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Ida von Hahn-Hahn: Peregrin - Kapitel 4
Quellenangabe
typefiction
booktitlePeregrin
authorIda Gräfin Hahn-Hahn
year1864
publisherVerlag von Franz Kirchheim
addressMainz
titlePeregrin
created20020701
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1864
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Die Baronesse.

Den schneidendsten Gegensatz zu dem bunten, glänzenden Gewimmel an jenem Ballabend im Gorm'schen Hause bildete das Haus, welches eine ältere Stiefschwester der Gräfin Lucia bewohnte. Fräulein Justine von Ruffach war unvermählt und lebte beständig auf ihrem Landgut. Es war sehr groß und sehr einträglich, lag aber in einer ganz flachen Gegend, mit wenig Bäumen und wenig Wasser, so daß man im Sommer den Anblick von endlosen Getreidefeldern, im Winter von endlosen Schneefeldern ganz ungestört genießen konnte. Das große herrschaftliche Haus, die Wirtschaftsgebäude, der Garten, die Häuser des Dorfes – Alles war mit musterhafter Ordnung gehalten. Machte dies einerseits einen sehr angenehmen Eindruck, so steigerte es sich doch, besonders im Hause, zu einer gewissen Pedanterie und hatte ein frostiges, trockenes Ansehen, – was denn freilich wiederum mit der großen Stille zusammenhängen mochte, welche im Hause herrschte.

Es war von Niemand bewohnt als von der Gutsherrin, Fräulein Justine von Ruffach, »der Baronesse,« wie sie gewöhnlich genannt wurde und es lieber hatte. In der Bezeichnung »Fräulein« fand sie etwas Jugendliches, das nach ihrer Meinung mit fünfundzwanzig Jahren aufhören und entweder in »Frau« oder in »Chanoinesse« übergehen müsse. Da ihre Eltern sie aber nicht mit einer Stiftsstelle versorgt hatten, weil sie sehr wohlhabend war, und weil sie gegen alle Erwartung unvermählt blieb: so hatte sie keinen Anspruch auf eine jener beiden Benennungen und erwählte sich deßhalb die Baronesse. Es könnte befremden, daß ein wohlhabendes Mädchen, eine Erbtochter aus gutem Hause unvermählt geblieben sei; aber ein Blick auf Fräulein Justine gab genügende Erklärung. Noch jetzt, da sie einige fünfzig Jahre zählte – ein Alter, an welches Niemand die leiseste Erwartung von Schönheit knüpft – war sie erschreckend häßlich; um wie viel mehr mußte sie es in ihrer Jugend gewesen sein! Ihre Jugend fiel in eine Zeit, wo die furchtbare Krankheit der Pocken zahlreiche Opfer des Lebens, der Gesundheit, der Schönheit forderte. Bei neunzehn Jahren war Justine von Ruffach eine blendende Schönheit und durch den frühen Tod ihrer Mutter Besitzerin eines bedeutenden Vermögens. Die Männerwelt lag ihr zu Füßen und sie wählte nach der Neigung ihres Herzens den Gatten. Bei den Anstalten zur Vermählung wurde sie von den Pocken befallen. Sie kannte an Anderen die Verheerungen, welche diese Krankheit allzu häufig hinterließ – und zitterte nicht vor dem Tode, aber vor dem Verlust ihrer Schönheit. Sie war schwer krank und brauchte geraume Zeit zu ihrer Genesung. Als sie sich wieder ganz kräftig fühlte, entließ sie eines Tages ihre Wärterinnen. Sie hatte sich bis jetzt immer in einem verdunkelten Zimmer, aus Schonung für ihre Augen, aufgehalten – vielleicht auch, um den Moment fern zu halten, vor dessen Entscheidung ihr graute. Aber ihr energischer Charakter ertrug die Ungewißheit nicht länger. Justine öffnete die Vorhänge, die Fenster. Dann trat sie vor einen großen Toilettenspiegel, der zwischen den Fenstern stand und ihre ganze Figur von Kopf zu Fuß im hellen Sonnenschein rücksichtslos ihr zeigen mußte. Aber indem sie vor den Spiegel trat, hatte sie unwillkürlich die Hand über die Augen gelegt. »Erbärmliche Feigheit!« sprach sie nach kurzem Besinnen, ließ die Hand sinken und sah in den Spiegel – so fest, daß ihr Blut starr und ihr Herz noch starrer wurde. Und als sie sich Zug für Zug gemustert und betrachtet – und in diesem fremden, entstellten Antlitz keine Spur desjenigen gefunden hatte, das sie kannte und liebte, da sagte sie mit dumpfer Trostlosigkeit: »Ein gräßlicher Anblick. Eugen wird vor mir zurückschaudern!« – und brach in Thränen zusammen.

Sie war allein auf ihrem Gut Tannhof, das sie eben hatte einrichten wollen, um es mit Eugen zu bewohnen, als ihre Krankheit ausbrach. Ihre Stiefmutter und deren kleine Tochter hatten noch nicht die Blattern gehabt und kamen deshalb nicht nach Tannhof. Ihr Vater besuchte sie fleißig. Er wußte sich genug zu beherrschen, um jede Regung von Mitleid oder Bedauern ihr gegenüber zu unterdrücken; aber er sagte dem Verlobten, es sei eine entsetzliche Veränderung mit Justine vorgegangen; er müsse sich auf das erste Wiedersehen recht vorbereiten. Justine dachte natürlich, daß ihr Vater Eugen unterrichtet habe. Sie fühlte eine solche Angst vor dem Wiedersehen, daß sie sich, unter dem Vorwand angegriffener Nerven, Wochen und Wochen nach ihrer Genesung in Tannhof absperrte. Vielleicht hoffte sie heimlich, ihre Entstellung werde sich mindern. Das war aber eine vergebliche Hoffnung! Nur alle acht oder zehn Tage blickte sie einmal in den Spiegel, um ihr Auge nicht abzustumpfen durch die tägliche Gewohnheit – und immer sah sie dieselben aufgeschwollenen groben Züge, die Augen ohne ihre schönen langen Wimpern und feinen Brauen, die zarte Haut und die glänzenden Farben der Jugendfrische spurlos verschwunden unter einer Schicht von Narben, welche dem Gesicht ein fahles, fleckiges Aussehen gaben und den Mund schief zogen. »Immer dasselbe Monstrum!« sprach sie mit einer Art von Wuth zu ihrem Spiegelbilde. Als sie nach Monaten jede Hoffnung aufgab und die Unmöglichkeit einsah, diesen Zustand fortzuführen, da Eugen ungeduldig und empfindlich wurde: so bat sie endlich ihren Vater, den Verlobten einmal nach Tannhof zu bringen. Sie wünsche aber bei dem ersten Wiedersehen mit Eugen allein zu sein – ein Wunsch, den Herr von Ruffach gern gewährte.

In einer fieberhaften Aufregung, die jeden Nerv beben und jede Ader pochen machte, sah Justine diesem Besuch entgegen, und als der Wagen in den Hof fuhr und sie nun dachte, in fünf Minuten werde Alles entschieden sein: da schlug ihr Herz so krampfhaft, daß sie plötzlich mit gewaltsamer Beherrschung zu sich selbst sprach:

»Nur ruhig! ruhig! mehr als zu sterben kann mir ja doch nicht widerfahren.«

Sie hatte befohlen, daß Eugen in dasselbe Zimmer geführt werde, in welchem sie zuerst vor sich selbst sich entsetzt hatte. Die Eingangsthür war dem großen Spiegel gegenüber, und vor den Spiegel stellte sich Justine, den Rücken der Thür zugekehrt, in einer gewissen Entfernung hin. Der eintretende Eugen mußte auf diese Weise mit einem Blick ihr ganzes Spiegelbild – und sie im Spiegel seinen Ausdruck wahrnehmen. Und so geschah es. Eugen hatte nicht auf diese Entstellung und diese Ueberraschung gerechnet. Er blickte schreckenvoll auf die grausige Erscheinung und weil er fühlte, wie alle Farbe aus seinem Antlitz wich, so machte ihn das verlegen; er blieb an der Thür stehen und stammelte ein paar unverständliche Worte. Justine hatte ihn scharf im Spiegel fixirt. Jetzt kehrte sie sich um und sagte gelassen:

»Gut! dies wollte ich wissen. Sie werden mit mir einverstanden sein, daß es zugleich Wahnwitz und Rohheit wäre, wenn ich an eine Verbindung mit einem Manne denken könnte, der unwillkürlich vor mir zurückbebt. Sie tragen durchaus keine Schuld. Sie sind vollkommen frei und von jetzt an auf immer von mir getrennt.«

Sie ging in ein Nebenzimmer. Da brach ihre Kraft in einem heftigen Nervenkrampf zusammen und wie eine Sterbende sank sie in die Arme ihrer Frauen. Eugen stürzte betäubt zu Herr von Ruffach und machte kein Hehl aus dem ganzen Vorgang. Er pries Justinens Edelmuth, erklärte aber zugleich:

»Und wenn sie die Schätze beider Indien und alle Tugenden bis zum Ideal besäße: so könnte ich mich doch unmöglich mit einer Person verbinden, vor deren Häßlichkeit mir graut.«

Herr von Ruffach entgegnete:

»Ich kann Ihnen nur dankbar für Ihre Aufrichtigkeit sein. Ein minder redlicher Mann hätte die arme Justine um ihres Vermögens willen frischweg geheirathet und sie dann wahrscheinlich vernachlässigt und unglücklich gemacht. Wir wollen also die beabsichtigte Verbindung aufheben, jedoch immer gute Freunde bleiben.«

Eugens Betrübniß, eine schöne Braut verloren zu haben, trat ganz hinter seine Freude zurück, von einer so übermäßig häßlichen Frau erlöst zu sein. Seine Neigung für Justine war nicht tief genug, um über die Verwandlung ihres Aeußern hinweg zu sehen; allein er achtete sie genug, um – des Vermögens wegen – keine Neigung zu erheucheln. Zehn Jahre später fiel er in der traurigen Schlacht von Jena, unvermählt.

Justine hatte immer eine gewisse Starrheit im Charakter gehabt. Sie glaubte überall weniger Liebe zu finden, als sie verdiene. Der Vater, die Stiefmutter, die kleine Schwester hingen viel fester untereinander zusammen, als mit ihr: das machte sie abgeschlossen und wenig hingebend. Bei ihrem Verlobten hatte sie auf die innige Herzensneigung gezählt, die sie für ihn empfand. Wäre er zum Krüppel zusammengeschossen vor ihr erschienen, oder durch Wunden entstellt: so hätte das ihre Liebe um kein Atom gemindert, während er sie mit größter Leichtigkeit aufgab. Ihr Herz erstarrte vor dieser bittern Erfahrung, die auf Einmal über sie einbrach und ihrem Leben seine bestimmte Richtung gab. Mein Schicksal macht mich einsam, sprach sie zu sich selbst; wohlan! ich will einsam sein.

Die gottselige Katharina von Remchingen, Aebtissin zu Frauenalb, schrieb im Jahr 1518 in ihr Gebetbuch:

»Lass' alle Ding' gewerden,
Und laufen bis an's Ziel,
Und lerne Dir absterben
Und wollen, was Gott will.«

Das klingt so schlicht und einfach, als ob es sich von selbst verstände und nichts leichter wäre, als gerade dies. Doch ist es die schwerste aller Aufgaben! Gewöhnlich verwechselt der Mensch seinen eigenen Willen mit dem Willen Gottes und lebt sich nur immer fester in sein Ich hinein, indem er seinen selbstischen Willen verfolgt. So ging es der armen Justine. Als sie von der Welt und den Ansprüchen der Jugend zurücktrat, folgte sie einem schroffen Zug ihres Charakters und ihrem tödtlich verletzten Selbstgefühl. Daß ein Wille voll höherer Weisheit und Liebe die Menschenschicksale lenke, um die Seelen für eine ewige Bestimmung zu erziehen, – und daß die höchste Weisheit und Liebe des Menschen darin bestehe, diesen göttlichen Willen zu erkennen, zu umfassen, zu vollführen – dies kam ihr nie in den Sinn. Ihre ganze innere Bildung gehörte durchaus jener unaussprechlich hohlen, dürren Aufklärung an, die am Ende des vorigen Jahrhunderts und im Anfang des jetzigen grassirte und, wie der Wüstenwind, die Welt der Seelen ausdorrte. Weil es nicht die cynische Aufklärung eines Voltaire und der französischen Encyclopädisten war, weil sie sich vielmehr aus Lessings und Kants trocknen, reiz- und seelenlosen Ideen und Ansichten ihre Normen nahm: so war sie nur noch viel gefährlicher, da sie sich außerordentlich erhaben und in den höchsten Ideen sich bewegend dünkte. Denn wenn die höchsten Ideen begabter und geistvoller Menschen nicht in der ewigen Weisheit der Ur-Idee Gottes, der Offenbarung, ihren Quell haben, so können sie sehr scharf, sehr blendend, auch einseitig wahr sein – aber es fehlt ihnen das Gepräge der ewigen Wahrheit und es ist und bleibt ihnen ein gewisser Geschmack des Todes beigemischt, der ihre Adepten in den Staub hinabdrückt, wenn nicht in den dicken Erdenstaub des groben Materialismus, so doch in den Sonnenstaub ihres Ichs; – und Staub bleibt Staub! –

Justine lebte fortan in Tannhof unter dem Schutz einer älteren Verwandten. Sie hatte viel Verstand und Einsicht, besonders für praktische Dinge. Sie führte klug und gewandt das Regiment ihres Hauses und die Administration ihres Gutes. Dies gab ihr ein Gefühl von Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, das ihr wohl that und ihr Selbstbewußtsein ungemein steigerte. Sie las viel, besonders ernste Schriften, die sie zum Nachdenken anregten und in denen sie Das fand, was ihrer schroffen, herben Natur zusagte. Die allversöhnende Liebe des Offenbarungsglaubens hatte nie ihr Herz erleuchtet und das Evangelium von den geheimnißvollen Wonnen des Kreuzes um des Gekreuzigten willen – hatte nie es durchwärmt. Es liegt aber in der Menschenseele das Verlangen, einen Meister zu haben; denn sie weiß, daß sie nicht Alles aus sich selbst lernen kann. Da Justine keine Jüngerin Jesu war, so wurde sie eine Schülerin Kants. Diese Philosophie sagte ihr zu, weil sie lehrt, daß das Bestimmende für den Menschen nichts Ueberweltliches ist, nichts, was mit Gott und göttlichen Ideen zusammenhängt, sondern das, was Kant den »kategorischen Imperativ« nennt, eine gewisse moralische Nöthigung. Justine wendete dies auf ihren Willen und ihre Einsicht an. Das waren ihre Gebietiger, ihre unbedingten Befehlshaber und dadurch machte sie sich zur Sklavin ihres Egoismus. Aber sie nannte das: selbstständig sein. Sie hatte ein hübsches musikalisches Talent und spielte ungewöhnlich gut die Harfe. Jedoch nur, wenn sie allein war; denn sie pflegte zu sagen: an der Harfe dürfe nur eine schöne Person sitzen; die häßliche werde es doppelt durch den Gegensatz zu dem romantisch-schönen Instrument. Das Bewußtsein ihrer Häßlichkeit, welche ihr Lebensglück zerstört und sie von der Liebe geschieden hatte, verließ sie nie und ätzte sich brennend in ihr Herz.

Die Eltern lebten in der Stadt; dahin ging Justine nie. Sie kamen zu ihr und versuchten auf keine Weise, ihren Lebensplan zu ändern. Nach drei Jahren starb Frau von Ruffach und Justine erbat von ihrem Vater die Erlaubniß, ihre zwölfjährige Schwester Lucia nach Tannhof nehmen und erziehen zu dürfen. Das Trauerjahr war kaum zu Ende, als die Schwestern auf's Neue Trauer anlegen mußten um den Vater, der plötzlich an einem Nervenschlag in Tannhof starb.

Jetzt begann Justinens glücklichste Lebensepoche. Sie wurde für Lucia Vater und Mutter, Schwester und Erzieherin, und fand in dem zärtlichen, anschmiegenden Gemüth der kleinen eine Fülle von Dankbarkeit, von Vertrauen, von Anhänglichkeit. Da sie Lucia keineswegs für ein anachoretisches Leben bestimmte, so entschloß sich Justine sogar, aus ihrer Abgeschiedenheit heraus zu treten, Menschen bei sich zu sehen und zu besuchen. Sie that es mit dem Tact und dem Anstand einer Matrone und mit so viel Ruhe und Würde, daß sie überall den besten Eindruck machte und daß man ihr allgemein hohe Achtung bezeugte. Nebenbei ordnete sie den verwirrten Nachlaß ihres Vaters und verzichtete auf ihr Erbtheil zu Gunsten Lucia's. Sie that das Alles freilich wohl aus Liebe zu der lieblichen Schwester, aber auch in der Hoffnung, daß sie mit all diesen Opfern den ersten Platz in Lucias Herzen erkaufen und bewahren werde. Wohl sagte sie sich, daß ein so anmuthiges Wesen, wie Lucia, einen lebhaften Eindruck auf Männerherzen machen müsse; allein sie schob diesen Moment in die weiteste Ferne hinaus. Lucia sollte nicht in der ersten Jugend den ersten besten Bewerber wählen. Oder vielmehr: Justine wollte dereinst für Lucia einen vernünftigen Mann wählen, der das innige Verhältniß der Schwestern nicht stören werde. Eine eigene Wahl von Seiten Lucia's kam nie in Justinens Sinn, so unselbständig, so willenlos, so folgsam war das Kind, das nur mit den Augen der Schwester sah und deren Ansichten und Urtheile als Evangelien betrachtete. Sechs Monate später war das Kind – Braut! Ohne Justine auch nur im Mindesten zu befragen, hatte Lucia bei einem ganz kurzen Aufenthalt in Dresden ihr Herz an Graf Alarich Gorm verloren und das seine gewonnen. Justine war zerschmettert. Aber die in jeder Beziehung wünschenswerte und glänzende Partie – und mehr noch die leidenschaftliche Zuneigung, die sich auf beiden Seiten aussprach – gestattete ihr keine Ausflucht, nicht einmal einen Aufschub. Bei siebzehn Jahren wurde Lucia – Gräfin Gorm und während Justinen zu Sinn war, als könne sie die Trennung von der Schwester nicht überleben, weinte diese ein Paar Thränen, halblächelnd, wie eben gerührte Kinder weinen – und zog beseligt mit Alarich in die fremde Welt.

Justine verfiel in eine namenlose Verzweiflung, welche die übertraf, in die sie vor zehn Jahren durch den Verlust von Schönheit, Liebe und Glück gerieth. Damals stand ihr zur Seite die volle Energie der Jugend und jene unbestimmte immense Macht der Hoffnung, welche nicht sowohl die Eigenschaft, als die Atmosphäre des jugendlichen Menschen ist: er athmet sie ein und weiß es nicht. Damals schuf sie sich ihre eigene Stellung im Leben und die Originalität, Freiheit und Selbstständigkeit, welche sie dadurch an den Tag legte, schmeichelte ihrem Stolz. Damals war sie jung genug, um in ihrer einsamen Trauer die größte Süßigkeit zu finden und um zu wähnen, dies süße Gefühl werde immer dem Herzen genügen und dessen Wünsche befriedigen.

Jetzt war das Alles anders – die süße Trauer spurlos verschwunden – die Lebensstellung eine alltägliche, reizlose Gewohnheit – die Frische der Hoffnung gedämpft durch die Erfahrung – und die Jugend, die schöne Jugend, unwiederbringlich dahin! Bei achtundzwanzig Jahren ist die Unvermählte nicht mehr jung. Dies ist die Epoche der sogenannten Vernunftheirathen und derjenigen Ehebündnisse, die das Gegentheil von aller Vernunft sind. Beides verabscheute Justine. Ein Gemisch von weiblicher Eitelkeit und weiblicher Würde ließ sie nie vergessen, daß ihre äußere Erscheinung einem Mann nur Widerwillen einflößen könne. Sie hätte sich selbst auf's Tiefste verachtet, wenn sie das je aus den Augen verloren hätte. Was also nun beginnen, ohne Jugend, ohne Hoffnung, um die endlose Leere der Stunden, der Tage, der Jahre des Lebens auszufüllen. Die ersten Jahre einer früheren traurigen Epoche hat Justine mit der ersten herben Trauer und mit der Organisation ihres ganzen Lebenskreises ausgefüllt. Später kam Lucia; und mit Vehemenz warf sich Justine auf deren Erziehung und fand einen Mittelpunkt für alle Empfindungen, alle Gedanken, alle Handlungen, alles Streben und alle Wünsche – in der Liebe zu ihr und im Hinblick auf sie. Die selbstlose Entsagung der Mutterliebe, die ja bei jeder Tochter, welche in die Ehe tritt, einen ähnlichen Schmerz erfährt, lag Justinen fern. Sie kannte überhaupt keine Entsagung; denn es liegen derselben himmlische Motive zum Grunde. Was sie kannte, war ein schroffes: ich will nicht! – Ich will nicht mich vermählen. Ich will nicht einen Gatten reich machen, ohne ihn glücklich zu machen. Ich will nicht in der Welt leben und in faden Zerstreuungen meine Bestimmung suchen. Ich will nicht mit einer Gesellschaft verkehren, in welcher ich der Häßlichsten immer noch als Folie dienen würde. Das kannte Justine. Jetzt aber war sie am Ende mit ihrem: ich will nicht! Am Anfang eines Lebensabschnitts sagt sich das Wort: ich will – oder ich nicht – sogar unter großen Kämpfen und Schmerzen nicht allzu schwer. Hat man aber zehn Jahre dessen Bürde getragen – und zwar ohne Gott getragen! – dann spürt man, daß das Beharren schwerer ist, als das Beginnen, und dann treten nicht selten furchtbare moralische Krisen ein.

Justinens vorherrschendes Gefühl war Haß gegen Graf Gorm, der ihr Lucia entführte, der sie in ihre liebeleere Einsamkeit zurückwies.

»Daß Lucia nur glücklich werde!« hatte sie ihm öfter fast drohend gesagt.

Natürlich lächelten Alarich und Lucia statt aller Antwort. Indessen konnte Justine mit diesem Gefühl nicht ihre Zeit ausfüllen, eben so wenig sich mit ihrem activen Charakter auf ein dumpfes Hinbrüten beschränken. Lectüre, Studien, Musik genügten ihr nicht, nahmen nicht alle ihre Gedanken wirklich in Anspruch; deßhalb unterzog sie sich der ganzen Administration von Tannhof und übernahm mit Eifer und Geschicklichkeit die Geschäfte eines tüchtigen Verwalters. Diese Arbeiten wurden durch die Unruhe und die Lasten der Napoleonischen Kriege sehr vermehrt; allein dies war Justinen gerade recht. Je mehr praktische Thätigkeit, desto weniger litt sie.

Die ersten Jahre von Lucias Ehe verflossen wie ein Frühlingstag, und wenn Justine ihre schöne junge Schwester strahlend von Glück in Tannhof erscheinen sah, so war sie geneigt, sich mit Graf Gorm zu versöhnen. Aber der hellste Morgen bürgt nicht dafür, daß kein Ungewitter heraufziehe. Hier war das um so mehr zu erwarten, als die große Leidenschaft, mit welcher diese Ehe geschlossen wurde, eine unvermeidliche Reaction nach sich ziehen mußte. Das Uebermaß einer Gefühlsspannung entspricht nicht der ernsten Bestimmung der Ehe. Um diese in das rechte Geleise zu bringen, muß jenes aufhören und in das richtige Maß zurücktreten, wo die Schwelgerei der Empfindungen einer gewissen Ernüchterung und einer klareren Auffassung der Pflichten weicht. Gewöhnlich ist das Interregnum zwischen Uebermaß und richtigem Maß, wie jedes Interregnum, eine Zeit großer Stürme.

Graf Gorm bemerkte eines Tages, als er wegen der trostlosen Lage Deutschlands sehr verstimmt war, daß Lucia gar wenig patriotischen Sinn, wenig Interesse für den Jammer der Zeit habe. Daran schlossen sich nach und nach andere Entdeckungen an und er konnte sich nicht verhehlen, daß Lucia dem Geist und dem Charakter nach ein unentwickeltes Kind sei. Das war auch ganz richtig. Aus der Kinderstube heraus hatte er sie geheirathet, hatte sie zu seiner Puppe und seinem Idol gemacht, hatte etwas Anderes von ihr verlangt, als daß sie ihn bezaubere – und wunderte sich nun ganz unaussprechlich über ihre geistige Schlaftrunkenheit, die doch eine natürliche Folge des seelenlosen Lebens war, das er ihr bereitet hatte. Zum Unglück fehlte ihr dasjenige, was jede Frau, möge sie noch so jung und unerfahren sein, schnell entwickelt und reift: – Kinder. Sie hatte ein unglückliches Wochenbett nach dem andern. In dem Augenblick, als sich die Fessel des ersten Liebeszaubers von Graf Gorms Herzen leise ablöste, war nicht die Vaterliebe da, um es durch eine stärkere und dauerhaftere Fessel zu binden. Damals lernte er eine Frau kennen, die ihm zuerst nur als Lucia's vollendeter Gegensatz auffiel. Es war eine Russin, durchaus nicht schön, älter als er, aber von funkelnder Weltbildung und vom feinsten Verstande, interessant in jeder Miene, in jedem Wort, von ihren tartarisch geschnittenen Augen an bis zu ihrem glühenden Patriotismus. Einem alten kränklichen Gemahl brachte sie das, nach ihrer Meinung, immense Opfer, außerhalb des »heiligen Moskau's« zu leben, weil er der deutschen Aerzte, der böhmischen Bäder und des milden Klimas bedürftig war. Das Interessante ihrer Erscheinung frappirte Graf Gorm, dann zog es ihn an dann fesselte es ihn. Lucia weinte wie ein armes, hülf- und rathloses Kind, das sie war. Sie war zu schüchtern, um zu klagen und liebte ihren Mann zu sehr, um ihm zu zürnen. Desto mehr grämte sie sich in der Stille. Aber wenn sie auch vorsichtig in der Welt schwieg – bei ihrer Schwester ließ sie ihrem Jammer freien Lauf; und hätte sie es auch nicht gethan, so würde Justine doch Alles in ihrer offenen Seele gelesen haben.

Justine verfiel in einen namenlosen Zorn gegen ihren Schwager. Sie empfand sein Benehmen wie eine tödtliche Beleidigung; Lucia – wie einen tödtlichen Schmerz. Sie begehrte, daß sich Lucia von Graf Gorm scheiden lasse, oder wenigstens trenne und sich in Tannhof niederlasse. Lucia schrie laut auf vor Entsetzen und versicherte, sie wolle lieber sterben, als sich freiwillig auch nur drei Tage von Alarich trennen. Das konnte Justine Anfangs gar nicht begreifen. Sie hatte fast Lust, Lucia deßhalb zu verachten. Aber sie erkannte bald, daß Lucia in diesem Punkt unverbesserlich sei.

»Wenn Alarich mich nur einmal freundlich anschaut, ist Alles vergessen und vergeben,« sagte Lucia.

»Das ist aber erbärmlich!« rief Justine empört.

»Daraus mache ich mir gar nichts!« erwiderte Lucia gleichgültig.

Justine liebte Lucia so sehr und so ausschließlich, daß sie, je länger das traurige Verhältniß dauerte, um so mehr Mitleid mit der Schwester und keinen andern Gedanken hatte, als den: wie Alarich zur Besinnung zu bringen sei. Es waren bis jetzt immer nur einzelne lichte Augenblicke in ihm aufgetaucht. Wenn Lucia hoffte, das Blendwerk zerstört zu haben, wurde ihr fort und fort die schmerzliche Demüthigung zu Theil, die Circe – wie sie ihre Nebenbuhlerin zu nennen pflegte – triumphiren zu sehen. So verflossen drei herbe Jahre, als der schneidendste und bitterste Gegensatz zu den drei ersten seligen Jahren ihrer Ehe.

Der Ausbruch des Napoleonischen Krieges mit Rußland im Jahre 1812, dem sich in Deutschland die Befreiungskriege anschlossen, wurde ein mahnender Weckruf nicht nur für das erstickte politische und öffentliche Leben, sondern auch für manchen Einzelnen, der zum Bewußtsein kam, daß es jetzt höhere Dinge gelte, als eine Frau zu bewundern. Auch Graf Gorm gehörte zu diesen. Vielleicht war es die Circe selbst, die ihm den ersten Anstoß dazu gab; denn so wie die Kriegesaussichten aufdämmerten, war ihres Bleibens in Deutschland nicht länger; sie wollte Rußlands Geschicke mitleben und zog den greisen Gemahl mit sich fort. Aber auch Graf Gorm folgte ihr, um in russischen Kriegsdiensten gegen Napoleon zu kämpfen – und je mehr er an der furchtbaren Wirklichkeit dieses Kampfes Theil nahm, desto mehr verschwanden die selbstsüchtigen Täuschungen der Leidenschaft.

Als er nach Rußland gehen wollte, verfiel Lucia in tiefe Schwermuth. Sie sah wieder einem Wochenbett entgegen; allein ihre früheren waren so trauriger Art, daß sie sich keiner frohen Hoffnung hinzugeben vermochte. Dazu der Gram um die Trennung von Alarich, der Jammer, ihn im Gefolge der Circe zu sehen, die Angst vor den Gefahren, die ihn bedrohten, die ihm das Leben kosten konnten: das Alles versetzte sie in einen beängstigenden krankhaften Zustand, in welchem fieberhafte Aufregung und dumpfer Trübsinn abwechselten.

Sie muß gerettet werden! . . . ich rette sie! . . . sprach Justine mit äußerster Entschiedenheit zu sich selbst. Sie redete mit den Aerzten, die einem Winteraufenthalt in Nizza ihren vollen Beifall gaben; sie redete mit Graf Gorm, der gegen diesen Vorschlag nichts einzuwenden hatte. Und so brachte sie den Winter von 1812–13 mit Lucia an der lieblichen Küste von Ligurien zu. In Genua wurde Peregrin geboren. Justine war selig. An der Wiege des Kindes trat die innigste Versöhnung der Eltern ein. Das hatte sie erwartet, sie bewirkt! sie war noch seliger. Die Gorm'sche Ehe blieb fortan ein Musterbild des schönsten Glücks. Besonders war es der Graf, den alle Frauen als das Ideal eines Gatten bewunderten und priesen; denn die schöne Lucia hatte kleine Launen, die er gänzlich übersah – wozu allerdings eine seltene Geduld gehört. So z. B. war sie ganz trostlos, als sie nach einigen Jahren einen zweiten Sohn hatte. Mit so krankhafter Leidenschaftlichkeit wünschte sie eine Tochter, daß sie nach der Geburt des Knaben eine Zeit lang tiefmelancholisch war und ihre beiden Söhne nicht sehen wollte. Auch Justine wollte sie durchaus nicht sehen. Die Welt fand das höchst absurd. Die Freundinnen sagten: Welche Undankbarkeit gegen Gott! welche Lieblosigkeit gegen die allerliebsten Bübchen! wie wenig Rücksicht für den Gemahl! . . . und welch ein unverantwortliches Benehmen gegen die vortreffliche Baronesse, die sich von jeher für Lucia aufgeopfert hat! – Graf Gorm nahm aber lebhaft Lucia in Schutz, deren Verstimmung nur aus vorübergehender Nervenschwäche hervorgehe – wie er sagte. Und da ihr Zustand in moralischer Weise sich gänzlich veränderte und in die zärtlichste Liebe für ihren jüngsten Sohn überging – in physischer Beziehung aber ihr jenes Nervenzucken ließ, das sich in Augenblicken von Spannung, Unruhe und Erregung bei ihr einstellte: so sah man bald, wie recht Graf Gorm gehabt habe.

Das Verhältniß der beiden Schwestern war allerdings seitdem minder innig. Doch das kam nur in der Intimität, in Lucia's seltneren und kürzeren Besuchen in Tannhof zum Vorschein. Die Welt bemerkte nichts davon und hätte sie etwas bemerkt, so würde sie es in der Ordnung gefunden haben, daß Lucia ausschließlicher als früher für Mann und Kinder lebe. Justine zuckte die Achseln und lächelte kalt, wenn sie der Veränderung gedachte, die hinsichtlich ihrer mit Lucia vorgegangen war. Gegen Charakterschwäche gibt es kein Mittel, sprach sie gelassen zu sich selbst; – geistiges Chinin ertragen nur starke Naturen. Der kategorische Imperativ ist ein solches Chinin. Doch . . . was für den Einen Nahrung – ist für den Andern Gift.

Sie setzte ihr früheres Leben fort. Sie blieb gleichmäßig liebevoll für Lucia, und da sie sah, mit welcher Zärtlichkeit Graf Gorm ihre Schwester auf den Händen trug: so bekam sie für ihn Gesinnungen des Wohlwollens. Gegen die beiden Knaben war sie freundlich – doch eigentlich nur wegen deren Beziehung zu Lucia. Lucia war das einzige Wesen, das während einer Reihe von Jahren ausschließlich und unbedingt Justine geliebt hatte. Diesen Eindruck bewahrte sie: er war der einzige warme Punkt in ihrem Herzen. Ihre praktische Thätigkeit steigerte sich. Die französische Occupation und dann die schweren Kriege hatten Jahre lang den Grundbesitz belastet, die Vermögen vermindert, den Geldverkehr gehemmt. Auch Justine empfand das. Sie mußte sich einschränken. Es wurde ihr nicht leicht; denn sie hielt eine gewisse stattliche Existenz für standesmäßig; aber die Notwendigkeit war auch in dieser Hinsicht der kategorische Imperativ, dem sie sich mit Ruhe fügte. In dieser Epoche stricter Oekonomie gewöhnte sie sich daran, überall das knappe Maß hinter der äußersten Pünktlichkeit und Ordnung so verschwinden zu lassen, daß es wie die Frucht dieser ungewöhnlichen Ordnung erschien. Ihre Nachbarn und Bekannte nannten sie im Scherz den Finanzminister. Das machte ihr Vergnügen und gab ihr einen Anstoß zur Steigerung ihrer finanziellen Talente – und da eine Thätigkeit, die man gern und vorzugsweise übt, eine gewisse Macht über die ganze Richtung und alle Fähigkeiten des Menschen erhält und dieselben für ihren Zweck mehr und mehr in Bewegung setzt: so gerieth Justine ganz unmerklich auf das Gebiet der Habsucht. Sie freute sich des Besitzes von Geld und Gut, sie freute sich an Vermehrung und Erwerbung desselben, anfangs – als eines Zeugnisses zu Gunsten ihrer administrativen Gaben; dann – weil sie eine gewisse Zufriedenheit empfand, in dieser Sache Fortschritte zu machen; endlich – weil die Sache selbst ihr immer wichtiger und interessanter wurde und ihre leere Existenz ausfüllte, indem sich ihre Gedanken unablässig damit beschäftigten, Vortheile zu erzielen und die praktischsten Wege dafür zu ersinnen. Sie war nicht eigentlich geizig, wenigstens noch nicht – insofern der Geizige darbt, um Geld zu sammeln, und Hab und Gut verkommen läßt, um Geldausgabe zu sparen. Im Gegentheil! sie scheute keine Ausgabe, sobald nur ein Vortheil damit verbunden war, und ihr Selbstgefühl faßte den äußern Anstand viel zu hoch auf, um das, was mit ihr in Zusammenhang war, in Verwahrlosung gerathen zu lassen. Aber dennoch war der Besitz – der Besitz an sich! – ihr Genuß. Es war etwas Bleibendes, etwas Dauerndes, etwas, das sich durch die Zeit mehrte, steigerte, vergrößerte. Er war etwas Wirkliches: wer besitzt – hat etwas. Vergänglich sind alle Empfindungen, wechselnd alle Verhältnisse, unsicher alle Bande zwischen den Menschen. Liebe, Vertrauen, Dankbarkeit – Alles hört auf. Der Besitz nicht. Und während sich die ganze Welt der Gefühle sehr häufig gerade dann, wenn man sie am zärtlichsten pflegt, verflüchtigt: ist der Besitz, oder wenigstens die Pflege desselben, etwas höchst Dankbares, denn unter sorgsamer Hand nimmt er zu.

Aus diesen Standpunkt war Justine von Ruffach mit all ihrer Philosophie herabgesunken. So muß man sagen, obschon sie ein höchst respektables Leben führte und, allgemein hoch geachtet, für das Muster einer Unvermählten galt. Wollte in ihr selbst der Gedanke zuweilen auftauchen, daß sie sich in die Sklaverei des Mammons begebe: so machte sie geschwinde aus ihrer Neigung eine Tugend, wie die menschliche Verblendung durch Selbstgefälligkeit das so leicht und gern thut, und sie sprach beinahe stolz:

Ich kenne kein Leben, das weniger egoistisch als das meine wäre. Ich thue die Arbeit – Lucia wird den Genuß haben.

So vergingen die Jahre, die Zeitepochen. Die Gormschen Söhne wuchsen heran, Peregrin war ein kräftiger Jüngling; Lucia hatte längst die Jugendblüthe verloren und war in jenes Stadium der Frauenschönheit übergegangen, das kurz und anmuthig wie ein Spätsommertag ist. Justine war ganz unverändert, wie in Eis conservirt. Ihre große, schlanke Gestalt war nur etwas hager geworden, und an den Händen und im Gesicht trat der Knochenbau etwas scharf hervor.

Sie bewohnte im Tannhof ein sehr großes Zimmer, das, am Ende einer Zimmerreihe liegend, die Ecke des Hauses bildete und mit zwei Fenstern in den Hof, mit zwei andern in den Garten sah, so daß man die Thätigkeit, die da und dort herrschte, vor Augen hatte. Die Wände des Zimmers mit ihren altmodischen Tapeten verschwanden hinter großen Bücherschränken, durch deren Glasthüren man die Werke der deutschen und französischen geschichtlichen, philosophischen und belletristischen Literatur aus der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts und aus dem ersten Jahrzehnt des jetzigen in schönen Einbänden erblickte. Mitten im Zimmer stand ein enormer Schreibtisch, mit Auszügen und Fächern ringsum und beladen mit Schreibereien und Schreibmaterial. Ein anderer Tisch voll Journalen, Zeitungen und Brochüren stand vor einem kleinen Sopha neben dem großen Caminofen. In einer Ecke des Zimmers stand Justinens Harfe – aber in einem Ueberzug von grauer Leinwand. Auch der Stickrahmen in dem einen Fenster war meistens dicht verhängt und die Tapisserie-Arbeit in demselben mußte manches Jahr auf Beendigung warten; zu einer Erholung bei Musik und Stickerei ließen ihre Geschäfte sie höchst selten kommen. Hingegen befand sich zur Seite des Sophas ein Spinnrad mit einem großen Rocken des schönsten graublonden Flachses, den sie aus den Niederungen an der Weichsel kommen ließ. Charakteristisch war es, daß in dem Zimmer – Spiegel fehlten. Da wo sie sich gewöhnlich befinden, zwischen den Fenstern, stand auf der einen Seite ein Actenschrank und auf der andern ein alterthümlicher Schrank mit schweren Messingbeschlägen, dessen Schloß ein Geheimniß war, wozu nur Justine den Schlüssel besaß. Er barg Werthpapiere und einige kostbare Schmucksachen, die Justine von ihrer Mutter geerbt und nie getragen hatte. Vielleicht konnte man diese beiden Möbel so etwas als Spiegel betrachten – ihres Innern. Schwarzer Wollenmoor bedeckte Sopha und Stühle, die steif, hochbeinig und geradlinig, der vollendete Gegensatz der gegenwärtigen Mode waren; ein starker Fußteppich das Parquet. Der Eindruck, den das Zimmer machte, war ernst, ja streng; allein die vier Fenster mit schneeweißen, in vielen kleinen faltenreichen Drapperien aufgesteckten Musselin-Vorhänge machten, daß es nicht finster aussah. Und wenn man über das knarrende Parquet der drei davor liegenden Zimmer und durch deren leere Räume, welche durch spärliche Sophas und Stühle noch öder erschienen, gewandelt war, so sah es fast freundlich aus und man fühlte sich ganz behaglich darin, weil es Kunde von einem thätigen, arbeitsamen Leben gab.

An jenem Ballabend im Gormschen Hause herrschte tiefe Stille im Herrschaftshaus zu Tannhof. Der Kälte wegen, sowie auch, um jeden Versuch eines diebischen Einbruchs abzuhalten, wurden Abends alle Fenster des Erdgeschosses durch starke Fensterläden mit eisernen Querstangen geschlossen. Da nun die bewohnten Zimmer sämmtlich im Erdgeschoß lagen, so sah das Haus von Außen wie ein todter Steinklumpen aus. Nirgends gewahrte man ein erleuchtetes Fenster, das in den kalten, dunkeln Winterabend hinein ein trauliches Märchen vom Licht und von behaglicher Wärme erzählt hätte. Nirgends vernahm man den tröstlichen Laut menschlicher Stimmen: so gründlich hatte man sich abgesperrt.

In Fräulein Justinens Zimmer befanden sich ein Herr und eine Dame. Die Dame war sie selbst. Sie saß auf einem hochbeinigen Lehnstuhl, den man jetzt fürchterlich unbequem finden würde, und spann. Sie trug ein Kleid von carmeliterbraunem Merino und eine Spitzenhaube mit violettem Bande. Dazu die gelbbraune Farbe ihres hagern Angesichts – und sie erinnerte an eine ägyptische Mumie. Neben ihr stand ein Tisch mit Schreibgeräth, Papier und einer großen Astral-Lampe, die das Zimmer ziemlich gut beleuchtete. Am Tisch saß der Herr, ein schwarzgekleideter, sechszigjähriger Mann mit einer kalten und gleichgültigen Physiognomie, die sich jedoch im Sprechen belebte; – es war ihr Rechtsanwalt, ihr Rathgeber für tausend große und kleine Verwicklungen, ihr Advocat in Prozessen. Er lebte in der benachbarten Stadt, hieß Doctor Münzner, und eine mehr als dreißigjährige Erfahrung seiner Einsicht und Rechtlichkeit hatte ihm Justinens ganzes Vertrauen erworben.

»Bleibt es dabei, gnädige Baronesse?« sagte der Doctor und drehte die Feder, mit welcher er eben geschrieben hatte, zwischen den Fingern, als zögere er, sie wegzulegen.

»Gewiß, Herr Doctor,« entgegnete Justine und spann gelassen fort.

»Ich begreife vollkommen, daß man ein Vermögen nicht zu gleichen Theilen gehen lasse, sondern dort nachhelfe und zulege, wo eine Bevorzugung ausgeglichen werden soll. Aber, dem einen berechtigten Erben Alles entziehen und dem Andern Alles geben – gnädige Baronesse, das sieht Ihrer Gerechtigkeit nicht ähnlich.«

»Doch, Herr Doctor! ich gleiche aus.«

»Das ich nicht wüßte! Der Herr Graf bevorzugt Graf Peregrin in keiner Weise« . . . .

»Erlauben Sie! er hat Schloß Traun, den alten Familiensitz, der seit der Uebersiedelung der Gorms nach Deutschland in ihren Händen ist und an den sich Erinnerungen ihrer Heldenthaten unter Gustav Adolf knüpfen – den hat er für Peregrin bestimmt.«

»Allerdings! aber ohne dadurch Graf Alarichs Erbe zu schmälern.«

»Mein Schwager hätte, wie das allgemein bei Besitzungen üblich ist, die nicht Majorat sind, dem Loose die Entscheidung lassen sollen. Daß er es nicht gethan, sondern jene Bestimmung getroffen hat, ist eine Bevorzugung Peregrins. Dafür will ich Alarich entschädigen.«

»Aber ich bitte zu bedenken, gnädige Baronesse, daß die Frau Gräfin Gorm auch bereits zu Gunsten des Grafen Alarich bestimmt und Graf Peregrin auf das Pflichtteil gesetzt hat. Es ist wider alles Herkommen, den Erstgebornen ohne irgend einen Grund so zurückzustellen; denn durch diese beiden Testamente wird der Nachgeborne bei Weitem wohlhabender – um so mehr, als Schloß Traun mit seinen großartigen und weitläufigen Baulichkeiten sehr kostspielig zu unterhalten ist.«

»Sie hatten von jeher eine Vorliebe für Peregrin.«

»Hätte ich sie auch nicht, gnädige Baronesse, so würde ich mir dennoch und unter allen Umständen erlauben, in demselben Sinne zu sprechen.«

»Nun es freut mich sehr, Herr Doctor, daß Sie meine Meinung vollkommen erfaßt und meinen Willen begriffen haben,« sagte Justine so gleichmüthig, als hätte sie die Einwendungen des Doctor Münzner gar nicht gehört. »Sie werden also die Güte haben, nach meinem Entwurf das Testament zu redigiren.«

Doctor Münzner verbeugte sich schweigend, nahm vom Tisch einen Bogen Papier, der mit Justinens gerader, eckiger Handschrift beschrieben war, und wollte ihn in seine Brieftasche legen. Da hielt Justine ihr Rad an und sagte:

»Ich muß noch etwas überlegen . . . und bitte um den Entwurf.«

Sie versenkte sich in dessen Lectüre und Doctor Münzner wagte zu hoffen, daß Justinens Nachdenken eine Frucht seiner Einwendungen sei, bis sie ihn aus dieser Täuschung weckte und sagte:

»Alles wohl erwogen . . . . muß ich doch eine Veränderung vornehmen – und zwar diese: ich streiche das kleine Capital, welches ich für meinen guten Verwalter bestimmt hatte, und gebe auch ihm eine Pension, wie den übrigen alten Dienern.«

»Gnädige Baronesse, ich erlaube mir zu bemerken, daß die Pension eine große Wohlthat für die Haushälterin, die Kammerfrau u. s. w., jedoch eine mindere für den Verwalter sein dürfte, während ihm ein kleines Capital die willkommene Möglichkeit bieten würde, eine Pachtung zu übernehmen, vielleicht ein Gütchen zu kaufen. Die übrigen Leute werden durch eine Pension in eine bequeme, unabhängige Lage versetzt; er – durch das Capital.«

Justine nahm einen Rothstift vom Tisch und durchstrich mit kräftigem Zug eine Zeile, indem sie sagte:

»So! abgemacht! . . . . Wird pensionirt. Ich kann unmöglich den armen Alarich plündern. Pensionen zahlt ein Erbe unschwer – . . . . die Pensionirten sind sterbliche Menschen . . . wie wir Alle. Aber Capital auszahlen, ist allzu hart! Es können ja Zeiten kommen, in denen das Capital viel einträglicher wird, als es jetzt ist . . . dann wäre Alarich gleichsam doppelt beraubt.«

Während sie sprach, hatte sie die Veränderung zu Papier gebracht; dann gab sie das Blatt dem Doctor, der es in die Brieftasche legte.

Eine schöne altertümliche Uhr, die den Aufsatz des altertümlichen Geldschranks bildete, schlug mit kräftigem Schlage – Acht. Da öffnete sich die Flügelthür und ein Diener in grauer Livree rollte einen runden Tisch in's Zimmer hinein, der für zwei Personen gedeckt war und auf dem sich einige Speisen befanden. Justine stand auf, legte die schwarze Tafftschürze ab, die sie bei ihrem Spinnrad trug, und lud den Doctor Münzner ein, das Nachtessen mit ihr zu theilen. Der Diener stellte die Lampe auf den Speisetisch und verließ das Zimmer. Dies war die Art, in welcher Justine ihre Mahlzeiten nahm. Sie hatte keinen Sinn für die Tafelfreuden, verwendete daher möglichst wenig Zeit auf dieselben – und fand es eine thörichte Verschwendung, im Winter ein Speisezimmer erwärmen zu lassen. Während des Nachtessens sprach sie lebhaft über ihren Plan, Tannhof durch Ankauf eines Nachbargutes zu vervollständigen und abzurunden.

»Das ist so recht ein Waldgut,« sagte sie, »und den Wald kann ich hier gar wohl brauchen. Gut behandelt und geschont, wird er mit der Zeit ungemein einträglich. Da ich jetzt fünfundfünfzig Jahre alt und bei guter Gesundheit bin, so glaube ich vernünftiger Weise noch auf fünfzehn bis zwanzig Lebensjahre zählen zu können. Käme es zu jenem Ankauf, so würde ich während dieser ganzen Zeit den Wald auf's Aeußerste schonen, so daß Alarich in demselben eine vortreffliche Jagd und durch denselben eine vortreffliche Einnahme hätte. Aber der Kaufpreis ist etwas hoch und ich glaube nicht, daß das Gut – da ich den Wald unberührt lassen will – diejenigen Zinsen einträgt, die ich haben muß, wenn ich mir nicht durch eine schlechte Speculation die Finger verbrennen will . . . ., wovor mich Gott bewahre!«

Durch diesen letzten Ausruf gab Justine kund, daß sie auch eine gewisse Idee von Gott habe, der übrigens keinen großen Platz in ihrer Existenz einnahm. Doctor Münzner erwiederte:

»In Ihrer Stelle, gnädige Baronesse, das heißt mit Ihren Capitalien, würde ich mich nicht begnügen, das Waldgut, wie Sie es sehr richtig nennen, zu kaufen, sondern lieber eine größere Herrschaft acquiriren, wo Sie Feld, Wald, Wiese, den verschiedensten Boden – und folglich, bei guter Verwaltung, die Garantie der größtmöglichen Einkünfte haben.«

»Sie sagen ganz richtig »bei guter Verwaltung,« rief Justine lebhaft; – »aber das ist ja eben der Stein des Anstoßes für meine Wünsche! Der Grundbesitz rentirt sich nur dann dauernd, wenn sich der Besitzer demselben gewissermaßen widmet und darin seinen Beruf, seine Lebensaufgabe, sein Stück Arbeit erkennt und ausübt. Bei Verpachtungen wird der Boden nie verbessert; sie bringen mit der Zeit – Nachtheil. Bei den großartigen Verwaltungen, wo der Besitzer Alles den Angestellten überläßt, kommen ganz natürlich und selbst in dem besten Fall, daß die Beamten treu wie Gold wären, großartige Verschleuderungen vor. Wenn der Besitzer selbst nicht Anordnungen macht, deren Ausführung bewacht – wenn er nicht die ganze Verwaltung mit Zweigen und Nebenzweigen in die Hand nimmt und Blick, Verständniß und Interesse für alle Einzelnheiten hat, so spinnt er keine Seide dabei. Ist er reich, so bleibt er vielleicht reich. Hat er aber nur ein mäßiges Vermögen, so wird er nie wohlhabend – und nie wird der Wohlhabende reich werden, wenn er nicht, persönlich thätig, um Hab und Gut sich kümmert.«

»Weil man Veranlassung hat, diese Einsicht und Tätigkeit an Ihnen zu bewundern, so erlaube ich mir eben meinen Vorschlag, gnädige Baronesse.«

»Ja, Herr Doctor, wäre ich nur zehn Jahre jünger, so ginge ich gewiß darauf ein. Aber jetzt traue ich mir nicht mehr die Kraft zu, die Administration einer neuen, großen Besitzung neben Tannhof zu übernehmen – und nach meinem Tode Geschäftsverwickelungen zu hinterlassen – dagegen sträubt sich mein Geist der Ordnung und Pünktlichkeit. Nach dem Tode meines seligen Vaters habe ich diese Last getragen, daher will ich nicht dem armen Alarich eine ähnliche aufwälzen. Indessen soll das nicht heißen, daß ich einem großen Ankauf durchaus abgeneigt wäre, sondern nur, daß er – je größer, auch desto vortheilhafter sein müsse, ohne mich mit Geschäften zu erdrücken. Das Waldgut würde ich mit Leichtigkeit übernehmen. Es hat auch die große Annehmlichkeit für mich, kein herrschaftliches Haus zu besitzen. Erinnern Sie sich noch, wie es abbrannte bei der Schlacht von Bautzen? Das Baumaterial wurde später verwendet, um die Wirthschaftsgebäude sehr solide aufzuführen – was ein großer Vortheil, die Erhaltung eines unbewohnten Hauses hingegen ein wahrer Ruin für die Finanzen ist.«

So unterhielt sich Fräulein Justine den ganzem Abend über Geldangelegenheiten mit Doctor Münzner. Es versteht sich, daß sie dabei nicht müßig war. Nach dem Abendessen ruhte nur das Spinnrad, nicht ihre Hand. Sie zerzupfte kleine Läppchen von Seidenstoff in tausend Fädchen, um diese seidene Charpie als eine höchst angenehme, leichte und warme Wattirung von Bettdecken zu verwenden. Auf Lucia's abgelegte Seidenkleider hatte sie ein für alle Mal zu diesem Zweck Beschlag gelegt. Sie selbst trug höchstens drei oder vier Mal im Jahre ein seidenes Kleid.

Mit dem Glockenschlag Zehn entlockte der Nachtwächter seinem Horn einen furchtbaren Ton gerade vor Justinens Fenster, um ihr kund zu thun, daß er seinen nächtlichen Rundgang durch Hof und Dorf pünktlich beginne. Doctor Münzner erhob sich. Justine packte ihre Charpie für verwundete Bettdecken vorsichtig bis auf jedes Fädchen in einen dazu bestimmten Sack. Dann schellte sie. Der Diener erschien.

»Dem Herrn Doctor leuchten!« sagte sie zum Diener, und zum Doctor Münzner:

»Sie haben die Güte, nicht wahr? das Testament hier aufzusetzen, damit ich es morgen in Ihrer Gegenwart unterschreiben und behalten könne. Ich hoffe, Ihr Zimmer wird gehörig durchwärmt sein, Herr Doctor. Schlafen Sie recht wohl!«

Er empfahl sich. Der Diener mit einer dicken Wachskerze in der Hand leuchtete sorgsam dem Doctor vor, damit derselbe auf dem grauen Leinwandstreif bleibe, der durch alle drei Zimmer von Thür zu Thür den Parquetboden zur Schonung bedeckte und führte ihn die Treppe hinauf in ein warmes und bequemes Gastzimmer, das zu denen gehörte, die Lucia bewohnte, wenn sie nach Tannhof kam. Gern hätte Doctor Münzner seine Arbeit verzögert in der Hoffnung, daß der Wind einmal günstiger für Peregrin wehen werde; allein die Baronesse hatte sich mit einer solchen Entschiedenheit ausgesprochen, daß er die Unmöglichkeit einsah, sich ihrem Willen nicht zu fügen, und so setzte er denn ein Testament auf, das den jungen Alarich Gorm zum Universalerben seiner Tante machte.

Als Justine allein war, ließ sie sich wieder auf dem kleinen Sopha am Ofen nieder, nahm vom Tisch eine landwirtschaftliche Zeitschrift und las mit großer Aufmerksamkeit einen Aufsatz über die Drainirung – wie man das englische Wort Drainage, Trockenlegung, germanisirt hat –; ein Verfahren, welches damals noch neu war. Darauf ordnete sie verschiedene Papiere auf dem großen Schreibtisch und schrieb in ein dazu bestimmtes Buch ein Paar Notizen über Gegenstände, die sie am folgenden Tage theils abmachen, theils besprechen wollte. Dann ging sie in ihr Schlafzimmer, schellte ihrer Kammerfrau, die neben demselben wohnte, vertauschte ihr Kleid mit einem warmen Schlafrock, entließ die Zofe, welche ihr eine kleine angezündete Handlaterne reichte, und durchwanderte nun ihr Haus, um zu sehen, ob Hausthür und Fensterladen geschlossen, das Feuer in der Küche ausgelöscht, nirgends Kohlendunst, nirgends ein brennendes Licht, das weibliche Dienstpersonal im friedlichen Schlaf, kurz Alles in gehörig Ordnung sei. Nachdem sie sich davon überzeugt hatte, kehrte sie in ihr Gemach zurück – und als bald darauf der Nachtwächter sein grausiges Horn erschallen ließ und die Stunde der Mitternacht ausrief – schlief Fräulein Justine den Schlaf der Gerechten.

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