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Paul Gerhardts sämtliche Lieder

Paul Gerhardt: Paul Gerhardts sämtliche Lieder - Kapitel 119
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Gerhardt
titlePaul Gerhardts sämtliche Lieder
publisherVerlag und Druck von Johannes Herrmann
year1906
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131117
projectid972b9fe1
wgs
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117. Fröhliche Ergebung zu einem seligen Abschiede aus dieser mühseligen Welt.

Mel.: Wenn mein Stündlein vorhanden ist.

1. Nun sei getrost und unbetrübt,
Du mein Geist und Gemüte!
Dein JEsus lebt, der dich geliebt,
Eh als dir dein Geblüte
Und Fleisch und Haut ward zugericht't,
Der wird dich auch gewißlich nicht
An deinem Ende hassen.

2. Erschrecke nicht vor deinem End,
Es ist nichts Böses drinnen.
Dein lieber HErr streckt seine Händ
Und fordert dich von hinnen,
Aus so viel tausend Angst und Qual,
Die du in diesem Jammertal
Bisher hast ausgestanden.

3. Zwar heißt's ja Tod und Sterbensnot,
Doch ist da ja kein Sterben:
Denn JEsus ist des Todes Tod
Und nimmt ihm das Verderben,
Daß alle seine Stärk und Kraft
Mir, wenn ich jetzt werd hingerafft,
Nicht auf ein Härlein schade.

4. Des Todes Kraft steht in der Sünd
Und schnöden Missetaten,
Darein ich armes Adamskind
So oft und viel geraten.
Nun ist die Sünd in JEsu Blut
Ersäuft, erstickt, getilgt und tut
Fort gar nichts mehr zur Sachen.

5. Die Sünd ist hin und ich bin rein,
Trotz dem, der mir das nehme!
Hinfüro ist das Leben mein,
Darf nicht, daß ich mich gräme
Um ein'ger Sünden Lohn und Sold:
Wer ausgesöhnt, dem ist man hold,
Und tut ihm nichts zuwider.

6. Ei nun, so nehm ich Gottes Gnad
Und alle seine Freude
Mit mir auf meinen letzten Pfad
Und weiß von keinem Leide.
Der wilde Feind muß mir ein Schaf,
Sein Ungestüm ein süßer Schlaf
Und sanfte Ruhe werden.

7. Du, JEsu, allerliebster Freund,
Bist selbst mein Licht und Leben;
Du hältst mir fest und kann kein Feind
Dich, wo du stehest, heben.
In dir steh ich und du in mir,
Und wie wir stehn, so bleiben wir
Hier und dort ungeschieden.

8. Mein Leib, der legt sich hin zur Ruh,
Als der fast müde worden;
Die Seele fährt dem Himmel zu
Und mischt sich in den Orden
Der auserwählten Gottesschar,
Und hält das ewge Jubeljahr
Mit allen heilgen Engeln.

9. Kommt denn der Tag, o höchster Fürst
Der Kleinen und der Großen,
Da du zum allerletzten wirst
In die Posaune stoßen,
So soll dann Seel und Leib zugleich
Mit dir in deines Vaters Reich
Zu deiner Freud eingehen.

10. Ist's nun dein Will, so stell dich ein,
Mich selig zu versetzen.
Ach, ewig bei und mit mir sein,
Wie hoch muß das ergötzen!
Eröffne dich, du Todespfort,
Auf daß an solchen schönen Ort
Ich durch dich möge fahren!

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