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Paul Gerhardts sämtliche Lieder

Paul Gerhardt: Paul Gerhardts sämtliche Lieder - Kapitel 42
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Gerhardt
titlePaul Gerhardts sämtliche Lieder
publisherVerlag und Druck von Johannes Herrmann
year1906
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131117
projectid972b9fe1
wgs
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40. Um die Liebe Christi.

Mel.: Ich ruf zu dir, HErr JEsu Christ.

1. O JEsu Christ, mein schönstes Licht,
Der du in deiner Seelen
So hoch mich liebst, daß ich es nicht
Aussprechen kann noch zählen:
Gib, daß mein Herz dich wiederum
Mit Lieben und Verlangen
Mög umfangen,
Und als dein Eigentum
Nur einzig an dir hangen.

2. Gib, daß sonst nichts in meiner Seel,
Als deine Liebe wohne,
Gib, daß ich deine Lieb erwähl
Als meinen Schatz und Krone!
Stoß alles aus, nimm alles hin,
Was dich und mich will trennen,
Und nicht gönnen,
Daß all mein Mut und Sinn
In deiner Liebe brennen.

3. Wie freundlich, selig, süß und schön
Ist, JEsu, deine Liebe!
Wo diese steht, kann nichts bestehn,
Das meinen Geist betrübe.
Drum laß nichts anders denken mich,
Nichts sehen, fühlen, hören,
Lieben, ehren,
Als deine Lieb und dich,
Der du sie kannst vermehren.

4. O daß ich dieses hohe Gut
Möcht ewiglich besitzen!
O daß in mir dies edle Blut
Ohn Ende möchte hitzen!
Ach! hilf mir wachen Tag und Nacht,
Und diesen Schatz bewahren
Vor den Scharen,
Die wider uns mit Macht
Aus Satans Reiche fahren.

5. Mein Heiland, du bist nur zulieb
In Not und Tod gegangen,
Und hast am Kreuze wie ein Dieb
Und Mörder da gehangen,
Verhöhnt, verspeit und sehr verwundt:
Ach! laß mich deine Wunden
Alle Stunden
Mit Lieb im Herzensgrund
Auch ritzen und verwunden!

6. Dein Blut, das dir vergossen ward,
Ist köstlich, gut und reine,
Mein Herz hingegen böser Art
Und hart gleich einem Steine:
Ach! laß doch deines Blutes Kraft
Mein hartes Herze zwingen,
Wohl durchdringen,
Und diesen Lebenssaft
Mir deine Liebe bringen!

7. O daß mein Herze offen stünd
Und fleißig möcht auffangen
Die Tropfen Bluts, die meine Sünd
Im Garten dir abdrangen!
O daß sich meiner Augen Brunn
Auftät, und mit viel Stöhnen
Heiße Tränen
Vergösse, wie die tun,
Die sich in Liebe sehnen!

8. O daß ich, wie ein kleines Kind,
Mit Weinen dir nachginge,
So lange, bis dein Herz entzündt
Mit Armen mich umfinge,
Und deine Seel in mein Gemüt
In voller süßer Liebe
Sich erhübe,
Und also deiner Güt
Ich stets vereinigt bliebe!

9. Ach, zeuch mein Liebster, mich nach dir,
So lauf ich mit den Füßen!
Ich lauf, und will dich mit Begier
In meinem Herzen küssen;
Ich will aus deines Mundes Zier
Den süßen Trost empfinden,
Der die Sünden
Und alles Unglück hier
Kann leichtlich überwinden.

10. Mein Trost, mein Schatz, mein Licht und Heil,
Mein höchstes Gut und Leben,
Ach! nimm mich auf zu deinem Teil,
Wie ich mich dir ergeben!
Denn außer dir ist lauter Pein,
Ich find hier überalle
Nichts als Galle,
Nichts kann mir tröstlich sein,
Nichts ist, das mir gefalle.

11. Du aber bist die beste Ruh,
In dir ist Fried und Freude:
Gib, JEsu, gib, daß immerzu
Mein Herz in dir sich weide!
Sei meine Flamm und brenn in mir,
Mein Balsam, wollest eilen,
Lindern, heilen,
Den Schmerzen, der allhier
Mich seufzen macht und heulen!

12. Was ist's, ach Schönster! das ich nicht
An deiner Liebe habe?
Sie ist mein Stern, mein Sonnenlicht,
Mein Quell, da ich mich labe,
Mein süßer Wein, mein Himmelsbrot,
Mein Kleid vor Gottes Throne,
Meine Krone,
Mein Schutz in aller Not,
Mein Haus, darin ich wohne.

13. Ach, liebstes Lieb! wenn du entweichst,
Was hilft mir sein geboren?
Wenn du mir deine Lieb entzeuchst,
Ist all mein Gut verloren.
So gib, daß ich dich, meinen Gast,
Wohl such und bestermaßen
Möge fassen,
Und wenn ich dich gefaßt,
In Ewigkeit nicht lassen.

14. Du hast mich je und je geliebt
Und auch nach dir gezogen;
Eh ich noch je was Guts geübt,
Warst du mir schon gewogen:
Ach! laß doch ferner, edler Hort,
Mich deine Liebe leiten
Und begleiten,
Daß sie mir immerfort
Beisteh auf allen Seiten.

15. Laß meinen Stand, darin ich steh,
HErr, deine Liebe zieren,
Und wo ich etwan irre geh,
Alsbald zurechte führen.
Laß sie mir allzeit guten Rat
Und weise Werke lehren,
Steuern, wehren
Der Sünd, und nach der Tat
Bald wieder mich bekehren.

16. Laß sie sein meine Freud in Leid,
In Schwachheit mein Vermögen,
Und wenn ich nach vollbrachter Zeit
Mich soll zur Ruhe legen,
Alsdann laß deine Liebestreu,
HErr JEsu, bei mir stehen,
Luft zuwehen,
Daß ich getrost und frei
Mög in dein Reich eingehen!

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