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Paul Gerhardts sämtliche Lieder

Paul Gerhardt: Paul Gerhardts sämtliche Lieder - Kapitel 67
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Gerhardt
titlePaul Gerhardts sämtliche Lieder
publisherVerlag und Druck von Johannes Herrmann
year1906
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131117
projectid972b9fe1
wgs
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65. Der 71. Psalm Davids.

Mel.: Du, o schönes Weltgebäude.

1. HErr, dir trau ich all mein Tage,
Laß mich nicht in Schimpf bestehn!
Wie ich von dir glaub und sage,
Also laß mir's auch ergehn!
Rette mich, laß deine Güte
Mir erfrischen mein Gemüte,
Neige deiner Ohren Treu
Und vernimm mein Angstgeschrei!

2. Sei mein Aufhalt, laß mich sitzen
Bei dir, o mein starker Hort!
Laß mich deinen Schutz beschützen
Und erfülle mir dein Wort,
Da du selbsten meinem Leben
Dich zum Fels und Burg gegeben.
Hilf mir aus des Heuchlers Band
Und des Ungerechten Hand.

3. Denn dich hab ich auserlesen
Von der zarten Jugend an.
Dein Arm ist mein Trost gewesen,
HErr, solang ich denken kann.
Auf dich hab ich mich erwogen,
Alsbald du mich der entzogen,
Der ich, ehe Nacht und Tag.
Mich erblickt', im Leibe lag.

4. Von dir ist mein Ruhm, mein Sagen,
Dein erwähn ich immerzu.
Viel die spotten meiner Plagen,
Höhnen, was ich red und tu,
Aber du bist meine Stärke:
Wenn ich Angst und Trübsal merke,
Lauf ich dich an: gönne mir,
Fröhlich stets zu sein in dir.

5. Stoß mich nicht von deiner Seiten,
Wenn mein hohes Alter kommt,
Da die schwachen Tritte gleiten,
Und man Trost vom Stecken nimmt,
Da greif du mir an die Arme;
Fall ich nieder, so erbarme
Du dich, hilf mir in die Höh,
Und halt, bis ich wieder steh.

6. Mach es nicht, wie mir's die gönnen,
Die mein' abgesagten Feind',
Auch mir, wo sie immer können,
Mit Gewalt zuwider seind,
Sprechen: Auf! laßt uns ihn fassen,
Sein Gott hat ihn ganz verlassen,
Jagt und schlagt ihn immerhin,
Niemand schützt und rettet ihn.

7. Ach! mein Helfer, sei nicht ferne,
Komm und eile doch zu mir!
Hilf mir, mein Gott, bald und gerne,
Zeuch mich aus der Not herfür,
Daß sich meine Feinde schämen,
Und vor Hohn und Schande grämen,
Ich hingegen lustig sei
Ueber mir erwiesne Treu.

8. Mein Herz soll dir allzeit bringen
Deines Ruhms gebührlich Teil,
Auch soll meine Zunge singen
Täglich dein unzählig Heil.
Ich bin stark, hereinzugehen,
Unerschrocken dazustehen
Durch des großen Herrschers Kraft,
Der die Welt und alles schafft.

9. HErr, ich preise deine Tugend,
Wahrheit und Gerechtigkeit,
Die mich schon in meiner Jugend
Hoch ergötzet und erfreut.
Hast mich als ein Kind ernähret,
Deine Furcht dabei gelehret,
Oftmals wunderlich bedeckt,
Daß mein Feind mich nicht erschreckt.

10. Fahre fort, o mein Erhalter,
Fahre fort, und laß mich nicht
In dem hohen grauen Alter,
Wenn mir Lebenskraft gebricht!
Laß mein Leben in dir leben,
Bis ich Unterricht kann geben
Kindeskindern, daß dein' Hand
Ihnen gleichfalls sei bekannt.

11. Gott, du bist sehr hoch zu loben,
Dir ist nirgend etwas gleich,
Weder hier bei uns, noch oben,
In dem Stern- und Engelreich.
Dein Tun ist nicht auszusprechen,
Deinen Rat kann niemand brechen,
Alles liegt in deinem Schoß
Und dein Werk ist alles groß.

12. Du ergibst mich großen Nöten,
Gibst auch wieder große Freud.
Heute läßt du mich ertöten,
Morgen ist die Lebenszeit,
Da ermunterst du mich wieder
Und erneuerst meine Glieder,
Holst sie aus der Erdenkluft,
Gibst dem Herzen wieder Luft.

13. Such ich Trost und finde keinen,
Balde werd ich wieder groß.
Dein Trost trocknet mir mein Weinen,
Das mir aus den Augen floß.
Ich selbst werde wie ganz neue,
Sing und klinge deine Treue,
Meines Lebens ein'ges Ziel,
Auf der Harf und Psalterspiel.

14. Ich bin durch und durch entzündet,
Fröhlich ist, was in mir ist.
Alle mein Geblüt empfindet
Dein Heil, das du selber bist.
Ich steh im gewünschten Stande,
Mein Feind ist voll Scham und Schande,
Der mein Unglück hat gesucht,
Leidet, was er mir geflucht.

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