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Johann Gottfried Seume: Obolen - Kapitel 6
Quellenangabe
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authorJohann Gottfried Seume
booktitleProsaische und poetische Werke ? Siebenter Theil
titleObolen
publisherBerlin. Gustav Hempel
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correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Scholion

»Die Ketten sind zerschlagen,« sprach einer der Männer; »der Tyrannen Blut raucht, unser Arm ist Stahl und unser Muth Fels. Wir wollen uns vor keinem Idole mehr beugen. Hier wollen wir der Freiheit einen Tempel bauen und stehend an ihrem Altare opfern.« – »Wir wollen, wir wollen!« stürmte die Versammlung. Da trat ein alter Graukopf hervor, um dessen Schädel Würde wie ein Heiligenschein strahlte: »Ihr Männer, meine Brüder und Kinder,« rief er, »ich habe neunzig Jahr das Buch der Menschen in der Grundsprache gelesen. Nur wo Asträa wohnt, wohnt die Freiheit. Zieht Jene vom Himmel herab, und diese begleitet die Schwester in ihr Heiligthum; selbst das Schicksal kann sie nicht trennen.«

Die Männer wurden ernst und traurig und dachten nach, wie sie Asträen einen Altar bauen könnten; aber der Gedanke wurde fortgeschlagen von dem Sturme des Aufruhrs. »Arme Betrogene!« seufzte der Graukopf und schlich sich beiseite. Die Freiheit hatte weder in Rom noch Griechenland Tempel, und der Altar, den man ihr dort baute, sprach ihr Hohn. Ohne allgemeine Gerechtigkeit ist Freiheit Lästerung.

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