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Paul Gerhardts sämtliche Lieder

Paul Gerhardt: Paul Gerhardts sämtliche Lieder - Kapitel 7
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Gerhardt
titlePaul Gerhardts sämtliche Lieder
publisherVerlag und Druck von Johannes Herrmann
year1906
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131117
projectid972b9fe1
wgs
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5. An der Krippe.

Mel.: Nun freut euch, lieben Christen g'mein.

1. Ich steh an deiner Krippe hier,
O JEsulein, mein Leben,
Ich stehe, bring und schenke dir,
Was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin,
Und laß dir's wohlgefallen.

2. Du hast mit deiner Lieb erfüllt
Mein' Adern und Geblüte,
Dein schöner Glanz, dein süßes Bild
Liegt mir stets im Gemüte,
Und wie mag es auch anders sein,
Wie könnt ich dich, mein Herzelein,
Aus meinem Herzen lassen?

3. Da ich noch nicht geboren war,
Da bist du mir geboren,
Und hast mich dir zu eigen gar,
Eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
Da hat dein Herze schon bedacht,
Wie du mein wolltest werden.

4. Ich lag in tiefer Todesnacht.
Du wurdest meine Sonne,
Die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht,
Des Glaubens in mir zugericht't,
Wie schön sind deine Strahlen.

5. Ich sehe dich mit Freuden an,
Und kann mich nicht satt sehen,
Und weil ich nun nicht weiter kann,
So tu ich, was geschehen.
O daß mein Sinn ein Abgrund wär
Und meine Seel ein weites Meer,
Daß ich dich möchte fassen.

6. Vergönne mir, o JEsulein,
Daß ich dein Mündlein küsse,
Das Mündlein, das den süßten Wein
Auch Milch und Honigflüsse
Weit übertrifft in seiner Kraft,
Es ist voll Labsal, Stärk und Saft,
Der Mark und Bein erquicket.

7. Wenn oft mein Herz im Leibe weint
Und keinen Trost kann finden,
Da ruft mir's zu: Ich bin dein Freund,
Ein Tilger deiner Sünden;
Was trauerst du, mein Fleisch und Bein?
Du sollst ja guter Dinge sein,
Ich zahle deine Schulden.

8. Wer ist der Meister, der allhier
Nach Würdigkeit ausstreichet
Die Händlein, so das Kindlein nur
Anlachende zureichet!
Der Schnee ist hell, die Milch ist weiß,
Verlieren doch beid' ihren Preis,
Wenn diese Händlein blinken.

9. Wo nehm ich Weisheit und Verstand,
Mit Lobe zu erhöhen
Die Aeuglein, die so unverwandt
Nach mir gerichtet stehen?
Der volle Mond ist schön und klar,
Schön ist der güldnen Sterne Schar,
Dies' Aeuglein sind viel schöner.

10. O daß doch ein so lieber Stern
Soll in der Krippen liegen!
Für edle Kinder großer Herrn
Gehören güldne Wiegen:
Ach! Heu und Stroh ist viel zu schlecht;
Samt, Seiden, Purpur wären recht,
Dich, Kindlein, drauf zu legen.

11. Nehmt weg das Stroh, nehmt weg das Heu,
Ich will mir Blumen holen,
Daß meines Heilands Lager sei
Aus Rosen und Violen,
Mit Tulpen, Nelken, Rosmarin
Aus frischen Gärten will ich ihn
Von oben her bestreuen.

12. Zur Seiten will ich hier und dar
Viel weiße Lilien stecken,
Die sollen seiner Aeuglein Paar
Im Schlafe sanft bedecken.
Doch liebt vielleicht das dürre Gras,
Dir, Kindlein, mehr, als alles das,
Was ich hier nenn und denke.

13. Du fragest nicht nach Lust der Welt,
Noch nach des Lebens Freuden:
Du hast dich bei uns eingestellt,
An unsrer Statt zu leiden,
Suchst meiner Seelen Trost und Freud
Durch allerhand Beschwerlichkeit,
Das will ich dir nicht wehren.

14. Eins aber, hoff ich, wirst du mir,
Mein Heiland, nicht versagen,
Daß ich dich möge für und für
In, bei und an mir tragen.
So laß mich doch dein Kripplein sein,
Komm, komm und lege bei mir ein
Dich und all deine Freuden.

15. Zwar sollt ich denken, wie gering
Ich dich bewirten werde:
Du bist der Schöpfer aller Ding,
Ich bin nur Staub und Erde.
Doch bist du ein so lieber Gast,
Daß du noch nie verschmähet hast
Den, der dich gerne siehst.

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