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Organon der Heilkunst

Samuel Hahnemann: Organon der Heilkunst - Kapitel 20
Quellenangabe
typetractate
authorSamuel Hahnemann
titleOrganon der Heilkunst
publisherDresden und Leipzig, in der Arnoldischen Buchhandlung
printrunVierte verbesserte und vermehrte Auflage
year1829
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140220
projectid80552ff0
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§ 23–27. Versuch einer Erklärung dieses Natur-Heilgesetzes.

§. 23.

Da dieses Naturheilgesetz sich in allen reinen Versuchen und allen ächten Erfahrungen der Welt beurkundet, die Thatsache also besteht, so kommt auf die scientifische Erklärung, wie dieß zugehe, wenig an; und ich setze wenig Werth darauf, dergleichen zu versuchen. Doch bewährt sich folgende Ansicht als die wahrscheinlichste, da sie sich auf lauter Erfahrungs-Prämissen gründet.

§. 24.

Indem jede (nicht der Chirurgie einzig anheim fallende) Krankheit eine besondre, bloß dynamische Verstimmtheit unsrer Lebenskraft in Gefühlen und Thätigkeiten ist, die sich durch sinnlich wahrnehmbare Symptome zu erkennen giebt, so wird diese krankhaft verstimmte Lebenskraft durch eine, von dem verständigen Heilkünstler homöopathisch gewählte Arznei-Potenz in eine andre, aber sehr ähnliche, um etwas Weniges größere Arznei-Krankheit versetzt, wodurch die vorige, natürliche, krankhaft verstimmende Potenz, da sie stets nur dynamische Kraft, ohne Materie war, zu existiren aufhört, während die an ihre Stelle getretene, arzneiliche Krankheits-Affection, ihrer Natur nach, bald wieder von der Lebenskraft überwunden, auch ihrerseits verlöscht und dieß Körper belebende und erhaltende Wesen in seiner ursprünglichen Integrität und Gesundheit zurückläßt. – Dieser höchst wahrscheinliche Vorgang beruht auf folgenden Sätzen.

§. 25.

Der menschliche Körper scheint sich in seinem Befinden durch Arzneien (auch deßhalb, weil die Einrichtung der Gabe derselben in unsrer Macht steht) wirksamer umstimmen zu lassen, als durch natürliche Krankheits-Reize – denn natürliche Krankheiten werden durch angemessene Arznei geheilt und überwunden.

§. 26.

Auch besitzen die feindlichen, theils psychischen, theils physischen Potenzen im Erdenleben, welche man krankhafte Schädlichkeiten nennt, nicht unbedingt die Kraft, das menschliche Befinden krankhaft zu stimmen Wenn ich Krankheit eine Stimmung oder Verstimmung des menschlichen Befindens nenne, so bin ich weit entfernt, dadurch einen hyperphysischen Aufschluß über die innere Natur der Krankheiten überhaupt oder eines einzelnen Krankheitsfalles insbesondere geben zu wollen. Es soll mit diesem Ausdrucke nur angedeutet werden, was die Krankheiten erwiesener Maßen nicht sind, und nicht seyn können, nicht mechanische oder chemische Veränderungen der materiellen Körpersubstanz und nicht von einem materiellen Krankheits-Stoffe abhängig – sondern bloß geistige, dynamische Verstimmungen des Lebens.; sondern wir erkranken durch sie nur dann, wenn unser Organism so eben dazu disponirt und aufgelegt genug ist, von der gegenwärtigen Krankheits-Ursache angegriffen und in seinem Befinden verändert; verstimmt und in innormale Gefühle und Thätigkeiten versetzt zu werden – sie machen daher nicht Jeden und nicht zu jeder Zeit krank.

§. 27.

Ganz anders verhält sich's aber mit den künstlichen Krankheitspotenzen, die wir Arzneien nennen. Jede wahre Arznei wirkt nämlich zu jeder Zeit, unter allen Umständen auf jeden lebenden Menschen und erregt in ihm die ihr eigenthümlichen Symptome (selbst deutlich in die Sinne fallend, wenn die Gabe groß genug war), so daß offenbar jeder lebende menschliche Organism jederzeit und durchaus ( unbedingt) von der Arzneikrankheit behaftet und gleichsam angesteckt werden muß, welches, wie gesagt, mit den natürlichen Krankheiten gar nicht der Fall ist.

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