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Paul Gerhardts sämtliche Lieder

Paul Gerhardt: Paul Gerhardts sämtliche Lieder - Kapitel 50
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Gerhardt
titlePaul Gerhardts sämtliche Lieder
publisherVerlag und Druck von Johannes Herrmann
year1906
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131117
projectid972b9fe1
wgs
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48. Wahre Erniedrigung seiner selbst.

Matth. 25, 27. Mark. 7, 28.

Mel.: Zion klagt mit Angst und Schmerzen.

1. HErr, ich will gar gerne bleiben,
Wie ich bin, dein armer Hund,
Will auch anders nicht beschreiben
Mich und meines Herzens Grund.
Denn ich fühle, was ich sei:
Alles Böse wohnt mir bei,
Ich bin aller Schand ergeben,
Unrein ist mein ganzes Leben.

2. Hündisch ist mein Zorn und Eifer,
Hündisch ist mein Neid und Haß,
Hündisch ist mein Zank und Geifer,
Hündisch ist mein Raub und Fraß.
Ja, wenn ich mich recht genau,
Als ich billig soll, beschau,
Halt ich mich in vielen Sachen
Aerger als die Hund' es machen.

3. Ich will auch nicht mehr begehren
Als mir zukommt und gebührt,
Sollst mich nur des Rechts gewähren,
Das ein Hund im Hause führt.
Deine Heilgen, die sich dir
Hier ergeben für und für,
Mögen oben an der Spitzen
Deiner Himmelstafel sitzen.

4. Deine Kinder, die dich ehren
Und in voller Tugend stehn,
Mögen sich von Wollust nähren
Und im Erbe sich erhöhn,
Das du ihnen in dem Licht
Deines Saals hast zugericht't;
Ich will, wenn ich nur kann liegen
Unterm Tisch, mir lassen gnügen.

5. Ich will ins Verborgne kriechen,
Da die Nacht den Tag verhüllt,
Und hin nach der Erden riechen,
Suchen, was den Hunger stillt.
Ich will mit den Brosamlein,
Die ich finde, friedlich sein,
Und mich freuen über allem,
Was die Herren lassen fallen.

6. Murren will ich auch und bellen,
Aber gleichwohl weiter nicht,
Als nur, wenn in Sündenfällen
Dir von mir ein Schimpf geschicht,
Wenn mein Fleisch mich übereilt,
Und zur Buße, die uns heilt,
Sich viel träger als zur Sünden
Und zur Bosheit lasset finden.

7. Dennoch will ohn alles Heucheln,
Das so fest sonst in uns steckt,
Ich dir auch hinwieder schmeicheln,
Wenn ich deinen Zorn erweckt,
Und du meinen Uebermut
Strafest mit der scharfen Rut:
Ach, HErr, schone, will ich sprechen,
Laß mein Wort dein Herze brechen!

8. Mache mich zum wackern Hüter,
Dessen Augen offen sein,
Wenn, das Schönste deiner Güter,
Deine Kinder, schlafen ein:
Wenn das Haus zu Bette geht,
Und der Dieb mit Listen steht
Nach des Nächsten Gut und Gelde,
Ei, so gib, daß ich ihn melde.

9. Mehre meinen kleinen Glauben,
Und wehr allem, was da will
Dieses Schatzes mich berauben;
Führe mich zum rechten Ziel.
Laß mich sein, o ewges Heil,
Deines Hauses kleines Teil,
Auch den Kleinsten unter allen,
Die nach deinem Reiche wallen.

10. Hab ich dies, so ruht mein Wille,
Denn ich habe selber dich,
Dich, du unermessne Fülle
Dessen, was mich ewiglich
In dem Himmel laben soll.
Wohl mir! wohl! und aber wohl!
Soll mich Gottes Fülle laben,
Woran will ich Mangel haben?

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