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Organon der Heilkunst

Samuel Hahnemann: Organon der Heilkunst - Kapitel 53
Quellenangabe
typetractate
authorSamuel Hahnemann
titleOrganon der Heilkunst
publisherDresden und Leipzig, in der Arnoldischen Buchhandlung
printrunVierte verbesserte und vermehrte Auflage
year1829
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140220
projectid80552ff0
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§ 66. Kurzer Inbegriff der homöopathischen Heilart.

§. 66.

Nach dem bisher Vorgetragenen ist es nicht zu verkennen:

daß alles, was der Arzt wirklich Krankhaftes und zu Heilendes an Krankheiten finden kann, bloß in den Beschwerden des Kranken und den an ihm sinnlich wahrnehmbaren Veränderungen seines Befindens, mit einem Worte, bloß in der Gesammtheit der Symptome bestehe, durch welche die Krankheit die zu ihrer Hülfe geeignete Arznei fordert, hingegen jede ihr angedichtete, innere Ursache und verborgene Beschaffenheit ein nichtiger Traum sey;

daß diese Befindens-Verstimmung, die wir Krankheit nennen, bloß durch eine andre Befindens-Umstimmung mittels Arzneien zur Gesundheit gebracht werden könne, deren einzige Heilkraft folglich nur in Veränderung des Menschenbefindens, das ist, in eigenthümlicher Erregung krankhafter Symptome bestehen kann, und am deutlichsten und reinsten beim Probiren derselben an gesunden Körpern erkannt wird;

daß, nach allen Erfahrungen, durch Arzneien, die einen von der zu heilenden Krankheit abweichenden, fremdartigen Krankheitszustand (unähnliche krankhafte Symptome) für sich in gesunden Menschen zu erregen vermögen, die ihnen unähnliche natürliche Krankheit nie geheilt werden könne (nie also durch ein allopathisches Cur-Verfahren), und daß selbst in der Natur keine Heilung vorkomme, wo eine inwohnende Krankheit durch eine hinzutretende zweite, jener unähnliche, aufgehoben, vernichtet und geheilt würde, sey die neue auch noch so stark;

daß auch, nach allen Erfahrungen, durch Arzneien, die ein dem zu heilenden Krankheitssymptome entgegengesetztes künstliches Krankheitssymptom für sich im gesunden Menschen zu erregen Neigung haben, bloß eine schnell vorübergehende Linderung, nie aber Heilung einer ältern Beschwerde, sondern stets nachgängige Verschlimmerung derselben bewirkt werde; und daß, mit einem Worte, dieß antipathische und bloß palliative Verfahren in ältern, wichtigen Uebeln durchaus zweckwidrig sey;

daß aber die dritte, einzig noch übrig mögliche Verfahrungsart (die homöopathische), wodurch gegen die Gesammtheit der Symptome einer natürlichen Krankheit eine, möglichst ähnliche Symptome in gesunden Menschen zu erzeugen fähige Arznei in angemessener Gabe gebraucht wird, die allein hülfreiche Heilart sey, wodurch die Krankheiten als bloß dynamische Verstimmungs-Reize der Lebenskraft, unbeschwerlich, vollkommen und dauerhaft ausgelöscht und vernichtet, zu existiren aufhören müssen – worin auch die freie Natur in ihren zufälligen Ereignissen selbst mit ihrem Beispiele uns vorangeht, wenn zu einer alten Krankheit eine neue, der alten ähnliche hinzutritt, wodurch die alte schnell und auf immer vernichtet und geheilt wird.

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