Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Samuel Hahnemann >

Organon der Heilkunst

Samuel Hahnemann: Organon der Heilkunst - Kapitel 9
Quellenangabe
typetractate
authorSamuel Hahnemann
titleOrganon der Heilkunst
publisherDresden und Leipzig, in der Arnoldischen Buchhandlung
printrunVierte verbesserte und vermehrte Auflage
year1829
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140220
projectid80552ff0
Schließen

Navigation:

§ 9. Unter Achtung auf jene Umstände (§ 7.) braucht der Arzt bloß die Gesammtheit der Symptome hinwegzunehmen. um die Krankheit zu heilen. Anm. a. Die offenbar die Krankheit veranlassende und unterhaltende Ursache ist hinwegzuräumen. Anm. b. Verwerflichkeit der symptomatischen, auf ein einziges Symptom gerichteten, palliativen Curart.

§. 9.

Da man nun an einer Krankheit, von welcher keine sie offenbar veranlassende oder unterhaltende Ursache ( causa occasionalis) zu entfernen ist Daß jeder verständige Arzt diese zuerst hinwegräumen wird, versteht sich von selbst; dann läßt das Uebelbefinden gewöhnlich von selbst nach. Er wird den die Augen-Entzündung erregenden Splitter aus der Hornhaut ziehen, den Brand drohenden, allzufesten Verband eines verwundeten Gliedes lösen und passender anlegen, die Ohnmacht herbeiführende, verletzte Arterie bloßlegen und unterbinden, verschluckte Belladonne-Beeren u. s. w. durch Erbrechen fortzuschaffen suchen, die in Oeffnungen des Körpers (Nase, Schlund, Ohren, Harnröhre, Mastdarm, Scham) gerathenen fremden Substanzen ausziehen, den Blasenstein zermalmen, den verwachsenen After des neugebornen Kindes öffnen u. s. w., sonst nichts wahrnehmen kann, als die Krankheits-Zeichen, so müssen es, unter Mithinsicht auf etwaniges Miasm und unter Beachtung der Nebenumstände (§. 7.), es auch einzig die Symptome seyn, durch welche die Krankheit die zu ihrer Hülfe geeignete Arznei fordert und auf dieselbe hinweisen kann – so muß die Gesammtheit dieser ihrer Symptome, dieses nach außen reflectirende Bild des innern Wesens der Krankheit das Hauptsächlichste oder Einzige seyn, wodurch die Krankheit zu erkennen geben kann, welches Heilmittel sie bedürfe, das Einzige, was die Wahl des angemessensten Hülfsmittels bestimmen kann – so muß, mit einem Worte, die Gesammtheit Von jeher suchte man, da man sich oft nicht anders zu helfen wußte, in Krankheiten hie und da ein einzelnes der mehrern Symptome durch Arzneien zu bestreiten und wo möglich zu unterdrücken – eine Einseitigkeit, welche, unter dem Namen: symptomatische Curart, mit Recht allgemein Verachtung erregt hat, weil durch sie nicht nur nichts gewonnen, sondern auch viel verdorben wird. Ein einzelnes der gegenwärtigen Symptome ist so wenig die Krankheit selbst, als ein einzelner Fuß der Mensch selbst ist. Dieses Verfahren war um desto verwerflicher, da man ein solches einzelnes Symptom nur durch ein entgegengesetztes Mittel (also bloß antipathisch und palliativ) behandelte, wodurch es nach kurzdauernder Linderung nur desto mehr sich nachgängig verschlimmert. der Symptome für den Heilkünstler das Hauptsächlichste oder Einzige seyn was er an jedem Krankheitsfalle zu erkennen und durch seine Kunst hinwegzunehmen hat, damit er geheilt und in Gesundheit verwandelt werde.

 << Kapitel 8  Kapitel 10 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.