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Paul Gerhardts sämtliche Lieder

Paul Gerhardt: Paul Gerhardts sämtliche Lieder - Kapitel 112
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Gerhardt
titlePaul Gerhardts sämtliche Lieder
publisherVerlag und Druck von Johannes Herrmann
year1906
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131117
projectid972b9fe1
wgs
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E. Von den letzten Dingen.

1. Seliges Sterben.

110. Der betrübte Vater tröstet sich über seinen nunmehr seligen Sohn.

Mel.: Ermuntre dich, mein schwacher Geist.

1. Du bist zwar mein und bleibest mein,
Wer will mir's anders sagen?
Doch bist du nicht nur mein allein:
Der HErr von ewgen Tagen,
Der hat das meiste Recht an dir,
Der fordert und erhebt von mir
Dich, o mein Sohn, mein Wille,
Mein Herz und Wünsches Fülle!

2. Ach! gölt es wünschen, wollt ich dich,
Du Sternlein meiner Seelen,
Vor allem Weltgut ewiglich
Mir wünschen und erwählen.
Ich wollte sagen: Bleib bei mir!
Du sollst sein meines Hauses Zier,
An dir will ich mein Lieben
Bis an mein Sterben üben.

3. So sagt mein Herz, und meint es gut,
Gott aber meint's noch besser.
Groß ist die Lieb in meinem Mut,
In Gott ist sie noch größer.
Ich bin ein Vater und nichts mehr,
Gott ist der Väter Haupt und Ehr,
Ein Quell, da Alt und Jungen
In aller Welt entsprungen.

4. Ich sehne mich nach deinem Sohn,
Und der mir ihn gegeben,
Will, daß er nah an seinem Thron
Im Himmel solle leben.
Ich sprech: Ach, weh! mein Licht verschwindt!
Gott spricht: Willkomm'n, du liebes Kind,
Dich will ich bei mir haben
Und ewig reichlich laben!

5. O süßer Rat, o schönes Wort
Und heilger als wir denken!
Bei Gott ist ja kein böser Ort,
Kein Unglück und kein Kränken,
Kein' Angst, kein Mangel, kein Versehn,
Bei Gott kann keinem Leid geschehn;
Wen Gott versorgt und liebet,
Wird nimmermehr betrübet.

6. Wir Menschen sind ja auch bedacht
Die Unsrigen zu zieren:
Wir gehn und sorgen Tag und Nacht,
Wie wir sie wollen führen
In einen feinen selgen Stand,
Und ist doch selten so bewandt
Mit dem, wohin sie kommen,
Als wir's uns vorgenommen.

7. Wie manches junges, frommes Blut
Wird jämmerlich verführet
Durch bös' Exempel, daß es tut,
Was Christen nicht gebühret.
Da hat's denn Gottes Zorn zu Lohn,
Auf Erden nichts als Spott und Hohn,
Der Vater muß mit Grämen
Sich seines Kindes schämen.

8. Ein solches darf ich ja nun nicht
An meinem Sohn erwarten.
Der steht vor Gottes Angesicht
Und geht in Christi Garten,
Hat Freude, die ihn recht erfreut,
Und ruht von allem Herzeleid;
Er sieht und hört die Scharen,
Die uns allhier bewahren.

9. Er sieht und hört der Engel Mund,
Sein Mündlein hilft selbst singen;
Weiß alle Weisheit aus dem Grund
Und redt von solchen Dingen,
Die unser keiner noch nicht weiß,
Die auch durch unsern Fleiß und Schweiß
Wir, weil wir sind auf Erden,
Nicht ausstudieren werden.

10. Ach! sollt ich doch von ferne stehn
Und nur ein wenig hören,
Wenn deine Sinne sich erhöhn
Und Gottes Namen ehren,
Der Heilig, Heilig, Heilig ist,
Durch den auch du geheiligt bist!
Ich weiß, ich würde müssen
Vor Freuden Tränen gießen.

11. Ich würde sprechen: Bleib allhier,
Nun will ich nicht mehr klagen:
Ach, mein Sohn! wärst du noch bei mir!
Nein, sondern komm, du Wagen
Eliä, hole mich geschwind
Und bring mich dahin, da mein Kind
Und so viel liebe Seelen
So schöne Ding erzählen!

12. Nun es sei ja und bleib also,
Ich will dich nicht mehr weinen;
Du lebst und bist von Herzen froh,
Siehst lauter Sonnen scheinen,
Die Sonnen ewger Freud und Ruh:
Hier leb und bleib nun immerzu,
Ich will, will's Gott, mit andern
Auch bald hernacher wandern.

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