Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Paul Gerhardt >

Paul Gerhardts sämtliche Lieder

Paul Gerhardt: Paul Gerhardts sämtliche Lieder - Kapitel 132
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Gerhardt
titlePaul Gerhardts sämtliche Lieder
publisherVerlag und Druck von Johannes Herrmann
year1906
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131117
projectid972b9fe1
wgs
Schließen

Navigation:

[A]10. Bei frühzeitigem Absterben des frommen herzlieben Töchterleins, Margritgen Zarsanges, an desselben herzlich gekränkte und hochbetrübte Eltern.

1. Weint, und weint gleichwohl nicht zu sehr,
Denn was euch abgestorben,
Ist wohl daran, und hat nunmehr
Das beste Teil erworben.
Es ist hindurch ins Vaterland,
Nachdem der harte schwere Stand,
Der hier war, überstanden.

2. Hier sind wir auf der wilden See,
Im Sturm und tiefen Fluten.
Da geht's uns, daß vor Ach und Weh
Das Herze möchte bluten.
Sobald der Mensch ins Leben tritt,
Sobald kommt auch die Trübsal mit
Und folgt ihm auf dem Fuße.

3. Da ist kein Kind so zart und klein,
Es muß sein Leiden tragen,
Ein jedes hat sein' Angst und Pein,
Kann's oft nicht von sich sagen,
Und wenn's auch gleich noch etwas spricht,
So bleibt doch drum das Elend nicht
Von seines Leibes Gliedern.

4. Kommt's auf die Bein und wächst herzu,
Lernt schwarz und weiß verstehen,
So merkt's, was man auf Erden tu,
Wie Menschenwerke gehen,
Sieht lauter Böses, gar nichts Guts,
Darüber wird's betrübten Muts
Und fängt sich an zu grämen.

5. Hilft endlich Gott zur vollen Kraft
Und reifen Mannesjahren,
Tritt's in den Stand, da man was schafft,
Da kann's denn recht erfahren,
Wie alles so voll Mühe sei,
Und hat doch selten mehr dabei
Denn wenig gute Stunden.

6. Das alles sieht der Vater an,
Die Mutter nimmt's zu Herzen,
Und niemand ist, der helfen kann:
Da kommen denn die Schmerzen.
Die häufen sich ohn Unterlaß
Und halten stets die Augen naß
Bei Eltern und bei Kindern.

7. Drum laßt's Gott machen, wie Er will,
Er weiß die besten Weisen.
Wer balde kommt zu seinem Ziel,
Der darf nicht ferne reisen,
Und wer beizeit wird ausgespannt,
Der darf des Jammers schweren Stand
Nicht allzu lange ziehen.

8. Was unsrer Welt ist zugedacht,
Darf euer Kind nicht schmecken,
Es schläft und ruht, bis Gottes Macht
Es wieder wird erwecken,
Und wann ihr kommt ins Himmels Saal,
So wird euch eurer Kinder Zahl
Mit großer Lust empfangen.

9. So schlaf nun wohl, du herzes Kind!
Doch tröste Gott die Deinen,
Wann jetzt ihr Herz und Auge rinnt,
Und kehr ihr bittres Weinen
Zu seiner Zeit, die Er bestellt,
Auf Weis' und Art, die ihm gefällt,
In Freud und süßes Singen.

 << Kapitel 131  Kapitel 133 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.