortgang erfahren will, wird sich wohl zum dritten hinüberbemühen müssen, in welchem man außer der Gefangenschaft meines Schwiegervaters noch die wahrhafte und äußerst interessante Historie antreffen wird, wie und auf welche Art sich mein Freund Sintmal verliebte. Ich hoffe auch, bis dahin manches Merkwürdige zu erleben, so, daß der dritte Teil ohne Zweifel sehr gelesen zu werden verdient.

Da ich noch so bald nicht zu sterben denke, so hatte ich erst, da ich um mich her so viele Journale aufwachsen sah, den Vorsatz, meine Geschichte in der Form eines Journals monatlich herauszugeben, so wie der Apollo nichts als Ritter- und Geistergeschichten enthält; ich hätte dann weit mehr in ein genaues und interessantes Detail gehn, und jeden Vorfall in meiner Familie sehr weitläuftig und umständlich berichten können; es wäre dann ein recht eigentliches Journal für Hausväter, und überhaupt für Leser in allen Ständen geworden. Meine Frau ist jetzt z. B. schwanger, ich erwarte in einigen Wochen ihre Entbindung, und wenn ich im Brandenburgischen lebte, so würden sich die Herausgeber der Denkwürdigkeiten der Churmark sehr freuen, den Namen meines Kindes, so wie den von allen Gevattern, aufgezeichnet zu finden, meine Geschichte gehörte dann gewissermaßen zu den Urkunden von den Preußischen Ländern. Jedes Journal zehrt auf seine Art von den Vorfällen des Tages, und so würde ich es mit meiner Familie gemacht haben, und wenn auch manchmal nichts vorgefallen wäre, so hätte ich dann manche Lüge von meinem Schwiegervater unter die Leute gebracht, und sie nachher im folgenden Stücke widerrufen und weitläuftig widerlegt. So hätte es mir gewiß am Stoffe nie gemangelt.

Ich wollte auch noch eine andre nützliche Einrichtung mit diesem Journale verbinden. Es fehlt den Deutschen bis jetzt immer noch an guten Satiren; ich tat mich daher mit einem gewissen Gottschalk Necker zusammen, der bis jetzt im Archiv des Berlinischen Geschmacks gearbeitet hat, und der sich seinen Lesern, ohne ihm zu schmeicheln, als einzig in der Kunst schlecht zu schreiben gezeigt haben muß. Er versprach mir viele Satiren, und in einem noch andern Silbenmaße, in dem er sich der Prosa noch mehr zu nähern bestreben wollte; er schrieb mir, daß er nun in seinen Satiren fast alle namhaften Männer in Berlin benannt hätte, er wollte nun auch zu andern Städten übergehn, so, daß seine Satiren zugleich als Namensregister berühmter Gelehrten gebraucht werden könnten. – Man kann sich einbilden, daß ich diesen Vorschlag mit beiden Händen ergriff, allein zu unserm Leidwesen wollte sich kein Verleger zu diesem Journale antreffen lassen, und so wird es dann wohl, hochgeehrte Leser, dabei bleiben müssen, daß Sie im dritten Teil die Fortsetzung meiner höchstwahrhaften Geschichte suchen müssen.

Ende des zweiten Teils

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