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Paul Gerhardts sämtliche Lieder

Paul Gerhardt: Paul Gerhardts sämtliche Lieder - Kapitel 80
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Gerhardt
titlePaul Gerhardts sämtliche Lieder
publisherVerlag und Druck von Johannes Herrmann
year1906
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131117
projectid972b9fe1
wgs
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78. Danklied für gute Leibesgesundheit.

Mel.: Christus, der uns selig macht.

1. Wer wohl auf ist und gesund,
Hebe sein Gemüte,
Und erhöhe seinen Mund
Zu des Höchsten Güte:
Laßt uns danken Tag und Nacht
Mit gesunden Liedern
Unserm Gott, der uns bedacht
Mit gesunden Gliedern!

2. Ein gesundes, frisches Blut
Hat ein fröhlichs Leben,
Gibt uns Gott dies ein'ge Gut,
Ist uns gnug gegeben
Hier in dieser armen Welt,
Da die schönsten Gaben
Und des güldnen Himmels Zelt
Wir noch künftig haben.

3. Wär ich gleich wie Krösus reich,
Hätte Barschaft liegen,
Wär ich Alexandern gleich
An Triumph und Siegen,
Müßte gleichwohl siech und schwach
Pfühl und Betten drücken:
Würd auch mich in Ungemach
All mein Gut erquicken?

4. Stünde gleich mein ganzer Tisch
Voller Lust und Freude,
Hätt ich Wildpret, Wein und Fisch
Und die ganze Weide,
Die den Hals und Schmack ergötzt:
Wozu würd es nützen,
Wenn ich dennoch ausgesetzt
Müßt in Schmerzen sitzen?

5. Hätt ich aller Ehren Pracht,
Säß im höchsten Stande,
Wär ich mächtig aller Macht
Und ein Herr im Lande,
Mein Leib aber hätte doch
Auf und angenommen
Der betrübten Krankheit Joch:
Was hätt ich für Frommen?

6. Ich erwähl ein Stücklein Brot,
Das mir wohl gedeihet,
Vor des roten Goldes Kot,
Da man Ach! bei schreiet.
Schmeckt mir Speis' und Mahlzeit wohl,
Und darf mein nicht schonen,
Halt ich ein Gerichtlein Kohl
Höher als Melonen.

7. Samt und Purpur hilft mir nicht
Mein Elende tragen,
Wenn mich Hauptweh, Stein und Gicht
Und die Schwindsucht plagen:
Lieber will ich fröhlich gehn
Im geringen Kleide,
Als mit Leid und Aengsten stehn
In der schönsten Seide.

8. Sollt ich stumm und sprachlos sein
Oder lahm an Füßen,
Sollt ich nicht des Tages Schein
Sehen und genießen,
Sollt ich gehen spat und früh
Mit verschlossnen Ohren:
Wollt ich wünschen, daß ich nie
Wär ein Mensch geboren.

9. Lebt ich ohne Rat und Witz,
Wär im Haupt verwirret,
Hätte meiner Seelen Sitz,
Mein Herz, sich verirret,
Wäre mir mein Mut und Sinn
Niemals guter Dinge:
Wär es besser, daß ich hin,
Wo ich her bin, ginge.

10. Aber nun gebricht mir nichts
An erzählten Stücken:
Ich erfreue mich des Lichts
Und der Sonnen Blicken,
Mein Gesichte sieht sich um,
Mein Gehöre höret,
Wie der Vöglein süße Stimm
Ihren Schöpfer ehret.

11. Händ und Füße, Herz und Geist
Sind bei guten Kräften;
Alle mein Vermögen fleußt
Und geht in Geschäften,
Die mein Herrscher hat gestellt
Hier in meinem Bleiben,
Alsolang es ihm gefällt,
In der Welt zu treiben.

12. Ist es Tag, so mach und tu
Ich, was mir gebühret.
Kommt die Nacht und süße Ruh,
Die zum Schlafen führet,
Schlaf und ruh ich unbewegt,
Bis die Sonne wieder
Mit den hellen Strahlen regt
Meine Augenlider.

13. Habe Dank, du milde Hand,
Die du aus dem Throne
Deines Himmels mir gesandt
Diese schöne Krone
Deiner Gnad und großen Huld,
Die ich all mein Tage
Niemals hab um dich verschuldt,
Und doch an mir trage!

14. Gib, solang ich bei mir hab
Ein lebendigs Hauchen,
Daß ich solche treue Gab
Auch wohl möge brauchen;
Hilf, daß mein gesunder Mund
Und erfreute Sinnen
Dir zu aller Zeit und Stund
Alles Liebs beginnen.

15. Halte mich bei Stärk und Kraft,
Wenn ich nun alt werde,
Bis mein Stündlein hin mich rafft
In das Grab und Erde.
Gib mir meine Lebenszeit
Ohne sondres Leiden,
Und dort in der Ewigkeit
Die vollkommnen Freuden.

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