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Peter Lebrecht

Ludwig Tieck: Peter Lebrecht - Kapitel 10
Quellenangabe
typenarrative
booktitleFrühe Erzählungen und Romane
authorLudwig Tieck
year1978
publisherWinkler Verlag
addressMünchen
isbn3-538-05211-5
titlePeter Lebrecht
pages73-189
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1795
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Zehntes Kapitel

Unvermutete Gesellschaft

Welcher Schmerz war dem meinen zu vergleichen? Nur der kann ihn nachempfinden, der einen ähnlichen Verlust in einem ähnlichen Augenblicke erlitten hat. – Tausend Vorstellungen gingen durch meinen Kopf, eine immer trübsinniger als die andere; ich stand plötzlich verlassen und einsam da, wie in einer dicken Finsternis, von allen meinen Hoffnungen und Wünschen auf immer abgerissen. –

Aber, wo war Louise so plötzlich hingekommen? – Ich ahndete gar keine Möglichkeit, mir dieses Rätsel aufzulösen. – Man durchstrich in den folgenden Tagen zu Fuße und zu Pferde die ganze Gegend, bei allen Nachbarn wurden Erkundigungen eingezogen, aber kein Mensch wußte uns Nachrichten von ihr zu geben; ich selber durchstrich jeden Wald und jedes Feld in der Nachbarschaft; und da alle meine Nachforschungen vergebens waren, überließ ich mich endlich einer dumpfen, trüben Gleichgültigkeit, in welcher unser Körper oft viele Tage verlebt, ohne daß es die Seele bemerkt.

Die Gäste nahmen traurig nach und nach Abschied, es ward immer einsamer um uns her, jedermann, dem ich begegnete, hielt es für seine Schuldigkeit, mir ein trauriges Gesicht entgegenzuhalten und so ward ich mit jeder Stunde verdrüßlicher. – Mir war in meinem Lebenslaufe noch wenig Unannehmlichkeit aufgestoßen, und noch kein einziges ähnliches Unglück, ich wußte mich daher gar nicht zu benehmen: wenn man nur erst mit der Art bekannt ist, wie man auf eine schickliche Weise gewisse Vorfälle im menschlichen Leben anfassen muß, so ist man auch schon halb getröstet. Für viele Menschen liegt in den Zeremonien des Betrübtseins ebensoviel Beruhigung, wie für andere im berauschenden Wein.

Mit tiefgesenktem Kopfe, schweren Seufzern und heimlichen Verwünschungen gegen das Menschengeschlecht, (das sich freilich in nichts anderm gegen mich vergangen hatte, als daß es mir keine Nachrichten von Louisen geben konnte,) schlich ich eines Tages durch die benachbarten Fluren. Ich hatte eine Flinte auf meinen Rücken gehängt, um wenigstens unterwegs gegen einen Hasen meinen Unwillen auszulassen, der es wagen würde, mir in den Weg zu kommen. Mein Spaziergang dauerte länger, als ich mir vorgenommen hatte, ich verirrte mich in einen Wald hinein und verließ bald in der Zerstreuung den gebannten Weg: ich lustwandelte auf kleinen Fußsteigen bald hiehin bald dorthin, und durchtrabte in allen möglichen Richtungen den Wald. An dem Stande der Sonne bemerkte ich endlich, daß es anfangen wolle, Abend zu werden, ich fing daher an, den Rückweg zu suchen: aber allenthalben, wohin ich mich auch wandte, schien der Wald dichter zu werden, ich sahe und hörte keinen Menschen; ich rief, aber niemand antwortete mir, meine Stimme schallte weit den Forst hinunter, aber kein Ton kam tröstend zu mir zurück. Ein Hase lief mir quer über den Weg. – »Auch du willst mich noch verwirrt machen!« rief ich aus, legte das Gewehr an, verfehlte aber. – Ich achtete auf die böse Vorbedeutung nicht, wie es denn bei einem Menschen sehr natürlich ist, der schon den bittersten Becher des Unglücks gekostet zu haben glaubt: ich hatte aber unrecht, denn wenn wir auch schon elend sind, so hat doch immer noch eine Verdrüßlichkeit neben uns Platz, die unsern Unwillen erhöht, wenn sie auch noch so klein ist; der Verfolg dieses Kapitels wird einen deutlichen Beweis davon liefern. – Ich gab mir immer noch Mühe, mich aus dem Walde herauszufinden; ich kannte damals die Kunstgriffe der Jäger noch nicht, nach welchen sie die Weltgegenden bestimmen können, oder, wenn ich sie auch gekannt hätte, wären sie mir doch unnütz gewesen, denn ich wußte unglücklicherweise nicht, ob das Landhaus vom Walde südlich oder nördlich läge.

Meine Phantasie war gespannt, und mir fielen aus Romanen und Erzählungen hundert abenteuerliche Szenen ein, die in einem solchen dichten Walde vorgehn: bald sahe ich Spitzbuben und Mörder mit ihren verborgenen Höhlen und Schlupfwinkeln, bald eine verfolgte Unschuld, endlich fielen mir gar einige Gespenstergeschichten ein, die mir den Anblick des freien Feldes noch wünschenswürdiger machten: sosehr ich vorher gewünscht hatte, jemanden zu begegnen, so schüchtern sahe ich mich jetzt zuweilen um, ob auch nicht jemand hinter mir gehe. Als ich noch immer nicht den Ausweg finden konnte, war ich endlich fest überzeugt, daß mir irgendein merkwürdiges Abenteuer bevorstehe. Und wahrlich, ein Mensch, der sich in einem dichten Walde verirrt, und den jetzt die Nacht wahrscheinlich übereilt – wenn dieser unter solchen Umständen kein Abenteuer findet, so ist er wirklich nicht dazu geboren, irgend etwas Wunderbares zu erleben, und ein solcher lasse es ja bleiben, seine Geschichte der Welt mitzuteilen.

Ich mochte nach diesen Betrachtungen noch kaum eine Viertelstunde weitergegangen sein – als die Erde plötzlich unter mir einsank – und ich in eine tiefe Grube stürzte. –

Als ich mich von meinem Schreck erholt hatte, fing ich an, meinen neuen Aufenthalt genauer in Augenschein zu nehmen. Es war eine ziemlich tiefe, steile und geräumige Grube, die ich beim Hinunterfallen für eine Mörderhöhle, oder die Wohnung irgendeines Erdgeistes oder Rübezahl hielt, von der ich aber nun wohl sahe, daß sie den Bauern nur dazu diene, um Füchse oder andres überlästiges Wildpret auf eine geschickte und leichte Art wegzufangen. Ich versuchte es in die Höhe zu klettern, aber die Wände waren zu steil und zu hoch; mein Rufen war ebenfalls umsonst, und ich sah mich nun genötigt, in Geduld den ersten Bauer zu erwarten, der mich aus meinem Gefängnis erlösen würde.

Ich sah mich in meiner Wohnung etwas genauer um, und mußte lachen, als ich einen Fuchs und einen Hasen in einem Winkel der Höhle sitzen sah. Meine erste Bewegung war, nach der Büchse zu greifen und recht bequem zu einiger Zerstreuung die beiden Fremdlinge wegzuschießen: aber ein Anfall von Gutmütigkeit hielt mich zurück, ich wollte mit ihnen zugleich die Auflösung meines Schicksals erwarten.

»Wahrlich! ein feines Abenteuer!« rief ich aus. »Kann man etwas Platteres erdenken? Statt einen Geist zu erblicken, oder eine Mörderhöhle zu finden, falle ich in eine Fuchsgrube: statt eine bedrängte Unschuld aus den Klauen ihres Verfolgers zu retten, finde ich hier einen Hasen und einen Fuchs, um mir mit ihnen die Zeit zu vertreiben.«

Ich überlegte ernsthafter mein sonderbares Schicksal. Der Mensch ist einmal so stolz, daß er durchaus will, die Vorsehung lenke jeden seiner Schritte. – Ich habe mich verliebt, dachte ich bei mir selber, um mich zu verheiraten; mich verheiratet, um meine Frau zu verlieren; meine Frau verloren, um in eine Fuchsgrube zu fallen: was wird das Resultat dieser sonderbaren Begebenheit sein? Was in aller Welt kann die Vorsehung für einen Plan dabei haben, daß sie mich in dieses Loch hat fallen lassen? Alle Begebenheiten meines Lebens scheinen sich nur darum aneinandergereiht zu haben, um mich endlich hieher zu führen. – Wahrhaftig, wenn ich nicht hier den Stein der Weisen entdecken sollte, so würde ich das ziemlich unnütz finden!

Als ich mich wieder umsah, hatte sich der Hase, vermutlich aus Furcht vor mir, ganz nahe an den Fuchs gedrängt: ihre feindselige Natur schien sich hier verloren zu haben, das gemeinschaftliche Unglück hatte sie zu Freunden gemacht, denn der Fuchs saß ganz still und leutselig auf seinem Hintern, bewachte meine Bewegungen mit seiner spitzen Schnauze und seinen glänzenden Augen, und schien gegen seinen furchtsamen Nachbar nicht das mindeste Böse im Schilde zu führen. Das Zutrauliche der beiden Tiere rührte mich, ich beobachtete ihre Stellungen, und freute mich jetzt über mich selber, daß ich meiner Mordgier nicht nachgegeben hatte.

Der Fuchs sah unverwandt nach der Jagdtasche und ich teilte meinen beiden Freunden den Vorrat von Brot und anderm Eßbaren aus, den ich bei mir hatte; sie erkannten meine Güte und entzweiten sich über keinen Bissen.

Wie beschämt ihre Eintracht, dachte ich, die Menschen, die sich unaufhörlich verfolgen, und auf das Unglück ihres Nachbars ewig ihr Glück aufzubauen suchen! – Alle, die ihr der Habsucht, dem Geize, Stolze oder Neide frönt, die ihr eure Brüder niederdrückt, um eure Eitelkeit zu befriedigen, o könnt ich euch doch vor einen Spiegel führen, in welchem ihr euch und eure Leidenschaften so erblicktet, wie ich euch sehe!

Der Hase sahe mich hier mit einem so freundlichen Blicke an, als wenn er in meine Seele gelesen hätte, er kam zutraulich näher, vermutlich, um anzufragen, ob ich nicht noch mehr genießbare Sachen bei mir hätte. Beschämt sah ich nach meinem Gewehr, und streichelte das kleine Tier, das zitternd unter meiner Hand stehn blieb und furchtsam lauschend seine langen Ohren rückwärts legte.

»Dir soll nichts geschehen«, sagte ich mit so milder Stimme, als mir nur möglich war; »seid unbesorgt, ihr lieben Gefährten meines Unglücks. – Ich erwartete ein Abenteuer hier, denen ähnlich, die die müßige Phantasie der Dichter erschafft, und war unzufrieden, nur euch arme Notleidende hier anzutreffen; aber ich war ein Tor. – Ist diese Höhle nicht eine Mördergrube, in welcher ihr als schuldlose Opfer der Mordsucht aufgespart sitzt? Wäre ich selbst nicht beinahe ein Mörder geworden? – Ich dachte, vielleicht eine angefallene Unschuld von ihrem Unterdrücker zu befreien, und wahrlich, auch bei euch kann ich diesen Hang nach einer edeln Tat befriedigen. – Du armer unschuldiger Fuchs sollst wahrscheinlich zu Tode geprellt, oder zeitlebens, wie Bajazet, als ein Schauspiel von den Kindern verhöhnt werden, weil du vielleicht einem Bauer einmal ein paar Eier ausgetrunken hast. Was müßte mir geschehn, was allen Menschen, wenn jeder Durst so hart bestraft werden sollte? – Du«, (ich wandte mich hier zum Hasen) »sollst geschlachtet und gebraten werden, weil du einen Kohlkopf angefressen hast. – O heiliger Laurentius, was müßte den Leuten geschehn, die mutwillig mit ihrem Jagdgefolge ganze Saatfelder zerstampfen, und um einen Hirsch zu erlegen, sechs Äcker, die Hoffnung von sechs Familien, verderben? – Es herrscht ein ewiger stiller Krieg im Menschengeschlecht, und einer entgeht nur der Peitsche, oder dem Messer des andern, weil er sich hinter das furchtbare Ansehn eines andern verkriechen kann, der selbst wieder einen Rückenhalter braucht und hat. Der Arme aber, der ohne Schutz, ohne Ansehn unter der gefräßigen Menge steht, ist allen Pfeilen der Verfolgung und der Niederträchtigkeit preisgegeben: läßt er sich, von Gram und von Armut zu Boden gedrückt, zu einer Tat verleiten, die er tausendmal um sich her, unter öffentlichen Privilegien begehen sieht – so wird er von der jauchzenden Rotte dem ehernen, unbarmherzigen Gesetz entgegengeschleudert, um dort zu verbluten. Ich will euer Beschützer werden, ihr beiden Unglücklichen, ich will euch euren Verfolgern entreißen, da ihr sonst auf der großen, weiten Erde keinen andern Freund habt. Jedermann, der euch erblickt, setzt euch feindlich nach, wohin ihr tretet, ist euch eine Falle gelegt und nur wenigen von euch ist es gegönnt, eines ruhigen Todes in eurer Heimat zu sterben. –«

Ich war einmal gerührt, und fuhr daher ungestört zu deklamieren fort:

»Wenn doch so manche, die sich verfolgen und anfeinden, einst ebenso unvermutet in eine enge Höhle zusammengeführt würden, um so zu empfinden, wie göttlich das Gefühl der Freundschaft und des Wohlwollens sei: um zu fühlen, wie nötig die Liebe den Menschen sei, und die gegenseitige Unterstützung und Ertragung der Fehler und Schwachheiten. Wie schnell würden sich Feinde aussöhnen und einer in den Arm des andern fliegen, wenn sie einst plötzlich von ihren Geschäften losgerissen würden, und in einer dunkeln Einsamkeit, ohne Hülfe und Trost dasäßen, nur den Bruder gegenüber sähen, den sie hassen. Aber die Menschen laufen ihre gewohnte Bahn in dem Getümmel fort, das sie betäubt: keiner reicht dem andern die Hand, kein Auge forscht nach dem höchsten Schatz des Lebens, nach der Liebe, die uns aus dem Blicke des Freundes begrüßt; in jedem, der uns entgegenkommt, sehn wir nur einen Menschen, der unsern Weg enger macht, und so verschmachten wir in einem seelenlosen Geräusch.«

Durch mein ganzes Leben habe ich den vorteilhaften Einfluß dieses unbedeutenden Abenteuers gespürt, darum mag mir der Leser meine Weitschweifigkeit verzeihen. Oft, wenn ich gleichgültig bei dem Elende meiner Brüder vorübergehen wollte, dachte ich von ungefähr an die Grube, und eine frische, erwärmende Menschenfreundlichkeit strömte zu meinem Herzen: oft reichte ich die Hand zur Versöhnung, wenn ich mich sonst vielleicht in einem kalten Haß verschlossen hätte. – Ich konnte nachher nie einen Muff von Fuchsfell sehn, ohne ein unwillkürliches Wohlwollen zu empfinden: er erregte bei mir ungefähr die Empfindung, die der gute ehrliche Yorick hatte, wenn er seine hörnerne Lorenzodose betrachtete. – Viele seiner Leser haben nachher aus empfindsamer Spaßhaftigkeit eine Lorenzodose geführt, ohne irgend etwas dabei zu empfinden, ja man hat sogar sagen wollen, daß ein Lorenzoorden existiert habe. – Ich habe mich nie mit diesen Spielereien der Empfindsamkeit vertragen können, sie setzen gewöhnlich Mangel an wahrer Empfindung voraus; ich wünsche nicht, daß jemand mir zu Ehren einen Orden errichte, dessen Kennzeichen ein Fuchsmuff, oder ein Hasenfell ist.

Aber niemand wird leugnen, daß oft ein unbedeutender Vorfall einen großen Einfluß auf die Wendung hat, die unser Charakter nimmt. – Auf einer meiner Reisen fiel in der Nacht der Wagen um, und es zerbrach etwas, das mich am Fortkommen hinderte. Es war im November und ein pfeifender Wind trieb einen schneidenden Regen durch die Luft; kein Haus, kein Dorf war in der Nähe, der Postillion ritt nach dem nächsten Flecken, um Leute zu holen, die den Wagen wiederherstellen könnten: ich wickelte mich in meinen Mantel ein, so gut es mir möglich war, aber ein empfindlicher Frost bemächtigte sich bald aller meiner Glieder. Mit ungeduldiger Sehnsucht sah ich dem Postillion entgegen, der immer noch nicht zurückkam. Ich ward unwillig, aber ich sah auch bald ein, wie sehr ich unrecht hatte, ich ging auf und ab, um mich etwas zu erwärmen und die Zeit zu verkürzen. Da dachte ich zum ersten Male recht lebhaft an euch Elenden, die ihr in einer armseligen Hütte dem Mangel und dem Froste preisgegeben seid, die ihr in der kalten Novembernacht ungeduldig den Aufgang der Sonne erwartet, und ängstlich die Tage abzählt, in welchen ihr die strengere Kälte fürchtet; die ihr mit einem Schrei des Erschreckens den ersten Schnee wahrnehmt, indes der Reiche schon in Gedanken die bunten Schlitten sieht und das Geklingle der muntern Pferde hört. – Seit jener Nacht fuhr meine Hand jedesmal in die Tasche, ohne daß ich es wußte, wenn ich im Winter einen Armen am Wege sitzen sahe, oder eine Mutter mir begegnete, die an ihrer Brust ihr Kind mit ihren Seufzern und Tränen zu erwärmen schien. – Der Unglückliche versteht den Unglücklichen am besten, und wenn uns Trübsale auch oft nur im Vorbeigehn gestreift haben, so ist uns schon dadurch das Geschlecht der Elenden nähergerückt.

Ich bin schon so tief in der Schuld meiner Leser, daß ich dieser Abschweifung wegen gar nicht einmal um Verzeihung bitten mag.

Ich hatte indes gar nicht bemerkt, daß es wirklich Nacht geworden war. Ich spürte große Müdigkeit, und legte mich bequemer, war aber sehr besorgt, daß noch irgendein zahmes oder wildes Tier mir von oben auf den Kopf fallen möchte: ich überließ mich dem gütigen Zufall, lehnte mich an die feuchten Wände meiner engen Wohnung und schlief endlich wirklich ein.

In der Nacht wachte ich oft auf, und hörte dumpf zu mir hinunter das Rauschen des Waldes, ich bog mich in mich selbst zusammen, soviel ich konnte, um nicht zu frieren und schlief weiter.

Ich erwachte, als einzelne Sonnenstrahlen an den Mauern meines Gefängnisses auf und nieder flimmerten, etwas erstarrt stand ich auf und glaubte in einiger Entfernung Menschenstimmen zu hören. Ich rief laut und schoß aus der Öffnung meine Büchse ab, aber ohne allen Erfolg. Meine beiden Freunde erschraken außerordentlich und der furchtsame Hase verkroch sich unter den Bauch des Fuchses.

Bis gegen Mittag wartete ich noch geduldig, als ich wirklich hörte, wie sich Leute der Grube näherten. Es waren Bauern, die nachsehn wollten, was sie gefangen hatten, und nicht wenig erstaunten, neben ihrem Fange auch einen Jäger zu erblicken. Sie schafften mich sogleich mit Stricken aus der Höhle, und nach mir wurden auch meine beiden Gefährten, jeder einzeln, herausgeholt. – Ich belohnte die Landleute reichlich für den Dienst, den sie mir geleistet hatten, doch unter der Bedingung, daß sie mir die beiden Tiere überlassen möchten. Mit dem herzlichsten Wohlwollen ließ ich nun den Hasen davonspringen, und als dieser eine ziemliche Strecke gelaufen war, ebenso den Fuchs, der sich in der Ferne noch ein paarmal sehr verständig nach mir umsahe, als wenn er mir für seine Freiheit danken wollte. – Die Bauern lachten über meine Narrheit, und brachten mich auf einen Weg, der mich aus dem Walde in ein benachbartes Dorf führen sollte; wir nahmen Abschied und jedermann von uns ging vergnügt seine Straße.

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