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Paul Gerhardts sämtliche Lieder

Paul Gerhardt: Paul Gerhardts sämtliche Lieder - Kapitel 124
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Gerhardt
titlePaul Gerhardts sämtliche Lieder
publisherVerlag und Druck von Johannes Herrmann
year1906
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131117
projectid972b9fe1
wgs
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[A]2. Ein Trauer- und Trostgedicht.

Gedichtet beim Tode des Kurfürstl. Hofkammergerichtsrats und Konsistorialpräsidenten Dr. Fritz.

Mel.: Werde munter, mein Gemüte.

1. Nun, du lebest, unsre Krone,
In der süßen sanften Ruh,
Bringst die Zeit bei Gottes Throne
Ohne Zeit und Ende zu,
Du hast ewge Freud und Zier,
Und wir sollen für und für
Uns mit unsern Tränen kränken?
Auf und laßt uns recht bedenken!

2. Freunden soll man Freude gönnen,
Lachen, wenn sie fröhlich sein;
Tränen laß zu der Zeit rinnen,
Wenn sie liegen in der Pein.
Aber wenn der Sieg erlangt,
Und der Held im Kreuze prangt,
Wenn das Herzleid weggeschlagen,
Legt sich billig Schmerz und Klagen.

3. Edles Herz, du hast bezwungen
Alles, was dir widrig war,
Alle Schmerzen, die sich drungen
In dein Herz mit großer Schar,
Allen Jammer, alle Müh,
Alle Sorgen, die dich früh,
Auch oft bei den späten Nachten
Voller Angst und Wehmut machten.

4. Gott weiß wohl, was wir vermögen,
Und wie stark die Schulter sei,
Da Er will sein Kreuz hinlegen,
Dessen Huld und Vatertreu
Hat auch dir die schwere Last,
Die du ausgestanden hast,
Ueber dein Haupt lassen gehen;
Wer viel kann, muß viel ausstehen.

5. Wärst du einer aus dem Orden,
Denen Herz und Mut entfällt,
Wenn sie nur berühret worden
Von des rauhen Unglücks Kält:
Ei, so würde nimmermehr
Ein so großes Jammerheer
Gott, der Geber aller Gaben,
Ueber dir verhänget haben.

6. Freue dich, du hast gewonnen
Durch des Höchsten Stärk und Kraft!
Jetzo gehst du gleich der Sonnen
Mitten in der Bürgerschaft
Der sehr schönen neuen Stadt,
Die uns Gott gebauet hat,
Springst und singst und holest wieder
Mit den Engeln süße Lieder.

7. Christus wischet selbst die Tränen
Dir von deinem Angesicht,
Sein Herz hört auf sich zu sehnen,
Weiß von keinem Mangel nicht,
Ohne dag du, die du hier
Hast gelassen hinter dir,
Auch in solchem Freudenleben
Balde möchtest sehen schweben.

8. Nun, wir werden balde kommen
Aus dem Leide zu der Freud,
Und dich mit viel tausend Frommen
Schauen in der Seligkeit.
O wie herrlich, o wie schön
Wirst du und wir mit dir gehn,
Wenn uns wird anstatt der Erden
Gottes Reich zuteile werden!

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