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Paul Gerhardts sämtliche Lieder

Paul Gerhardt: Paul Gerhardts sämtliche Lieder - Kapitel 108
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Gerhardt
titlePaul Gerhardts sämtliche Lieder
publisherVerlag und Druck von Johannes Herrmann
year1906
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131117
projectid972b9fe1
wgs
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106. Der 52. Psalm Davids.

In eigener Melodie.

1. Was trotzest du, stolzer Tyrann,
Daß deine verkehrte Gewalt
Den Armen viel Schaden tun kann?
Verkreuch dich und schweige nur bald!
Denn Gottes, des Ewigen Güte
Bleibt immer in völliger Blüte,
Und währet noch täglich, und stehet,
Ob alles gleich sonsten vergehet.

2. Die Zunge, dein schädliches Glied,
Du falscher verlogener Mund,
Tut manchen gefährlichen Schnitt,
Schlägt alles zuschanden und wund:
Was unrecht, das sprichst du mit Freuden,
Was recht ist, das kannst du nicht leiden,
Die Wahrheit verdrückst du, die Lügen
Muß Oberhand haben und siegen.

3. Dein Dichten, dein Trachten, dein Tun
Ist einzig auf Schaden bedacht.
Da ist dir unmöglich zu ruhn,
Du habest denn Böses vollbracht!
Dein Rachen sucht lauter Verderben,
Und wenn nur viel Frommen ersterben
Von deiner vergälleten Zungen,
So meinst du, es sei dir gelungen.

4. Drum wird dich auch Gottes Gericht
Zerstören, verheeren im Grimm;
Die Rechte, die alles zerbricht
Mit Donner und blitzender Stimm,
Die wird dich zugrunde zerschlagen,
Und wird dich mit schrecklichen Plagen
Aus deinem bisherigen Bleiben
Samt allen den Deinen vertreiben.

5. Da werden mit Freuden und Lust
Die frommen Gerechten ersehn,
Die anders bisher nicht gewußt,
Als ob es nun gänzlich geschehn
Die werden mit Schrecken dastehen,
Wenn jene zugrunde vergehen,
Und endlich mit heiligem Lachen
Sich wiederum lustig bei machen.

6. Ei, siehe! wird's heißen, da liegt
Der prächtige, mächtige Mann,
Der, stetig mit Erden vergnügt,
Den Himmel beiseite getan:
Vom Reichtum war immer sein Prangen,
Und wenn Er die Unschuld gefangen,
So hielt Er's für treffliche Taten;
Ei, siehe! wie ist's ihm geraten?

7. Ich hoffe mit freudigem Geist
Ein anders und besseres Glück;
Denn was mir mein Vater verheißt,
Das bleibet doch nimmer zurück:
Ich werde des Friedens genießen,
Auch wird sich der Segen ergießen
Und mich mit erwünschtem Gedeihen
Samt allen den Meinen erfreuen.

8. Ich werde nach Weise des Baums,
Der Oele trägt, grünen und blühn,
Mich freuen des seligen Raums,
Den ohne mein eignes Bemühn
Mein Herrscher, mein Helfer, mein Leben,
Mir selber zu eigen gegeben
Im Hause, da täglich mit Loben
Sein Name wird herrlich erhoben.

9. Trotz sei dir, du trotzender Kot!
Ich habe den Höchsten bei mir:
Wo der ist, da hat es nicht Not
Und fürcht ich mich gar nicht vor dir.
Du, mein Gott, kannst alles wohl machen,
Dich setz ich zum Richter der Sachen,
Und weiß es, es wird sich mein Leiden
Bald enden in Jauchzen und Freuden.

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