Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Samuel Hahnemann >

Organon der Heilkunst

Samuel Hahnemann: Organon der Heilkunst - Kapitel 70
Quellenangabe
typetractate
authorSamuel Hahnemann
titleOrganon der Heilkunst
publisherDresden und Leipzig, in der Arnoldischen Buchhandlung
printrunVierte verbesserte und vermehrte Auflage
year1829
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140220
projectid80552ff0
Schließen

Navigation:

§ 111. 112. Jede Arznei hat von der andern abweichende Wirkungen. Anm. Es kann keine Surrogate geben.

§. 111.

Jede Arznei zeigt besondere Wirkungen im menschlichen Körper, welche sich von keinem andern Arzneistoffe verschiedener Art genau so ereignen Dieß sah auch der verehrungswürdige A. v. Haller ein, da er sagt (Vorrede zu seiner hist stirp. helv.): »latet immensa virium diversitas in iis ipsis plantis, quarum facies externas dudum novimus, animas quasi et quodcunque caelestius habent, nondum perspeximus.«.

§. 112.

So gewiß jede Pflanzenart in ihrer äußern Gestalt, in der eignen Weise ihres Lebens und Wuchses, in ihrem Geschmacke und Geruche von jeder andern Pflanzen-Art und Gattung, so gewiß jedes Mineral und jedes Salz in seinen äußern sowohl, als innern physischen und chemischen Eigenschaften (welche allein schon alle Verwechselung hätten verhüten sollen) verschieden ist, so gewiß sind sie alle unter sich in ihren krankmachenden – also auch heilenden – Wirkungen verschieden und von einander abweichend Wer die so sonderbar verschiednen Wirkungen jeder einzelnen Substanz von denen jeder andern auf das menschliche Befinden genau kennt und zu würdigen versteht, der sieht auch leicht ein, daß es unter ihnen, in arzneilicher Hinsicht, durchaus keine gleichbedeutenden Mittel, keine Surrogate geben kann. Bloß wer die verschiednen Arzneien nach ihren reinen, positiven Wirkungen nicht kennt, kann so thöricht seyn, uns weiß machen zu wollen, eins könne statt des andern dienen und eben so gut, als jenes, in gleicher Krankheit helfen. So verwechseln unverständige Kinder die wesentlich verschiedensten Dinge, weil sie sie kaum dem Aeußern nach und am wenigsten nach ihrem Werthe, ihrer wahren Bedeutung und ihren innern, höchst abweichenden Eigenschaften kennen.. Jede dieser Substanzen wirkt auf eine eigne, verschiedne, doch bestimmte Weise, die alle Verwechselung verbietet, Abänderungen des Gesundheitszustandes und des Befindens der Menschen Ist dieß reine Wahrheit, wie sie es ist, so kann fortan kein Arzt, der nicht für verstandlos angesehen seyn, und der sein gutes Gewissen, das einzige Zeugniß ächter Menschenwürde, nicht verletzen will, unmöglich eine Arzneisubstanz zur Cur der Krankheiten anwenden, als die er genau und vollständig in ihrer wahren Bedeutung kennt, d. i., deren virtuelle Wirkung auf das Befinden gesunder Menschen er so genau erprobt hat, daß er gewiß wisse, sie sey vermögend, einen sehr ähnlichen Krankheitszustand, und einen ähnlichern, als jede andre ihm genau bekannt gewordne Arznei, selbst zu erzeugen, als der durch sie zu heilende Krankheitsfall enthält – da, wie oben gezeigt worden, weder der Mensch, noch die große Natur anders vollkommen, schnell und dauerhaft als mit einem homöopathischen Mittel heilen kann. Kein ächter Arzt kann sich fortan von solchen Versuchen ausschließen, um diese notwendigste und einzige Kenntniß der Arzneien, die zum Heilbehufe gehört, zu erlangen, diese von den Aerzten aller Jahrhunderte bisher versäumte Kenntniß. Alle vergangenen Jahrhunderte – die Nachwelt wird's kaum glauben – begnügten sich bisher, die in ihrer Bedeutung unbekannten, und in Absicht ihrer höchst wichtigen, höchst abweichenden, reinen, dynamischen Wirkung auf Menschenbefinden nie geprüften Arzneien so blindhin in Krankheiten, und zwar mehre dieser unbekannten, so sehr verschiednen Kräfte in Recepte zusammengemischt zu verordnen und dem Zufalle zu überlassen, wie es dem Kranken davon ergehen möge. So dringt ein Wahnsinniger in die Werkstatt eines Künstlers, und ergreift Hände voll ihm unbekannter, höchst verschiedner Werkzeuge, um die dastehenden Kunstwerke, wie er wähnt, zu bearbeiten; daß sie von seiner unsinnigen Arbeit verderbt, wohl gar unwiederbringlich verderbt werden, brauche ich nicht weiter zu erinnern..

 << Kapitel 69  Kapitel 71 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.