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Paul Gerhardts sämtliche Lieder

Paul Gerhardt: Paul Gerhardts sämtliche Lieder - Kapitel 72
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Gerhardt
titlePaul Gerhardts sämtliche Lieder
publisherVerlag und Druck von Johannes Herrmann
year1906
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131117
projectid972b9fe1
wgs
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70. Der 34. Psalm Davids.

Mel.: Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn.

1. Ich will erhöhen immerfort
Und preisen meiner Seelen Hort,
Ich will ihn herzlich ehren!
Wer Gott liebt, stimme mit mir ein,
Laßt alle, die betrübet sein,
Ein Freudenliedlein hören.

2. Gott ist ein Gott, der reichlich tröst't,
Wer ihn nur sucht, der wird erlöst,
Ich hab es selbst erfahren:
Sobald man betet oder singt,
Kommt Heil und was uns Freude bringt,
Vom Himmel abgefahren.

3. Der frommen Engel starkes Heer
Zieht fröhlich an, stellt sich zur Wehr,
Ja, macht sich selbst zu Mauern;
Da weicht und fleucht die böse Rott,
Der Satan wird zu Hohn und Spott,
Kein Unglück kann da dauern.

4. Ach, was ist das für Süßigkeit!
Ach, schmecket alle, die ihr seid
Mit Sinnen wohl begabet!
Kein Honig ist mehr auf der Erd
Hinfort des süßen Namens wert,
Gott ist's, der uns recht labet.

5. O selges Herz, o selges Haus,
Das alle Lust treibt von sich aus
Und diese Lust beliebet!
All andre Schönheit wird verrückt,
Der aber bleibet stets geschmückt,
Der sich dem HErrn ergibet.

6. Der Kön'ge Gut, der Fürsten Geld
Ist nichts und bleibet in der Welt,
Wenn die Besitzer sterben.
Wie oft verarmt ein reicher Mann?
Wer Gott vertraut, bleibt reich und kann
Die ewgen Schätz ererben.

7. Kommt her, ihr Kinder, hört mir zu,
Ich will euch zeigen, wie ihr Ruh
Und Wohlfahrt könnt erjagen:
Ergebet euch und euren Sinn
Zu Gottes Wohlgefallen hin
In allen euren Tagen.

8. Bewahrt die Zung, habt solchen Mut,
Der Zank und was zum Zanken tut,
Nicht reget, sondern stillet;
So werden eure Tage sein
Mit stillem Fried und süßem Schein
Des Segens überfüllet.

9. Laß ab vom Bösen, fleuch die Sünd,
O Mensch, und halt dich als ein Kind
Des Vaters in der Höhe.
Du wirst's erfahren in der Tat,
Wie's dem, der ihm gefolget hat,
So trefflich wohl ergehe.

10. Den Frommen ist Gott wieder fromm,
Und machet, daß geflossen komm
Auf uns all sein Gedeihen;
Sein Aug ist unser Sonnenlicht,
Sein Ohr ist Tag und Nacht gericht't
Zu hören unser Schreien.

11. Zwar wer Gott dient, muß leiden viel,
Doch hat sein Leiden Maß und Ziel,
Gott hilft ihm aus dem allen.
Er sorgt für alle seine Bein,
Er hebt sie auf und legt sie ein,
Kein einzigs muß verfallen.

12. Gott sieht ins Herz und weiß gar wohl,
Was uns macht Angst und Sorgen voll,
Kein Tränlein fällt vergebens,
Er zählt sie all und legt davor
Uns treulich bei im Himmelschor
All Ehr des ewgen Lebens.

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