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Paul Gerhardts sämtliche Lieder

Paul Gerhardt: Paul Gerhardts sämtliche Lieder - Kapitel 9
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Gerhardt
titlePaul Gerhardts sämtliche Lieder
publisherVerlag und Druck von Johannes Herrmann
year1906
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131117
projectid972b9fe1
wgs
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7. An der Krippe.

Mel.: Wir Christenleut hab'n jetzund Freud.

1. O JEsu Christ,
Dein Kripplein ist
Mein Paradies, da meine Seele werdet.
Hier ist der Ort,
Hier liegt das Wort
Mit unserm Fleisch persönlich angekleidet.

2. Dem Meer und Wind
Gehorsam sind,
Gibt sich zum Dienst und wird ein Knecht der Sünder.
Du, Gottes Sohn,
Wirst Erd und Ton,
Gering und schwach, wie wir und unsre Kinder.

3. Du höchstes Gut
Hebst unser Blut
In deinen Thron, hoch über alle Höhen.
Du ewge Kraft
Machst Brüderschaft
Mit uns, die wie ein Dampf und Rauch vergehen.

4. Was will uns nun
Zuwider tun
Der Seelenfeind mit allem Gift und Gallen?
Was wirft er mir
Und andern für,
Daß Adam ist und wir mit ihm gefallen?

5. Schweig, arger Feind:
Da sitzt mein Freund,
Mein Fleisch und Blut, hoch in dem Himmel droben?
Was du gefällt,
Das hat der Held
Aus Jakobs Stamm zu großer Ehr erhoben.

6. Sein Licht und Heil
Macht alles heil,
Der Himmel Schatz bringt allen Schaden wieder.
Der Freudenquell
Immanuel
Schlägt Teufel, Höll und all ihr Reich darnieder.

7. Drum, frommer Christ,
Wer du auch bist,
Sei gutes Muts und laß dich nicht betrüben.
Weil Gottes Kind
Dich ihm verbindt,
So kann's nicht anders sein, Gott muß dich lieben.

8. Gedenke doch,
Wie herrlich hoch
Er über allen Jammer dich geführet!
Der Engel Heer
Ist selbst nicht mehr
Als eben du, mit Seligkeit gezieret!

9. Du stehest ja
Vor Augen da
Dein Fleisch und Blut die Luft und Wolken lenken:
Was will doch sich
(Ich frage dich)
Erheben, dich in Angst und Furcht zu senken?

10. Dein blöder Sinn
Geht oft dahin,
Ruft Ach und Weh! läßt allen Trost verschwinden:
Komm her und richt
Dein Angesicht
Zum Kripplein Christi, da, da, wirst du's finden.

11. Wirst du geplagt?
Sei unverzagt!
Dein Bruder wird dein Unglück nicht verschmähen.
Sein Herz ist weich
Und gnadenreich,
Kann unser Leid nicht ohne Tränen sehen.

12. Tritt zu ihm zu,
Such Hilf und Ruh,
Er wird's so machen, daß du ihm wirst danken,
Er weiß und kennt,
Was beißt und brennt,
Versteht wohl, wie zumute sei dem Kranken.

13. Denn eben drum
Hat Er den Grimm
Des Kreuzes auch am Leibe wollen tragen.
Daß seine Pein
Ihm möchte sein
Ein unverrückt Erinnrung unsrer Plagen.

14. Mit einem Wort:
Er ist die Pfort
Zu dieses und des andern Lebens Freuden.
Er macht behend
Ein selig End
An alle dem, was fromme Herzen leiden.

15. Laß aller Welt
Ihr Gut und Geld,
Und siehe nur, daß dieser Schatz dir bleibe.
Wer den hier fest
Hält und nicht lägt,
Den ehrt und krönt Er dort an Seel und Leibe.

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