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Paul Gerhardts sämtliche Lieder

Paul Gerhardt: Paul Gerhardts sämtliche Lieder - Kapitel 33
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Gerhardt
titlePaul Gerhardts sämtliche Lieder
publisherVerlag und Druck von Johannes Herrmann
year1906
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131117
projectid972b9fe1
wgs
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31. Zeuch ein zu meinen Toren.

Mel.: Von Gott will ich nicht lassen.

1. Zeuch ein zu meinen Toren,
Sei meines Herzens Gast,
Der du, da ich geboren,
Mich neu geboren hast.
O hochgeliebter Geist
Des Vaters und des Sohnes,
Mit beiden gleiches Thrones,
Mit beiden gleich gepreist.

2. Zeuch ein, laß mich empfinden
Und schmecken deine Kraft,
Die Kraft, die uns von Sünden
Hilf und Errettung schafft.
Entsündge meinen Sinn,
Daß ich mit reinem Geiste
Dir Ehr und Dienste leiste,
Die ich dir schuldig bin.

3. Ich war ein wilder Reben,
Du hast mich gut gemacht,
Der Tod durchdrang mein Leben,
Du hast ihn umgebracht
Und in der Tauf erstickt,
Als wie in einer Flute,
Mit dessen Tod und Blute,
Der uns im Tod erquickt.

4. Du bist das heilge Oele,
Dadurch gesalbet ist
Mein Leib und meine Seele
Dem HErren JEsu Christ
Zum wahren Eigentum,
Zum Priester und Propheten,
Zum Kön'ge, den in Nöten
Gott schützt im Heiligtum.

5. Du bist ein Geist, der lehret,
Wie man recht beten soll,
Dein Beten wird erhöret,
Dein Singen klinget wohl;
Es steigt zum Himmel an,
Es steigt und läßt nicht abe,
Bis der geholfen habe,
Der allen helfen kann.

6. Du bist ein Geist der Freuden,
Vom Trauern hältst du nicht,
Erleuchtest uns im Leiden
Mit deines Trostes Licht.
Ach ja, wie manches Mal
Hast du mit süßen Worten
Mir aufgetan die Pforten
Zum güldnen Freudensal!

7. Du bist ein Geist der Liebe,
Ein Freund der Freundlichkeit,
Willst nicht, daß uns betrübe
Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit.
Der Feindschaft bist du feind,
Willst, daß durch Liebesflammen
Sich wieder tun zusammen,
Die voller Zwietracht seind.

8. Du, HErr, hast selbst in Händen
Die ganze weite Welt,
Kannst Menschenherzen wenden,
Wie dir es wohlgefällt;
So gib doch deine Gnad
Zum Fried und Liebesbanden,
Verknüpf in allen Landen,
Was sich getrennet hat.

9. Ach, edle Friedensquelle,
Schleuß deinen Abgrund auf,
Und gib dem Frieden schnelle
Hier wieder seinen Lauf;
Halt ein die große Flut,
Die Flut, die eingerissen,
So daß man siehet fließen
Wie Wasser Menschenblut.

10. O laß dein Volk erkennen
Die Vielheit ihrer Sünd,
Auch Gottes Grimm so brennen,
Daß er bei uns entzünd
Den ernsten bittern Schmerz,
Und Buße, die bereuet,
Des sich zuerst erfreuet
Ein weltergebnes Herz.

11. Auf Buße folgt der Gnaden,
Auf Reu der Freuden Blick;
Sich bessern heilt den Schaden,
Fromm werden bringet Glück.
HErr! tu's zu deiner Ehr,
Erweiche Stahl und Steine,
Auf daß das Herze weine,
Der Böse sich bekehr.

12. Erhebe dich und steure
Dem Herzleid auf der Erd,
Bring wieder und erneure
Die Wohlfahrt deiner Herd!
Laß blühen wie zuvorn
Die Länder, so verheeret,
Die Kirchen, so zerstöret
Durch Krieg und Feuerszorn.

13. Beschirm die Polizeien,
Bau unsrer Fürsten Thron,
Daß sie und wir gedeihen;
Schmück, als mit einer Kron,
Die Alten mit Verstand,
Mit Frömmigkeit die Jugend,
Mit Gottesfurcht und Tugend
Das Volk im ganzen Land.

14. Erfülle die Gemüter
Mit reiner Glaubenszier,
Die Häuser und die Güter
Mit Segen für und für;
Vertreib den bösen Geist,
Der dir sich widersetzet,
Und was dein Herz ergötzet,
Aus unserm Herzen reißt.

15. Gib Freudigkeit und Stärke,
Zu stehen in dem Streit,
Den Satans Reich und Werke
Uns täglich anerbeut.
Hilf kämpfen ritterlich,
Damit wir überwinden,
Und ja zum Dienst der Sünden
Kein Christ ergebe sich.

16. Richt unser ganzes Leben
Allzeit nach deinem Sinn,
Und wenn wir's sollen geben
In Todes Hände hin,
Wenn's mit uns hie wird aus,
So hilf uns fröhlich sterben,
Und nach dem Tod ererben
Des ewgen Lebens Haus!

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