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Paul Gerhardts sämtliche Lieder

Paul Gerhardt: Paul Gerhardts sämtliche Lieder - Kapitel 77
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Gerhardt
titlePaul Gerhardts sämtliche Lieder
publisherVerlag und Druck von Johannes Herrmann
year1906
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131117
projectid972b9fe1
wgs
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75. Danklied für einen gnädigen Sonnenschein.

Mel.: Auf meinen lieben Gott.

1. Nun ist der Regen hin,
Wohlauf, mein Herz und Sinn!
Sing nach betrübtem Leiden
Gott, deinem HErrn, mit Freuden!
Gott hat sein Herz gekehret
Und unsre Bitt erhöret.

2. Sein Zorn war sehr entbrannt
Auf uns und unser Land.
Er sprach: Ihr Menschenkinder,
Ihr seid und bleibet Sünder,
Wollt von der Bosheit Straßen
Euch gar nicht wenden lassen.

3. Drum soll mein Himmelslicht
Sein klares Angesicht
In schwarze trübe Decken
Und dunkle Wolken stecken,
Und für das helle Scheinen
Nur immer zu euch weinen.

4. Bald aber fiel sein Grimm
Durch unsers Seufzens Stimm:
Das ewige Gemüte
Dacht' an sein' ewge Güte,
Und ließ auf unser Schreien
Ihn seinen Zorn gereuen.

5. Die Wolken flohen weg;
Der feuchten Winde Steg,
Daher die Wasser flossen,
Nahm ab und ward verschlossen,
Des hohen Himmels Tiefen,
Die hörten auf zu triefen.

6. Steh auf, du mattes Feld
Aus deinem Trauerzelt!
Steh auf und laß uns wieder
Die süßen Sommerlieder
Zu deines Schöpfers Ehren
Mit Lust und Freuden hören!

7. Sieh hier, der Sonnen Zier
Geht wieder schön herfür,
Bringt nach dem Schlack und Regen
Den lieben warmen Segen,
Und wirkt auf Berg und Talen
Mit wunderreichen Strahlen.

8. Die Erde wird erquickt,
Und was durch Näss' erstickt,
Das wird nun wieder leben
Und reife Früchte geben,
Die Aecker gut Getreide,
Die Wiesen Gras und Weide.

9. Die Bäume werden schön
In ihrer Fülle stehn,
Die Berge werden fließen
Und Wein und Oele gießen,
Das Bienlein wird wohl tragen
Bei stillen warmen Tagen.

10. Davon wird unsern Teil
Das ewge Gut und Heil
Uns allensamt zumessen,
Wir werden's sehn und essen,
Und mit dem Gut der Erden
Zur Gnüg ersättigt werden.

11. Nun, Gott ist fromm und treu,
Sein' Huld ist immer neu
Und läßt sich leicht versühnen,
Gibt, was wir nicht verdienen,
Läßt gnädig sich erfinden
Und nicht nach unsern Sünden.

12. Darum so richte nun,
O Mensch! auch du dein Tun
Zu Gottes Lob und Liebe,
Daß dein Herz nicht betrübe
Mit mehrerm Zorn und Schmerze
Das allerfrömmste Herze.

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