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Johann Gottfried Seume: Obolen - Kapitel 14
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authorJohann Gottfried Seume
booktitleProsaische und poetische Werke ? Siebenter Theil
titleObolen
publisherBerlin. Gustav Hempel
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correctorreuters@abc.de
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Apokryphen.

Geschrieben 1806 und 1807.Erscheinen hier zum ersten Male vollständig und correct nach dem uns vorliegenden Originalmanuscript Seume's. – A. d. H.

Die Apokryphen wurden erst nach Seume's Tode im Jahre 1811 durch den Druck veröffentlicht und zwar zusammen mit einigen Anmerkungen zum Spaziergang nach Syrakus von Schnorr v. K., der Rede des Phliasiers Patrokles, der Belagerung von Platäa und der Weinlese, unter dem Titel:

Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802. Von J. G. Seume. Dritter Theil enthält: Anmerkungen und Zusätze zur Charakteristik des Verfassers und dessen literarischen Nachlaß,

mit dem Neben-Titel:

Apokryphen von J. G. Seume. Nebst dessen übrigem literarischen Nachlaß und Anmerkungen und Zusätzen zu seinem Spaziergang nach Syrakus.

Aus persönlichen und politischen Rücksichten hat der Herausgeber damals Vieles weggelassen, sowie in dem von ihm Mitgetheilten hie und da geändert, eine große Anzahl von Eigennamen blos durch Punkte bezeichnet u. dgl. m. Obgleich diese Rücksichten längst weggefallen sind, so hat doch keiner der späteren Herausgeber jene eigenmächtigen Aenderungen beseitigt, so daß beispielsweise Namen wie Bonaparte, die Franzosen, Paris, Austerlitz, Roßbach, Palm (der Nürnberger Buchhändler, welcher auf Napoleon's Befehl erschossen wurde), Württemberg, Preußen u. s. w. auch noch in den neuesten Auflagen nur durch Punkte bezeichnet sind.

Aber es blieben nicht nur die Verstümmelungen des Seume'schen Textes bis heute unverändert, sondern derselbe ist auch noch allmählich immer mehr durch die gröbsten Druckfehler entstellt worden, welche den Sinn theils durchaus unverständlich gemacht, theils sogar in das directe Gegentheil verkehrt haben, wie z. B. in der Ausgabe von 1853 an drei verschiedenen Stellen (S. 128, Z. 22, S. 159, Z. 10, S. 226, Z. 3) »Vernunft« statt »Unvernunft,« an einer andern (S. 145, Z. 2) »vernünftig« statt »unvernünftig,« an einer dritten (S. 149, Z. 2 v. u.) »Natur« statt »Vernunft« zu lesen ist.

Unsere Ausgabe bringt zum ersten Male den unverstümmelten und vollständigen Text Seume's.

*

Es ist doch wol möglich, daß ich zuweilen auch einen guten Gedanken habe; also will ich es immer meiner Faulheit abgewinnen und manchmal Einiges niederschreiben. Wenn vielleicht das Nämliche wiederholt und variirt vorkommen sollte, so ist das wol ein Beweis, daß es oft und vielgestaltig in meiner Seele war. Daher könnte man vielleicht schließen, daß mir der Gegenstand etwas wichtig oder lieb müsse gewesen sein.

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Apokryphen nenne ich Dinge, aus denen man so eigentlich nicht recht weiß, was man zu machen hat. Es ist also Alles in uns und um uns sehr apokryphisch, und man dürfte vielleicht sagen: die ganze Welt ist eine große Apokryphe. Mir ist es sehr lieb, wenn sie Andern verständlicher ist als mir.

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Die Vernunft ist immer republikanisch, aber die Menschen scheinen, wenn man die Synopse ihrer Geschichte nimmt, doch durchaus zum Despotismus geboren zu sein.

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So lange man die Geduld zur ersten Tugend macht, werden wir nie viel thätige Tugend haben. An thätigen Tugenden scheint auch den Volksführern wenig zu liegen, sie brauchen nur leidende. Daher geht es denen leider kaum leidlich.

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Wer aus sich herauslebt, thut immer besser, als wer in sich hineinlebt.

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Wer ohne Tadel ist, ist immer ohne Furcht, aber wer ohne Furcht ist, ist nicht immer ohne Tadel. Es wäre also genug gewesen, zu sagen: »der Ritter ohne Tadel«; denn mit Furcht wäre er es nicht. Der Ausdruck wollte aber gleich den ersten Vorwurf gegen einen Ritter ausdrücklich heben, den Vorwurf der Furcht, und faßte sodann alles Uebrige in ein Wort zusammen.

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Es ist nicht unangenehm, oder vielmehr es ist oft unangenehm, aus der Sprache eines Volks seinen Charakter zu sehen. »He is possessed of great riches«, sagt der Engländer gewöhnlich, ohne etwas Schlimmes zu denken, und drückt dadurch deutlich das Verhältniß des Mannes zum Gelde aus. Das Letzte ist Herr. Desgleichen sagen die Briten: »He is worth ten thousand pounds«, und es heißt bei ihnen, er hat so und so viel. Subtrahire die Summe, so bleibt nichts; also ist der Kerl nichts werth. »He is not worth a groat« heißt nicht, wie ungefähr bei uns moralisch: Der Kerl ist keinen Heller werth, sondern: Der Lump hat keinen Heller in der Tasche. Unsere deutschen Büttel aller Art sagen gewöhnlich sogleich: »Will der Kerl raisonniren? Nur nicht raisonnirt!« Man kann nicht besser bezeichnen. Der Gedanke ist verbannt. Das hat sich seit langer Zeit auch deutlich in den Nationalsachen gezeigt. Rex, roi, imperator, βασιλεύς, ἄρχων, Sophi etc., alles sind noch Benennungen, die humanen philosophischen Sinn haben: bei uns ist König, wer kann, die Knochenkraft, bruta vis. Und wo sie oben versiegt, geht sie in die Unterköniglinge, die Satelliten über. Das Wort vornehm ist eine eigene Unvernunft der Deutschen: »was voraus nimmt«. Keine andere Sprache hat, so viel ich weiß, ein ähnliches in diesem Sinne. Es zerstört sogleich alle erste Begriffe von Gerechtigkeit. Zum Glück hat die Dummheit den Menschensinn noch nie so herabwürdigen können, daß ein vornehmer Mann für ein reines Lob gälte. Darum bekümmert sich aber der vornehme Mann nichts, eben weil er vornehm ist.

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Wo die meiste sogenannte positive Religion war, war immer die wenigste Moralität. M. s. die Geschichte.

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Gleichheit ist immer der Probestein der Gerechtigkeit, und beide machen das Wesen der Freiheit.

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Die freundliche Humanität der Griechen zeigt sich schon in der Bedeutung ihrer eigenen Namen. Es sind sehr wenige, die etwas ganz Schlechtes bezeichneten, und selten einer, der gar nichts sagte; und dessen Bedeutung ging gewiß verloren. Xenophon, der Fremdsprechende; Agesilaus, der Volksführer; Perikles, der Vielberühmte; Aspasia, die Freundliche; Philippus, der Pferdefreund; Sokrates, der Festherrschende; Diogenes, der Gottgeborne; Hippokrates, der Pferdebändiger; Terpander, der Menschenerquicker; Aristides, des Besten Sohn; Themistokles, der durchs Recht Berühmte; Demosthenes, die Volkskraft; Pausanias, der Schmerzenstiller; Alcibiades, der Gewaltherrscher; Alexander, der Menschenretter; und so die meisten übrigen. Keine andere Sprache hat hierin so viel Bedeutsamkeit.

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»Τὸ ἶσον μόνον τὸ δίκαιον«, Nur das Gleiche ist das Gerechte, sagt schon Euripides; und τὸ ἰσον ἔχειν, ἰσηγορία (im guten Sinne) und ἰσονομία sind überall der Charakter der griechischen Liberalität.

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Demuth und die mit ihr verwandte Geduld sind Eselstugenden, die die Spitzköpfe den Plattköpfen gar zu gern einprägen. Demuth: Muth zu dienen. Ich habe nie gehört oder gelesen, daß humilitas oder ταπείνωσις bei den Alten unter die Tugenden gerechnet worden wären. Demuth ist der erste Schritt zur Niederträchtigkeit.

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Ehrenvolle, thätige Gefahr ist besser als der ruhige Schlaf eines Sclaven. »Malo libertatem periculosam quam quietam servitutem«, sagte jener Pole. Jetzt wird von Freiheit und Vernunft bald nicht mehr die Rede sein. Auch in Frankreich giebt's keine freie Bürger mehr, sondern nur Bürger, die vor dem Autos epha des Autokrators und den Dolchen seiner Trabanten zittern.Im Manuskript am Rande die Bemerkung Seume's: »April 8. 1806«. – A. d. H.

*

Der Gouverneur von Gaeta ist seit langer Zeit wieder der erste, der dem deutschen Namen Ehre macht. Alle unsere Fürsten sind Bonaparte's Leibwache. Ceciderunt in profundum nostra antiqua praemia laudis atque, gloriae, ceciderunt. Bonaparte kann sich nur halten durch kluge Einführung neuer Privilegien; wir könnten ihm nur widerstehen durch kluge Vernichtung der alten. Er wird sich also wol halten; denn ihm hat das Schicksal in die Hände gearbeitet. Daß von unserer Seite nichts Verständiges geschehen wird, dafür bürgt mir die schmutzige Pleonexie unserer Privilegiaten.

*

Die erste Immunität war der erste Schritt zur allgemeinen Ungerechtigkeit und Sclaverei, die erste Infamie. Ueber die Atelie bin ich mehr der Meinung des Leptines als des Demosthenes, obgleich die griechische Atelie noch lange nicht das Ungeheuer unserer Steuerfreiheit war. So etwas konnten nur Barbaren erfinden und Dummköpfe verewigen.

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Bei Roßbach hat man das letzte Mal mit den Ausländern Deutsch gesprochen, seitdem haben sie uns ihre Sprache gelehrt. Das ist sehr begreiflich: sie sind klüger geworden und wir beträchtlich dümmer.

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Es ist jetzt allerdings keine Ehre, ein Deutscher zu sein, aber es kommt mir fast vor, als ob es eine Schande wäre, Franzose zu sein. Nach einer solchen Morgenröthe eine so cimmerische Nacht! Wenn kein Gewitter die Atmosphäre reinigt, so wird es – doch nein, es wird immer etwas Menschliches bleiben. Der Troß scheint ja zu Unvernunft und Geißel geboren zu sein; und es wird sich beständig ein Mann finden, der Israel sündigen macht, positiv oder negativ, durch Kraft oder Schwachheit.

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»Der neue Hercules stand am Scheidewege«, sagt ein neuer Prodikus; »da erschienen vor ihm zwei Gestalten, ihm zu Führerinnen: die Vernunft mit ihrem Gefolge der Freiheit und Gerechtigkeit, der Freundlichkeit u. s. w., und die Despotie mit ihrem Zug, der Unterdrückung, der Habsucht, der Furcht u. s. w. Jede hielt ihre Rede ans der Seele der Sache, und der junge Heros war im Voraus entschlossen, als kleinerer Mann das Letzte zu wählen: die blinde Macht mit dem Ungrund, der Stahlherrschaft, dem Neffengeist, dem Todesschlafe der Liberalität.

*

Niemand ist vor den Andern ausgezeichnet groß, wo die Andern nicht sehr klein sind.

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Wo ein einziger Mann den Staat erhalten kann, ist der Staat in seiner Fäulniß kaum der Erhaltung werth.

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Die Geschichte scheint mir fast zu bürgen, daß die Menschen keine Vernunft haben.

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Ein ehrlicher Deutscher hat gar nicht Ursache, sich über B– zu beschweren, aber wol ein ehrlicher Franzose.

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Je mehr ich mich in der Welt umsehe, desto mehr werde ich der Meinung des Addisonischen Cato: »The post of honour is a private station.«

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Le grand enthousiasme, l'esprit enchanteur, la générosité et la bassesse sans bornes, de grands et beaux sentimens sans raison, tour à tour rampans et fiers et toujours aimables même dans leurs égaremens de la dernière folie; voilà les François. Tout ce qu'ils sont, ils le sont par étourderie. Par étourderie ils ont été culbutés à Rosbac, par étourderie ils ont vaincu à Austerlitz; ils se sont défaits d'un roi pour se donner à un despote aux mains de fer. Tout ce qu'il y a à craindre et à espérer c'est de leur étourderie.

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Der Anfang der französischen Revolution rächte das Volk an der Regierung und das Ende die Regierung an dem Volke: und beide scheinen weder besser noch klüger geworden zu sein. Der Ertrag ist wenig mehr als origineller Stoff zu dem großen cyklischen Gedicht unserer Geschichte.

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Hamburg und Bremen und Lübeck sollen ihre Unmittelbarkeit unter französischem Schutz und gegen eine Abgabe an Frankreich behalten. Dann verdient doch wol kein deutscher Fürst mehr, daß er Hosen trägt. Aber die alten Tyrannen verdienen die Geißel des neuen.

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Die ganze Synopse unserer Politik liegt in den zwei Versen von Bürger:

»Du hast uns lange genug geknufft;
Man wird Dich wieder knuffen, Schuft.«

Weiter hat Vernunft und Gerechtigkeit nichts damit zu thun.

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Wer keine Ungerechtigkeiten vertragen kann, gelangt selten zu Ansehn in der Gegenwart, und wer es kann, verliert den Charakter für die Zukunft.

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Die geheime Geschichte der sogenannten Großen ist leider meistens ein Gewebe von Niederträchtigkeiten und Schandthaten.

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Ob die Menschen Vernunft haben, ist mir entsetzlich problematisch; ich habe wenigstens in ihren politischen, philosophischen und öffentlich moralischen Vorkehrungen sehr wenig davon wahrgenommen. Am Meisten Vernunftähnliches findet man noch im Häuslichen.

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Wer das erste Privilegium erfunden hat, verdient vorzugsweise so lange im Fegefeuer in Oel gesotten oder mit Nesseln gepeitscht zu werden, bis das letzte Privilegium vertilgt ist.

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Warum ist Rousseau's »Bürgervertrag« so gut und seine »Politische Oekonomie« so schlecht? Den ersten schrieb er, so gut er konnte, die zweite, so gut er durfte: und sehr gut darf man freilich selten öffentlich schreiben. Die letzte wurde zuerst in Paris gedruckt und wahrscheinlich für Frankreich geschrieben. Das erklärt schon Alles.

*

Rousseau spricht in seinem »Bürgervertrag« von Privilegien; das klingt sonderbar. Aber R. irrte sich. Er versteht unter Privilegien nur nothwendige, persönliche Prädicate der Magistraturen. Diese Vorzüge sind keine Privilegien. Ein Vorzug ist nothwendig im Gesetze und zum Gesetze, ein Privilegium ist außergesetzlich. So viel ich weiß, hat die alte ächte Latinität und Gräcität kein Wort für diese ehrlose Sache; denn jedes Privilegium ist ehrlos.

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Das erste Privilegium ist der erste Ansatz zum Krebs des Staatskörpers.

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Wenn man die Geschichte liest, geräth man oft in Gefahr zu fragen: »Ist es ehrenvoller, ein Volk zu regieren oder gehenkt zu werden?«

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Ob Brutus gut war, ist problematisch, aber es ist nicht problematisch, daß Cäsar schlecht war.

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So verstümmelt ist oft die menschliche Natur, daß Tyrannen ihre Wohlthäter werden müssen.

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Wer den ersten Gedanken der Gerechtigkeit hatte, war ein göttlicher Mensch; aber noch göttlicher wird Der sein, der ihn wirklich ausführt.

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Bonaparte konnte ein Fixstern werden und ist eine Sternschnuppe geworden.

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Gehe nur Einer nach Cleve und Mailand und spreche noch von dem Neffengeist der Erzpfaffen in Rom. Rom verhält sich hier zu dem heutigen Paris wie die Eidechse zum Krokodil.

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Groß ist das, wovor ich mit dem ganzen Gefühl meiner physischen und moralischen Kraft staunend stehe und sage: »Das vermag ich nicht!« Meistens macht die Kleinheit die Größe.

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Es giebt Geschichtsmänner, die das Schicksal bis zur Ohnmacht groß gemacht hat. Dann geht es ihnen wie den überwachsenen Körpern. »Ich werde mir kleine Kerle anschaffen müssen,« sagte mein alter Oberster, »um Euch großen maroden Bengel mit fortzuhucken.«

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Man will bemerkt haben, daß die Leute in dem Verhältnisse gescheit waren, als sie nicht gelehrt waren: wenigstens findet man, daß die Gelehrtesten nicht sehr gescheit sind.

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Der Witz ist die Krätze des Geistes. Er juckt sich heraus. Wo ein fester Körper ist, kann eine gute Krätze wol eine Letalkrankheit curiren, – wenn sie ordentlich behandelt wird, kann aber auch ein Körperchen aufzehren und zerstören, wenn man sie vernachlässigt. So kann es der Seele mit dem Witze gehen. Ein Witzbold setzt die Tafel ins Pferdelachen, aber hält selten die ernstere Sonde.

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»Ihr vertraget gern die Narren, dieweil Ihr klug seid!« ist wol einer der weisesten Sprüche des guten Paulus.

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Ueberall findet man die schönsten, reizendsten Mädchengesichter in der dienenden Mittelclasse, weil man da die Natur am Wenigsten verderbt und überfeinert; denn verfeinert hält man für etwas Gutes, welches ich freilich nicht begreife. Ich habe zuweilen eine solche Grazie mit dem Körbchen oder dem Wasserkruge bemerkt, bei der ich mich wunderte, daß sie ein reicher Schmecker nicht für sich ausputzte. Nach einiger Zeit hatte sie wirklich ein reicher Schmecker zur Dame geputzt. Ob mit Geschmack und Vortheil und für sich, das gehört in die Problematik.

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Faulheit und Dummheit und die aus beiden gemischte Furcht sind die Quellen des meisten Unfugs, den Bosheit und Uebermuth anrichtet. Wo keine Sclaven sind, kann kein Tyrann entstehen.

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Faulheit ist Dummheit des Körpers, und Dummheit Faulheit des Geistes.

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Die meisten Menschen haben überhaupt gar keine Meinung, viel weniger eine eigene, viel weniger eine geprüfte, viel weniger vernünftige Grundsätze.

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Man glaube ja nicht, daß es je einer Regierung eingefallen ist, der Menschenvernunft vernünftig nachzuhelfen; das ist gar nicht ihre Sache. Was wir noch davon sehen, ist durch die Umstände emporgegohren; und man thut überall alles Mögliche, neue Hefen hineinzubringen, damit sich ja nichts abläutere. Wenn wir nicht wieder einige Zeit in der Barbarei schlafen, wird das Ganze bald eine kecke, geckenhafte, despotische Unvernunft werden.

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Es ist Schade, daß man keinen Prophetenglauben mehr hat, sonst könnte Rousseau der Begründer eines sehr schönen Systems werden. Wenn er nur nicht zu viel geschrieben hätte! Seine Schwärmerei geht doch zuweilen mit seiner Vernunft durch. Der »Contrat social« und Voltaire's kleines Gedicht »La loi naturelle« sind vielleicht das Größte, was die französische oder irgend eine andere Literatur hervorgebracht hat.

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Hobbes, der eiserne Apostel des blinden Despotism, hat gewonnen, sobald man ihm einige seiner Gaunerpostulate unbedacht zugiebt. He is the hobbyhorse of tyrants, much more than any other. Aber selbst nach der Norm dieses Koryphäen würden wenig Fürsten die Sonde halten. Zum Glück haben sie nach seiner Lehre nicht nöthig, sich um die Sonde zu bekümmern.

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Einem Menschen, der seinen Bruder unbesonnen um Hilfe zum Himmel weist, sollte man die Erde zur Hölle machen, und zwar ohne Aussicht auf den Himmel.

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Arihman, der Vielwüthende, der Teufel der Morgenländer, klingt schrecklich genug; aber unser christlicher Teufel versteht sein Handwerk nicht minder höllisch. Sein Name heißt eigentlich der Durcheinanderwerfer, der beste Kniff vollendeter Bosheit und noch etwas sublimirter als Arihman. Arihmanskinder giebt es so viele nicht mehr, aber desto mehr Teufelsgelichter, ganz etymologisch.

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Die meisten Bücherschreiber verschwenden eine ungeheure Gelehrsamkeit, um nichts zu sagen; und die meisten Diplomatiker machen unendliche Circumherumschweife, um nichts zu thun. Die neueren Franzosen haben wenigstens das Gute, daß sie nichts thun, was nicht zur Sache gehört, und den geraden Weg nehmen. Daß die Andern blind sind, ist nicht ihre Schuld; sie selbst tragen keine Maske, schon seit langer Zeit nicht mehr.

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Wer jetzt Politik des Tages schreiben wollte, müßte Doctor Faust's Mantel zur Verbreitung haben; denn was heute neu ist, ist übermorgen schon sehr alt, und eine Katastrophe jagt die andere. Es wird mich gar nicht wundern, wenn ich heute höre, die Franzosen sind in Berlin, und übermorgen die Russen und die Schweden. Preußen und Brandenburger scheinen seit geraumer Zeit nicht mehr dort zu sein.

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Die nordischen Mächte ausgenommen, ist Sachsen der einzige Staat, der in der Zeitkrise keine Veränderung erlitten hat; das gereicht dem Regenten zur großen Ehre.

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Die Staaten stehen zusammen in Naturverhältnissen. Preußen gewinnt viere durch Tergiversation, Frankreich vierzig durch Energie. Wer hat nun gewonnen? Und wie steht die Sicherheit?

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Wer sich beständig ausschlußweise mit den Büchern beschäftigt, ist für das praktische Leben schon halb verloren. Der weise Salomo hat viel Narrheit und Plato viel Unsinn. Die beste Philosophie ist der geläuterte Menschenverstand, das beste Mittel dazu die Welt sehen, die Geschichte lesen und selbst denken in gleichen Verhältnissen. Werden die Verhältnisse nicht beobachtet, so kommt das Resultat unkosmisch.

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Der vernünftige Bürger muß sich erst als reinen Menschen denken. Es ist das Kriterion der Vollendung des Staats, daß der Civism durchaus kein Recht der Humanität beleidige.

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Als Friedrich II. sagte: »Wenn ich eine Provinz recht empfindlich strafen will, lasse ich sie durch einen Philosophen regieren!« hatte er vielleicht eben Plato's »Republik« gelesen.

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Wer den Rechtsunbegriff Knechtschaft zuerst gedacht hat, verdient tausend Olympiaden im Tartarus bei den Eumeniden die Dike zu lernen.

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Das Wort Faustrecht kommt mir vor, als ob man sagte: ein rundes Quadrat oder ein viereckiger Zirkel. Das ist leider auch ein deutscher Unsinn wie das Lehnrecht mit seinen Auswüchsen: dafür leidet denn unsere Nation jetzt eine blutige, fast letale Talion. Wenn im Großen das Faustrecht, das heißt der Unsinn, zu sehr herrscht, dann kommt er auch ins Kleine, und dann ist der jüngste Tag der Staaten nahe. Es scheint aber wohlthätig in der Natur der Sache zu liegen, daß im Kleinen nie ganz so viel Unsinn herrschen kann als im Großen.

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Wo das Volk keine Stimme hat, steht's auch um die Könige schlecht, und wo die Könige kein Ansehen haben, steht's schlecht um das Volk.

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Wir nennen Frieden, was doch nur Lethargie vor dem Tode ist, und ich fürchte, wir erwachen nur zu unserm Ende.

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Es ist oft ein Glück für die Menschheit, daß die größeren Verbrecher die kleineren in Furcht halten. Wie dabei Vernunft und moralische Weltregierung bestehen, weiß ich freilich nicht recht zu entziffern.

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Plato ist ein Schwärmer und Aristoteles ein Schiefblicker, Hobbes ein Sophist und Grotius ein christlich scribelnder Römling; nur Rousseau hat haltbare Grundsätze. Nach vielen Jahrhunderten wird sein »Bürgervertrag« doch noch Katechismus werden, und fast verdient er symbolisches Buch zu sein.

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Hobbes sagt: »Das Volk hört auf, Volk zu sein, mit der Unterwerfungsacte.« Wäre dieses wahr, so wäre eben dadurch die Acte null. Es bliebe blos der Fürst, der dann nichts wäre als ein Einzelner, gegen den sodann jeder Einzelne wieder das Recht der Gleichheit hätte; der außergesetzliche Zustand träte wieder ein, wenn wir nicht sagen wollen, der Naturzustand. Das Urpactum muß durchaus aus dem Zwecke der Gesellschaft und der menschlichen Natur genommen werden, auch da, wo es nicht ausgedrückt ist, und vorzüglich da. Denn wo die Freiheit etwas bestimmte, hat sie das Recht, minder weise zu sein. Aber wo nichts bestimmt ist, wird billig das Höchste angenommen. Wo nichts bestimmt ist, darf der Mensch mit seinen Forderungen in der ganzen Würde seines Wesens hintreten. Das Nämliche gilt in großen Collisionen, wo das Schlechtgesetzte vernichtet ist.

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So lange ich blos empfindend lebe, ist meine mittheilende Neigung höchst uneigennützig; aber sobald ich anfange zu denken, löst sich Alles in Selbstheit auf, wenn sie auch noch so fein wäre. Selbst die moralische Größe und die Ueberzeugung, daß es göttlich sein würde, wenn Alle so gerecht und gut wären, hat ihre sublimirte Selbstheit. Die allgemeine Harmonie fängt immer mit der Stimmung der Saite an, die wir darin ausmachen. Die Empfindung führt den Gedanken herbei, und der Gedanke löst sich in Empfindung auf.

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Die griechische Kalokagathie erschöpft das höchste Ideal der Menschenwürde in allen Verhältnissen. Aber als man das Wort erfand, hörte bald der Sinn auf. So geht es leider oft mit vielen Dingen, vorzüglich mit Freiheit und Gerechtigkeit. Niemand spricht mehr von Gesundheit als die Kranken.

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Meine Seele ist ein Tummelplatz vieler Leidenschaften gewesen. Mit Hilfe des Stolzes hat immer die Vernunft gesiegt, vielleicht zuweilen auch nur mit Hilfe des Zufalls. Nur Haß und Verachtung sind nie in meine Seele gekommen; daher bin ich geneigt zu glauben, daß diese beiden Gefühle unphilosophisch seien.

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Stolz ist Gefühl seines bestimmten Werths und durchaus lobenswürdig. Wo man ihn tadelt, liegt der Fehler in dem Irrthum des Gefühls. Wenn Alle nur vernünftig stolz wären, es würde in der Welt nicht so niederträchtig hergehen. Der Stolz eines Fürsten ist seine Gerechtigkeit und seine allgemeine Humanität; leider sind also die wenigsten Fürsten stolz. Stolz mit der strengen Moral kann an Härte grenzen; nur Weggeworfene und Niederträchtige können sich über den Stolz Anderer beschweren. Er wird nur zu oft und zu sehr mit ähnlich scheinenden Fehlern, Eitelkeit und Ehrgeiz, verwechselt. Pompejus war eitel, Cäsar war ehrgeizig, und Cato war stolz. Wer wird diese drei Charakter vermengen? Bonaparte ist Pompejus und Cäsar vereint; vom Cato hat er – wol sehr wenig.

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Wer die Krankheit hat, keine Ungerechtigkeiten ertragen zu können, darf nicht zum Fenster hinaussehen und muß die Stubenthür zuschließen. Vielleicht thut er auch wohl, wenn er den Spiegel wegnimmt.

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Nobilitas a nomine dicitur; wer fragt darnach, ob der Name rein gut war? Il n'y a guère de différence entre la noblesse d'Hérostrate et celle de nos privilégiés et titrés. Le premier brûla le temple d'une grande déesse, les seconds détruisent et saccagent les cabanes des pauvres misérables, qu'ils traitent avec grandeur comme canaille. Les nobles sont toujours de petits tyrans et les tyrans de grands nobles; ils se soutiennent toujours les uns les autres; et ce sont les priviléges qui font leurs liens infernaux.

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Service vient de servitium et signifie originairement esclavage. Voilà le droit public expliqué.

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Wo die Möglichkeit des Lehnrechts stattfindet, ist der erste Schritt zur Sclaverei gethan.

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Intermediärlasten sind die Schwindsucht der Staatsökonomen.

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Wenn der Deutsche von Freiheit spricht, ist es wol entsetzlich abusive.

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Chez les François il n'y a pas de civlilté mais seulement de la politesse, parcequ'il n'y a pas de cité, pas de citoyen, pas de civisme. Citoyen! on disoit autrefois; bourgeois! on dit à présent. Il n'y a pas même plus le mot de liberté, à ce qu'on dit. Voilà la soldatesque avec leur chef, le tombeau de tout ce qu'il y a de la libéralité.

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Unser deutsches Wort Höflichkeit ist ebenso zweideutig als das französische politesse. Ob uns von den Höfen viel Gutes kommt, weiß ich nicht, aber das weiß ich, daß uns von ihnen viel Schlechtes kommt.

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Nur der Bürgersinn kann über Ehre bestimmen. Nun ist dieses Geistes überall sehr wenig; also ist nur sehr wenig wahrhaft gewürdigte Ehre.

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Wer reine Wahrheit zu reden wagt, sollte sogleich seinen Stockknopf mit Gift füttern.

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Man giebt in unsern Staaten meistens der Gerechtigkeit eine Form, die schrecklicher ist als die Ungerechtigkeit selbst.

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Das Bißchen Gerechtigkeit in unsern Staaten wird so entsetzlich theuer gekauft, daß wir uns oft weit besser aller ursprünglichen Ungerechtigkeit aussetzen würden.

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Ich machte mich anheischig, zu beweisen, daß man nach vernünftiger Gerechtigkeitspflege in Sachsen Niemand mit Fug strafen könne. Es sind ja keine Gesetze ordentlich promulgirt. Ein verständiges Gesetzbuch wäre wol nöthiger als ein unverständlicher Katechism.

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Wer auf Charakter hält, lebe in sich! Wer mit den Zeichen, mit Ansehen, Macht und Ruhm zufrieden ist, gehe aus sich heraus und in Andere hinein, gleichviel auf welche Weise, nur klug!

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Aus Italien ist uns doch viel gekommen, August und Caligula, Antonin und Hildebrand, die Medicis und Bonaparte; dort wurde der Ablaß, der Compaß und die Aqua Toffana erfunden.

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Que les Allemands sont la nation lourde, je le crois bien; mais que les François soient la grande nation – credat Judaeus Apella!

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»Die Vernunft gehört gar nicht in die positive Religion«, sagen selbst ihre Verehrer, nämlich die Verehrer der Vernunft und der positiven Religion. Haben sie nun die Philosophen? die Rechtslehrer? Wo ist sie denn, die schöne Fata Morgana?

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Der Satan hat die Sprachen erfunden. Sie sind das beste Handwerkszeug der despotischen und geistlichen Gaunerei.

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Ende eines Gesprächs.

»Sie sind sehr dreist, verdammt dreist! Wenn ich bitten darf, mein Herr, wer sind Sie?«

»Weder Ihr Herr noch Ihr Diener.«

»Wissen Sie, mit wem Sie sprechen?«

»Nein.«

»Mein Vater ist sehr angesehen und Ritter mehrerer Orden, und der Ihrige?«

»Ein Mann.«

(Verächtlich) »Vermuthlich; denn Zwitter haben keine Zeugungskraft; aber von welchem Orden?«

»Von dem Orden der Männer. Er ist nicht so zahlreich, als Sie glauben. Die Regel ist Muth, Vernunft, Gerechtigkeit, Menschenliebe; nicht die Regel jedes Ordens!«

»Herr, Sie sind ein Jacobiner.«

»Wahrheit und Ehre haben keine Secten. Nur Schwachköpfe lassen sich gängeln und von Bassen und Bonzen castriren.«

»Man muß sich vor Ihnen hüten.«

»So sprechen die Brillenträger. Ehrliche, selbst sehende Leute fürchten nichts.«

»Der Kerl ist auf alle Fälle ein Sonderling« (geht stolz davon).

*

Zuweilen habe ich wol auch gewünscht, meiner Mutter ein Leuktra und Mantinea bringen zu können; wenn ich aber alle Verflechtungen und Folgen überlege, bin ich schon zufrieden, daß es ist, wie es ist, und beneide Epaminondas nicht weiter.

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Das Loos des Menschen scheint zu sein, nicht Wahrheit, sondern Ringen nach Wahrheit; nicht Freiheit und Gerechtigkeit und Glückseligkeit, sondern Ringen darnach.

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Der Himmel hat uns die Erde verdorben.

*

Ich habe gemerkt, daß der Mysticismus bei Gebildetern meistens Nervenschwäche und Magenkrampf ist. Mein Freund Novalis steht an der Spitze. Schiller konnte sich mit mehr Kraft durchtragen, sonst wäre er auch förmlich dem Mysticismus unterlegen. In seiner »Braut von Messina« stand er im Vorhofe.

*

Das Leben der biblischen Personen, vernünftig, ohne Bibelglauben, mit philosophischer Strenge geschrieben, müßte eine Unternehmung sein, die uns in der bessern Cultur einen großen Schritt weiter bringen würde.

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Treibet die Furcht aus! Dann ist Hoffnung, daß der gute Geist einziehen werde.

*

Bei der allgemeinen Schande und Verwirrung des deutschen Vaterlandes tröstet mich, daß es nicht leicht schlechter und unvernünftiger werden kann, als es bisher war.

*

Wem sein eigener Beifall nicht genügt, macht an dem Beifall der Welt einen schlechten Gewinn.

*

Die Geschichte ist meistens die Schande des Menschengeschlechts.

*

Der Schauspieler muß viel Welt sehen, um sicher zu sein, was er und was er nicht auf die Bühne bringen darf. Was nicht in der Natur ist, darf er nicht bringen, aber auch nicht, was darin schlecht ist, nämlich ästhetisch schlecht; denn moralische Schlechtheit darf er geben. Ebenso geht's uns mit der Philosophie und Politik. Es ist nicht übel, wenn wir viel wissen; aber wir können nur wenig brauchen, ohne schlecht zu werden.

*

Das Schlechteste, was Schiller gemacht hat, ist die erste Hälfte des Charakters der Mutter in der »Braut von Messina« und sein Chor daselbst. Das mag ihm der Geist der Humanität vergeben! Mir ist unbegreiflich, wie so etwas aus seiner Seele kommen konnte.

*

Die Arbeit der philosophischen, theologischen, politisch-pathologischen Volksführer ist fast durchaus, Rauch zu machen und darin Gespenster und Schreckgestalten zu zeigen, damit man sich an ihre Heilande halten soll, von denen immer einer schlechter ist als der andere.

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Keine Gesetze sind unabänderlich als die Gesetze der ewigen Natur; und dieser sind wenige, und sie sind deutlich.

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Man verkauft uns meistens Gesetze für Gerechtigkeit, und oft sind sie gerade das Gegentheil.

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Wodurch die größte Nationalkraft zu dem wohlthätigsten Nationalzweck gewonnen wird, das ist die einzig gute Constitution. Dieses ist nur möglich durch Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit; diese Drei sind Eins.

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Man bringt erst schlau genug die Erbsünde in den Menschen hinein, um sich ihrer nachher zur Schurkerei zu bedienen.

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Ich möchte wol Bonaparte und den Papst in Avignon zusammen sehen und hören, was ein ehrlicher Franzose zu ihrer Conferenz sagte.

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Alle saueren Moralisten hielten ihr Zeitalter für das schändlichste, und sie haben alle Recht, denn die gegenwärtige Schande ist immer die größte.

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Die ewige Grundlage alles Rechts ist die Gleichheit; sobald sie verletzt wird, entsteht Verwirrung, und das Ende ist sinnlose Sclaverei. Isegorie und Isonomie sind das Palladium der Freiheit. Die Griechen waren auf einem schönen Wege, aber die Pleonexie war ihnen, was bei uns die Privilegien sind. Verba mutantur, res manet. Die Ehrenlegion wird schon wieder die Reichsritterschaft werden.

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Die Vergebung der Sünden ist der Vernunft ein Widerspruch, aber unser ganzes Leben ist doch fast weiter nichts als eine fortgesetzte praktische Vergebung der Sünden. Wir können unmöglich ohne sie sein. Wenn man sie nur ordentlich menschlich nähme und nicht den Himmel darein mischte!

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Aus der Geschichte geht hervor, daß Bündnisse und Garantien meistens der erste Schritt zur Unterwerfung eines Theils, natürlich des schwächern sind, wenn er nicht auf seiner Hut ist. Wenn ja Bündnisse sein müssen, würde ich sie gegen Nachbarn und nicht mit Nachbarn machen. Das hat schon der alte Hesiod eingesehen: Ζη΄λοϊ δἑ γείιονα γείτων. Das gilt von Staaten weit mehr als von Häuslern.

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Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste. Aber unsere kleinen und großen Despoten verstehen das Geheimniß, uns nie zur Nation werden zu lassen. Vielleicht blieben wir es auch nicht länger als die Franzosen, die mit Bonaparte's Erscheinung wieder aufhörten es zu sein. Jetzt nennt man nur noch aus Politesse ihre Manen.

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Daß wir die erste Nation in Europa wären, wäre freilich auch nicht viel. Denn es ist in Europa keine Nation als die englische, die mehr durch ihre Isolirung gesichert ist.

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Nur wo Nationen sind, giebt es Thaten, sonst ist nichts als despotische Maschinerie.

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Ich wollte lieber der letzte Mann von Marathon sein als der erste vom Granicus, von Actium oder Austerlitz, auch wenn mein Name nicht im Register stände.

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Das Regiment der Unvernunft bricht wieder stark hervor: car tel est notre bon plaisir.

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Und wenn Freiheit und Gerechtigkeit in Ewigkeit nichts als eine schöne Morgenröthe wäre, so will ich lieber mit der Morgenröthe sterben, als den glühenden, ehernen Himmel der blinden Despotie über meinem Schädel brennen lassen.

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Ich dürfte nur wie viele Andere den Edelmann aus der Tasche nehmen und mich einrangiren, wenn ich meinen eigenen Sinn aufgeben wollte.

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Bürger im bessern Sinne haben wir nirgends mehr; es sind überall nur Bürger und Städter. Point de citoyen, malheur à vous, bourgeois, vilain, esclave.

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Mit dem ersten Privilegium geht der strengere Bürgersinn ab.

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Die Einigkeit der Geistlichkeit und des Adels ist, wenn es die Despotie versteht, das schönste Eingebinde für den Erben der Despotie am Wiegenfeste; und sie versteht es. Bonzen und Lama, Schwertritter und Patricier sind einerlei.

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Es wird mir schwer, die Ehre der Christen zu finden, aber ihre Schande sehe ich.

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Ein Volk, das zu Hause keine Ungerechtigkeiten duldet, wird keine öffentlichen begehen. Es ist immer ein Beweis schon vorhandener oder einbrechender Sclaverei, wo Völkerpleonexie der Beweggrund öffentlicher Verhandlungen wird. Durch Tödtung der Privilegien würde ein vernünftiges bürgerliches Recht entstehen, und dieses würde die beste Grundlage zu einem bessern allgemeinen Staatsrechte werden.

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Grotius und die Bibel sind die besten Stützen der Despotie, weil beide so viel Nebel machen, daß man sich nur durch leidendes Hingeben an blinde Autorität einen Faden schafft.

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Leben heißt wirken und vernünftig wirken. Nach unserer Weise heißt es aber leiden und unvernünftig leiden.

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Fürst könnte etwas Göttliches sein, wenn es nicht etwas Teuflisches geworden wäre.

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Nach der Vernunft gehören die Fürsten den Ländern, nach der Unvernunft gehören die Länder den Fürsten.

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Man sehe nur das Gros der Soldaten an, vorzüglich den kleinen Stab; ihr Ganzes sagt sogleich: »Wir sind die Repräsentanten der Willkür, bei uns hört das Denken auf.« Daher ist auch ihr Lieblingswort: »Will der Kerl noch raisonniren?« Im Soldatenwesen, welches ganz etwas Anderes ist als Militär, ist freilich wenig Vernunft mehr.

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Es kann in seinem Ursprung nicht leicht ein schlimmeres Wort sein als Soldat, Söldner, Käufling, feile Seele; solidarius, glimpflich: Ducatenkerl. Die Sache macht die Ehre des Kriegers, aber ein Soldat kann als Soldat durchaus auf keine Ehre Anspruch machen. Es ist ein unbegreiflicher Wahnsinn des menschlichen Geistes, wie der Name Soldat ein Ehrentitel werden konnte.

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Glaubst Du denn, die Fürsten werden je die besten Mittel einschlagen, die Völker vernünftig aufzuklären? Dazu sind sie selbst zu klug oder zu wenig weise.

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Alles würde in der Welt am Bestem mit Negativen gehen. Die Wegschaffung des Schlimmen wird schon das Gute bringen.

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Das Recht ist für Alle, die an Gott glauben und die nicht an ihn glauben; folglich kann kein übersinnliches Princip desselben angenommen werden.

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Gleichheit und Gerechtigkeit ist eins; das zeigt das Nachdenken und der Gebrauch aller Sprachen. Die successive Entfernung von der Urgleichheit bringt die Mißgeburt unserer Gerechtigkeiten hervor.

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Wo man von Gerechtigkeiten und Freiheiten redet, soll man durchaus nicht von Gerechtigkeit und Freiheit sprechen.

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Wo der Staat nicht Vorkehrung gegen Einführung von Intermediärlasten getroffen hat, ist der Sclaverei schon wieder das Thor geöffnet.

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Wer das Wort Denkfreiheit erfunden hat, war gewiß ein Dummkopf, der weiter keine Erfindung machen wird.

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Der Enthusiasmus der Ehrenlegionen aller Art kommt mir vor wie der Rausch vom Merseburger Bier, der den Geist mit Sumpfluft umgießt.

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Daß die Menschen von Natur gleich sind, kann so deutlich erwiesen werden als nur irgend etwas, und wenn es nicht wäre, so müssen sie zur endlichen Schlichtung ihrer Händel und Ansprüche als gleich angenommen werden. Selbst die Satelliten der Despotie mit der Feder (denn die mit der Spitze denken nicht oder hüten sich wohl, das Gedachte auszusprechen) nehmen die ursprüngliche natürliche Gleichheit an. Der Beweis der Gleichheit kann am Besten negativ geführt werden, so daß selbst der eisernste Despot sich davon überzeugen wird. Es kann nämlich kein Mensch den andern unbedingt willkürlich zwingen, ihm zu gehorchen, sein Knecht zu werden. Sobald man mir die sichere, unfehlbare Möglichkeit des Despotenzwangs erwiesen hätte, wollte ich sogar das Recht einräumen, obgleich nicht mit Recht, sondern aus Nothwendigkeit des unvernünftigen Schicksals. Aber wie will sich ein Mensch unbedingt gegen den andern sicher stellen in seiner Willkür? Gegen physische Stärke braucht der Feind List mit Recht. Alles ist erlaubt, den unbefugten Beeinträchtiger zu zerstören. Ein Knüttel, ein Stein, ein Gifthauch kann den Anmaßer in einem Augenblick tödten. Wer sich nun dem Andern nicht rein unbedingt auf immer unterwerfen kann, ist mit ihm von einerlei, von gleicher, wenigstens nicht von größerer Natur. Selbst die Mittel der Despoten gestehen diese Gleichheit ein. Sie miethen Trabanten, aber dieses Miethen zeigt die Gleichheit mit diesen Trabanten, von denen sie sich oft abhängig genug machen müssen. Ein Despot scheint an dem Experiment zu arbeiten, wie viel die Menschen in ihrer Wegwerfung Narrheit und Unsinn vertragen können; wodurch er freilich nicht seine Weisheit zeigt.

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Der Unsinn hat die natürliche Gleichheit nie so ganz verbannen können, daß sie nicht überall hervorleuchten sollte. Jeder Rechtsgang beruht darauf, jeder Vertrag hat sie zum Grunde. Mit einem Wesen, das nicht mit mir durchaus gleicher Natur ist, findet kein Vertrag statt. Auch die Mystiker haben die Gleichheit in ihrem heiligen Dunkel. »In seinem ganzen Königreich ist Alles recht und Alles gleich« ist vielleicht einer der göttlichsten Sprüche der Begeisterten.

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Wenn man nur erst die Gnade vertilgt hat, wird schon die Gerechtigkeit kommen; und mit der Gerechtigkeit haben wir Alles. Der Zweck der Staaten sollte sein: Steuerung der Pleonexie, und factisch ist er ihre Beförderung.

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Tragt Mathematik ins Staatsrecht, und alle Schäden werden geheilt.

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Sobald dem Unfug des großen und kleinen sogenannten Lehnrechts gesteuert ist, haben wir Hoffnung zur vernünftigen Freiheit.

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Man möchte die Hirngicht bekommen, wenn man ein öffentliches Blatt in die Hand nimmt und da von Leibeigenen, Frohnen, Dienstzwang und andern Gerechtigkeiten der Unvernunft liest. Ist das Christenthum, so ist das christendumm.

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Die Gerechtigkeit bringt reine Ordnung, aber man möchte uns gar zu gern jede dumme Ordnung für Gerechtigkeit verkaufen.

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Der große Geist hat immer mehr als der kleine, auch wo keine Pleonexie ist. Aber wer mit seinen Ansprüchen auf mehr hervortritt, zeigt sich zugleich als kleiner und als schlechter Geist.

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Reiner Verkauf und reiner Besitz im Staate ist das ganze Geheimniß der besten Constitution. Gleiche Besteuerung ist die Folge. Sobald man sich eine Linie davon entfernt, schließt man der politischen Gaunerei die Thore auf.

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Das Wort Strafe ist nur ein Begriff, insofern es Genugthuung heißt; das zeigen auch die griechischen Wörter ποινή und τιμωρία; und das Wort Rache ist nur vernünftig, insofern man Rechtsetzung darunter versteht.

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Die Lehre von der religiösen Genugtuung, auf welcher die christliche Mystik beruht, ist der gräßlichste Anthropomorphismus gegen die Gottheit; und es hat wol selten eine Meinung der Tugend und der Vernunft mehr geschadet. Wenn sie nicht ein Ueberrest des alten jüdischen und griechischen Sauerteigs wäre, könnte man ihre Entstehung kaum begreifen. Fremde Zurechnung kann im Moralischen ohne Zerstörung der Moralität gar nicht gedacht werden.

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In der Philosophie kann ich's bis zum Skepticismus bringen; weiter geht es nicht: also will ich lieber bei dem gesunden Menschenverstande bleiben, den so wenige Philosophen haben, und der doch heut zu Tage so nöthig wird.

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Philosophisch bringt man die Menschen in die erbärmlichste Mystik und politisch in eiserne Despotie oder anarchischen Fanatism, wenn man sich über den gesunden Menschenverstand hinauswagt.

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Wer mehr als die allergewöhnlichsten Bedürfnisse des Lebens hat, hüte sich ja vor dem vertrauteren Umgange mit der Wahrheit! Ueberall muß man zufrieden sein, wenn sie nur geduldet wird.

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Wer nicht mit schlechten Menschen in Gesellschaft sein kann, ist noch zu wenig in der Welt gewesen. Wem aber ihre Gesellschaft völlig reine Unbefangenheit läßt oder gar Vergnügen gewährt, war zu viel in der Welt.

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Man lärmt so viel über die französische Revolution und ihre Gräuel. Sulla hat bei seinem Einzuge in Rom in einem Tage mehr gewüthet, als in der ganzen Revolution geschehen ist.

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Von Allen, die in der französischen Revolution umgekommen sind, zähle ich achtzig Theile Narren, neunzehn Theile Schurken und ungefähr den hundertsten Theil ehrliche verständige Leute. Die Proportion ist sehr liberal. Die Narren haben oft ein sehr heroisches und weises Ansehen.

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Der Hagiograph sagt: »Wehe dem Lande, dessen König ein Kind ist!« Aber wenn die Kindheit des Königes dem Volke schadet, ist das Volk gewiß nicht erwachsen; und daß das Volk ewig Kind bleibe, ist doch gewiß Blasphemie.

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Die französische Revolution wird in der Weltgeschichte das Verdienst haben, zuerst Grundsätze der Vernunft in das öffentliche Staatsrecht getragen zu haben. Läßt man diese Grundsätze wieder sterben, so verdient jeder Welttheil seinen sublimirten Bonaparte.

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Bonaparte's bisherige Laufbahn ist eine herrliche Lection über das Fürstenwesen.

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So wie alle unsere Gesetze sehr kränklicher Vernunft sind, sind es vorzüglich die Strafgesetze. Die Strafe soll psychologisch zur Besserung berechnet sein und den Beleidiger am empfindlichsten Theile treffen. Aber hier sind die Gesetze fast überall und durchaus zum Vortheil der schlechten Reichen. Eine thätliche Beleidigung kostet zum Beispiel 5 Thlr. für Jedermann. Darin liegt aber die ungerechteste Ungleichheit in dem Anschein der Gleichheit. Warum soll sie nicht einen bestimmten Theil, z. B. den fünfzigsten Theil des Vermögens kosten? Der geringste Beleidiger könnte dann nach einer niedrigsten Norm taxirt werden. Ein Millionär zahlt für eine Ohrfeige 5 Thlr. und ein Handwerksbursche 5 Thlr. Da hat denn gleich das Gesetz dem Geringeren eine Ohrfeige gegeben. Der Reiche hat dadurch in eben dem Maße die Freiheit, Ohrfeigen zu geben, als er steuerfrei ist. Quae, qualis, quanta – insania! Die anscheinende Gleichheit ist hier die drückendste Iniquität. Ich habe 200,000 Thlr.: mich muß also nach der Criminalrechnung eine Beleidigung 50,000 Thlr. kosten, die einen armen Handwerker von 400 Thlr. 100 kostet. Das wäre Gerechtigkeit; das Andere ist Malversation. Der Arme leidet seine Strafe am Körper, der Reiche bezahlt sie; eine Inconsequenz, die an Dummheit grenzt, als ob man die Verbrechen absichtlich vermehren wollte! Den Armen lasse man bezahlen, wenn er kann und will; den Reichen und Vornehmen strafe man am Körper! das ist psychologisch und gut und gerecht. Qui non habet in aere, luat in corpore, schnarren die Criminalisten in einer Stunde funfzigmal unsinnig vom Katheder. Qui habet in aere, luat in corpore, sollte es vernünftigerweise heißen, und alle Geldstrafen sollten nach den Vermögensumständen der Beleidiger eingerichtet werden. Keine bestimmte Summe, sondern eine bestimmte Proportion; für die capite censos könnte ein Minimum gesetzt werden. Eine anscheinend gleiche Strafe für Alle ist eine solche Ungleichheit, daß die Gesetze nur in praevaricationem et contumeliam justitiae et sanae rationis gemacht zu sein scheinen. In diesem Artikel ist auch Grotius consequent und gesteht die Prosopolepsie der römischen und unserer Gesetze.

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Wenn ich die Menschen betrachte, möchte ich der Despotie verzeihen; und wenn ich die Despotie sehe, muß ich die Menschen beklagen. Es wäre eine schwere Frage, ob die Schlechtheit der Menschen die Despotie nothwendig oder die Despotie die Menschen so schlecht macht.

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Ich kann nicht leugnen, ich habe zuweilen Furcht gehabt; aber die Furcht hat mich nie gehindert, auch mit Gefahr meines Lebens etwas zu thun, was ich mit Gründen wollte. Und dieses errungene Gefühl der bewußten gesammelten Stärke wird endlich zur größern Festigkeit als die natürliche Furchtlosigkeit.

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Was Grotius in seinem Buche vom Strafkriege sagt, hält keine Sonde. Es ist blos Cautionszwang, die Malevolenz des Feindes außer Stand zu setzen, weiter zu schaden. Was er in seinem Strafkriege vom Stärkern und Schwächern fabelt, hält ebenso wenig Stich. Schon das Wort Krieg zeigt, daß die Parteien einander gleich sind. Wer sich ausgemacht für den Schwächern erkennt, führt keinen Krieg. So lange man Waffen hat und sie brauchen will, denkt man sich dem Andern gleich an Kraft, zumal wenn man sich überlegen fühlt an Recht. Strafe heißt überhaupt weiter nichts als Ersatz für das Vergangene und Sicherstellung für das Künftige, auch im bürgerlichen Rechte. Die Todesstrafen im Staate sind das Nämliche; die Moralität ist hier nicht die Hauptsache. Es läßt sich denken, daß Einer moralisch eine Bürgerkrone verdient und gesetzlich gehenkt wird. Wir schaffen einen Menschen fort, weil er uns nach unsern Einrichtungen gefährlich ist und wir nicht verpflichtet sind, ihn nach seiner Weise auf unsere Kosten zu ernähren. Was Philanthropie und Liberalität räth, ist ganz verschieden von dem, was das strenge Recht mit Fug kann.

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Die Theokratie des Moses wäre allerdings eine schöne Erfindung, wenn immer ein gerechter, weiser Mann an der Spitze stände; sie giebt aber der Gaunerei zu viel Handhabe.

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Trotz meiner kalten Besinnung, mit der ich neulich in meiner Septuaginta die Bücher Moses' durchlas, konnte ich mich eines warmen ehrfurchtsvollen Schauers nicht erwehren, als der Mann am Ende starb. Trotz aller Verirrung und Unheilbarkeit seines Systems bleibt er ein großer Geist für sein Volk und für den Menschenforscher.

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Moses, Christus und Mahomed waren wirklich große Heilande der Völker, Jeder in seinem Kreise. Bonaparte hätte ein größerer werden können, aber er hat nicht gewollt. Er hatte zu viel Eitelkeit und Ehrgeiz und nicht Stolz genug. Doch wo die Sache nicht war, konnte das Gefühl nicht sein. Heilande der Welt müssen und werden noch kommen, die uns von der geistlichen und weltlichen Mystik befreien und uns unter die Aegide des gesunden Menschenverstandes retten. Ein Jeder wirke dazu, weil sein Tag ist!

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Ich habe mir nie die Mühe genommen, das Glück zu suchen; dafür hat es sich oft, sehr oft die Mühe genommen, mich muthwillig zu necken, und dadurch bin ich endlich vollends gleichgiltig dagegen geworden. Seit langer Zeit ist es mir ziemlich einerlei, ob ich Minister oder Bettelvogt bin, ob ich einen Demantstern am Sammetrocke oder einen Flecken an der Theerjacke trage. Ich bin zuweilen ausgegangen, einen Bekannten zu besuchen, und habe fünfe nach der Reihe nicht angetroffen; dafür nahm mir's der sechste übel, daß ich nicht gekommen war, ohne sich je um meine Klause bekümmert zu haben. Einst wollte ich einige Worte mit dem alten Weiße sprechen und erfahre in seiner Wohnung, er sei aufs Land gefahren. Ich gehe aufs Land und höre, er sei eben zurückgefahren, weil er etwas vergessen habe. Ich gehe in die Stadt und vernehme, er hat das Buch eingesteckt und sich wieder in den Wagen gesetzt. Meine Botschaft war mir wichtig, ich gehe also wieder hinaus auf sein Gut. Weiße war spazieren gegangen, und nach langem Suchen fand ich ihn endlich hinter dem Garten unter seiner alten Linde schlummern. Nun waren alle Neckereien des Glücks vergessen; ich setzte mich neben ihn, zog meinen Tacitus aus der Tasche und las, bis er erwachte.

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Freundliche Leute habe ich viele gefunden, aber Freunde sehr wenige. Einer will mir seinen Witz, der Andere seine Gelehrsamkeit, der Dritte seinen feinen Geschmack auftischen; Einer will mich mit seinem Wein, der Andere mit seinem schönen Zimmer, der Dritte mit seinem großen Ansehen bewirthen: Keiner ist deswegen mein Freund, wenngleich Jeder gern mein Patron sein wollte. Je mehr er mir Ducaten zufließen lassen will, desto weniger glaube ich an Freundschaft. Wenn er aber zuweilen freiwillig und uneingeladen mich bei meinem Häringssalat aufsucht, ist die Präsumtion schon besser. Gut ist es, wenn er meine Wahrheit ohne Empfindlichkeit aufnimmt und mir die seinige ohne Schonung, aber mit reiner Unparteilichkeit sagt. Der beste Beweis ist, wenn seine Lieblingsleidenschaft angestoßen wird und er nicht scheu und empfindlich zurücktritt.

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Die Privilegien heben sogleich auch die Philanthropie auf. Denn wenn die Freundschaft auch ein Vorrecht zugestehen wollte, so kann die Freundschaft keins annehmen.

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Gewisse Despoten nennen strengere rechtliche, moralische Leute nur spöttisch Philanthropen. Die Bezeichnung ist für Beide sehr passend.

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Wo die Menschen mit ihrer eigenen unbefangenen Vernunft sprechen, urtheilen sie meistens ohne Tadel; wo sie aber unter einer Leidenschaft liegen oder an einer fremden Form ziehen, kommt selten etwas Gutes zum Vorschein.

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Wer als politischer Schriftsteller sein Glück machen will – vom Ruf ist nicht die Rede –, muß seiner Natur nach ein Chamäleon oder in seinem Betragen ein Aechsler sein, immer auf der Linie der kalten Rücksicht schreiten und in seiner Tiefe – nichts Reingutes Wurzel fassen lassen.

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Gelegenheit machen und sie benutzen mit Rodomontade von Rechtlichkeit, das führt zur Römerei, wenn man Arme zu Bajonnetten hat. Die meisten Politiker sind also Kuppler des Völkerrechts, Hurenwirthe, die die unbefangene Unschuld in die Arme der Machthaber liefern. Die Belege kann ein Blinder auf zehen Schritte sehen, wenn man ihm die Geschichte vorhält.

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Ich höre, Bonaparte kann Cherubini nicht leiden; das ist sehr begreiflich: Cherubini's Musik ist für Marathon und nicht für Austerlitz.

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Wer aus der Geschichte Völkerrecht und Staatsrecht studiren will, wird allerdings wol ein guter Minister werden können, aber mit der Vernunft wird er wol nicht beträchtlich weiter kommen.

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Das griechische οἰκέτης ist häuslich mild, und δοῦλος ist bürgerlich schrecklich, und abscheulich ist ἀνδράποδον; aber mehr als alle drei ist unser deutsches leibeigen. Ihm entspricht so ungefähr das römische servitia in dem verächtlichsten Plural. So lange dieses Alles noch Rechtsbegriffe sind, ist das Recht bei mir kein Begriff.

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Plato macht in seiner Republik viel sonderbare Einrichtungen, von denen manche nicht sehr menschlich berechnet sein dürften. Unter andern läßt er alle Arbeiten in der Republik von Sclaven besorgen. Wo ein einziger Sclave ist, suche ich keine Vernunft mehr. Zu der Arbeit müssen nun entsetzlich viel Hände gehören, die alle keine Köpfe haben dürfen. Denn servus non habet caput oder non est persona, war ein Rechtssatz bei den Griechen und Römern, den ihre Verehrer durchtragen mögen, so viel sie wollen, er bleibt der Schandfleck des Capitols und des Areopag. Wenn sich nun die Sclaven einfallen lassen, cur et quo jure sie nur für Andere arbeiten sollen? Was wird aus dem Staate? Und ich sehe gar nicht ein, warum ihnen der Gedanke nicht sehr natürlich beikommen soll. Jeder Vertrag, der die Würde der Menschennatur antastet, ist unhaltbar, wenn er auch nicht widerrechtlich wäre.

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Heiliger Spartacus, bitte für uns! Wenn doch mehr solche Schulmeister des Menschenverstandes aufträten!

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Ich habe wider Bonaparte weiter nichts, als daß er auf alle Weise in der Vernunft rückwärts statt vorwärts geht.

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Privatdiebe fesselt man auf Lebenszeit im Kerker, und öffentliche gehen in Gold und Purpur, sagt schon Cato, und ich zweifle nicht, man wird es zu Cyrus' des Alten Zeiten auch schon gesagt haben. Schlechte Kerle stehlen, aber die Könige rauben. Bei allen Unternehmungen in der Welt kommt es blos auf die Kleinigkeit an, daß man sie ausführt und durchführt.

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Wenn Grotius etwas beweisen will, bringt er gewöhnlich sogleich einige Beispiele aus der Geschichte, die für ihn sprechen. Das sind oft seine einzigen Gründe. Die Geschichte kann nichts geben als die Thatsache, nicht einmal die Präsumtion der Gerechtigkeit; denn sie liefert ebenso viel Schurkereien als lobenswürdige Dinge. Im Recht müssen wir ganz von vorn anfangen und aus uns herausgehen; denn darin ist die Geschichte eine traurige Lehrerin, zumal wenn man die Gesetzbücher selbst nimmt. Daß der Ueberwundene Sclave werde, geht durchaus aus keinem Rechtsbegriffe hervor. Er kann getödtet werden, aber er wird kein Sclave. Der Völkergebrauch ist kein Völkerrecht. Das scheint man auch nach und nach wenigstens zu fühlen. Wer ein Schurke sein will, hat hundert Autoritäten, die alle unter die glänzenden in der Geschichte gehören.

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Wenn etwas hart bestraft wird, so beweist das gar nicht, daß es unrecht ist; es beweist blos, daß es dem Vortheil der Machthaber nachtheilig ist. Oft ist gerade die Strafe der Stempel der schönen That.

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Predigt nur immer brav Geduld, so ist die Sclaverei fertig! Denn von der Geduld zum Beweise, daß Ihr Alles dulden müßt, hat die Gaunerei einen leichten Uebergang.

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Wenn ich die Welt ansehe, freue ich mich, daß ich keine Kinder habe. Denn was würden sie anders werden als Sclaven oder Handlanger der Despoten? Freiheit und Vernunft gehören noch nicht in unsere Zeit.

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Wenn alle Knechtschaft und alle Vorrechte aller Art verbannt sind, dann will ich auch an die heilige Vernunft glauben. Jetzt bin ich mit dem Glauben an ihre Möglichkeit zufrieden.

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Wenn ich von Jemand höre, er sei sehr fromm, so nehme ich mich sogleich sehr vor seiner Gottlosigkeit in Acht.

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Aristoteles schreibt: »᾽Εστὶ δὲ ἀρχὴ ἡ μὲν τοῦ ἄρχοντος χάριν, ἡ δὲ τοῦ ἀρχομένου. Τούτων δὲ τὴν μὲν δεσποτικὴν εἶναί φαμεν, τὴν δὲ τῶν ἐλευϑέρων.« Das hat er nun wol als Alexander's Schulmeister gesagt. Kein Staat ist des Regenten wegen da, und wenn es auch in der ganzen Geschichte eine res facti wäre. Noch kein Regent hat die Unverschämtheit gehabt, es diplomatisch zu sagen, wenngleich viele alle ihre Schritte darnach einrichten, als ob ihrentwegen Alles da wäre. Das ist eine allgemeine Krankheit. Glauben doch auch die Menschen, die Welt sei für sie gemacht!

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Die jämmerlichste Seelenkrankheit ist die Hedypathie, das Wollustleiden, das in seiner Grobheit zu einem Grade steigen kann, den die alten Militäre das Bullenfieber nennen. Die Verwahrung des Sokrates dagegen ist eben nicht sehr ascetisch; ob sie philosophisch ist, mag der alte Glatzkopf verantworten. »Hüten Sie ja um Gotteswillen meinen Sohn vor honneten Liebschaften!« schrieb der alte General Puttkammer an seinen Freund bei der Armee. »Die sind der Tod aller ernsthaften Beschäftigungen. Wenn der Junge sich nicht halten kann, so zahle er seinen Gulden und nehme eventuelle Rücksprache mit dem Regimentsfeldscher, der sein Freund sein muß!« Das ist nicht viel mehr als ein grob praktischer Commentar zum Rathe des Sohns des Sophroniskus und der Phänarete.

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Seid vertraut mit der reinen Natur, und Ihr werdet bald vertraut mit der Tugend. Durch ihren Umgang gewinnt Ihr Licht, so viel Euch frommt, und Muth und Kraft, so viel Ihr braucht.

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Wer die Andern neben sich klein macht, ist nie groß. Gewöhnlich sind die sogenannten Großen am Kleinsten, wo der goldene und bleierne Pöbel sie anstaunt.

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Wo Eitelkeit und Prunksucht anfängt, hört der innere Werth auf.

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Wer das Wort Gnade zuerst gesprochen hat, hat gewiß die Verdammniß im Herzen gefühlt. So lange dieser Begriff im öffentlichen Recht waltet, ist weder an Vernunft noch Freiheit noch Gerechtigkeit zu denken.

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Wo ein Privilegium gilt, kann selbst der Allmächtige keinen Himmel schaffen; und die Menschen wollen damit einen vernünftigen Staat bilden!

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Gleichheit ist im Recht, was der Satz des Widerspruchs in der Philosophie ist.

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De tyrannicidio valde inutilis est quaestio in jure publico et periculosa; res facti est in historia: occiduntur tyranni. Multa multo melius et pulcrius fiunt quam exquiruntur.

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Quid tyrannus sit in civitate, civium est perquirere, non exterorum. Ad exteros nil attinet, quid in sua re statuat civitas.

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Mit Nichtsglauben muß man jede Untersuchung anfangen, und leider hören auch viele Untersuchungen damit auf. Die Sokratische Bescheidenheit des δοκεῖ μοι hat nur selten noch ein neuerer Philosoph; dafür habe ich auch schon nach der Reihe sechs Philosophien erlebt, von denen jede die Vernunft aufs Reine gebracht hat.

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Wo Geheimnisse sind, fürchte ich Gaunerei. Die Wahrheit kann und darf vor Männern das Licht nicht scheuen. Es giebt keine Wahrheit, die man vor Vernünftigen verbergen müßte. Einweihung ist Entweihung des Menschensinnes. Der Staat hat also großes Recht, keine geheimen Gesellschaften dulden zu wollen, so wie er großes Unrecht hat, die helle Untersuchung der wichtigen Punkte des Gesellschaftsrechts zu untersagen.

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Von einem Kaufmanne, wie die Sachen gewöhnlich stehen, kann man nie sagen: so viel hat er im Vermögen, sondern nur: so und so viel macht er Geschäfte.

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Wenn mich die Philosophie zu Jacob Böhm führt, wie es den Anschein bekommt, so thue ich auf ihre Leitung Verzicht.

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»Verstehen Sie mich?«

»Ich verstehe wol, was Sie wollen; aber ich sehe nicht den Zusammenhang und begreife nicht die nothwendige Schlußfolge.«

Der Mann wiederholte geflissentlich die ganze Sache.

»Verstehen Sie nun?«

»Nein.«

Er wiederholte mit Eifer und Hitze seine Demonstrationen.

»Haben Sie nun begriffen?«

»So viel als das erste Mal, und nicht mehr.«

»Aber lieber Himmel!« erboßte sich der Philosoph. »Man muß ja ein Dummkopf sein, um das nicht zu begreifen.«

»Davon weiß ich nichts. Dafür begreife ich Manches, was Sie nicht einsehen.«

»Zum Beispiel?«

»Daß die ganze Frage der Welt verdammt wenig werth ist.«

»Aber die Wahrheit?«

»Sie werden bei Ihren Sprüngen mir keine Wahrheit zeigen.«

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Ich habe mich oft angestrengt, den Gedanken der Knechtschaft zu begreifen; bis jetzt ist es mir, Gott sei Dank, nicht gelungen. Ohne Vertrag ist nichts, und ein Vertrag der die Personalität und die ganze bessere Menschennatur zerstört, ist aus vielen Rechtsgründen ewig null. Es ist also ein heiliger Beschluß der ehemaligen französischen Nation: »Die Rechte des Menschen sind unveräußerlich und unverjährbar.«

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Die Gesellschaft gesteht uns oft zu viel zu, das thut sie aber für das Zuviel, das sie uns genommen hat.

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Wer auf ein Vorrecht Anspruch macht, ist sogleich von der Vernunft geächtet und aus der Gesellschaft exilirt; und was der Einzelne nicht kann, kann noch weniger ein ganzes Corps.

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Ich kenne in der Geschichte noch keine Republik im bessern Sinne. Die Franzosen hatten einige Zeit den Anschein, eine zu werden. Es ist ein göttlicher Versuch vielleicht auf Jahrtausende verunglückt.

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Die Gespenster der alten Formen glotzen wieder furchtbar.

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Viele Menschen haben doch wol in sich viel Vernunft, aber nicht den Muth, sie auszusprechen; die Unvernunft sprechen sie weit leichter aus, weil dabei weit weniger Gefahr ist.

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Wenn die Menschen ohne Leidenschaft wären, würde freilich viel Böses verschwinden, aber auch sehr viel von dem, was jetzt sehr gut aussieht.

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Hier beherrscht man mit Eisen das Gold, dort mit Gold das Eisen; aber das Eisen ist doch noch das Bessere.

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Oft spricht die Pleonexie die Sprache des schönen hohen Enthusiasmus. Tastet ihre Salbung an, und sie zuckt wie ein Frosch, dem man Vitriolgeist auf die Haut tropft.

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Was vor keiner Leidenschaft zurückzittert, nicht vor der verborgensten, das verspricht die Sonde zu halten.

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Die Freundlichkeit eines Freundes besticht mehr als das Gold des Despoten, und sicher mehr als sein Dolch.

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Aus Gefälligkeit werden weit mehr Schurken als aus schlechten Grundsätzen.

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Die beste Verwahrung gegen Leidenschaft aller Art ist nahe, gründliche Bekanntschaft mit dem Gegenstand.

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Unbedingter Gehorsam ist kein Gedanke unter vernünftigen Wesen. Wo mich Jemand nach seiner Willkür brauchen kann, bin ich ihm keinen Gehorsam schuldig, das geht aus der moralischen Natur des Menschen hervor.

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Wenn wir nicht von vorne anfangen, dürfen wir nicht hoffen, weiter zu kommen.

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Die schändlichste Erfindung der Halbbarbarei ist der Adel mit seinen Privilegien. Cyrus der Aeltere ist eine von den großen Pesten unter dem Scheine der Heilkraft. Xenophon hat darüber keine Stimme; denn Phänaretens Sohn hatte vom Recht der Natur nur noch wenig Begriffe.

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Τὸ δίκαιον ἐπ᾽ ἀμφοῖν ἶσον.
Maxim Tyr.

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Von den messenischen Kriegen sagt Gillies: »Die ersteren waren edelmüthige Kämpfe eines kriegerischen Volks zur Erhaltung seiner angebornen Freiheit und seines ererbten Ruhms, der letztere, obgleich mit ebenderselben Benennung beehrt, nichts als ein unglücklicher Abfall von Sclaven von ihren Herren.« Für den Schluß dieser Periode verdiente der Brite, zwar kein Messenier, das wäre zu ehrenvoll, sondern ein Neger des schwärzesten Weißen in den englischen Colonien zu sein.

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Wenn Bonaparte Vernunft und Freiheit und Gerechtigkeit gewollt hätte, so wäre er ein Weltheiland geworden, so daß sein Reich von mehr als dieser Welt gewesen wäre; aber so ist sein Reich ohne Heil nur von dieser Welt.

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Das Böse der Revolution haben die Franzosen nunmehr so ziemlich getilgt; nun fangen sie an, auch das Gute zu tilgen, damit Alles in den alten Gang komme.

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Was Bonaparte thut, thut er als Edelmann, cum grano salis, wo es nöthig ist.

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Wenn es einmal in der Welt recht unvernünftig und schlecht ist, kann man das rein Vernünftige und rein Gute nicht so leicht ertragen; und das minder Unvernünftige und minder Schlechte ist ohne weitere Untersuchung als das Bessere, ja sogar als das Beste willkommen. Deswegen ist es aber immer noch unvernünftig und schlecht genug und droht bald den vorigen Grad wieder anzunehmen. Das Schicksal der meisten sogenannten Verbesserungen!

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Wenn ich den Leuten auf die Nasen sehe, vergeht mir die Hoffnung, da ich darunter verdammt viele vornehme finde; und nicht wenige davon stehen auf eigentlichen Pöbelgesichtern. Mir ist's immer, als ob eine solche Nase sagen wollte: »Seht her, Ihr Hallunken, ich habe ein Privilegium!«

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Wenn die Fürsten nur keine Edelleute wären, so möchten sie der Vernunft wegen immer Fürsten sein.

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Die Edeln und der Adel stehen gewöhnlich im Gegensatz.

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Die schlimmsten Edelleute sind gewöhnlich die Ritterkaufleute, die neuerdings die Ungerechtigkeiten gekauft haben und ihre Besitzung comtoirmäßig berechnen.

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Was ist bei uns Gerechtigkeit? Antw. Daß der Bauer alle Steuern bezahle, alle Fuhren thue, alle Einquartierung habe, alle Fröhne verrichte, allen Zwangdienst leiste, mitunter Garn spinne und Boten laufe – Und weiter? Antw. Ist das nicht genug? Mitunter bekommt er Prügel; und das jus primae noctis soll wieder eingeführt werden, wie ich höre.

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Nach der Schlacht bei Marathon wurde ein Krieger – Soldaten kannten die Griechen nur, als sie nicht mehr Griechen waren – nach Athen geschickt, die frohe Botschaft des Sieges zu überbringen. Χαίρετε, χαίρομεν! rief der Bürger den Bürgern zu und gab den Geist auf mit der Botschaft. Einen solchen Lohn konnte bei Actium und Austerlitz Niemand ernten. Ich weiß nicht, woher es kommt, aber ich möchte lieber dieser Bürger ohne Namen als Miltiades sein: an Octaviau und Compagnie wird weiter nicht gedacht. Dem Vaterlande zurufen zu können: Χαίρετε, χαίρομεν! und mit dem letzten Hauche zu sterben, das ist ein schöner beneidenswerther Tod, wenn man den Gruß auf dem Schlachtfelde hat verdienen helfen. Aber von hundert Schlachten haben kaum in einer einzigen die Streiter ein Vaterland; die Soldaten können als Soldaten keines haben. Das Koryphäenlied des Despotismus war nach Austerlitz die Belobung: »Soldats, je suis content de vous.« Der stille Nachhall war gewiß: »Citoyens, la liberté est morte.«

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Die Dankbarkeit hat viele Staaten zu Grunde gerichtet. Der erste Enthusiasmus ging bis zur Unbesonnenheit; und als man sich besann, war die Freiheit schon der Pleonexie verkauft.

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Die gefährlichsten Feinde des Staats sind fast immer im Staate selbst: die Pleonexie der Einzelnen und der Kasten.

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Die französische Freiheit hatte sich männlich durch das Unglück getragen und starb am Glücke.

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Wenn man sagt, eine Nation kann die Freiheit nicht vertragen, so heißt das: der weit größere Theil derselben besteht aus Schurken, Narren und Dummköpfen, oder ein Einziger versteht es, sie dazu zu machen.

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In der Schlacht bei Zama ging Rom's Freiheit zu Grunde.

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Gleichrechtliche Einbürgerung ist das beste Mittel zur Vergrößerung und zugleich zur Sicherung der Staaten; ohne diese giebt Unterjochung und alberne Einbürgerung nur Krebsschaden.

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Aeschylus focht bei Marathon, Sophokles tanzte als Knabe in Salamis am Freiheitsfeste im Chor um die persische Beute, und Euripides wurde in Salamis am Tage der Schlacht geboren. Die Weltgeschichte hat keine Tage mehr wie diese. Die Dichter machten nicht die Zeit, sondern die Zeit machte die Dichter.

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Der peloponnesische Krieg ist ein Inbegriff der Schande des Menschengeschlechts. Es giebt wenig Geschichtsperioden, wo die Verwilderung der Natur so gräßlich gewesen wäre.

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Wer in sich nicht Licht und Kraft genug hat, kommt bei dem Studium der Geschichte in Gefahr, sich unbedingt dem Unsinn zu ergeben.

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Das erste Requisit des Lebens ist Gleichgiltigkeit gegen Lob und Tadel von den Heiligen und Profanen und kaltblütige Bekanntschaft mit dem Tode.

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Wer den Tod fürchtet, hat das Leben verloren.

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Ich pflege zu sagen: »Das Leben ist mir nicht so viel werth, um mich deswegen übel zu befinden.«

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Nichts ist mir mehr zuwider, als wenn mir Jemand mit einem Murrkatergesicht Geld auszahlt. Ein solcher Mann kann sicher sein, daß ich mich vor Geschäften aller Art mit ihm hüte. Muß ich durchaus mit ihm zu thun haben, so berechne ich den Curs und gehe. Ebenso unangenehm ist die feizende Ueberfreundlichkeit der gesellschaftlichen Fischler, die nichts sagen können, ohne ein Festtagsgesicht anzulegen und wie ein Maikätzchen zu lächeln.

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Wieland hat Aristophanes in seinem Aristipp vortrefflich geschildert und dadurch zugleich hinlänglich vertheidigt. Es ist gar nicht wahrscheinlich, daß der große komische Satyr der Feind des philosophischen war. Hätte Athen nur noch hundert Männer gehabt, wie sie Beide waren, ich bin gewiß, die Philippiade wäre nicht eingetreten. Aristophanes muß seine Mitbürger schon sehr verachtet haben, daß er seine Komödien schrieb.

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Daß ein Narr zehen andere macht, ist freilich schlimm genug; aber weit schlimmer ist es noch, daß auch ein Schurke zehen andere macht. Nur die Vernunft macht wenig Proselyten.

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Wenn der Amphiktyonenrath sich zum gesetzgebenden Nationalcorps der Griechen mit vernünftiger Repräsentation hätte erheben können, so wäre es wahrscheinlich nicht dahin gekommen, daß man endlich den Macedonier Philipp aufnehmen mußte.

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Die Verkehrtheit der Machthaber allein ist Schuld, daß jetzt zwei Abenteurer die Hauptleute von Europa sind (Bonaparte und Murat).

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Als Bonaparte Murat aus Italien nach Paris rief, sagte ich sogleich: »Es werden große Dinge geschehen.« Es ist geschehen, was wir gesehen. Ein Meisterstreich wäre es, Zwist zwischen die Triumvirn Bonaparte, Murat und Massena zu bringen. Das ist aber schwer, da sie durch ihre verschiedenen Leidenschaften zusammengehalten werden.

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Wenn ich die kleinen, feinen, zierlichen Menschengestalten unserer Zeit und vorzüglich meines Vaterlandes ansehe, kommt mir die ganze Erscheinung recht drollig vor. Die ganzen Geschöpfe haben nicht viel über vier Fuß und sind doch durchaus fertig, so daß nichts mehr von ihnen zu erwarten ist. Da habe ich denn in meinen Gedanken auf den Spaziergängen oft einen Tractat über die Verniedlichung des Menschengeschlechts geschrieben.

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Demosthenes der Alte verheerte im peloponnesischen Kriege bei Syrakus die Ufer des Anapus, und jetzt ist die ganze Gegend am Anapus fast lauter Wüste. Einige gute Viehweiden sind die einzige Nutzung, und nach dem Syraka herüber ist undurchdringlicher Sumpf.

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In jedem guten Staate muß Jeder die Freiheit haben, ein Narr zu sein; nur darf der Narr mit seiner Narrheit Niemand auf den Fuß treten, weil das zu viele Störungen und Zänkereien geben würde. Wo die Narrheit an Schurkerei und Ausdruck von Malevolenz grenzt, hat der Staat das Recht, ihr Grenzen zu setzen, und eher nicht: nicht weil es Narrheit ist, sondern weil es allgemein schädlich wird.

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Aus der freien Narrheit der Individuen kann für den Staat große Weisheit gedeihen.

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Daß der Staat das Recht hat, närrisch zu sein, wenn er will, wird Niemand leicht leugnen, und die' Geschichte zeigt, daß sich die Staaten dieses Rechts sehr oft und sehr reichlich bedient haben. Nur entsteht daraus weiter nichts als das Prädicat der Narrheit, das zuweilen an Dummheit grenzt.

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Ueberall, wo ich hinkomme, lese ich an Schildern: Privilegirte Apotheke, privilegirte Fabrik, privilegirte Buchdruckerei u. s. w. In Kurzem werden wir hören: Privilegirter Holzhacker, privilegirter Besenbinder. Der Grund wäre der nämliche.

Grundgesetze.

Ulcisci lex prima, secunda est vivere rapto,
Tertia mentiri, quarta negare deos.

Galli cujusdam anonymi in popularium suorum magnum
ectomea, qui Gallos fortiter fecit capones. – Halle.

Das Distichon ist gut; ich möchte es wohl gemacht haben.

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Man irrt sich oft jämmerlich, wenn man den Ministern in ihren öffentlichen Verhandlungen vernünftige Consequenz unterlegt. Die Folge zeigt bald, daß es Schwachheit war, was wir für ordentlichen Plan zu halten geneigt waren. Die Schwachheit wird dann Feigheit, die Feigheit Schurkerei, die Schurkerei Elend, das Elend Verderben.

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Es ist gleich schwach und gefährlich, die öffentliche Stimme zu viel und zu wenig achten.

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Wenn nur Jeder sicher hätte, was er verdiente, so würde Alles allgemein gut genug gehen.

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Die Schurken gehören an den Galgen, die Tollen nach Bedlam, die Narren läßt man laufen; und die Vernünftigen? – sind schon zufrieden, wenn man sie läßt, wie sie sind.

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Das Schild der Humanität ist die beste, sicherste Decke der niederträchtigsten öffentlichen Gaunerei.

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Wer einen Mann nicht oft in großen Collisionen mit Lieblingsleidenschaften gesehen hat, muß es nicht wagen, über dessen Charakter zu urtheilen. Ohne Collision schlecht handeln, wäre offenbare Tollheit oder reine Bosheit. Die letzte ist hoffentlich nicht in der Natur.

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Mit der Furcht fängt die Sclaverei an, aber auch mit Zutrauen und Sorglosigkeit.

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Ein Braver heißt bei den Italienern ein Räuber; ein herrlicher Zug zu der Geschichte der Entstehung der Staaten.

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Wer nichts fürchtet, kann leicht ein Bösewicht werden, aber wer zu viel fürchtet, wird sicher ein Sclave.

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Innere Furchtsamkeit führt zur Sclaverei, äußere Besorgniß hält die Freiheit.

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Ich höre, Caprara bewirthet in Frankreich wieder mit Gnade und Ablaß; nun, da wird's an Sclaverei, Sünde und Dummheit nicht fehlen. Glück zu zur Despotie! die Ronde geht von vorne an.

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Vor meinem vierzigsten Jahre ist mir das Geschlecht im Allgemeinen sehr gleichgültig gewesen; aber einige große convulsivische Leidenschaften droheten mein ganzes Wesen zu zerstören. Seit dem vierzigsten Jahre kommt es mir vor, als ob die Mädchen immer schöner würden, und ich muß mich vor Sottisen hüten. Doch scheint die Leidenschaft sehr wenig Gewalt mehr zu haben, und vor verliebten Geckereien sichert mich jetzt der Stolz.

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Zweimal war ich nahe an dem Entschlusse, mich dem Tode zu geben, beide Male für ein Weib oder aus Wahnsinn für sie. Das erste Mal hing die Ausführung von einem kleinen bedingten Umstande ab, der nicht eintrat; das zweite Mal überwog der Gedanke an meine Mutter, also nicht ganz reine Vernunft. Hätte ich den Entschluß gefaßt gehabt, so hätte ich ihn ausgeführt; denn ich führe jeden Entschluß aus, den ich fasse, und Niemand kann sagen: »Das hast Du gesagt und nicht gethan.«

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Die Schlechtheit der Menschen hat mich von dem Schritte gerettet, mich für sie zu opfern. Etwas Großes wäre es freilich nicht gewesen, da ich es fast auch für eine Leidenschaft gethan hätte.

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Der ehrlichste, liebenswürdigste Mensch, den ich bis jetzt in meinem Leben gekannt habe, war der französische Schneider Tombal, und diesen habe ich sehr unfreundlich behandelt. Der beste Mensch ist der Einzige, der sich über mich zu beklagen bestimmte, gegründete Ursache hat.

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Ueber einen Regenten muß man kein Urtheil haben, als bis er zwanzig Jahre regiert hat.

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Was als Böses erscheint, ist meistens böse; aber was als Gutes erscheint, ist nicht immer gut.

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Kein Mann ist so groß als sein Name, weder im Guten noch im Schlimmen.

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Wenn man menschlich fühlte und dachte, fand man das Wort Sclave zu hart; man sagte Leibeigener, dann Erbmann, dann Fröhner, dann Bauer; von der Sache selbst suchte man immer so viel als möglich zu behalten.

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Man mache mathematisch das Steuerkataster und suche es rein mathematisch zu erhalten, so haben wir Freiheit, so viel als der Mensch zu verlangen befugt ist.

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Alle große Thaten sind bis jetzt in der Geschichte nur blitzende Meteore gewesen, weil man sich nicht zur Idee der ursprünglichen, allgemeinen Gerechtigkeit erheben konnte. Bonaparte hätte der Fixstern der politischen Vernunft werden können; er begnügt sich aber, ein Komet zu sein, der Zerstörung droht. Wo ist die Dynastie des Cyrus und Alexander und August? So baut auch Napoleon.

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Wenn die Menschen endlich vernünftig sein werden, wird die Erde vielleicht am Marasmus senilis sterben.

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Du sollst, weil ich will, ist Unsinn; fast ebenso sehr Unsinn ist die Vollmacht von Gottes Gnaden. Aber Du sollst, weil ich soll, ist ein richtiger Schluß und die Base des Rechts.

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Recht, rectum, linea recta, gleich; auch der Sprachgebrauch hält noch den ursprünglichen Begriff. Mit Aufhebung der Gleichheit ist das Recht zerstört.

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Jedes Recht setzt zuletzt Gleichheit voraus, so wie jeder Krieg Recht. Das tiefste Gefühl von Recht hatten die Griechen, aber die wenigsten Begriffe. Die eigentliche schöne Periode der Griechen setze ich von der ersten Eroberung von Sardes bis auf die Schlacht bei Platäa. Vorher waren sie im besseren Sinne noch nicht, sodann waren sie nicht mehr.

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Bürgerlich war in der griechischen Natur etwas Göttliches; auch die Römer hatten viel davon, und hier und da noch eine Nation. Bei uns ist es fast ganz ausgerottet, und man fürchtet sich schon vor dem Worte.

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Unsere Religion thut auf Vernunft Verzicht, unsere Rechtslehre, unsere Politik; bald wird es auch unsere Philosophie. Alles beruht auf blindem Glauben und despotischer Willkür.

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Für Vernunft und Freiheit und Gerechtigkeit ist jetzt bei unsern Zeitgenossen nichts zu thun; wir brüten zu sehr in lethargischer Indolenz. Jede Kraftäußerung ist weggeworfen, und die Perlen sind noch vor die Säue geschüttet. Das einzige Ersprießliche ist Denken für die Zukunft, der es vielleicht gelingt, glücklicher von dem Todesschlaf aufzustehen.

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Cato schloß bekanntlich alle seine Reden im Senat mit der Formel: »Praeterea censeo, Carthaginem esse delendam.« Mit weit mehr Sinn könnte jeder gute Mann jetzt alle seine Vorträge damit endigen: »Praeterea censeo, deleantur privilegia, privilegia deleantur – radicitus.«

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Wo man viel spricht und schreibt, sind gewöhnlich die großen, schönen Thaten zu Ende. Als Plato und Aristoteles schrieben, waren keine Miltiades und Aristides mehr. Als Cicero redete, hatte die sterbende Republik keine Scipionen, Fabier und Fabrice. Aber wir leben jetzt in einer Zeit, die weder Thaten noch Worte hat.

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Die Periode schöner Thaten ist immer die Zeit der aufwallenden Vernunft und Freiheit. Das Blendende ist nur ein Abglanz des Großen und Guten. Mit dem Rest der persischen Freiheit unterjochte Cyrus Asien; Alexander that das Nämliche mit dem Rest der griechischen; und durch den Rest der gallischen ist Bonaparte Autokrator. Wer es versteht, eine Nation frei zu machen, macht sie groß und demüthigt sicher ihre Feinde, die nicht frei sind.

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Die Nation, welche nur durch einen einzigen Mann gerettet werden kann und soll, verdient Peitschenschläge.

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Der Cardinal Fesch wird von dem Kurfürsten Erzkanzler zum Coadjutor vorgeschlagen; da giebt der Kurfürst Erzkanzler seinem Stempel die letzte Folie.

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Wir Deutschen sind doch wahre Sansculotten, das heißt: wir verdienen, keine Hosen zu tragen. Auch in dem altrömischen Sinne sind wir es; denn behoste Völker, gentes braccatae, hießen bei den Römern Barbaren, die noch ein Schwert für ihre Freiheit führen könnten; das sind wir nun augenscheinlich nicht.

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Wo von innen Sclaverei ist, wird sie von außen bald kommen.

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Vor zehen Jahren hatten die Franzosen Kriegsgeist, jetzt haben sie Soldatengeist.

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Weist nur die Menschen in den Himmel, wenn Ihr sie um alles Irdische königlich betrügen wollt!

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Es wird selten eine Handlung begangen, die nicht irgend Jemand für ein Bubenstück und zur nämlichen Zeit ein Anderer nicht für eine schöne That hielte. Ein sicherer Beweis, daß sie schlecht war, ist, wenn der Thäter den Andern das Urtheil darüber wehren will.

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Das Zwielicht ist der Raum des Dichters und der Kunst überhaupt. Wo die Vernunft an die Sinnlichkeit und die Sinnlichkeit an die Vernunft grenzt, ist der Mensch in seinem schönsten Spiele. Vernunft ohne Sinnlichkeit scheint nicht mehr menschlich zu sein, und Sinnlichkeit ohne Vernunft ist es gewiß nicht. Stimmung für die Kunst und Genuß in derselben ist also der Stempel der Humanität. Die Sinnlichkeit mag darin herrschen, aber die Vernunft hat ihr die Herrschaft übertragen: und sie herrsche so, daß ihre Committentin die Vollmacht nicht zurücknimmt!

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Wo die Sinnlichkeit an die Vernunft grenzt, ist sie gewiß immer schön.

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Gott ist allerdings das letzte, höchste, vollkommenste Urideal; aber wir haben von ihm nicht mehr, als er uns von sich in der Sinnenwelt gegeben hat. Alles ist also einigermaßen Anthropomorphismus. Der Gott des Phidias ist göttlicher, weil er menschlicher ist. Zu dem Gotte des Plato erhebt sich kaum der Gedanke mit seiner größten Anstrengung und begreift am Ende von ihm fast nur die postulirte Nothwendigkeit. Gott ist a priori das Prototyp alles Guten in der Natur, aber das Gute in der Natur ist a posteriori wieder für uns das Prototyp des Göttlichen. Jeder macht allerdings seine Welt und seinen Gott und einigermaßen sich selbst; aber wer wollte eine so scholastische Sprache unter den Menschen reden, da sie kaum vou den Isolirten der Mystik verstanden wird?

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So lange noch irgend Jemand Einweihung und Geheimnisse hat, liegt der Menschenverstand in der Wiege und ist in Gefahr, darin erstickt zu werden.

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Wer Ansprüche macht, beweist eben dadurch, daß er keine zu machen hat.

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Das meiste Häßliche hatte im Sprachgebrauche ursprünglich seine Euphemismen, und eben diese Euphemismen brachten durch zu häufigen Gebrauch wieder das Unanständige hervor. C'est une belle fille, ist eine conventionelle Unhöflichkeit und ein rein ästhetisches Lob, und c'est une belle personne eine philosophische Beleidigung. Der Sprachgebrauch hat die Unphilosophie zur Schmeichelei gemacht; und ich wollte keinem Manne von feinerem Tone rathen, ein ehrsames, hübsches Mädchen unter die belles filles zu setzen. Jungfer und Dirne darf bei uns Niemand mehr sein; bald wird das Wort Mädchen ebenso zweideutig werden, und wir werden auch nur Personen behalten. Das Prädicat Fräulein haben die Privilegirten in Beschlag genommen, und eine junge Person der Ehrenkaste darf wol eine Jungfer haben, aber keine sein, bei Verlust ihrer Ehre.

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Hore, Huri, H–e scheint ursprünglich Eins zu sein, ὡραῖον, id quod in suo genere tempestivum, venustum est. Das Letzte ist bei uns so schlecht geworden, daß man es nicht gern ausspricht und ausschreibt. Mahomed setzt seine Huris noch zu ihrer und der Seligen Belohnung in sein Paradies.

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Religion heißt etymologisch vernünftige Ueberlegung, Paradies ein Park, Glaube eine vernünftige Ueberzeugung, Seligkeit das Wohlbefinden, Verdammniß die Entschädigung u. s. w. Was die heilige Mystik nicht für Popanze aus den Begriffen geschaffen hat! Soll man sich nun davon einschrecken lassen? Mihi religio est.

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Die Etymologie ist eine gefährliche Feindin der Theosophen.

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Zeitvertreibe sind die Erfindung der Spitzköpfe für die Plattköpfe. »Womit sollen wir uns die Zeit vertreiben?« fragen Blax und Stax. »Wo sollen wir aber zu Allem diesem Zeit hernehmen?« fragt Sophron.

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Jede Periode des Lebens hat ihre Leidenschaften. Das Alter, das man für die weiseste halten sollte, hat gewöhnlich die schmutzigsten.

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Einige leben vor ihrem Tode, Andere nach ihrem Tode. Die meisten Menschen leben aber weder vor noch nach demselben; sie lassen sich gemächlich in die Welt herein und aus der Welt hinaus vegetiren.

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Wer in der Welt nicht 200,000 Bajonnette mit den gehörigen Appertinenzen zu seinem Befehl hat, sollte sich's nicht einfallen lassen, öffentlich einen vernünftigen Gedanken zu haben. Und die Herren, die sie haben, lassen sich's beliebter Gemächlichkeit wegen selten einfallen.

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Es geht mir mit meinen Versen wie Lessing's Maler mit seinen Bildern. Ehe sie aus Herz und Kopf durch die Fingerspitzen aufs Papier kommen, ist das Beste verloren gegangen; und ich wundere mich oft, daß es nun so kalt da liegt, da es von innen so glühend war.

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Die Schlechten sind thätig und verwegen, die Besseren – denn Gute kann man sie nicht nennen – sind träge und furchtsam. Das erklärt den meisten Unsinn, den wir in der Welt sehen.

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»Dem Narren muß man aus dem Wege gehen«, ist ein altes, weises Sprichwort. Da geht man denn am Sichersten, wenn man Jedermann aus dem Wege geht; Einigen, weil man sie kennt, Andern, weil man sie nicht kennt. Das Sprichwort verlangt aber nicht mit, daß man den Grund des Platzmachens merken lasse. Es ist nicht nöthig und sogar unbefugt, daß ein Anderer wisse, ob man die Deferenz der Excellenz oder dem Peter Squenz erzeigt. Meistens giebt das Mittelste dem Letzten nur ein bürgerliches Recht auf das Erste.

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Die Despotie, die sich der öffentlichen Censur bemächtigt hat, bringt dadurch den Charaktern ihrer Gegner gefährlichere Streiche bei als durch die Capitalmachtschläge selbst und findet leicht Mittel, durch ihre Handlanger, die zu jeder Lüge, zu jeder Schändlichkeit fähig sind, die Seelenreinheit mit ihrem Gifte zu beschmutzen. Wem also an der Meinung der Welt, vor und nach seinem Tode, viel gelegen ist, wage es nicht, die Hyder zu berühren!

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Fürchte Dich, und Du bist verloren! Deswegen bist Du aber nicht gesichert, wenn Du nichts fürchtest: nur Dein Charakter ist es; doch ist Dir dieser genug, so bist Du es auch.

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Wer außer sich nothwendig noch Jemandes zu seinem Wohlbefinden bedarf, ist schwerlich ganz unbefangen.

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Ich habe in Rußland einen Kameraden unter den Kosackenofficieren gehabt, der nach dem Zeugniß der Geschlechtskundigen in gerader Linie von Genghiskhan abstammte; und es war mir, als ob es eine freundlichere Berührung gäbe, wenn ich von seinem Großgroßgroßvater fast so viel wußte als sein Urururenkel.

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Die moralischen Wahrheiten sind das Einzige, was wir mit Sicherheit in uns tragen. Denn sobald man unsere Ansicht der factischen Dinge merkt, trägt man Sorge, daß wir ihre wahre Beschaffenheit und ihren wahren Zusammenhang nur selten erfahren.

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Wer den ersten Sclaven machte, war der erste Hochverräther an der Menschheit. Die Griechen und Römer brauchten für den Unsinn doch freundliche, schmeichelnde Namen; aber wir haben die Tollheit gehabt, das Ungeheuer recht grell als einen Begriff in das öffentliche Recht zu flechten.

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Ein Despot ist vielleicht besser als viele; der Haifisch reinigt die See von Hechten, diese Hechte seien nun Bonzen, Bassen, Mandarinen, Edelleute, Mönche oder Demagogen.

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Seitdem wir Alle Herren sind, giebt es immer weniger und weniger Männer. Wenn die Franzosen den Ursprung des Wortes Allemands bedächten, würden sie noch bitterer spotten, daß wir mit unserm Namen so sehr im Gegensatz stehen.

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Dieser Böotier hat vier Wochen über Strongbeer, Pudding und Schinken gesessen und die Wollschur berechnet; nun hat er den Stockschnupfen schon vierzehn Tage und will morgen Hochzeit halten. Muß da seine Erstgeburt nicht die dickste Quintessenz der böotischen Atmosphäre werden?

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Bonaparte ist die Geißel der Länder und der Fürsten, weil die Fürsten blos das Erste sind. Wäre bei uns mehr Gerechtigkeit und Freiheit, so würde er seine Wagstücke nicht wagen. Er ist ein vortrefflicher Rechner, hütet sich aber wohl, die Grundsätze seiner Politik laut werden zu lassen. Sollte sie Jemand von Belang auffinden, so unterdrückt er ihn, ehe er aufkommt. Einzelne mögen darüber denken, was sie wollen, das hat für ihn nichts zu sagen. Ganze Nationen werden sich wahrscheinlich nicht ermannen, dafür sorgt der Parteigeist.

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Wer Gerechtigkeit, Liberalität und Geschichte sehen will, darf nur die Zeitungen und die Verordnungen der Fürsten nehmen; da findet er von allen das Gegentheil.

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Ich bin fest überzeugt, wo zehentausend rein aufgeklärte, fest ehrliche, nichts fürchtende, entschlossene Männer wären, würde die Wiege des Universalreichs der Vernunft sein. Aber wo sind zehen? Und welche Stufe zu zehentausend!

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Ἦμεν δ᾿ ἕτοιμοι ϰαὶ μύδϱους αἴϱειν χεϱοῖν Καὶ πῦϱ διέϱπειν ϰαὶ ϑεοὺς ὁϱκωμοτεῖν, Τὸ μήτε δϱᾱσαι, μήτε τῷ ξυνειδέναι Τὸ πϱᾶγμα βουλεύσαντι μήδ᾿ εἰϱγασμένῳ, sagt der Bote dem Kreon beim Sophokles, »Antigone«, zur Betheuerung, daß die Wache im Ganzen nicht wisse, wer die Erde über den Leichnam des Polynices geworfen. Dieses ist für mich die älteste Stelle der Feuerprobe. Ich weiß nicht, ob man eine ältere hat.

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Wenn wir in unsern öffentlichen Verhältnissen sagen, man müsse das Beste wählen, so heißt das blos: man muß thun, was weniger schlecht ist; denn das Gute wird man uns schon zu verwehren wissen.

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Vom Sophokles zum Euripides geht man wie vom Thucydides zum Xenophon. Man findet bei dem Letztern Alles viel feiner und zierlicher, aber auch Alles viel leichter. Euripides scheint seinen Sentenzen und Xenophon seiner attischen Grazie mehr zu opfern, als ihrer Muse gut ist. Sophokles trägt aus der Seele heraus; Euripides trägt oft nur in die Seele hinein, was nicht hinein gehört.

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Nur ein Ignorant hält sogleich seine Gedanken für Entdeckungen. Unterdessen können sie es doch für ihn sein, und er entdeckt vielleicht besser als sein Vorgänger. Ein Ignorant ist kein Dummkopf, aber ein Dummkopf bleibt immer ein Ignorant, und wenn er ein noch so großer Polyhistor wäre. Die Literärgeschichte könnte dazu viel Belege liefern.

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Ein gewöhnlich großer Mann hat sein Vergnügen, Alle rund um sich her mit der Allmacht seiner Kraft niederzudrücken und eine Welt vor sich auf den Knieen zu sehen; ein rein großer Geist sucht so viel als möglich Alle mit sich auf gleichen Fuß zu setzen, und fühlt sich dann in seiner größten Würde, wenn Alle in dem Gefühl der ihrigen neben ihm stehen. Wer einen Baum aufrichtet und hält, ist ausgemacht stärker, als wer ihn niederschlägt. Wer nur auf Kosten der Vernunft und des Menschenwerths herrschen kann, hat das System der Ohnmacht ergriffen. Wo sich die Kleinen vor den Großen bücken, sind gewiß die Großen vor den Kleinen nie gehörig sicher. Der Mensch giebt seine Würde auf, aber er wird nie der Freund Dessen, der sie ihm abnimmt.

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Τὸ ἶσον μόνον τὸ δίϰαιον, und wieder tausendmal τὸ ἶσον μόνον τὸ δίϰαιον, und wenn Millionen Köpfe abgeschlagen würden, τὸ ἶσον μόνον τὸ δίϰαιον! Im Gegentheil ist jedes Kopfabschlagen ein neuer Beweis des Satzes. Und hätte Euripides nichts weiter als diese drei Worte gesagt, er verdiente eine Ewigkeit!

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Der Merops, Herr dieser Erde, hat drei große Charakter: er ist Mensch, er ist Hausvater, er ist Staatsbürger. Wo Eins das Andere stört, sind alle Drei verkehrt genommen. Der Mensch, der nicht Bürger und Hausvater sein kann, ist das jämmerlichste Product der Ascetik despotischer und mönchischer Unvernunft. Der Hausvater, der nicht Bürger und Mensch ist, bleibt ewig eine nichtswürdige Verkrüppelung des kleinlichen Eigennutzes; und ein Bürger, der nicht Mensch und Hausvater ist, ist ein kalter Rechenpfennig in dem großen Spiele des herrschenden Schicksals. Es ist unmöglich, einen Charakter wegzunehmen, ohne die andern zu zerstören. Die feinste Gaunerei ist also der erzwungene Cölibat, um eine große, Einfluß habende Classe von dem schöneren Interesse der Menschlichkeit loszuketten. Von der Ehelosigkeit zur Ehrlosigkeit ist moralischen Schwächlingen nur ein kleiner Schritt. Der Corse hat das sehr wohl und klug berechnet, auf Weisheit hat er selbst freiwillig Verzicht gethan.

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Wenn ich spazieren gehe, stößt mir alle fünf Minuten ein Gesicht auf, das ein Patent für ein Privilegium aushängt; und jedesmal verliere ich dabei etwas Muth für die Menschheit.

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Ob die Weiber so viel Vernunft haben als die Männer, mag ich nicht entscheiden; aber sie haben ganz gewiß nicht so viel Unvernunft.

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Wenn die Staaten ursprünglich mit mehr Vernunft und Gerechtigkeit eingerichtet würden, würden wenig gewaltsame Empörungen zu fürchten sein.

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Die Etymologie ist das beste Studium, die Schreckgespenster der heiligen und profanen Gaunerei loszuwerden.

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Die Kunst lebt im Zwielicht der Vernunft und ist immer eine Jugendtochter des Geistes. So lange der Geist in der Kunst lebt, ist er jung.

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Vor einigen Tagen schrieb Tilesius, wie er und seine Russen in Japan waren aufgenommen worden. Der große Kubo hatte es sehr vermessen gefunden, daß der Kaiser von Rußland es gewagt, ihm, dem großen, unvergleichlichen Beherrscher der Erde, zu schreiben; und er nahm die Geschenke nicht an, die ihm der Petersburger schickte, sondern drang seinen Gesandten vielmehr die seinigen auf. Die Russen hatten vor dem japanischen Fürsten, dem Abgeordneten des großen Kubo, nicht lange genug auf dem platten Antlitz der Erde gelegen, und ein japanischer Officier, der den Ceremonienmeister machte, drückte nachdrücklich höflich sie zum Nachschuß wieder auf den Boden, ehe sie Erlaubniß erhielten, ihre Augen zu erheben. Großer Kubo, in Europa hast Du jetzt nur einen Collegen; aber jeder deutsche Edelmann lebt in dem Abglanze Deiner Machtvollkommenheit als kleiner Kubo, mit der unbestimmten Hoffnung, vielleicht auch einmal ein großer zu werden.

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Ὅςτις γὰϱ ἐπὶ τὸ πλέον ἔχειν πέϕυϰ᾿ ἀνήϱ, Οὐδὲν φϱονεῖ δίϰαιον οὐδὲ βούλεται, Φίλοις τ᾿ἄμιϰτός ἐστι ϰαὶ πάσῃ πόλει.

Da haben wir die Privilegien. Bei genauer philosophischer Untersuchung wird sich die strengste Wahrheit des Satzes finden, so ketzerisch er auch unsern schlechten Eupatriden klingen mag.

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Die Tyrannei hält immer gleichen Schritt mit der Niederträchtigkeit und das Privilegium mit der Dummheit. Es wird der Welt nie an Tyrannen fehlen, da sie voll Weggeworfenheit und Sclavengeist ist.

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Die ganze griechische Geschichte hat wenig Republikaner, die römische keinen einzigen, es müßten denn die Gracchen sein. Die französische Revolution hat den Vortheil, die ersten Republikaner gestellt zu haben. Ihre Pflanzung wird wachsen, wenn sie auch jetzt vom Unkraut erstickt wird.

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Mich schlägt bei meinem Blicke in die Welt nichts mehr nieder, als daß ich so viel Gesichter sehe, die ihre Ansprüche auf irgend ein Privilegium auf die Nase gepflanzt haben.

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Die besten Apostel der Despotie und Sclaverei sind die Mystiker, meistens gescheiterte, grobe Sinnlinge. Ueber dem Göttlichdummen in sich löschen sie viel Schönmenschliches aus, welches allein unser Antheil der Göttlichkeit in der Welt ist.

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Laßt Euch nur einmal eine Offenbarung aufbürden, und man wird Euch bald so viel Unsinn offenbaren, daß Ihr vor Angst in der Nacht den großen Bär und am Tage die Sonne nicht finden könnt.

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So lange kein Privilegium ist, findet kein Despotismus statt: mit dem ersten Privilegium hält er seinen Einzug.

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Wenn nur erst der zehnte Theil der Menschen leidlich gescheit wäre, so hätte die Vernunft Hoffnung zur Herrschaft.

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Wenn man sich über die schurkische Narrheit oder die närrische Schurkerei der Zeitgenossen ärgert, darf man nur in die Geschichte blicken, um sich zu beruhigen und leidlich zu trösten.

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Aus dem heiligen Dunkel der religiösen und despotischen Mystik steht man ebenso wenig richtig in die Welt heraus, als man aus der Welt mit offener Geradheit in das Heiligthum hineinsieht.

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Borgia, nicht Cäsar Borgia, sondern der gute Alte unserer Zeit, mußte als Siebzigjähriger wider seinen Willen mit zur Frohnfarce nach Paris ziehen. Ihm ward wohl; er kam nicht hin. Der Papst in Notredame zu Paris! Da hat eine Unvernunft sich an der andern gerächt.

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Wenn man so ächt deutsch apathisch faul ist, darf man nur hinaus in die freie Luft unter die Menschen gehen, und wenn man dann durch den Aerger nicht etwas wieder zum Leben geweckt wird, so ist man ohne Rettung zum moralischen Tode verdammt.

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Als ich hinter jedem preußischen Bataillon fünf oder sechs Hühnerwagen herziehen und den unbärtigen Fähnrich einen Graubart mit Stockprügeln behandeln sahe, ward mir für das deutsche Wesen nicht Wohl zu Muthe.

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Von dem Tage der Schlacht bei Jena habe ich mir so ziemlich fest vorgenommen, nicht mehr Deutsch zu schreiben; das heißt, nichts mehr in dieser Sprache der Faulheit und Dummheit und Despotie und Sclaverei drucken zu lassen. Die Sachen müßten sich sonderbar ändern, wenn ich meinen Vorsatz ändern sollte.

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Die Franzosen haben bei Jena concentrisch gehandelt und die Preußen excentrisch; das ist das ganze Geheimniß.

*

Um unter der preußischen Armee einen Ehrenposten zu haben, mußte man Edelmann sein. Es ist ächt adelig gegangen.

*

Wenn unser Adel nur seine Steuerfreiheit, seine Frohne und seinen Dienstzwang rettet, ist er Jedermanns Sclave, der ihm seinen Unsinn behaupten hilft.

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Bonaparte wird sich nun mit den deutschen Fürsten und dem deutschen Adel zusammen amalgamiren: das wird eine herrliche Art neuer Unvernunft werden, die man wieder Gerechtigkeit und gute Ordnung nennt. Tröstlich ist es noch, daß es schwerlich schlimmer werden kann.

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Wo wäre denn Vernunft und Recht?
Ich sehe nichts als Büttel und als Knecht.
Man stürmt und braust und peitscht nach Noten
Den Sclaven hier, dort den Heloten.
Das alt-meropische Geschlecht
Hat jederzeit, wo ihm Gefahren drohten,
Sich in die Wette feil geboten.
Kaum ruft es: »Dieser ist Tyrann!«
So straft's mit Wuth und eilt und wählet dann
Den zehnfach schlimmeren Despoten.

Bei Ulm und Austerlitz und Jena hat sich unser Stocksystem in seinem ganzen Glänze gezeigt.

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In seinem Manuskript hat Seume hier am Rande bemerkt: »Nov. 6« [1806]. – A. d. H. Wenn Oestreich jetzt nichts thut, so wird es das kommende Jahr wahrscheinlich leiden. Vestigia terreant!

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Ich nehme jetzt consequent Alle als natürliche Verbündete gegen Frankreich. Wenn sie siegen, so haben sie eben keine große Ehre, aber große Schande, wenn sie nicht siegen.

*

Wenn Bonaparte unbezweifelter Herr von ganz Europa wird, ist er als Krieger nicht so groß als Friedrich der Zweite und kann es nie werden.

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Leider scheint jetzt für Deutschland die einzige Hoffnung in der Zerstörung zu sein. Unsere Leiden kommen nicht von außen, sondern von innen.

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Ή μέν ίσότης έν άπαντι καί τό μηδέν πλέον δικαιοσύνης έργα τό δέ άνισον καί πλεονεκτικόν άδικίας. Lucian

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Wer die Privilegien tödtete, wäre der Weltheiland.

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Man vernichtete die Griechen durch Griechen. Nun zerstört man die Deutschen durch Deutsche. Es finden sich Niederträchtige genug, vorzüglich unter den Fürsten und sogenannten Edeln. Doch vielleicht ist nur in der Zerstörung Hoffnung.

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Ich sehe die schöne Palingenesie meiner Nation, wenn nur erst ihre Harpyen todt sind.

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Jetzt führen die Franzosen eine schlechte Sache gut und die Deutschen eine gute Sache schlecht.

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Attila mit seinen Hunnen ist schwerlich schrecklicher gewesen als Bonaparte's Braven, und alle Gräuel Tilly's hört man wieder hier und da auf dem platten Lande: Raub und Mord und Frauenschändung. Der Despotismus ist ein gräßliches Ungeheuer, und sein Gefolge ist scheußlich. Nur die blinde Volkswuth Despotie brütender Rädler ist vielleicht noch ungeheuerer.

*

Die Hälfte der Armee und überhaupt die Hälfte der Menschen ist immer leidlich, ehrlich und gut; aber die Bosheit ist meistens energischer im Ganzen als im Einzelnen.

*

Der Staat sollte die Wohlhabenheit Aller zu befördern suchen, befördert aber nur den Reichthum der Einzelnen.

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Ehrhardt und Mahlmann sollen, wie ich höre, sehr französiren und bonapartisiren. Das ist aus ihrem Wesen begreiflich, und unsere deutschen Landsleute helfen ihnen durch ihre Weggeworfenheit treulich.

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Wir sind jetzt wirklich auf dem Punkte, wo wir wie Cicero nicht wissen, ob wir unsern Freunden oder unsern Feinden Sieg wünschen sollen. Hier sind Ruthen, und dort sind Skorpionen.

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Τò Ίσον πόλεμον ού ποιεί, sagte Plutarch's Solon; und man könnte hinzusetzen: Τò ίσον μόνον. Wo man der Pleonexie oder den Privilegien, meistens in den Händen der Eupatriden, nachzusehen anfängt, sinkt der Staat von Krankheit zu Krankheit, und es bedarf nur eines energischen Stoßes von innen oder von außen zu seiner Zertrümmerung.

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Ein Staat von reiner Isonomie, Isotimie und Isogonie mit einiger Energie von zwanzig Millionen Bürgern würde einer Tyrannenwelt rund umher Trotz bieten.

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Es ist zu hoffen, daß die jetzige große Gährung den Abschaum auswirft und abwirft und die Selbstständigen zu Tage fördert.

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Macon kam nach der Schlacht bei Jena oder vor derselben nach Gera ins Quartier. Das Haus, in welches er einzog, war von den Helden der großen Nation rein ausgeplündert worden. Der Wirth hatte für sich und seine Familie nur noch ein Stückchen Brod, von welchem er dem General eine Suppe kochen wollte. Der General sah die Gesichter der Familie und ging traurig, hungrig zu Bette und ritt den andern Morgen früh nüchtern weg. Voilà un ennemi respectable!

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Tout autour de Weimar jusqu´à Leipsic et plus loin le pays fut pillé, saccagé, ruiné, abimé; on cassa, tua, viola, égorgea sans honte et sans la moindre étincelle d'honneur. C'étoient des braves bien méprisables, mais des hommes, des héros comme il faut pour le but. Parmi les tigres et les hygènes il se trouve quelquefois un lion généreux.

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Die besten Menschen finden sich oft, wo die schlechtesten sind: der Satz des moralischen Widerspruchs weckt und hebt sie. Um dieses zu sehen, darf man nur in den Krieg schauen. Die Sache der Franzosen ist jetzt gewiß schlecht, aber viele der Einzelnen sind in jeder Rücksicht sehr liebenswürdig.

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Wo man anfängt, den Krieger von dem Bürger zu trennen, ist die Sache der Freiheit und Gerechtigkeit schon halb verloren.

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Es sind jetzt in Europa nur zwei Männer, Bonaparte und Alexander von Rußland, und nur eine Nation, die Engländer. Eine Nation nenne ich eine große Volksmasse, die durch ihre freien Abgeordneten gesetzlichen Antheil an ihren öffentlichen Verhandlungen hat. Die Franzosen fingen an und haben aufgehört, eine Nation zu sein; Bonaparte schlägt nur mit seinem Geiste und den Manen der seligen französischen Nation.

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Wer die Deutschen zur Nation machen könnte, machte sich zum Dictator von Europa.

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Meine Zeit fiel in die Schande meines Volks. Alles, was ich Empörendes und Erniedrigendes sehe, halte ich für die Folge der Privilegien.

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Gewisse sogenannte Verbrechen sind das Heiligste, was die Natur des Menschen aufzuweisen hat, z. B. Ketzerei, Empörung, Selbstmord. Was die Vernunft und das Göttliche in uns als groß bezeichnet, hat der Despotismus und die Dummheit zu Schande und Tod verurtheilt. Die Menschheit hat sich das wenige Licht, dessen sie genießt, durch Unglauben und Forschergeist errungen. Die Gerechtigkeit wird nur durch kühnen Widerstand gegen die Selbstsüchtler festgesetzt. Wo ich in der Würde meiner Natur, ohne Beeinträchtigung des Heiligsten nicht mehr leben darf, verlasse ich das Gewühl der Verworfenheit, der Sclaverei und Tyrannei.

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Wenn nur die deutschen Privilegien zerstört sind, wird schon Deutschland wieder erstehen. Nur in der Zerstörung keimt unsere Palingenesie.

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Der Ruhm ist gewöhnlich das Grab der Ehre und die Ehre selten der Weg zum Ruhm. Aber wer den Ruhm und die Macht in Beschlag nimmt, stempelt die Ehre nach Gutdünken und macht Goldmünze aus Glockenspeise.

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Die Wörter Herr und herrschen geben keinen vernünftigen Begriff unter vernünftigen Wesen. Man ist nur Herr und herrscht über Sachen und nie über Personen. Nur wer nicht gesetzlich gerecht regieren kann, maßt sich der Herrschaft an und begeht den Hochverrath an der Vernunft.

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Bis jetzt ist zur Erziehung des Menschengeschlechts nichts gethan. Die Franzosen fingen an, hörten aber sogleich auf.

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Wenn wir unser öffentliches Recht aus den Griechen und Römern schöpfen wollen, sind wir zur ewigen Barbarei verdammt.

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Aus Mangel an Ehre haben sich die Franzosen in Ruhm bis zum Taumel berauscht. Ehre entsteht aus philosophischer Würdigung reines Verdiensts; Ruhm ist der Widerhall der Stimme der Menge. Ehre hatte Aristides und vielleicht Miltiades; Ruhm haben Cäsar und Napoleon. Wo nicht Vernunft, Gerechtigkeit und Freiheit ist, kann zwar großer Ruhm sein, aber von Ehre ist nicht die Rede.

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Ein Privilegiat kann sich keine Ehre erwerben; denn jedes Privilegium ist Ungerechtigkeit und hebt die Ehre auf.

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Wenn Aeschines der bessere Mann gewesen wäre, wäre er wahrscheinlich der größere Redner gewesen. An Heftigkeit und Schadensucht sind sie einander gleich. Philipp hat für Demosthenes entschieden, und die Nachwelt stimmt ihm bei.

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Nie ist die Strafe so bald auf die Sünde gefolgt als jetzt bei den Hessen. Es gehört Blindheit dazu, nicht zu sehen, was geschehen würde. Eine Schnecke hätte es mit dem halbtodten Fühlhorne vorher lernen können.

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Wir Deutschen sind vorzugsweise das Volk der Privilegien, ein Document unserer Unweisheit! Darum ist es denn auch gegangen – wie wir gesehen haben und sehen.

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So lange wir die Privilegien nicht vernichten, können wir die Franzosen vielleicht schlagen, werden sie aber nie besiegen.

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Bonaparte wird sich wohl hüten, uns unsere Privilegien zu nehmen; sie machen unsere Schwäche. Er setzt seine Satelliten unter unsere Privilegien, um die Ohnmacht zu erhalten. Unsere Fürsten und Edelleute sind seine treuesten Unterthänlinge. Unsere Privilegien antasten, hieße uns vernünftig machen, uns auf Hirn und Knochen setzen; eine sehr gefährliche Sache.

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Wenn sich die jetzige Krise mit Zerstörung löst, ist für die Nation Hoffnung. Aber die Franzosen sind zu feine Kauze, das Volk zum Gefühl seiner Kraft zu bringen. Die Vicekönige mit ihren Satelliten, den Privilegirten, werden uns wol in unserer Ohnmacht zu erhalten wissen.

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Dem Beobachter ist das kommende Jahr immer der Commentar des vergangenen. Wer etwas heller sieht, hat ihn oft nicht nöthig.

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Alles kehrt jetzt den Rock, und täglich hat eine deutsche Nase mehr eine französische Cocarde aufgepflanzt. Es ist das bloße Bedürfniß, etwas zu sein, Erhardt spricht und schreibt französisch, und Mahlmann und der europäische Aufseher will, höre ich, auch anfangen.

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Wir haben Frieden, und unser Fürst wird König bespöttelt und muß thun, was ihm die Fremdlinge vorschreiben. Unsere Kirchen sind der Fremden Strohmagazine und H-enhäuser, und kein Bürger darf eine Kanne Erbsen durch das Thor tragen, ohne von einem Handlanger der fremden Spießgesellen sich den Sack durchsuchen zu lassen.

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Wenn ich die ausgezeichnet schlechten bürgerlichen öffentlichen Einrichtungen sehe, muß ich mich wundern, daß die Menschen nicht noch weggeworfener und ehrloser sind.

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Das beständige Leben im Zimmer wird bald zur kränkelnden Vegetation. Wer Kraft und Muth und Licht mehren will, gehe hinaus in die Elemente.

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In Dresden soll Jemand illuminirt haben:

»Vivat Friedrich August Rex;
Wer noch Geld hat, der versteck's!«

Recht gut! Se non è vero, al men – – Wenn nur nicht der König den Fürsten aufzehrt.

In Seume's Manuscript ist hier am Rande bemerkt: »1. Jan. 1807«.– A. d. H. Ich will auch illummiren. Ich habe drei Fenster:

1. Liberitas.
Sana ratio.
Justia omnibus aequa.
Patria

2. Rex,
Basileus,
Consul,
Quodcunque vis
Excepto tyranno.

3. Patria.
Sana ratio.
Justitia omnibus aequa.
Libertas.

Wenn's nur nicht schlimmer wird :c. :c.

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So lange ich noch so viele Menschen ein Privilegium auf der Nase tragen sehe, ist zu einer vernünftigen Regierung keine Hoffnung.

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Unser Statistiker Leonhardi ist, wie ich höre, ein Verfechter der Leibeigenschaft. Er verdient also Leibeigener der Unvernunft zu sein. Quod tibi non vis – –.

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Es ist kein Gedanke bei der Vernunft unverantwortlicher als die Unverantwortlichkeit; dieses ist das gräßlichste aller Privilegien und führt geradezu zur Unvernunft und Sclaverei. Die Athenischen Gesetze forderten billig sogar Rechenschaft, si quis de suo aliquid in bonum publicum contulerit. Ἀνεύϑυνον καὶ ἀζήτητον καὶ ἀνεξέταστον οὐδέν ἐστιν τῶν ἐν τῇ πόλει.

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Was von der Nation für die Nation zu hoffen wäre, zerstören gewiß die Fürsten und Edelleute, um ihre unsinnigen Privilegien zu retten. Bonaparte's beste Trabanten sind von nun an die deutschen Fürsten und Edelleute.

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Haltet nur ein Privilegium hin, wenn Ihr sehen wollt, ob Jemand rein vernünftig ist. Wenn er zugreift, hat sich die Unvernunft ausgesprochen.

*

Ich kann mir nicht helfen, es ist meine tiefste Ueberzeugung: der allgemeine Charakter der Deutschen seit langer Zeit ist Dummheit und Niederträchtigkeit. Das ist die Schöpfung unserer Fürsten und Edelleute, der Ertrag des Privilegienwesens.

*

»Was ist der Mann?« fragen Andere. »Wer ist sein Herr Vater?« fragt der Deutsche.

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»Er hat große Dinge im Kopfe«, sagt man jetzt, um Jemand lächerlich zu machen. Man kann ein kleines, sclavisches, weggeworfenes Geschlecht nicht besser bezeichnen.

*

Wir sind jetzt die Nation der Titel, des Adels, des Dienstzwangs, der Fröhne, des Unsinns, der Dummheit, kurz, die privilegirte Nation oder die Nation der Privilegien.

*

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Οί άριστοι κάκιστοι; ηρώων τέκνα πήματα, ατέλειαι και προτερήματα των πόλεων καρκινώματα.

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Es ist Schande für die Deutschen, daß ein Fremder sie beeinträchtigen kann; und es ist noch größere Schande für sie, daß ein Fremder ihr Retter sein soll.

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Unsere Fürsten und Edelleute sind die Unterthänigstgehorsamsten des fremden Despoten, um ihre ärmliche schändliche Existenz mit dem Unsinn der Privilegien zu retten: so ist das Schicksal des Volks erklärt.

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Das goldene Jahrhundert, das silberne, das eherne, das eiserne, das bleierne, das papierne, das dreckige: in dem letzten sind wir jetzt. Wenn wir uns doch wenigstens wieder bis zum eisernen erhöben!

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Die Edelleute liefern nichts, wie ich höre, sondern verkaufen ihre Producte Denen, welche liefern müssen; ein herrlicher königlicher Unsinn! Sie sind die Filzläuse des Staats.

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Erhardt singt und pfeift und quiekt Lobgesänge in die Wette, heute Alexandern, morgen Bonaparten. Er ist ein wahrer Deutscher des jetzigen Augenblicks.

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Alles, was man in dieser Zeit für seinen Charakter thun kann, ist, zu documentiren, daß man nicht zur Zeit gehört.

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Wenn meine Mutter nicht wäre, lebte ich wahrscheinlich nicht mehr; denn es gehört eine große Pflicht dazu, um diese allgemeine Weggeworfenheit zu dulden.

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Ein Buchhändler wollte mir vor einiger Zeit tausend Thaler geben, ich sollte ihm psychologisch meine Lebensbildung schreiben. Das Buch hätte einige alte Wahrheiten enthalten, die man vergessen hat, und vielleicht einige neue, die man nicht will. Ich fand es also meinem Charakter gemäßer, die tausend Thaler nicht zu nehmen. Wenn ich 88 Jahre alt sein werde, will ich's für die Hälfte etwas besser machen. Sterbe ich unterdessen, so hat die Welt wenig verloren und ich noch weniger.

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Wer nur das Mittel ausfindig machen könnte, die Schurken auf Pränumeration zu henken, würde der erste Heiland der Welt werden.

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Ich höre, Bonaparte will den Tempel zu Jerusalem wieder aufbauen, um das dritte Hauptschnippchen zu schlagen. Das erste, im Namen des einzigen Gottes, der keinen Sohn hat, in Aegypten; das zweite, die heilige Osterfarce in Paris; das dritte, der Tempel zu Jerusalem.

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Octavian verzieh Demjenigen, der den Dolch gegen ihn geschliffen hatte; Bonaparte ließ Den niederschießen, der einige Satiren gegen ihn in Circulation gesetzt hatte; Octavian in seiner eigenen despotisch wohlerworbenen Gerichtsbarkeit, Bonaparte in einem fremden, freundlich gesinnten Lande. Voilà la différence! Und Octavian war eben nicht der Beste.

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Bonaparte wird gerechtfertigt durch die Uebrigen; wenn man nur erst den Gedanken von Vernunft, Freiheit und Gerechtigkeit gehörig cassirt hat!

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Die Hessen wollen, wie ich höre, nicht recht folgen, weil sie die Göttlichkeit und Wohlthätigkeit der Sendung und des Wegtreibens nicht mehr so recht begreifen. Da schickt man die Hessen hin und läßt die Hessen todtschießen, nimmt etwas Baiern, Badener, Württemberger und Sachsen mit, und die Oestreicher sehen zu und lassen's halt gehen, wie's geht. Die Westphalen liefern den Franzmännern ihre Schinken, und das Restchen Brandenburger ersäuft in der Weichsel. Eia! über unsere Weisheit! Wir behalten ja unsere Privilegia!

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Wer die Privilegia erfunden hat, soll zehntausend Jahre nach dem Aussterben der Hölle von dem letzten raffinirtesten Teufel privilegirt in den Stock gesetzt und mit sublimirtem Höllenstein vom Tode zum Leben und vom Leben zum Tode gebeizt werden.

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Die Frau hatte einen schweren Korb dürres Holz, sah sehr kothig aus und gab zähneknirschend einen Ton von sich, der eine Mischung von Weinen, Beten und Fluchen war. »Was fehlt Euch, Mutter?« fragte ich. »Ach, der unbarmherzige Zeterhallunke hat mich mit dem Pferde in den Graben geworfen. Er ritt auf dem Fußsteige, und ich wich ihm links aus, so weit ich konnte. Er rührte sich keine Spanne, und das Pferd stieß mich hinunter, und er ritt fort, ohne sich umzusehen. Sein Pferd ist menschlicher als er. Hätte ich ihn nur mit dem großen Stocke auf den Kopf geschlagen!« »Das wäre freilich nicht übel gewesen, wenn Ihr nur den Hirnschädel tüchtig getroffen hättet.« – Dergleichen Dinge geschehen alle Tage zu Dutzenden; weder Gerechtigkeit noch Polizei nimmt Notiz davon. Die Gerechtigkeit hat mehr zu thun; sie muß ihre Chocolade trinken, und die Polizei muß ihren Thorgroschen gehörig einnehmen und das Chausseegeld heben. Keiner der Ordnungsherren kommt heraus; oder kommt er heraus, so reitet er mit einer Hyperbel von Impertinenz selbst auf dem Fußsteige und stößt mit dem Gaule den armen Wanderer in den Graben. Kommt's einmal zur Sprache, so heißt's ganz sanft und glimpflich: »Aber, gnädiger Herr, Sie sollten doch etwas vorsichtiger sein!«

Nun reite nur, verdammte Gnade,
Und stoß und wirf herab vom Pfade!
Daß Dich mit stinkendem Geleite
Einst Moloch in die Hölle reite,
Wenn Dich entmenschten feilen Büttel
Em Bettlertrupp erst mit dem Knüttel
Schwer abgebläut und dann im Graben
Im tiefsten Koth erdrosselt haben!

Wer bei gewissen Anblicken nicht die Vernunft verliert, muß wenig zu verlieren haben.

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Die Quintessenz der Impertinenz sind die deutschen Kaufmannsjungen, die mit etwas Pepliers französische Commissäre geworden sind. Sie machen außerdem die Verbindung der Schlechtheit beider Nationen, bleiben aber auch der Auswurf beider.

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Beleidigungen, welche mir widerfahren, vergebe und vergesse ich immer eher als Beleidigungen, welche Andern und besonders Solchen geschehen, die leiden müssen. Eben deswegen glaube ich, daß mein Charakter einigen moralischen Werth habe.

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Unsere Gazettiers und Pamphletiers sind alle Aechsler und Windfähnler. Mahlmann läßt den 1. Januar 1807 bei der Illumination in Leipzig durch alle Straßen »Es lebe der König« rufen. Ich bin von dreiviertel auf sieben bis acht Uhr in der Stadt herumgewandelt und habe es, bei meiner Wahrhaftigkeit, kein einziges Mal gehört. Daran ist gewiß nicht der Mangel an Liebe und Verehrung gegen den guten Mann, der jetzt unser König ist, Schuld. Aber die Umstände der Zeit und alle Umgebungen wirkten wie Dämpfer, und alle guten Wünsche für ihn und uns Alle reducirten sich auf die alte Formel: »Wenn's nur nicht schlimmer wird!« Es ist aber zu fürchten, seine schöne Zeit hat der Mann als Kurfürst und das Land unter ihm gelebt.

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Απολωλετα χοινα, το ισον, η ελευθερια, η ευδαιμονια πανιαχοι χραιουσιν οι πλεονεχτουτεσ, πανια μεσια δορυφορουνιων τοισ τυρννοισ, πανια φοβοσ χαι δειλια χαι αγνωμοσυνη

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Wenn man die Menschen um das Erdenleben betrügen will, assignirt man sie gewöhnlich an den Himmel und benebelt sie mit der Dummheit des Afterglaubens, wenn man ihre Vernunft mißhandelt.

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Wenn ich die Lage und Kräfte der Feinde Bonaparte's berechne, so finde ich, sie haben doch keinen sonderlich großen Ruhm, wenn sie endlich siegen, aber sehr große Schande, wenn sie besiegt werden. Von Ehre ist nicht die Rede; diese ist nur, wo Vernunft, Freiheit und Gerechtigkeit sind; und diese sind jetzt nirgends.

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Man thut alles Mögliche, um Klugheit mit Weisheit, Selbstsucht mit Tugend, Satzung mit Gerechtigkeit, Ruhm mit Ehre zu vermengen; weil die eine Hälfte fühlt, es wäre besser, wenn mehr von den letzteren wäre, und die andere Hälfte eben aus grober Selbstsucht gern Glaukomen macht.

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Bonaparte unterdrückt, wie ich höre, den Tacitus; natürlich wol auch den Sueton: von ihm haben wir also den Livius nicht zu erwarten, wenn er auch gefunden würde. Ich finde das sehr begreiflich, ebenso wie Palm's Proceß oder vielmehr Unproceß.

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Der jetzige Zustand Deutschlands ist das Product der Privilegien, des Kastenwesens und des Stocksystems, das Werk unserer Fürsten und Edelleute. Die Ursachen werden nicht gehoben, also werden die Wirkungen bleiben.

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»Dem Gott Europens Scepter gab« etc. höfelte Mahlmann dem großen Corsen den 1. Januar 1807 zum Königsfeste. Warum nicht lieber gleich: »Dem Gott der Erde Scepter gab«? Nach Mahlmann's Lehre sind also der Kaiser Alexander, der König von Preußen und alle übrigen Verwegenen, die etwas gegen seinen Götzen vornehmen, Empörer, die von Gott selbst gezüchtigt werden müssen.

Ist er nicht der verächtlichste der Schmeichler,
So ist er der verworfenste der Heuchler.
Τουτο τησ ταπεινοτητοσ χαι τησ χολαχιασ το αισχοσ χαι χαιαπιυστοτατον
Er sollte billig Bonaparte's Oberkammerherr werden!

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Wenn Bonaparte die Stimme der Vernunft und Freiheit und Gerechtigkeit gehört hätte, er wäre die Sonne der Humanität. Er hat in sich selbst das schönste, reinste, höchste Ideal verdorben, das das Schicksal zum Heil der Menschheit aufstellen zu wollen schien.

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Die Franzosen schanzen, um den Satelliten ihres Kaisers große Etablissements zu verschaffen: sehr billig, denn Jeder hat Hoffnung, darunter zu kommen.

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Wenn man sich einmal über Vernunft, ächte Freiheit und Liberalität weggesetzt hat, kann man mit Klugheit und Kühnheit einen weiten Weg machen.

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Wenn ich die Gesichter und vorzüglich die Nasen der Herumwandelnden besehe, so steht fast auf allen: »Ich habe ein Privilegium!« und Alles ist Pleonexie. Sollte mein Aerger darüber auch Pleonexie sein, so wollte ich doch für meinen letzten Groschen Rattenpulver kaufen, um es eiligst zu verschlucken.

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Των χολαχων τα υποχορισματα των τε πανουργων χαι ευπαιτριδων τα πλεονεχτηματα παντελωσ τα χοινα χαχωσ διεφθαρχε

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Privilegien und Immunitäten sind der Tod der öffentlichen Vernunft; wo Freiheiten sind, ist keine Freiheit, und wo Gerechtigkeiten sind, ist keine Gerechtigkeit.

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Die Pleonexie der Einzelnen ist das Palladium der Tyrannen.

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Die Franzosen sind von je her die witzigste und lebendigste und geistreichste Nation gewesen; durch Verstand und Vernunft waren sie nie berühmt. In der Revolution schien die Vernunft emportauchen zu wollen, aber es blieb beim Witz. Ihr ganzer Gewinn aus der kaustischen Umgestaltung ist Regung und Richtung der physischen Kraft. Caprara's Katechismus zum Gegensatz der Vernunft und ein neuer blinder Despotismus, eiserner als jeder alte. Möchte wol irgend eine Nation die momentane Energie als einzige Ausbeute der blutigen Experimente kaufen? Doch haben sie immer noch das Gute, daß im Allgemeinen bei den übrigen fast Alles noch unvernünftiger ist.

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»Iß Deinen Pudding, Sclav, und halt das Maul!« war die Ordonnanz der alten Tyrannei. Die neue rückt etwas weiter und sagt: »Gieb Deinen Pudding, Sclav, und halt – –«

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Solon hatte bekanntlich seinen Atheniensern ein Gesetz gegeben, daß bei Bürgerzwisten jeder Bürger eine Partei ergreifen mußte: das liegt in der Menschennatur, und dadurch wird Vernunft und Freiheitssinn lebendig erhalten. Bei uns ist überall das Gegentheil verordnet, und dadurch wird Indolenz und sclavische Verdumpfung geschaffen. Sehr klug; fast hätte ich gesagt: sehr weise!

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Die Gesetze der zwölf Tafeln waren das Werk der Decemvirn; das stempelt schon hinlänglich ihren Charakter. Trotz der Verehrung, die der Schönredner Cicero noch dafür hat, sind sie eines der ersten Monumente barbarischer, eiserner Aristokratie. Was wir noch davon haben, bewährt meinen Ausspruch. Ein einziges, sehr unpsychologisches Gesetz führe ich an, das noch bis heute fortdauert. Dieses ist die tutela legitima, welche die Römer von den Atheniensern nahmen. Die Erbsünde der menschlichen Natur ist Pleonexie. Die Geschichte beweist, wie viele Vormünder ihre Mündel klüglich zu beseitigen wußten, wenn sie Hoffnung hatten, zu erben oder nur der Erbschaft näher zu rücken; vorzüglich in großen Häusern, wo die Verbrechen heimischer sind, eben wegen größerer Pleonexie. Es ist selbst bei den Römern ein Grundsatz: Tutor datur personae praecipue, non bonis. Und gerade gegen diesen Grundsatz ist das Gesetz. Die Güter zu sichern, setzt man die Person in Gefahr. Solon ist hier nicht ganz psychologisch richtig gegangen. Auch sind die Athenischen Redner, vorzüglich Lysias und Isäus, voll von Erbschaftsprocessen, die meistens aus dieser Tutel entsprangen. Die Römer hätten hier den Spartanern folgen sollen, bei denen sie unbekannt war, so viel ich weiß. Ob man gleich heutzutage das Vormundschaftswesen besser geordnet hat, so ist es doch noch keiner Nation eingefallen, über diese Tutel etwas tiefer nachzudenken.

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Es ist für Deutschland durchaus keine Rettung zu Sicherheit und Ehre, als durch Zerstörung. Daß diese nicht eintrete und das Volk nicht seinen Vortheil und seine Kraft fühle, dafür werden schon die fremden Despoten und die einheimischen Pleonekten sorgen.

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Wenn Polen wieder hergestellt werden sollte, giebt es einen erbärmlichen König, elende Bauern und unvernünftige Magnaten und Edelleute. Das liegt nothwendig in dem dortigen Stocksclavensystem. Man bindet einer Halbnation einen politischen Weichselzopf ein.

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Der König von Württemberg ließ sich huldigen, wie man mir aus den Zeitungen erzählt. Es heißt: » Alle bückten sich tief, und der König rückte etwas an dem Hute.« Das ist ausgesprochen! Ein herrliches Surrogat für die persische Proskynese, welche ich etymologisch und psychologisch richtig durch »Zuhundung« übersetze. » Qualss sunt rivi, tales oapiuntur pisces!« sagte mein alter Hauptmann Maas.

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Als Cäsar und Pompejus sich in Thessalien schlugen, wußte der gute ehrliche Cicero in Rom nicht, welcher Partei er Glück wünschen sollte, den Freunden oder den Feinden, so viel Unglück sah er von allen Seiten. So geht's uns jetzt mit den Franzosen und Russen; denn von der Dummheit und Niederträchtigkeit der Deutschen ist fast nicht mehr die Rede. Siegen die Franzosen, so haben wir das Caprara-Bonapartische Despoten-Pfaffen-Unwesen mit etwas Vernunftglimmer; siegen die Russen, so haben wir das russisch-deutsch-polnische Adelsgezücht mit den Privilegien und allem alten Unsinn. Ein herrliches Alternativ zum Hohn der Vernunft: Tertium mihi non fit verisimile!Am Rande von Seume's Manuskript ist hier von ihm bemerkt: »Den ersten Februar bei meiner Mutter. – A. d. H.

*

Erster Bauer. Michel, Du bist heute nicht in der Kirche gewesen. Ueber acht Tage, den Achten, sollen wir das Friedensfest feiern.

Zweiter Bauer. Ach Gott, wenn wir nur Frieden hätten!

Erst. B. Warum sollen wir aber das Friedensfest feiern, da wir doch keinen Frieden haben?

Zw. B. Hm hm! das ist freilich unbegreiflich, wie Vieles: da muß man seine Vernunft gefangen nehmen, wie in der Bibel.

Erst. B. Es soll auch eine Collecte gesammelt werden für die Bedrängten, und die Travalgen gehabt haben.

Zw. B. Travalgen haben wir genug, Lieferungen und Fuhren und neue Quatember. Die **** hatten doch Brod und Geld: den **** müssen wir Brod und Geld geben und etwas mehr fahren. Unsere Leute marschiren in den Krieg, und wir haben Travalgen und sammeln Collecten und feiern das Friedensfest; daß Gott erbarme!

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Das Privilegium.

Die Fürstenknechte peitschen blutig
Und zogen kühn und drückten muthig.
Bis zu dem tiefsten Unsinn dumm,
Und sammeln sich noch jetzt in Heeren,
Das Mark des Landes zu verzehren –
Das ist das Privilegium.

Sie müssen frei das Land besitzen;
Das Hundepack mag ziehn und schwitzen,
Sie kümmern wenig sich darum –
Sie sind geboren, flott zu leben,
Die Andern büffeln nur und geben –
Das ist das Privilegium.

Der Dolch beschützt, was er sich raubet.
Und wehe Dem, der anders glaubet,
Zieht er den Mund nur etwas krumm!
Der Dummkopf wird ein Mann im Staate;
Denn sein Herr Vater saß im Rathe –
Das ist das Privilegium.

Der Städter und der Landmann fahren
Dem Feind den Fleiß von vielen Jahren;
Die fetten Hechte liegen stumm,
Steht im Ruin des Vaterlandes
Nur fest das Vorrecht ihres Standes: –
Das ist ihr Privilegium.

Der Aberglaube hilft mit Lügen
Das Volk mit Fug und Recht betrügen
Und räuchert dem Palladium;
Und Scriblerbuben stehn an Ecken,
Despotenspeichel aufzulecken,
Und grölen: Privilegium!

Nun herrscht denn auch bei uns der Fremde
Und fordert blitzend Rock und Hemde
Und herrscht gebietrisch rund herum.
Daß man den Athem uns erlaube,
Flehn wir mit Demuth in dem Staube –
Das macht das Privilegium.

*

Wo Freiheit ist, kann man seine Meinung über einen öffentlichen Mann nie zu früh äußern; man läuft leicht Gefahr, zu spät zu kommen. Thut man ihm durch falschen Argwohn Unrecht, desto besser für ihn und das Vaterland! Wenn er sich für beleidigt hält, hat man ihm nicht ganz Unrecht gethan.

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Eine Nation hat immer mehr nöthig, gegen ihre inneren Feinde, die Pleonekten, zu wachen als gegen ihre äußeren. Selten ist eine Nation durch ihre äußeren Feinde zerstört worden.

*

Selten ist ein Mann so gut als sein Name, aber auch selten so schlecht.

*

Se promener, sich vorführen, sagt der Franzose; spazieren, den Raum messen, der Deutsche; to walk, wandeln, der Engländer. Drei ganz kleine, aber nicht unbedeutende Züge in den verschiedenen Nationalcharaktern.

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»Quodlibet verbum bonum suo loco«, sagt irgend ein Alter sehr richtig. Unsere übel verstandene Euphemie thut unserm moralischen und bürgerlichen Charakter Eintrag; sie wischt das Gepräge ab, wenn sie auch nicht das Metall verderbt. Wenn wir sagen »des Königs Mätresse«, so drückt das zwar ziemlich gut das richtige Verhältniß aus: das Geschöpf wird des Königs Herrscherin; wer vermag zu sagen, ob zum Wohl oder zum Weh des Landes? Auf alle Weise zu seiner und seiner Räthe Schande. Aber der Ausdruck bezeichnet bei Weitem nicht den nothwendigen tiefen moralischen Unwillen darüber. Ich würde gar kein Bedenken tragen, in einer Rede, wo Männerwerth sich rein und laut und kräftig aussprechen sollte, zu sagen: »Des Königs Hure will das Land beherrschen.« Scapham scapham, gehört zum Charakter eines ächt ehrlichen Mannes. Die Grazien gehören zu dem Sokratischen Mahl und dürfen im Volksrath höchstens nur Dienerinnen der hehren Dike und Parrhesie sein.

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Der Vernünftige hat wenige Freunde, aber der Unvernünftige kann keine haben. Der Letzte hat indessen das Glück, sich besser über den Mangel derselben zu täuschen.

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Sich amüsiren heißt etymologisch: die Muße loswerden. Amüsement wäre also das Vergnügen der Plattköpfe.

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»Mais vous vous ennuyez«, sagte ein Geck zu dem alten kaustischen Kaunitz, der über ein Geschwätz verdrießlich aussah. »Je ne m'ennuye jamais, mais l'on m'ennuye«, antwortete der Alte.

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Wer die Rechtsgiltigkeit der Privilegien nicht erkennt, ist in der Gesellschaft sehr in Verlegenheit; denn er stößt alle Augenblicke auf ein Gesicht, das mit irgend einem Privilegium auftritt, um sich davon zu nähren, oder auch nur um Andere damit zu hudeln.

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Viele eifern nur deswegen so heftig gegen die Vorrechte, um die ganze Summe derselben für sich in Beschlag zu nehmen. Das sind die gräßlichsten aller Privilegirten und immer Tyrannen, sie mögen stehen, in welcher Kaste sie wollen.

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Plutarch, Sueton, Tacitus und Prokop, mitunter auch Thucydides, sind gute Recepte gegen die Gallsucht. Um gegenwärtige Schurkereien abzuleiten, ist ein Blick auf entferntere nicht übel. Wenn sich die Menschen dann mit ihrer sogenannten Vernunft in Verlegenheit befinden, so schicke man sie in die Kirchengeschichte!

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Ich kenne mehrere öffentliche Männer unsers Vaterlandes, und ihr Stempel oder Unstempel und die Meinung, die sie vom Ganzen und von einander haben, macht den jämmerlichen Gang der Geschäfte sehr begreiflich.

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Wer will zwischen Marius und Sulla richten? Diese verweise man an den Richter Moloch's und Adramelech's.

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Wer keinen Freund hat, verdient keinen; ein halb wahrer Satz. Aber wer keinen Feind hat, verdient keinen Freund; möchte eher zu beweisen sein.

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Ich theile die Menschen ein in Narren, Schurken und Vernünftige. Sechs Zehntel sind Narren, drei Schurken und eins vernünftige Leute. Die Eintheilung ist sehr liberal, wenn man allemal den zehnten Mann die Probe halten läßt. Die Narren flattern von dem Vernunftschimmer zur Schurkerei, und wieder hin und wieder her. Die Meisten sind die Instrumente der Bosheit.

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De mortuis et absentibus nil nisi bene, ist zwar sehr human, aber nur halb wahr. Die Moral sagt wol weiter nichts, als: man soll das Schlimme von einem Manne am Liebsten geradezu dem Manne selbst sagen, da kann es moralisch am Besten wirken.

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Ehrgeiz und ehrgeizig sind Ausdrücke, die keinen reinen philosophischen Sinn geben. Der Geiz hebt die Ehre auf. Wo Ehre ist, ist kein Geiz, und umgekehrt. Es sollte nur heißen ruhmgeizig; denn hier ist Ehre weiter nichts als Ruhm, sehr oft gerade der Gegensatz von Ehre! Ruhm enthalten die Zeitungsblätter und die ora populi. Ehre ist die reine Würdigung des Wahren und Guten, und ihre feste Beharrlichkeit darin das Große. »Er hat sich Ehre erworben« ist blos ein politischer Ausdruck, der oft sehr unmoralisch ist. Man möchte freilich gern den Ruhm zur Ehre stempeln, und bei dem Volke gelingt's auch wol.

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Es ist oft nichts unphilosophischer als die Philosophen und nichts dümmer als die Gelehrten. Daß man sich dumm lernt und närrisch philosophirt, sind ziemlich gewöhnliche Erscheinungen.

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Ob die Menschen im Allgemeinen nur Vernunftfähigkeit haben, ist ein Problem, an dem man noch arbeitet. Einzelne scheinen einen Schein von Vernunft zu besitzen. Die Surrogate der Vernunft sind alle schlecht genug.

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Ἐλευϑερία μετ᾿ ἰσονομίας ϰαὶ σωφροσύνης ϰαὶ εὐφροσύνης ϰαὶ ἀνδρείας εὐοταϑῆ ϰαὶ πανόλβιον τὴν πόλιν ποιεῖ.

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Ein Beweis der schnellen Sittenverderbniß bei den Spartanern. Lysander brachte bekanntlich zuerst Reichthümer nach Sparta; denn vorher lebte nach Lykurg's Gesetzen bei Eisengelde Alles in ehrenvoller Mäßigkeit. Dieses persische und Athenische Gold rächte sich sogleich an dem Einführer selbst. Lysander war einer der ehrlosesten Tyrannen gegen fremde Staaten und sein eigenes Vaterland, aber er starb arm. Als dieses nach seinem Tode die bestimmten Schwiegersöhne erfuhren, wollten sie dessen Töchter nun nicht nehmen. Die Spartaner hatten doch noch so viel alten Sinn, daß sie diese Ehrlosigkeit mit einer Geldsumme straften. Wo Ueppigkeit einzieht, zieht gewöhnlich die Tugend aus.

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Lichtenberg hat, glaube ich, unter den lächerlichen Schnurrpfeifereien eines Engländers auch eine Sonnenuhr, welche repetirt. Ein Messer ohne Klinge, dem der Stiel fehlt, ist zwar nicht leicht zu produciren, aber eine Sonnenuhr, die schlüge und also auch repetirte, müßte zu machen sein. Und wenn daran gelegen wäre, so machte ich mich anheischig, sie selbst zu machen. Die Physik muß der Mechanik nachhelfen.

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Der wissenschaftliche und moralische Charakter meines Freundes Carus ist erkannt und gewürdiget. Er hatte zwei unerzogene Knaben, die er väterlich liebte und deren Erziehung seine zärtlichste Sorge war. Mit der ganzen Wehmuth heiliger Naturgefühle sprach er mit halb erloschenem Auge: »Es ist doch traurig, traurig, wenn ein Vater sterben muß, ehe er seine Kinder ins Leben führen kann!« und so starb er.

Ich besuchte meinen alten Freund, den Hauptmann Blankenburg, noch mehrere Male in seiner letzten Krankheit. Den Tag vor seinem Tode kam ich früh zu ihm und fand ihn ohne Hoffnung. »Wie geht's, Lieber?« fragte ich. »Sehr gut,« antwortete er schwach und kaum hörbar. Ich sah ihn forschend und zweifelnd an. »Sehr gut,« wiederholte er mit Anstrengung und einem ruhigen Lächeln; »der Betteltanz geht zu Ende.« Zwei ziemlich gleiche Charakter im Leben, aber den Unterschied machte der Hausvater und der isolirte Mensch.

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Jetzt sind in Europa nur zwei Mächte, Frankreich und Rußland, die übrigen sind subaltern. Daran ist die Albernheit der Deutschen Schuld. Wären sie gescheit, so wäre nur eine, und die übrigen wären subaltern. Fragt sich aber: ist es wahrscheinlich oder nur möglich, daß die Deutschen in Masse gescheit werden? Mihi non fit verisimile, obstant privilegia, sanae rationi sacrilegia.

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Die Furcht und die Faulheit bringen den Menschen um alles Vernünftige.

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Jetzt habe ich 44 Jahre, gut gezählt, und die Geschlechtsanmuthung ist gewaltig stark, stärker als jemals. Je älter ich werde, desto schöner sind die Mädchen. Soll ich meine Narrheiten in der Periode der Weisheit machen? Ich muß mich auf magere Diät setzen und Anatomie studiren.

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Eben werfe ich meinen alten Puderapparat zum Fenster hinaus; denn ich will mich nun durchaus nicht mehr pudern und pudern lassen. Wann werde ich so glücklich sein, den Scherkasten nachwerfen zu können? Die Schererei bin ich auch bis an die Ohren überdrüssig. Vielleicht geht es bald. Wenn Andere geschorene Leute sein wollen, habeant sibi! Ich finde kein Vergnügen im Bartputzen und weder Aesthetik noch Verdienst in einem glatten gebohnten Gesicht.

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Wenn sich Jemand über den gesunden Menschenverstand versteigt, so ist er immer in Gefahr, darunter zu sinken.

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Wo werden wol Bonaparte's Campi Catalaunii sein? Die Franzosen haben nach der Trommel geplündert, Dörfer auf Commando abgebrannt, gemordet, geschändet. Was fehlt noch zu den Hunnen? Werden die Russen es besser machen?

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Die Kriegskunst ist hoch gestiegen: man führt den Krieg ohne Bürger, mit Soldaten ohne Sold – und es geht nicht schlimmer. Das ist doch noch ein Beweis der Milde der Menschennatur!

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Es giebt eine doppelte Energie: die Energie der Cultur und des Enthusiasmus der Freiheit und die Energie der Barbarei. Die erste findet man bei Marathon, bei Thermopylä, am Vesuv bei Spartacus und sonst hier und da, seltener bei den Neuern. Die Energie der Barbarei hatte Cyrus, Sesostris, Attila, Peter der Erste und einige Andere. Eine Mischung von beiden hat Bonaparte. Wo keine Vernunft und doch auch keine Barbarei ist, kann schwerlich Energie entstehen, daher die Schwerfälligkeit der Deutschen, die in öffentlichen Verhältnissen zuweilen bis an Dummheit grenzt.

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Wir sind mit Privilegien und Unsinn so beglückseligt, daß ich fürchte, wir werden nur durch die Barbarei den Weg zur Vernunft machen können.

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Wenn ich nur noch zwei Secunden zu leben habe, will ich noch mit meinem letzten Athemzuge rufen: »Wollt Ihr Euch retten, so rottet die Privilegien aus!«

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Das erste Privilegium wurde von der Schurkerei geboren, von der Dummheit gesäugt, von der Habsucht groß gezogen und von der Gaunerei in die Gesellschaft eingeführt.

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Der General, welcher seinen Leuten die Plünderung verspricht, stempelt sich dadurch factisch zum Räuberhauptmann.

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Es giebt selten eine Schurkerei, die nicht irgend ein sogenannter großer Mann in der Geschichte mit seinem Beispiele so gestempelt hätte, daß sie in einem andern mit Euphemism genannt wird.

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Im Allgemeinen sind die Menschen so sehr an Ungerechtigkeiten gewöhnt, daß sie im Ganzen selten auffallen. Nur im Einzelnen empören sie noch, aber auch nur Einzelne.

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Rede an die Deutschen.

Die Rede war fertig im Geiste, und Du siehst an den vier Bogen Papier dazu, daß die Philippica nicht klein ist. Nicht der Lohn des Griechen und Römers hält mich zurück, sondern der Gedanke der gänzlichen Vergeblichkeit. Also mag es genug sein mit dem Apostel: »Ich hätte Euch wol viel zu sagen, aber Ihr könnt es jetzt nicht tragen.«

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»Die Sache ist oft da gewesen, ist eine alte Wahrheit!« schreit man, wenn man etwas nicht hören will. Freilich! Aber hat sie schon gewirkt? Ist sie befolgt? Die Wahrheiten müssen laut alle Tage wiederholt werden, bis ihre allgemeine Befolgung die Wiederholung überflüssig macht.

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Ich hatte die Fußgicht und hinkte traurig, und jeder Tritt kostete Ueberlegung. Festen Schrittes klirrte mir auf dem breiten Steine ein Enakssohn in einer Halbuniform entgegen. Sonst weiche ich Jedem aus, jetzt blieb ich stehen: der Fuß machte das Seitwärtstreten schmerzlich. »Nun?« glotzte und schnurrte mich der Held an; »was wird's?« »Verzeihen Sie, ich muß wol weichen; denn es scheint, ich bin noch nicht so lahm als Sie.« Der Mann dachte doch nach, schwieg und ging; und ich hinkte fort.

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Ein Journalist in unsern Tagen muß Indifferentist sein oder mit jedem Blatt wenigstens eine Phimose fürchten.

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Die Sittenlosigkeit der Völker ist so groß und ihre Euphemismen darüber so zahlreich, daß ein ehrlicher, in der Verderbtheit uneingeweihter Mann fast kein Wort sagen kann, ohne eine Zweideutigkeit zu sprechen.

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Wenn sich nur Niemand fürchtete zu sagen, was die Sache ist, so würden alle Sachen besser gehen.

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Ehrfurcht und falsche Scham thun mehr Böses als Bosheit und Furcht vor Criminalrichtern, und die bessern Seelen machen sich zuletzt von dieser Schwachheit los.

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Auf glattem ebenen Boden merkt man nicht leicht, daß Jemand lahm ist. Ebenso sieht man die Schwachheit der öffentlichen Männer wenig in dem gewöhnlichen Gange der Geschäfte. Aber wenn die Form ausgehoben wird und Geist und Selbstthätigkeit wirken sollen, dann tritt der eigene Werth und die hinkende Jämmerlichkeit hervor.

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Muß Bonaparte nicht seine Freude haben, daß die Deutschen die Deutschen so tactmäßig dumm todtschlagen? Das Resultat von dem stolz isolirten Chocoladeleben unserer Fürsten und Edelleute! Sie erhalten ja ihre Vorrechte und Privilegien, schaudern vor dem Gedanken an eine Nation zurück und sind für ihre Erbärmlichkeit gern Satelliten der fremden Abenteurer.

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»Ihr seid Souveräne«, sagt Bonaparte zu den deutschen Fürsten, »und sollt meinen Kriegstroß füttern und meinen Adlern folgen.«

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»Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler,« sagt der Hagiograph. Jetzt heißt es: Wo Adler sind, da sammeln sich die Leichen.

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Wer sich vor dem Tode fürchtet, thut wol am Besten, sich gleich todtzuschießen; denn diese Furcht quält ihn sonst bei jeder Veranlassung täglich und setzt ihn in Gefahr, Niederträchtigkeiten und Schurkereien zu begehen.

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Bonaparte soll sich vorzüglich durch Plutarch gebildet haben. Credat Judaeus Apella! Ist es, so hat er wahrscheinlich vorzugsweise nur den Lysander studirt und sein Wesen in sich amalgamirt und sublimirt.

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Wenn uns die meisten Machthaber fragten, wie uns ihr Machwerk gefiele – es brauchten eben nicht Verse zu sein –, so dürften wir mit dem Syracuser Dichter nur kurz gewissenhaft antworten: »In die Steingruben!« – Aber unsere Machthaber sind gescheiter oder blödsinniger als Dionys: sie fragen nicht.

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Wann wird man wol einmal wieder mit Ehren deutsch denken, reden und schreiben können? Wer laut vernünftig ist, wird entweder von den Fremden erschlagen oder von den einheimischen Bütteln ins Tollhaus gebracht.

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Es fehlt uns ein politischer Luther, der das Unthier Privilegium und das Kastenthum erlegt; aber das wäre die größere Unternehmung, da es die tiefere Erbsünde Pleonexie betrifft.

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Glaube und Gnade ist das Schiboleth der Dummköpfe, Vernunft und Menschenwerth die Krücke der Philanthropen. Die Spitzköpfe und Gauner wissen daraus ein herrliches Amalgama zu machen, um das Ganze Pleonektisch zu gängeln.

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Der Glaube ist freilich am Ende Alles, nur nicht der Glaube der Decretalen. Ob der Nichtsglaubende stark ist, mag ich nicht entscheiden; aber der Vielglaubende ist gewiß schwach.

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Des Glaubens Sonde ist der Zweifel.

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Ich saß einmal eine Viertelstunde mit Fernow und Uhden in dem Knopf der Kuppel der Peterskirche in Rom. Wenn es nicht zu heiß ist, wollte ich wol jedem hellen Kopfe rächen, dort zuweilen etwas durch die kleinen Oeffnungen hinaus zu Philosophiren. Es ist materia larga largissima. Dorther kam Brennus, dorther Marius, dorther Sulla, und dort lag Hannibal. Wer von den Vieren war der größte Feind von Rom? Dort stehen die Reste der Palatien, das Product der aristokratischen Pleonexie. Dort unten am Sublicius focht Cocles, und links herüber unter dem Capitol hielt Appius sein Schandgericht. Mich däucht, der heilige Berg am Flusse wimmelt von Flüchtigen, und der Senator erzählt ihnen seine Fabel. Tiefer hinab und höher hinauf blickt die Ruine der Villa Mäcen's am stürzenden Anio, und ich steige im Geiste an ihm weiter bis an Blandusiens Quelle. Wenn Dich nicht der Schlächter Sulla und der Mordbrenner Nero stören, so wandle friedlich fort durch Traubenkränze und Oelbäume und Feigenhaine von Tibur nach Tusculum und Albanum! Was die ehrlichen Heiden baueten, hat des christlichen Dalai Lama Bonzenthum in eine Wüste verwandelt.

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In der Angst ihrer Verwirrung nehmen die Menschen gewöhnlich ihre Zuflucht zur Dummheit, nämlich zur Despotie und albernen Deisidämonie.

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Man muß immer annehmen, was ein Mann in öffentlichen Verhältnissen Böses thun kann, das wird er thun; und die Geschichte hat immer zehn Beispiele gegen eins, daß er es thut. Eine Staatsverfassung, die dieser Furcht nicht abhilft, ist also schlecht. Ehe wir Bürger sind, müssen wir die Menschen als schlimm annehmen; denn eben deswegen werden wir Bürger, um uns gegen fremde Bosheit zu sichern. Die Erfahrung zeigt oft nur zu deutlich, daß der Gewinn das Opfer nicht werth ist. Denn wo die Ungerechtigkeit aufhören sollte, fängt sie durch Pleonexie und Privilegien und Bedrückung aller Art erst recht an. Man schlägt die Menschen nicht todt, um sie gesetzlich, fast hätte ich gesagt rechtlich, zu peinigen. Zuweilen peinigt man sie erst und schlägt sie dann todt.

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Mit dem Degen kann man wol zuweilen beweisen, daß man Muth hat, aber nie, daß man Ehre besitzt; oft geht daraus das Gegentheil hervor. Ehre und Recht werden nur durch Vernunft documentirt, nie durch Waffen. Es ist, als ob man eine Schurkerei mit einer andern umstempeln wollte. Ehre kann man mit den Waffen behaupten, aber nie erwerben; dadurch erwirbt man nur Ruhm – oft das Gegentheil von Ehre.

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Sobald sich nur Jemand verlauten läßt, daß er etwas Vernünftiges und Gutes zu thun gesonnen ist, wird sogleich die ganze Legion der Pleonekten wach (apud quos semper est omnis autoritas et potestas publica) und schlägt ihn von allen Seiten auf die Finger, um ihn in seine Schranken zurückzutreiben.

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Ehe der Körper eines großen Mannes Asche ist, kann man selten mit einiger Richtigkeit über seinen Charakter urtheilen.

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Wenn die Leute Jemand sehr geflissen aus dem Wege gehen, denkt er wol: »Die haben gewaltigen Respect vor mir;« und es geschieht doch nur aus Vorsicht, weil sie ihn für einen Menschen halten, dem man nicht zu nahe kommen muß. Und das ist nichts Gutes; denn nur vor Narren oder Schurken fürchtet sich der ehrliche Mann.

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Als ich die Preußen bei Meißen mit ihren großen Hühnerwagen in den Krieg ziehen sahe, ward mir gleich nicht wohl zu Muthe, und etwas von dem, was gefolgt ist, schwebte mir vor, obgleich nicht in dem ganzen schrecklichen Umfange.

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In Dresden im »Engel« waren ein Dutzend preußische Officiere, die eines Abends, wie uns der Marqueux erzählte, ihre Bacchanalien feierten. Sie vergeudeten den Champagner und Burgunder bei Dutzenden, als ob sie das Land, wo er wächst, schon erobert hätten oder doch gewiß übermorgen erobern würden, und blieben dann tapfer unter dem Tische liegen. Nur Einige machten noch einen späten martialischen Ausfall auf ein Haus, wo sie Nymphen witterten, und setzten die Nachbarschaft in Lärm und prügelten die Nachtwächter. Da ward mir wieder nicht wohl zu Muthe, und etwas mehr von der Folge schwebte mir vor.

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Ein preußischer Officier, der sich etwas Uebersicht wol nicht ohne Grund zutrauete, übergab kurz vor dem schönen Tage bei Jena seinem Chef einen Aufsatz, worin er die Lage der Sachen vorstellte und seine Meinung darüber sagte. »Mann,« sagte die alte Excellenz, »wozu das viele Raisonniren alle? Wir lassen den Dessauermarsch schlagen, und die Franzosen sind geschlagen.« Nun, sie ließen den Marsch schlagen, und sie waren geschlagen, und wie? Von Hessenhausen bis Königsberg.

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Der König von Preußen soll nur jetzt für diesen Krieg den Unterofficieren und Gemeinen das Avancement zugestanden haben. Da muß freilich Holland sehr in Nöthen sein. Aber doch nur für diesen Krieg. Ist diese Krise vorbei, so wird das Adelswesen in seinem crassesten Glanz schon wieder von seinen Privilegien Besitz nehmen und den Glimmer Vernunft vertilgen. Das ist deutsch, ächt altdeutsch, und giebt und erklärt den Zustand der Nation.

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Wenn ein Deutscher zu sogenannter Würde oder auch nur zu Geld kommt, bläht er sich dick, blickt breit, spricht grob, setzt sich aufs große Pferd, reitet den Fußsteg und peitscht die Gehenden. Nun ist das ganze Hundspack nur für ihn da, und mit jedem Umschauen nimmt er ein Privilegium in Besitz. Nun müssen Polizei und Gerechtigkeit Respect vor ihm haben; denn er ist mehr als ihr Repräsentant, er ist ihr Inhaber. Nur gegen einen Größeren ist er ebenso weggeworfen kriechend, als dummgrob er gegen Diejenigen ist, die er für Schofel hält. Das ist deutsch und Privilegium: und nun soll es mit der Nation nicht so sein, wie es ist.

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In Frankreich sind durch die Revolution die Hefen der Nation abgegohren, und es ist durch die Rührung wenigstens viel Todtes und Faules fortgeschafft worden. Der Himmel behüte uns vor solchen Experimenten! Wir würden, fürchte ich, noch kaum zu so leidlichen Resultaten kommen.

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Nach dem Calabresen halte ich den Deutschen in seiner Vornehmheit für den größten Barbaren in Europa, die Finnen und Lappen nicht ausgenommen.

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Archenholz' Gedanken am Grabe der preußischen Monarchie enthalten manche traurige Wahrheit; sie sind im Ganzen aber doch nur die Uebereilung eines alten heißen Patrioten. Der König muß nach allen Berechnungen wenigstens noch 50,000 Mann haben, hat noch Festungen in Schlesien, an der Weichsel und an der Ostsee und noch Land von wenigstens vierzig Meilen im Durchschnitt und stützt den Rücken auf 400,000 Mann wackerer Bundesgenossen, deren eigenes Interesse es ist, ihn zu halten. In solchen Umständen ist man politisch nicht todt, wenn man Muth und Sinn hat; und nur die Todten begräbt man. Diese Gedanken sind also weder deutsch noch preußisch; oder vielmehr, sie sind es nur zu sehr in dem jetzigen leidigen Sinne. Sie sind nur halb wahr und nicht männlich.

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Gestern, den letzten Februar 1807, kamen auf der Chaussee nach Connewitz auf dem Fußstege nach deutscher Unsitte drei Ysenburger Officiere auf mich losgesprengt. Ich mußte wol an die Pappel treten, um nicht niedergetreten zu werden, konnte aber meinen Unwillen nicht bergen, den ein Kopfschütteln und ein sehr merkliches »Hm, hm« verrieth. »Was ist? Was ist?« kehrte sich einer der Herren mit dem großen Pferde um. »Nichts Gutes, wie ich sehe,« antwortete ich. »Was? was will der Kerl raisonniren?« und jagte, so gut der Gaul laufen wollte, auf mich zu. »Ich raisonnire, daß es wider die Polizei ist, daß Sie hier reiten.« »Was geht mich die Polizei an?« »Leider nichts, wie ich merke.« »Zetersakermenter, will Er's Maul halten!« »Das hätte ich wol anfangs thun sollen, aber nun nicht.« Der junge Mann ward brennend, glühend, fluchte, lärmte, wüthete, schäumte, zog den Säbel, sprach von Kopfspalten und Zusammenhauen, ritt auf mich ein und riß den Säbel immer eine Spanne weiter aus der Scheide. Ich machte ihm begreiflich, daß ich sehr wohl wüßte, was Recht und Ordnung wäre, daß ich, ehe er geboren, unter Kugeln gestanden, daß ich hier keine Waffen habe, und daß weder für mich noch für ihn Ehre zu erwerben sei, und forderte seinen Namen. So viel Besonnenheit hatte er doch noch, ihn nicht sagen zu wollen; aber seine Wuth und der Schaum am Munde nahm zu. Ich will ihm die traurige Ehre anthun, um ihn selbst so viel als möglich zu entschuldigen, zu glauben, daß es das Product des Champagners war. Ich glaube, er hätte mir wirklich heroisch den Hirnschädel gespalten – ich hatte nichts als einen kleinen Knotenstock –, wenn nicht seine etwas vernünftigern Kameraden ihn zurückermahnt hätten. Was war zu thun? Er war wahrscheinlich einer der Herren, die die Machtvollkommenheit der deutschen Privilegien bei Jena, Halle und Prenzlow oder in Magdeburg der Nation documentirt hatten. Seine französische Cocarde, die vor einigen Monaten preußisch gewesen war, bezeichnete auch. Ich war Willens, mit seinem Chef zu sprechen. Aber ein Rathsherr, einer meiner Freunde, hatte mir vor einigen Tagen einige Worte von dessen Anforderungen gesagt, die weder auf Humanität noch Billigkeit schließen ließen; und nur den Tag vorher sollte er mit Bajonnetten in die Justiz gegriffen haben, um einen bankerotten Kaufmann vom Rathhause mit Gewalt zu nehmen, der sich angeblich unter sein Corps hatte anwerben lassen. Ich wollte zum General René gehen, um ihm mit Wärme den Uufug vorzustellen, den die Leute und Herren in und um die Stadt trieben, wo alle junge Pappelbäume in den Pflanzungen von den Säbelhieben der neuen Helden fallen. Es fiel mir aber bei, daß René Palm an Ort und Stelle befördert haben soll. Ich habe wol ebenso viel Todesverdienst als Palm. Es gehört nur eine Kleinigkeit dazu, um ein paar Hähne zu spannen, und mein Tod würde wahrscheinlich weder die ehrlichen Franzosen erbauen noch die Deutschen klüger machen. Ich lasse es also lieber liegen, da es zu vermeiden ist, mit dem ziemlich festen Entschlusse, wo es nicht Pflicht ist, zu stehen, künftig hübsch stille Jedermann aus dem Wege zu gehen. Denn es ist ja sehr leicht möglich, daß er ein Narr ist: wenn er auf dem Fußstege reitet, ist er's gewiß, oder noch etwas mehr. Und überdies läuft man in dergleichen Händeln Gefahr, selbst einer zu werden.

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Die Privilegien sind mir einer der stärksten Beweise der Unsterblichkeit der Seele und der ewigen Seligkeit. Denn es ist doch nicht wahrscheinlich, da doch nun einmal so viel Gedanke in der Welt ist, daß unser Herr Gott die Capitaldummheit so ewig fortdulden wird.

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Es ist freilich traurig, Satiren zu schreiben; aber was soll man anders thun, wenn man kein Kabliau ist? Alles, was man sieht und hört, ist ja Satire. Wenn man Satire fühlt, muß man Satire schreien. Jeder Blick in die Welt gällt Satire. Vielleicht mache ich nur meine eigene. »Difficile est« – sagt der Alte.

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Man darf die meisten Dinge nur sagen, wie sie sind, um eine treffliche Satire zu machen.

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Der Deutsche ist meistens Alles nur halb: nur Pedant und Privilegiat ist er ganz, auch Grobian zuweilen.

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Da sich wenige Menschen bis zur philosophischen Geduld erheben können, müssen sie wol bei der christlichen stehen bleiben.

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Die Monaden des Leibniz und die Atome des Epikur sind einerlei Ding. Man weiß von beiden nichts und sagt von beiden das Nämliche, also – –

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Sobald ich das Wort Gnade höre, fahre ich sogleich zurück; denn da hat die Vernunft ein Ende, und es hat nur unter Verbrechern und Dummköpfen Sinn.

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»Phryx emendatur plagis«, sagt der Römer. Das trifft aber bei den Deutschen nicht ein; denn wir werden immer blödsinniger geschlagen.

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»On ne fait jamais de bons soldats à coups de bâtons«, sagte mir der französische Oberste C. Ein sehr wahrer Satz, der auf dem innern Werth der menschlichen Natur beruhet, und der von der ganzen bessern Geschichte bestätigt wird, den wir aber bei der Unvernunft des allgemeinen Stocksystems, das unsere Privilegien schützt, nicht brauchen können.

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Die preußischen Generale haben alles Mögliche gethan, um zu zeigen, daß der excentrische Bülow Recht hatte. Er hatte Recht ex post facto, hätte es aber nicht gehabt, wenn es die Generale anders und besser gemacht hätten. Er mußte also seine Leute leider sehr gut kennen, und darum hatte er Recht.

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Je mehr ich die Menschengesichter beantlitze, desto weniger habe ich Hoffnung für Vernunft und Freiheit und Gerechtigkeit; denn auf den meisten sitzt irgend eine häßliche, schmutzige Leidenschaft, und die übrigen sagen doch so gar nichts. Trifft man unter Fünfhunderten einmal auf etwas ächten Stempel, was soll das unter so Viele?

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Die Ysenburgischen Officiere machen sich sehr breit; das heißt, sie gehen sechs bis sieben Mann breit in den öffentlichen Spaziergängen, so daß sie sie ganz besetzen und es schwer wird, ihnen auszuweichen. Eine Unschicklichkeit und Unanständigkeit, die ich nie bei den Franzosen oder andern Fremden gesehen habe, und die nur ein Privilegium der Deutschen zu sein scheint. Berührt man von ungefähr einen der Herren, so blickt und spricht er mit einer unsäglichen, altpreußischen Impertinenz, als ob er den Blocksberg zusammentreten wollte, und doch ist's ein Mann von Halle, Magdeburg oder Prenzlow, der eine andere Cocarde aufgepflanzt hat. Die Gemeinen zerhauen die Pflanzungen um die Stadt herum mit einer ächt dummen bestialischen Zerstörungswuth, und wehe der Polizei, wenn sie es wagt, ihre Lindenalleen zu schützen! Das ist nun so deutsch und gehört unter die Privilegia.

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Der Lieblingsausdruck der preußischen Officiere war: » das Grobzeug«, und ihr Charakter souveräne Volksverachtung. Was sind sie nun dadurch und damit geworden? Viele sind geworden – Ysenburger, wo sie hübsch von vorn anfangen.

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Wenn die Russen und Preußen an der Weichsel klug sind und die Oestreicher nur etwas Verstand haben, so wird Bonaparte zu einem politisch-militärischen Meteor. Aber ob – das ist die große Frage. Die Privilegia und das Stocksystem thun es nicht.

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Wo Privilegien gelten, muß man nicht von Gerechtigkeit sprechen. Es ist die Natur derselben, die Gerechtigkeit zu zerstören.

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Wer auf dem Fußstege reitet, wird die Barriere brechen, die junge Pflanzung niederhauen, die Saat zerstampfen, die Zäune durchhauen, den Garten berauben, den Hof plündern, den Eigenthümer mißhandeln, die Jungfrauen schänden, den Vater morden, das Land verrathen. Die Steigerung ist ganz natürlich. Wer nur anfängt, Gesetz und Ehre zu verspotten, hat schon den größten Schritt zur letzten Niederträchtigkeit gethan. Der erste Keim ist der dumme Rausch: » Wir haben das Privilegium

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Das erste Privilegium ist die Thür zur letzten Schandthat.

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Die meisten deutschen Gesichter sehen mir aus wie ein Privilegium; also werden wir wol noch lange bleiben, was wir sind.

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Man sollte durchaus nicht sagen »Deutschland«, sondern nur »die deutschen Lande«. Wer Deutschland schaffen könnte, würde es auch halten und wäre mehr als Bonaparte.

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»Ihr müßt Euch mit den Bürgern hier nicht gemein machen«, sagte ein Preußisch-Ysenburgischer Officier zu seinen Leuten beim Verlesen; »müßt Euch nicht mit ihnen Du nennen; denn Ihr seid doch wol mehr als sie!« – – Das nenne ich deutsch und altpreußisch raisonnirt! Dieser Geist hat gemacht, was wir gesehen haben, bei Jena und Halle und Magdeburg und Prenzlow.

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Die unübersetzlichen griechischen Wörter υβρισ und υβρισειν liegen mit ihrer ganzen Insolenz in den deutschen privilegirten Kasten, nur ist ihr Geist bei uns nicht attisch, sondern böotisch.

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Die gefährlichsten Feinde des Staats sind immer nur die Inhaber der Privilegien.

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Sobald ich von Frohne und Dienstzwang und Immunitäten und Freiheiten und Gerechtigkeiten und Intermediärlasten, überhaupt von Privilegien höre, mag ich mich weiter nicht um das Staatsrecht eines solchen Staates bekümmern. Der Wurm sitzt im Marke.

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Der Geist eines Griechen strebte zum Himmel empor bei dem Gedanken von Recht und Freiheit und Vaterland, wir zucken zurück wie die Austern. Unsere Xerxesse messen unsere erbärmliche Existenz mit Quadratellen und peitschen uns mit Molochsglotzen zur hündischen Proskynese, zur Verzichtleistung der Menschenvernunft.

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Man wird zum Gotteslästerer und Vernunftleugner beim Blick auf die Welt, und doch ist dieser Gedanke an Gott und Vernunft das einzige Heilige und Große, was wir haben. Der Rest ist Schlamm und Sumpfluft.

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Junge Huren, alte Betschwestern; junge Wüstlinge, alte Mystiker. Der Mysticismus liegt meistens in Nervenschwäche und Magenkrampf.

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Es ist nur ein Despotismus erträglich: der Despotismus der Vernunft – wenn wir nur erst über die Vernunft einig wären.

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Jungen Leuten mit großen Hüten muß man aus dem Wege gehen, zumal wenn sie auf dem Fußstege reiten; denn ihr Existenztaumel ist meistens sehr convulsivisch unartig.

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Wo sich der ehrliche Mann zu fürchten anfängt, hört meistens der Schurke zu fürchten auf, und umgekehrt.

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Nur wer mit Wenigem viel thut, ist in seiner Art groß. Mit einigen Strichen eine vortreffliche Zeichnung, mit einigen Tönen eine rührende Musik, mit einigen Worten ein seelenleitendes Gedicht zu geben, das macht den großen Künstler. Also ist Miltiades bei Marathon der größte Feldherr. Die Franzosen haben also Roßbach nicht ausgewetzt; denn sie haben nirgends mit so ungleicher Kraft gesiegt als dort Friedrich. Sie waren überall überlegen oder gleich oder nicht beträchtlich schwächer.

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Die Despotie stempelt gewöhnlich die Begriffe wie die Münze, und der gefährlichste Streich, den sie der Vernunft, der Freiheit und Gerechtigkeit schlägt, ist, sie durch Verleumdung zu entstellen. Man läßt den ehrlichen Mann nicht einmal mit Ehren sterben, sondern sucht ihn erst in das Kataster der Schurken zu setzen. Wer also seiner Ehre nicht von innen gewiß ist, mag ja von außen auf nichts rechnen, wenn er nicht den Machthabern fröhnt.

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Der alte Inspector Stoppe sähe aus seinem Fenster vor dem Grimmischen Thore einige französisch-Ysenburgische Officiere in den Anlagen der Allee reiten. Der alte Mann hielt auf Recht und Ordnung und sagte den Herren, sie möchten die öffentlichen Anlagen schonen, selbst der französische General habe es befohlen. Die Herren Ysenburger stürmen mit der ganzen Machtwuth angetasteter hoher Privilegiaten, bei denen weder Recht noch Ordnung gilt, auf den guten Alten ein, und Einer droht ihm fürchterlich mit seinem neuen, großen Säbel durch das Fenster den Kopf zu spalten. Nach einigen Tagen starb der Alte, und seine Anverwandten behaupten nicht ohne Grund, daß ihn Schrecken und Aerger über die lieblichen deutschen Landsleute getödtet haben.

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Das Böse muß man mehr erzählen als das Gute, aus einem guten psychologischen Grunde. Die Guten handeln gut, weil sie gut sind, ohne Rücksicht, aus tiefem Pflichtgefühl und gewöhnlicher Ehrliebe. Aber die Schlechten müssen durch die Furcht vor der Schande, die sie trifft, zurückgehalten werden. Dessenungeachtet hat ein guter Mann immer mehr Vergnügen, wenn er etwas Gutes erzählen kann, als wenn er etwas Schlimmes erzählen muß.

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Es mag wol sehr zahmklug sein, den Schurken und Hybristen aus dem Wege zu gehen, aber es ist männlich besser, sie rechtlich aus dem Wege zu schaffen, wo sie Unfug machen.

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Taste nur einen Tyrannen mit der Sonde der Vernunft, so rührt sich das ganze Polypensystem und schreit: »Meuterei, Empörung und Verbrechen!« Noch schlimmer ist es mit den Privilegiaten, weil ihr Eigennutz noch verflochtener und krebsartiger ist als die Netze der Herrschsucht.

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Rebellion heißt Widerstand, und Empörung heißt Kraft und Muth, gerade zu gehen; beides können also schöne, männliche Tugenden sein. Nur die Umstände stempeln sie mit Schande.

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Es ist nur noch ein Ungeheuer, welches gräßlicher ist als Tyrannenunvernunft: die Volkswuth; und nur die Furcht vor der letzten macht die erste erträglich; auch weiß die erste sehr künstlich mit der letzten zu schrecken und in Schranken zu halten.

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Es ist kein besseres Kunstgriffchen der Despotie als die Sprachverwirrung und die Halbbegriffe. Ich halte also den Thurmbau zu Babel für ein Gaunerstückchen irgend eines Nimrod oder Samuel.

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Das Wort Herr, von Menschen zu Menschen, ist kein Begriff. Man ist nur Herr, wo man unbedingt zwingen kann, und dieses liegt gar nicht in der menschlichen Natur.

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Je mehr die Menschen in Staaten von ihrer ursprünglichen Gleichheit behalten, desto mehr behalten sie von ihrer eigenthümlichen Kraft für den Staat selbst, desto größer ist die Summe des Ganzen für das Gemeine. Jeder Eingriff in die Gerechtigkeit ist eine Schwächung der Nationalkraft, also ist das erste Privilegium der erste Hochverrath.

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Das Eigenthum im Staate ist immer durch den Staat bedingt, und es gilt kein Besitz, durch den nicht für den Staat ohne Beeinträchtigung Einzelner der größte Vortheil entstände; also gilt endlich nur reiner und gleichbedingter Besitz für Alle. Also ist jede Realimmunität eine Thorheit und nur insofern rechtlich, als man den Staatsverwesern das Recht zugestehen will, thöricht zu handeln. Man macht es aber kürzer, indem man jede quaestio juris einer res facti entscheidet und das Bajonnett zu Hilfe nimmt.

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Sobald im Staate Unterbesitzungen und Intermediärleistungen oder Feudalverbindungen erscheinen, ist Alles auf dem Wege zur Sclaverei. Nur reiner Verkauf der Güter sichert die Gerechtigkeit. Das haben die Franzosen nicht begriffen; also werden sie wieder sehr tief, vielleicht bis zur Leibeigenschaft sinken.

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Wo ich in einem Staate gesetzlich von einem Sclaven höre, nehme ich sogleich die Möglichkeit von zehn Millionen an; der Keim dazu ist gelegt. Und wo sich Einer vor dem Andern mit Freiheiten und Rechtsvorzügen brüsten kann, wird Freiheit und Gerechtigkeit noch lange nicht wohnen.

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Wer von Freiheit und Gerechtigkeit kein besseres Ideal kennt, als ihm die Geschichte zeigt, ist sehr arm an Trost für die Menschheit.

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Es ist nicht so gefährlich, zwanzig allgemeine Wahrheiten kühn zu sagen, als eine einzige Anwendung davon zu machen, und wenn sie auch noch so liquid wäre. Im Gegentheil, je liquider sie ist, desto gefährlicher wird sie.

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Die meisten Regenten fürchten sich mehr vor den Bürgern als vor den äußern Feinden: ein Beweis, daß die meisten Staaten schlecht eingerichtet sind.

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Der Krieg ist furchtbar und gräßlich; aber noch gräßlicher ist oft, was man Friede nennt, wo Pleonexie und Kastenwesen das Volk in Sclaverei und zur gänzlichen Verdumpfung und Entäußerung alles Menschenwerthes herabstößt. Und es wäre schwer zu bestimmen, ob der Krieg oder dieser Friede mehr Gräuel habe.

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»Er ist in Ungnade gefallen«, ist ein Lieblingsausdruck der Deutschen; ein Beweis, daß Diejenigen, die so reden, nicht unter der Aegide der Vernunft stehen.

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Wer mehr als gewöhnlichen Respect verlangt, verdient auch den gewöhnlichen nicht.

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Die Engländer sprechen in ihren öffentlichen Schriften sehr oft mit Selbstzufriedenheit von ihren Privilegien; ein Beweis, daß es entweder mit ihren Begriffen oder mit ihrer Freiheit noch nicht sonderlich steht. Wo Freiheit ist, sind keine Privilegien.

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Es gilt im Staate rechtlich eigentlich kein Zwang als der Zwang, das Vaterland zu vertheidigen und verhältnißmäßig zur Aufrechthaltung der Ordnung beizutragen. Jeder andere Zwang ist Sclaverei, und der Staat ist unweise, wenn er ihn zuläßt, und tyrannisch, wenn er ihn befördert.

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Die einzige Sicherung der Freiheit ist die Einschränkung der Besitzungen auf die Reinheit. Wo man mit dauernden Realbelastungen verkaufen kann, geht die Freiheit zu Grunde.

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Die anscheinende Liberalität ist die Quelle der schwersten Bedrückungen, so wie die wirkliche die beste Stütze der Gerechtigkeit ist.

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So lange der Fürst sich als Edelmann denkt – und leider ist das überall verfassungsmäßig –, ist im Staate kein Civismus möglich; und ohne diesen ist der Staatskörper ohne Seele.

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Das Wort Staatskörper ist sehr passend gewählt; denn man hat bis jetzt wenig daran gedacht, auch Seele hineinzubringen.

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Gleichheit allein ist die unumstößliche Base des Rechts. Recht, gleich, droit, égal, aequum, aequitas, aequalitas – der ganze Sprachgebrauch hilft beweisen. Der Begriff Krieg setzt die Gleichheit voraus, der Begriff Friede beruht darauf sowie jeder Vertrag. Wenn der Despot sich eine Leibwache setzt, giebt er sein Leben in ihre Hände, erkennt also factisch ihre Gleichheit oder gar ihre Überlegenheit. Wenn doch die Menschen sich so wenig als möglich von der ursprünglichen Gleichheit entfernen wollten, sie würden alle weit sicherer stehen und gehen. Wenn man etwas endlich ausgleichen will, muß man doch immer seine Zuflucht dahin nehmen.

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Wer von der Gleichheit des Rechts etwas fürchtet, steht unter den Pleonekten und gehört schon mit zu den Krebsgeschwüren der Gesellschaft.

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Der vorige König von Preußen scheint mir die erste Ursache an dem ganzen politischen Wirrwarr in Europa zu sein. Sechs Wochen vor dem Reichenbacher Congresse hätte er mit Hilfe Polens und Schwedens und eigener Energie die Russen zu einem vernünftigen Frieden mit den Türken zwingen können und sollen. Herzberg's ehrliche, vortreffliche Meinung! Dadurch wäre das Intermediärreich Polen geblieben, in Deutschland wäre Ruhe gewesen, die Franzosen wären nicht zu Extremitäten geschritten. Die Pilnitziade schlug dem Fasse den Boden aus; man theilte die Bärenhaut. Man hätte die Franzosen den Franzosen überlassen sollen und sollte es noch jetzt thun. Elektrisirt nur eine Nation, wenn Ihr ihre ganze furchtbare Kraft wecken wollt! Bei den Deutschen ist nur wenig Elektrisirung möglich, weil keine Nationalität da ist; dafür haben die Privilegien gesorgt.

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Ich höre, die Engländer wollen eine Landung in Frankreich bei Havre machen. Cui bono? Ich hoffe, sie werden so albern nicht sein. Je mehr hingehen, desto mehr werden erschlagen. Das muß psychologisch nothwendig kommen, wenn nicht alle Franzosen Thersiten und alle Engländer Ajaxe sind.

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Mißtrauen kommt nie zu früh, aber oft zu spät.

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In einer Gesellschaft, wo ich gegenwärtig war, betrug sich ein Officier gegen alle Regeln des Anstandes beleidigend gegen Andere. Als er mit Ernst zur Rede gesetzt wurde, meinte der naive Herr, er müsse als Officier doch einige Vorrechte haben. Der Grund wurde gefordert; er war natürlich nicht im Stande, ihn zu geben, und hatte noch Bescheidenheit genug, in die Grenzen zu treten; vielleicht nur, weil sein Gegner auch ein Edelmann war. Ein anderer mit etwas mehr altsoldatischer Arroganz hätte vielleicht an den Degen Appell geschlagen. Und wo man an den Degen oder die Traube der Kanone schlägt, hat freilich alle Vernunft ein Ende.

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Ein guter dicker Herr gab sich viele Mühe, mir die staatsrechtliche Consequenz der Steuerfreiheit der großen Güter zu beweisen, als nämlich mit geringer Besoldung der Staatsämter, der Gesandtschaftsposten, der Hofdienste, und wie der jämmerliche Firlefanz weiter heißt, den jeder Dorfschulmeister widerlegen kann. Es wollte also nicht ziehen, und ich blieb bei meiner Ketzerei. Das große argumentum ad hominem behielt er bescheiden in petto, und ich erfuhr es erst kurz nachher: der gute dicke Herr besaß drei Rittergüter und war also ein schlimmerer Privilegiat als der eingefleischteste Edelmann.

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Wenn man erst die Freiheiten, das heißt die Privilegien, wird getödtet haben, nur dann erst ist etwas für die Freiheit zu thun. Jetzt würde man einen Tyrannen vernichten, und zehn würden aufstehen.

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Es ist sehr gut, daß die Regierungen Rebellion und Empörung zu Verbrechen machen, aber es ist sehr schlecht, daß ihre meisten Maßregeln so geeignet sind, um diese Verbrechen zu Tugenden zu stempeln.

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Je niederträchtiger der Kriechling sich Macht erschlichen und erschachert hat, desto pleonektischer, glupischer und glotzender übt er sie.

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Allgemeine Wahrheiten wirken am Besten in die Länge, und ihre einzelnen kaustischen Anwendungen am Besten und Gefährlichsten für den Moment.

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Die Gelehrten haben meistens die abgeschliffenste Gleichgiltigkeit gegen Recht und Unrecht und vermiethen ihr Bißchen erbärmliche Dialektik für den schmutzigsten Gewinn an den Meistbietenden; aber die Staatsverweser und Religionsvorsteher thun auch alles Mögliche, um aus rechtlichen, vernünftigen Leuten Indifferentisten zu machen.

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»Gott straf' mich, Herr Bruder«, sagte ein Ysenburger Officier zu seinem Kameraden, indem er die Worte ächt militärisch durch die Nase schnürte; »Gott soll mich strafen, Herr Bruder, wenn ich meinen Wirth nicht täglich zehen Thaler koste!« Das nenne ich Ehre! Der dumme Wirth und der schlechte Officier!

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Dem gewöhnlichen Menschen ist das Vaterland, wo ihn sein Vater gezeugt, seine Mutter gesäugt und sein Pastor gefirmelt hat; dem Kaufmann, wo er die höchsten Procente ergaunern kann, ohne von dem Staat gepflückt zu werden; dem Soldaten, wo der Imperator den besten Sold zahlt und die größte Insolenz erlaubt; dem Gelehrten, wo er für seine Schmeicheleien am Meisten Weihrauch oder Gold erntet; dem ehrlichen, vernünftigen Manne, wo am Meisten Freiheit, Gerechtigkeit und Humanität ist. Also findet der Letzte nur selten sein Vaterland.

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Es ist nichts Ernsthaftes, das nicht irgend eine Afterphilosophie lächerlich gemacht, und nichts Lächerliches, das sie nicht ernsthaft behandelt hätte. Auf Beides muß man gefaßt sein, sobald man nur die Hausthüre öffnet.

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Das Wörtchen Wir der Fürsten ist eine stille philanthropische Anerkennung der eigentlichen ursprünglichen Rechtsverhältnisse: Ich und Ihr, das Volk und ich, oder ich und die im Namen des Volks bei mir sind. Das Ich würde hier weit egoistischer und tyrannischer sein.

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Es ist weit schwerer, die Wahrheit von seinen Freunden zu sagen als von seinen Feinden; und es gehört vielleicht mehr reiner Muth dazu, den Fehler eines Freundes freimüthig zu rügen, als dem Dolch eines Feindes entgegenzugehen.

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Die Sclaverei der deutschen Sprache ist in den Höflichkeitsformeln bis zum kriechendsten Unsinn gesunken und hat blos dadurch die mehrsten Abstufungen des Knechtsinns gewonnen. Du und ich und ich und Du, sagt der gesunde Verstand; dabei blieben fast ohne Ausnahme die Griechen und Römer und alle alten und neuen besseren Barbaren. Die policirten Unvernünftler setzten aus Respect den Einzelnen in die Mehrheit. Dabei blieben die Engländer, Franzosen, Holländer und übrigen. Nur die Italiener wagten es nicht, aus übergroßer Ehrfurcht, von einer gegenwärtigen Person als gegenwärtiger zu sprechen, und redeten sie als abwesend an: Er, Sie. Die Deutschen aber, die Koryphäen der Knechte in ihrer Sprache, reden zu einer einzigen, gegenwärtigen Person aus Proskynesensucht, als ob sie vervielfacht abwesend wäre. »Ich bin Ihr gehorsamer Diener!« Mit Erlaubniß, da habe ich Dir eine dumme Beleidigung gesagt, wenn Du einigermaßen vernünftig bist.

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Ohne Marathon und Salamis wäre Thermopylä eine Donquixoterie, aber in ihrer Mitte ist es das Kleinod der Menschengeschichte.

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Der Vorzug des Dichters ist das schöne, warme, heiße, glühende Gefühl für Schönheit und Recht und Tugend und Freiheit. Hat er dieses nicht, so gehört er unter die Blendlinge und Hypokriten, und er und sein Name sind ohne Werth. Der Mann mit hohem Enthusiasmus, als Held und Richter und Märtyrer, kann das Nämliche fühlen, aber dann ist er in dem Momente Dichter. Ein schlechter Dichter ist ein Widerspruch; denn kein Dichter ist schlecht als Dichter, sondern nur insofern er es nicht ist.

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Wer wahres Ehrgefühl hat, thut wohl, wenn er sich etwas mit Sinn in der vornehmen Welt umsieht, so lange er sie nicht braucht, und sich lieber todt zu schießen, ehe er sich ihr naht, sobald er sie braucht.

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Man darf nur die meisten Menschen bestimmt nöthig haben, um sogleich ihre Bösartigkeit zu wecken.

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Das Point d'honneur ist gewöhnlich der Gegensatz der Ehre oder höchstens nur ihr Lückenbüßer.

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Man thut meistens den Fürsten Unrecht, wenn man sie beschuldigt, daß sie nicht Wahrheit hören wollen; sie wird ihnen nur selten gesagt. Und geschieht es einmal, so geschieht es nicht mit Ernst und Nachdruck der Würde, sondern sie wird ihnen vorgepoltert. Die Höflinge sind gewöhnlich die goldenen Schmeißfliegen der Gesellschaft, die ihren Glanz aus Unrath und Fliegenpilzen ziehen.

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Wenn ich von preußischer Impertinenz spreche, so meine ich die traurige Abartung von der alten humanen energischen Ehre, und Möllendorf und Kalkreuth unterschreiben meine Klage.

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Wenn Grundstücke mit Erbpacht, Erbzins, Fröhne und überhaupt mit Unterdienstlasten veräußert werden, sollte man in einem vernünftigen Staate den Geber ins Zuchthaus und den Nehmer ins Narrenhaus sperren. Freilich schreien die Pleonekten Zeter über ein solches Gesetz; aber worüber schreien die Pleonekten nicht? –

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Privilegium heißt eine Ausnahme vom Gesetz, und wo man sie macht, taugt das Gesetz nichts, oder die Ausnahme ist schlecht. Man erdichtet so gern Collisionen, um ihre Notwendigkeit oder Wohlthätigkeit zu beweisen. Je mehr ich denke und denke, desto gewisser werde ich, daß das Privilegium und die Immunität das letale Krebsgeschwür der Staaten ist. Hat man nur erst dieses Radicalübel geheilt, die übrigen sind leicht zu heben. Es ist mir lieb, daß man in den alten Griechen und Römern kein ganz bezeichnendes Wort für diese Schändlichkeit findet; Sache und Name sind Ausgeburt der neuen Unvernunft.

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Wenn ich jetzt in eine deutsche Gesellschaft komme, so radebrecht man zuerst die Sprache und dann den Menschenverstand. Alles huldigt mit tiefem Gefühl der eigenen Nichtswürdigkeit, der fremden Tyrannei, die allerdings wenigstens das Mäntelchen der Humanität umnimmt. »Was hat's denne kekeben? Se sein ja wol ooch ums Thor herumme kekangen?« Nun wird dann erzählt von den herrlichen schönen Franzosen, von denen alle Weiber, von der Dame bis zur Jungemagd, ganz bezaubert sind. Und was das Tödtlichste ist, die Weiber haben Recht. Wir sind verdammt zur Dummheit und Weggeworfenheit durch das Stocksystem und die Privilegien.

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»Warum gehen Sie denn nicht in die Kriegsdienste des Königs von Preußen und dienen Ihrem Vaterlande?« fragte man vor zwei Jahren einen lebhaften, wohlgebildeten, sehr wohl unterrichteten jungen Menschen. »Da bekomme ich ja Prügel von dem adligen Fähnrich,« war seine Antwort, »ich mag es anfangen, wie ich will, und meine Ehrenlaufbahn geht bis zum Feldwebel, wo mich ein adliger Fähnrich zeitlebens hudelt.« So konnte man leider antworten, und so muß man leider antworten überall. Wehe der Vernunft, dem Civismus und dem Vaterlande, so lange es so bleibt! Und es wird so bleiben; dafür werden unsere 365 Königlein und ihre Satelliten sorgen.

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Das Beste vom Leben ist, daß man Niemand zwingen kann zu leben. Wer durch eigene Niederträchtigkeit dazu gezwungen wird, ist sein eigener moralischer Büttel und Scharfrichter.Am Rande des Manuscripts ist hier von Seume bemerkt: »Mai 1807«. – A. d. H.

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Eben jetzt in diesem Momente möchte ich auf fünf Jahre Erzherzog Karl von Oestreich sein. Oestreich möchte untergehen, aber Deutschland sollte erwachen. Käme ich im Kampfe um, so sollte mein Tod mein Leben schmücken. Zur Belohnung wollte ich sodann lieber Holz hacken als Deutschlands Bonaparte werden.

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Προνομίαι παρανομίαι η γαρ ισονομία μόνη ευνομία πάντα προτερήματα των κοινων καρκινώματα. Το ισον μόνον το δίκαιον, κατ Ευριπίδην.

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Jeder denkt an sein Haus, Niemand an das Vaterland. Aus selbstsüchtigen Hausvätern entsteht ein schlechter Staat. Wo soll auch Gemeinsinn herkommen in einem Lande, wo Jeder mit Privilegien schachert und auf den Nacken des Andern zu treten sucht? wo man einseitig Pflicht aufbürden will und nach Gesetzen richtet, die nicht bekannt gemacht sind, und deren Seele wieder das Vorrecht zum Tode der Gerechtigkeit ist?

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Das Resultat des Privilegienwesens ist: Ihr sollt Alles thun, damit wir Alles haben, und wir bewilligen, daß Ihr geben sollt.

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Die Franzosen beherrschen nun die Deutschen durch die Deutschen. Das war bei unserm allgemeinen Blödsinn, unserer Schwerfälligkeit und unserer Privilegiensucht vorauszusehen.

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Wenn für das deutsche Vaterland etwas zu thun wäre, so würde ich die Gefahr nicht scheuen, es zu thun. Aber wir sind durch unsere eigenen Krebsgeschwüre zur Verworfenheit verdammt. Nur einige Männer könnten durch ihre Verhältnisse die Nation neu schaffen und gründen und halten; aber diese sind zu fürstlich privilegirt, um die Größe des Vaterlandsgeistes, Bürgersinnes und der höheren allgemeinen Gerechtigkeit zum göttlichen Enthusiasmus zu fühlen.

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Ich finde in der Geschichte nur einige Züge in Charaktern, vor denen ich mit Ehrfurcht zurückschauere; das hält mein Selbstgefühl, auch wenn keine Seele je meinen Namen nennen sollte.

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Wenn unser Charakter ausgebildet ist, fängt leider unsere Kraft an zusehends abzunehmen.

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Cyrus, Miltiades, Alexander, Hannibal, Marius, Cäsar, Johann von Epirus, Cortez, Friedrich der Zweite sind alle größer als Bonaparte, und es ist moralisch unmöglich, daß er je ihre Größe erreiche, auch wenn er die Welt eroberte. Er hätte kleiner sein müssen, um größer zu werden.

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Die meisten Menschen beschäftigen sich damit, zu grübeln, wie es die andern besser machen sollten, und sehen sehr scheel, wenn man an ihrer eigenen Unfehlbarkeit zweifelt.

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Wer seinen Charakter durchträgt, ist sicher, Anhänger zu haben, auch wenn er liquid Bösewicht wäre; denn auch der zerstückelte Mensch will gern etwas Ganzes haben.

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Reißt den Menschen aus seinen Verhältnissen, und was er dann ist, nur das ist er. Zuweilen können die Verhältnisse etwas von seinem Selbst zu Tage fördern.

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Friedrich der Zweite ließ bei allen seinen Plänen der Vernunft freien Raum; Bonaparte sucht sie durchaus in die Formen seiner Willkür zu schmieden: mich däucht, eine große Differenz. Hat er es wirklich auch nur zu seinen Absichten nöthig? und was würde Friedrich an seiner Stelle gethan haben?

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Ein Glück für die Despoten, daß die eine Hälfte der Menschen nicht denkt und die andere nicht fühlt!

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Jedes Privilegium ist eine ausgesprochene Tendenz zur Pleonexie. Pleonexie ist als Thatsache Schurkerei und als Rechtsregel Dummheit oder wenigstens Blödsinn.

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Eine Nation, die nicht den Muth und die Kraft hat, sich zur allgemeinen Gerechtigkeit und Freiheit zu erheben, ist der Raub der Nachbarn, die das, wenngleich nicht ursprünglich rein, doch in einem höhern Grade vermögen.

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Der erste Fußbreit Landes, der nicht gleich verhältnißmäßig mit den übrigen zu den öffentlichen Lasten beiträgt, ist der erste Schritt zum Privilegium, zur Pleonexie, zur Habsucht, zur Ungleichheit, zur Willkür, zur Unterdrückung, zur Despotie, zur Tyrannie, zur Anarchie, zur Sclaverei.

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Herrschen ist Unsinn, aber Regieren ist Weisheit. Man herrscht also, weil man nicht regieren kann.

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Nicht wo Einer regiert, ist Despotie, sondern wo Einer herrscht, das heißt, nach eigener Willkür schaltet und die Uebrigen unbedingt als Instrumente zu seinem Zwecke braucht.

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Aus dem Pleonekten wird bald ein Rädler, aus dem Rädler ein Despot, aus dem Despoten ein Tyrann, aus dem Tyrannen ein Wütherich, aus dem Wütherich ein Scheusal. Wo das nicht geschieht, fehlt blos Gelegenheit und Versuchung.

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Man muß viel gesehen und gedacht haben, ehe man zu Horazens Nil admirari gelangt, oder man ist von der Natur zum Faulthier ursprünglich gemacht.

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Dem Eroberer sind die Menschen Schachfiguren und eine verwüstete Provinz ein Kohlenmeiler. Mit wenigen Ausnahmen sind die großen Helden die großen Schandflecken des Menschengeschlechts. Selbst Miltiades hat seinen Charakter problematisch gelassen.

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Für den Moment etwas Schönes thun, heißt noch nicht gut sein; das kann auch der Enthusiast. Wessen ganzes Leben nicht die strenge Sonde hält, gehört unter die moralischen Blendlinge.

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»Καὶ σὺ, τέϰνον!« sagte Cäsar zu Brutus; und diese drei Worte scheinen dem Republikaner auf einige Tage alle Besonnenheit genommen zu haben, nach deren Verlauf fast Alles verloren war.

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Wenn man in die Welt und in die Geschichte blickt, muß man es für eine große Thorheit halten, vernünftig sein zu wollen; und wer nicht in sich Kraft fühlt, einen guten Charakter allein gut durchzutragen, fange lieber nicht an; denn auf Menschen und ihren Beifall und ihre Unterstützung darf er nicht rechnen.

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Eine gute That, wenn sie wirklich die Probe hält, ist besser als Millionen guter Worte; aber manchmal ist das Wort die That selbst, und dann hat es hohen Werth.

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Wenn die Kritiker Kritik schreiben, ist jeder ein Repräsentant der Weisheit und spricht Orakel von seinem Dreifuß und erregt Ehrfurcht in seinem heiligen Nimbus. Dann machen sie selbst Werke, und der Nimbus zerrinnt und zeigt eine Jammergestalt. Gemeiniglich geben sie dann dem Gezüchtigten durch ihre Werke Genugthuung für ihre Kritik.

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Προτερήματα ἁμαρτήματα.

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Die meisten beträchtlichen Güterbesitzer in allen Staaten sind Leute, die keinen Begriff haben von dem, was der Staat ist, und was er an den Bürger und der Bürger an ihn fordern kann und muß. Sie schreiten also grob pleonektisch einher und nehmen in ihren Anmaßungen den Stock, den Strick und die Bajonnettspitze zu Hilfe und glauben vielleicht gar, Alles, was sie damit können, sei auch Recht. Das nennen sie sehr passend ausübende Gewalt; denn von Gerechtigkeit ist selten ein Fünkchen dabei.

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Historisch kann man einen Rechtsgrundsatz vielleicht erläutern, aber nie begründen. Die Geschichte führt nur Thatsachen auf, und Millionen einseitige Thatsachen machen nie nothwendig ein Recht, und wenn sie von der Sündfluth in ununterbrochener Kette herabgegangen wären. Was die Urbefugnisse des Menschen beleidigt, bleibt ewig Unrecht, und wenn man die Schrift vom Himmel brächte.

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Wer die Regel des Rechts nicht in sich trägt, findet von außen wenig Leitung.

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An der Grenze dieses und des vorigen Jahrhunderts war der Kampf um philosophisch-politische Vernunft. Die ganze Ausbeute dieses Kampfes hat Bonaparte nicht ganz vertilgen können; aber die besseren Fortschritte hat er vielleicht auf Jahrhunderte gehemmt. Unsere Fürsten sind zu furchtsam und selbstsüchtig und nicht edel stolz genug, um den Grundbegriff der ursprünglichen allgemeinen Gerechtigkeit im Staate aufzustellen. Und doch nur dieses allein kann physisch, mathematisch, psychologisch, moralisch die größte Stärke geben.

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Wir sind zu sehr geneigt, in allgemeinen Völkerverhältnissen unsere Neigung und unsern Widerwillen von Allen auf Einen und von Einem auf Alle überzutragen. Wir hassen Alle, weil sie Anhänger eines Einzigen sind; und wir hassen vorzugsweise einen Einzigen, weil wir ihm das Unglück des Ganzen beimessen.

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Haß und Neid müssen besseren Seelen fremd sein. Ich habe nie gehaßt und selten geliebt. Etwas Neidähnliches regte sich in mir nur beim Anblick schöner großer Handlungen, also auch nur selten. Das Gefühl war nie schmerzlich niederdrückend, also war es vielleicht mehr Eifer als Neid.

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Je mehr ich von den Menschen sehe und höre, desto mehr überzeuge ich mich, daß bei ihnen keine Vernunft ist; und der vermessenste Gedanke scheint mir zu sein, daß man glaubt, der Mensch habe Vernunft im höheren Sinne. Er hat nur Kunsttrieb und Baulust und Zerstörungssucht.

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Es ist nirgends mehr Haß als unter den Diminutivnatiönchen der deutschen Horden, und alle geben einander zur großen Freude der Fremden reichliche Ursache.

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Wir sind nun wieder zu despotisch-aristokratischem Unsinn verdammt, und es ist schwer zu bestimmen, ob die fremde oder die einheimische Tyrannei die drückendere und unvernünftigere sein wird. Ich fürchte, die letztere ist tödtender, und die erste ist schändlicher.

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On a tonjours de bonnes raisons à mal faire, hieß es ehemals im Wiener Cabinet und heißt es jetzt fast überall!

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Wo der Fürst gnädig ist, ist er nie gerecht und also immer ein schlechter Fürst. Gnade gehört nur für Verbrecher und ist jedem ehrlichen Mann eine Last zum Tode. Man umnebelt und umgaunert mit dem Gespenst das Fünkchen emporkämpfende Vernunft. Ein Beweis von der tiefen Verworfenheit des Menschengeschlechts ist, daß es sich von dem Begriffe nicht losmachen kann.

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»Haben Sie die Gnade!« heißt wörtlich: Ich verdiene zwar das Zuchthaus, aber Sie werden mir schon einen andern guten lucrativen Posten geben, den ich nicht verdiene.

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Eine Religion, die des Menschen vorzügliche, fast einzige Hoffnung in ein anderes Leben weist, hat die Präsumtion der Gaunerei in diesem für sich.

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Die größten Gegner der wahren Cultur sind die Fürsten, die Edelleute und die Gelehrten, insofern sie zu den Privilegiaten gehören; nächst diesen die meisten Buchhändler als Handlanger der Gaunerei aller Art.

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Die Alten hatten die Maxime: Salus populi suprema lex esto. Bei uns heißt es, wo nur die Eupatriden Person zu sein scheinen: Nostra privilegia, et pleonectemata firmentur, stabiliantur; cetera concidant, ruant, pereant funditus. Nostrum nil interest, dummodo nos salvi simus.

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Die politische Freiheit des Adels ist die Ausgeburt der Unvernunft und gerade der Gegensatz jedes liberalen Ideenganges.

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Vor mehreren Jahren habe ich eine Diatribe über die Nase geschrieben, und es ist noch jetzt eine meiner gewöhnlichen unwillkürlichen Beschäftigungen, die Nasen zu belugen und zu ordnen. Den Familienstoff abgerechnet, bin ich immer noch der Meinung, daß jeder Mensch so ziemlich seine Nase selbst macht. Daher haben die Kinder fast durchaus unbestimmte Nasen. Zu der Nase, als der festen Prominenz, rechne ich zu psychologischem Behufe auch alle angrenzenden Muskelpartien, vorzüglich die Nasenwinkel und Augenwinkel und Mundwinkel, die sich sogar bis zum Kinn herabziehen. Auch die Maler nennen diese ganze Partie, wenn ich nicht irre, die Leidenschaftsmuskeln, und das mit Recht. Aber die Nase scheint vorzugsweise das Aushängeschild des herrschenden Charakters zu sein, woran Jeder ziemlich viel lesen kann, dem die Natur ein ordentliches Rhinoskop gegeben hat. Ich classificire dann mit vieler Gewißheit alle meine Nasen. Da ist die stolze Nase, die ärgerliche Nase, die eingebildete Nase, die vornehme Nase, die impertinente Nase, die tyrannische Nase, die listige Nase, die sclavische Nase, die dumme Nase, die bigotte Nase, die fromme Nase und viele andere Nasen. Zur bessern Bestimmung muß man die oben angeführten Winkel mitnehmen. Ich sehe jedes Gesicht als eine Grenzfestung der Seele an, von welcher die Nase den Cavalier und das Hornwerk macht. Vor andern zeichnen sich noch aus die vorwitzige und die geile Nase. Unschuldige Nasen oder vielmehr Näschen findet man auch; aber ich erinnere mich nie, eine vernünftige Nase gesehen zu haben. Sehr selten sind die rein schönen, ganz charakterlosen Nasen, und wo man sie trifft, gehört viele artistische Beschauung dazu, sie auch reizend zu finden. Die Vernunft scheint mit und auf dem Gesichte wenig zu thun zu haben, wie überhaupt mit dem Menschen. Das Gesicht ist der Tummelplatz der Leidenschaften. Bei Vielen ist es sehr unterhaltend, zu untersuchen, wie kommt der Mensch zu der Nase? Die besten Nasen haben im Allgemeinen die Frauen, ausgenommen die vielen verdrießlichen und spöttischen Nasen, welche den Trägerinnen nicht weniger als den Beschauern zur Last fallen. Die vernünftigsten Nasen haben noch die Lazzaroni in Neapel. Der geizigen Nase thut man zu viel Ehre, wenn man sie eine Nase nennt; sie nähert sich an Gestalt und Bewegung dem Rüssel.

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Allemannen hießen wir, jetzt heißen wir füglich Alleweiber. Dafür haben wir aber viel Königlein, mehr Fürstlein und noch mehr Herrlein und das Vaterland voll Privilegia.

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Die deutsche Vernunft heißt Privilegium; nun fragt sich, ob Privilegium Vernunft heißen kann.

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Fast jeder Deutsche wird mit irgend einem Privilegium geboren; daher unsere Titel Hochgeboren etc. etc. etc., eine herrliche Antiphrase der gesunden Philosophie. Ist das nicht, so sorgt sein Herr Vater, ihm, sobald er aus der Kappe kommt, eins zu erwerben. Das hat er denn titulo onerose zur Last des Staats und des Menschensinnes.

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Der Erfinder und Einführer des ersten Privilegiums ist gewiß ein Zwitterding zwischen Schurken und Dummkopf gewesen.

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Wenn dem Menschen nicht immer etwas theuerer ist als das Leben, so ist das Leben nicht viel werth.

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Die Sittenlosigkeit hat mit ihrer Eutrapelie sich so der Sprache bemächtigt, daß ein ehrlicher, unbefangener, mit den Weltlastern unbekannter Mensch fast kein Wort sprechen kann, ohne eine Zweideutigkeit zu sagen. Die größte Herrschaft usurpirt die Geschlechtsbeziehung.

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Wenn in der wirklichen Welt jetzt für mich etwas Vernünftiges zu thun wäre, würde ich mich nicht mit Idealen und Geschichtsgemälden beschäftigen. Wenn ein Marathon und Salamis wäre, würde ich nicht den Herodotus lesen.

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Ich habe bemerkt, daß auf den Gütern der reichsten Leute immer die schlechtesten Häuser, die verfallensten Mauern und die meisten Bettler sind. Das giebt mir ein Recht, die reichsten Leute für die seelenlosesten Menschen zu halten.

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Sic volo, sic jubeo; stet pro ratione voluntas! sagte der Römer. Je le veux, et cela sera! sagt Bonaparte weit kürzer und ebenso energisch. Ich möchte wol den Weidspruch des Attila wissen.

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Ich höre jetzt überall Tanzmusik. Das muß von den fremden Tarantelbissen kommen, wenn es nicht alter Bärentanz ist. Wie ein Deutscher bei dem Jammer und dem Sclavenjoch seiner Nation außer dem Zähneknirschen noch einen Ton finden kann, ist mir unbegreiflich.

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Fast werde ich anfangen zu hassen, und zwar die Deutschen. Eine so empörende Weggeworfenheit hat kaum die Geschichte, als man jetzt überall findet; und am Niederträchtigsten unter Allen sind die Gelehrten. Es wäre unbegreifliche Dummheit, wenn sie nicht zu den Privilegienfischern gehörten. Hier macht die Schlechtheit die Verächtlichkeit erklärlich. Ein deutscher Gelehrter ist ein Amphibion zwischen Auster und Polypen: er schläft, langt zu, gähnt, deraisonnirt und schläft wieder ein.

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Si ferro possem, facerem caderentque tyranni;
      Nam nunquam huic sceleri non inimicus ero.
Aurea tum pax, justitia probitasque valerent,
      Almaque sanctaque lex omnibus aequa foret.
Sed quia non armis, possum contendere verbo,
      Vivus donec ero: littera scripta manet.

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Wenn der Mensch aufhört, in irgend einem Punkte eine Tinctur von Narrheit zu haben, so ist es mit seiner Weisheit und bald auch mit seiner Existenz zu Ende. Der Himmel behüte mich also vor der absoluten Weisheit, nach der ich strebe!

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Der verstorbene Lord Bristol, liederlichen Andenkens, theilte in Rom die Deutschen ein in Weintrinker und Biertrinker, mit der Bemerkung, die Weintrinker seien Schurken und die Biertrinker Dummköpfe. So viel cynische Arroganz auch in dem Urtheil liegt, muß man doch bekennen, der Mann kann durch das Studium unserer öffentlichen Verhältnisse füglich darauf geleitet worden sein. Jetzt haben wir der Weintrinker beträchtlich weniger, aber der Biertrinker beträchtlich mehr und sind also dadurch nichts gebessert.

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Nulla fides pietasve viris castra sequuntur – Inter arma silent leges und dergl. sind Weidsprüche, die zwar leider ziemlich wahr, aber eben deswegen auch ein Schandfleck der menschlichen Natur und Vernunft sind.

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Der jetzige Modeanzug unserer Damen giebt Ovid's Corinna sehr musterhaft, ohne Fenstergardinen und Mittagsdämmerung, vom Quales ego vidique humeros tetigique lacertos bis zur forma papillarum und dem Cetera quis nescit.

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Alle Malversationen und Privilegien beruhen auf irgend einem Schein des Rechts, den die politischen Gauner nur gar zu gern für das Wesen des Rechts selbst ausgeben möchten; und bei der großen Menge von Dummköpfen gelingt es ihnen so wohl, daß die wenigen Hellsehenden nichts dagegen sagen dürfen.

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Vor einigen Stunden sprach ich von einer liquiden Schurkerei nur eine Minute mit solcher Heftigkeit, daß mir das Blut schmerzlich wallend zu Kopfe stieg, und ich hätte mich gewiß um den Kopf selbst gesprochen, wenn es der Moment gewesen wäre. Das giebt mir einiges Zutrauen zu meiner moralischen Natur.

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Plutarch wäre für seine politischen Vorschriften πολιτιχα παραγγελματα zu Themistokles' Zeiten wahrscheinlich verwiesen worden. Für sein Zeitalter waren sie ordentlich zahmklug sehr gut, wo von griechischer Nationalität ebenso wenig mehr die Rede war als jetzt von der deutschen. Wir für uns brauchen durchaus weiter nichts als leidenden Gehorsam und blinde Resignation in die Allweisheit unserer Machthaber. Jeder andere Gedanke wird zum Verbrechen gestempelt.

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Vernünftigerweise sollten alle Staatsbeförderungen von unten auf gehen, das heißt, die Bürger sollten die Magistraturen und die Krieger die Befehlshaber gesetzlich ernennen. Das wäre rechtlich und psychologisch gut. Wo es umgekehrt ist, muß man von Freiheit nicht sprechen. Von oben herab ist man nach gewöhnlicher Menschlichkeit nie weise genug, den Vortheil des Ganzen ohne Pleonexie zu wollen: Von oben herab kommen alle gute Gaben, christlich-moralisch; von oben herab kommen alle schlechten Verordnungen, pfäffisch-despotisch.

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Τον δεσποτην ημιν λεγειε χρηστον; ουδεισ δεσποιησ χρηστοσ, ουδεισ χρησιοσ δεσποιησ (Ihr nennt uns den Herrscher edel? Kein Herrscher ist edel, kein Edler ist Herrscher.)

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Ich habe in der Geschichte und im Leben immer gefunden, daß die Könige im Kleinen so viel Gerechtigkeit als möglich zeigen, um im Großen so wenig als möglich zu haben.

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Wenn man sich nur über Völkerungerechtigkeiten und Nationalschande gehörig weggesetzt hat, so kann man sich schon trösten; denn im Ganzen wird es nicht beträchtlich schlechter und hier und da sogar wol etwas besser.

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Die Kriege sind meistens Völkerinfamien, die erst durch die Friedensschlüsse recht liquid werden, oft auf einer Seite, oft auch auf beiden.

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Die Menschen sind durch die täglichen Erscheinungen um sich her so an Schändlichkeiten gewöhnt, daß sie alle Augenblicke von einer künftigen Infamie mit aller Unbefangenheit als von einer Sache sprechen, die zu der sogenannten guten Ordnung der Dinge gehöre.

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Die Frage des Rechts ist bei einer Königssache – denn Völkersache kann man der Wahrheit nach nicht sagen – die allerletzte, die man thut. Hat man die Möglichkeit und Sicherheit der Ausführung begriffen, so holt man zur Rechtsfrage einige Staatsrabulisten, und sogleich ist ein Haufe schlechter Autoschediasten da, die in allen Formen verworfener Syllogistik beweisen, daß der Wolf die Schafe de jure zerreißt. Richtig von den Wölfen und für die Wölfe; also auch für die Menschen, meint man. Rapinat's System, wobei man die Rechtsfrage besser ganz unerörtert läßt.

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Schmeichelei ist immer verdächtiger als Tadel; denn wer sagt nicht lieber etwas Angenehmes auch ohne hinlänglichen Grund, ehe er sich überwindet, wäre es auch mit Recht, beschwerlich zu fallen?

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Tadelsucht ist eine häßliche Leidenschaft in der Seele, und doch findet keine mehr Nahrung im wirklichen Leben. Jeder Blick auf die Welt beweist das Difficile est des Juvenal.

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Die Philosophen mögen streiten über die Natur der Wahrheit. Für das Gute haben wir nur ein einziges haltbares Kriterion: daß es nütze; nicht zuweilen und einzeln, sondern immer und allgemein. Der Probestein des Guten ist Allgemeinheit und Dauer des Nutzens, nicht Vortheils. Der Vortheil zerstört den Nutzen. Diese Allgemeinheit nannten die Alten Eudämonie; Kant nennt sie allgemeine Harmonie. Dieser Probestein ist auch zugleich der Bestimmungsgrund. Kalte Vernunft kann Regel, aber nie Bestimmungsgrund werden. Wenn das Gute aufhört zu nützen, hört es auf gut zu sein; seine Natur ist, daß es nütze. Eine That kann mir den Tod bringen, aber ihr Beweggrund, allgemein und immer befolgt, würde allgemeinen Segen schaffen; folglich ist die That gut. Nicht die einzelne zufällige Erscheinung, die ganze Folge nothwendiger Wirkung muß beachtet werden. Kleine Seelen ziehen ins Einzelne und werden selbstsüchtig; große tragen mit Aufopferung ins Ganze und helfen die Harmonie reiner stimmen.

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Aufklärung ist richtige, volle, bestimmte Einsicht in unsere Natur, unsere Fähigkeiten und Verhältnisse, heller Begriff über unsere Rechte und Pflichten und ihren gegenseitigen Zusammenhang. Wer diese Aufklärung hemmen will, ist ganz sicher ein Gauner oder ein Dummkopf, oft auch Beides; nur zuweilen Eins mehr als das Andere.

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Dem Himmel darf man Hohn sprechen, der duldet's; denn er ist groß und seiner Allmacht und Weisheit gewiß. Der Menschen Dünkel und äffische Göttlichkeit antasten, bringt Ketten und Tod; denn sie sind klein und fühlen den Ungrund ihrer Anmaßungen. Sie schützen also Thorheit mit Laster und Laster mit Verbrechen.

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Selbstübewindung ist ein falscher Ausdruck, ist Täuschung; was wir in gutem Sinne so nennen, ist Selbstfassung, Selbststärkung. Ebenso ist der Ausdruck Aufopferung. Die genauere Forschung findet keine; ich bekomme immer etwas Besseres für das Geopferte; am Meisten erhält der Harmoniephilosoph für seine anscheinenden Aufopferungen. Ganz reine Aufopferung läßt sich nicht denken, oder sie wäre Thorheit. Schöne Seelen, deren Werth mehr im Empfinden als Denken besteht, sind sich des Lohns ihrer Güte am Wenigsten bewußt und genießen ihn doch noch am Reinsten.

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Wenn man gegen die Eudämonie und ihre Anhänger zu Felde zieht, bleibt man immer zu sehr beim Einzelnen und Momentanen stehen, da man doch ins Allgemeine und so viel als möglich ins Ewige gehen sollte. Ist die allgemeine Harmonie etwas Anderes als die Wirkung des Guten und Vernünftigen? Und ist Wirkung und Wesen nach der Nothwendigkeit unseres Denkens nicht Eins?

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Wo gemeine, schwache Menschen in Bewunderung ausbrechen und die Huldigung anfangen, da geräth der Mann von Sinn und Stärke in Mißtrauen; und wo kurzsichtige Menschen mit Unzufriedenheit zu tadeln beginnen, fängt sehr oft des Weiseren bessere Billigung an.

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»Ihr Bestien wollt glücklich sein?« sagte mir einmal Heidenreich in der Hitze des Streits; »Ihr sollt nicht glücklich sein, Ihr sollt gut sein!« Er war freilich nicht glücklich; das schien mir aber daher zu kommen, weil er auch nicht sonderlich gut war. Wer stets der Ball grober abwechselnder Leidenschaften ist, kann im strengern Sinne doch wol schwerlich für gut gelten und muß zufrieden sein, wenn man ihn nur unter die Gutmüthigen zählt.

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Ich höre überall von heißpatriotischen Preußen, Oestreichern, Baiern, Sachsen u. s. w., die einander in die Wette hassen; nur höre ich von keinem Deutschen. Wehe also meinem Vaterlande! In hundert Jahren sind wir wahrscheinlich, wenn das Glück sich nicht unserer Dummheit erbarmt, die erbärmliche Zwitterbrut der Elsasser, Lothringer und Kurländer und Livländer, die ihre alte Nationalität verloren haben und keine neue finden können.

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Unser Zeitalter ist eine Kette von öffentlichen Infamien, die Niemand empören. Ein Beweis, daß das Zeitalter die Infamie selbst ist.

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Sachsens Acquisition in Polen betrachte ich politisch als den Gewinn eines jungen Spielers. Er kann ihn leicht zum Verderben führen.

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Rußland hat von seinem Bundesgenossen gewonnen. Wenn kein Geheimniß, wie ich hoffe, darunter ist, so bezeichnet dieses hinlänglich seine Schändlichkeit oder seine dienstbare Ohnmacht.

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Wer mit einem guten Gedanken stirbt, ist immer glücklicher, als wer als Sieger über ein Schlachtfeld zieht.

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Hätte man Cajeta gehalten, von Cajeta aus hätte das Heil für Italien kommen können. Hält man Stralsund, von Stralsund aus kann das Heil für Deutschland wiederkehren. (Ich spreche nur politisch.)

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So lange die Engländer einen Fußbreit Landes auf dem Continent von Europa haben, ist keine Hoffnung zu einem leidlich dauerhaften Frieden.

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Nun sind endlich die Deutschen politisch aus ihrer zwitterhaften Existenz heraus in die entschiedene Nullität gekommen.

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Die gefühllosesten Klötze für Nationalehre und Nationalschande sind die deutschen Gelehrten; davon überzeuge ich mich täglich mehr.

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Die Griechen waren immer nur Spartaner, Athenienser u. s. w. Was sind sie nun? Die Deutschen scheinen blos den griechischen Buchstaben zu studiren. Sie sind Partikelkrämer; darüber geht das Ganze zu Grunde.

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Für den besten griechischen Politiker halte ich den Aristophanes. Er mußte aber frivol sein, und so ging er in der Frivolität der Nation verloren.

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Wer nicht seines guten Gedankenganges sehr gewiß ist, der wird bei dem Anblick auf die öffentliche Welt gleichgiltig, nicht allein gegen Leben und Tod, sondern auch gegen Tugend und Laster.

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Unsere Zeit ist ein blutig praktischer Commentar über die Erbärmlichkeit des Fürstenwesens; aber die Erbärmlichkeit des Fürstenwesens kann ihn nicht begreifen.

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In Leipzig in den alten Substructionen der alten Pleißenburg, auf welcher die Sternwarte steht, hausen eine große Menge Nachteulen, die links und rechts bis an meine Fenster eine gräulich schöne Musik machen. Ausgezeichnet lärmend war ihr Gekrächz auf und ab durch die Allee an den Abenden, wo Ehrhardt und Comp. Bonaparte in den Orion hineinflickten. Ob wol Minervens Vögel die politischen, martialischen und literarischen Heldenthaten feierten oder mit Angst von den Erscheinungen wegflatterten?

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Es sind jetzt zwei große Räubernationen, die Franzosen zu Lande, die Engländer zur See; und die eine giebt immer der andern ihr Verfahren Schuld, das heißt, sie braucht es zum Deckmantel ihrer Rechtsverachtung. Diese Nationen haben doch wenigstens das Gute, daß sie ihre Kräfte brauchen. Bei den übrigen ist von Klugheit ebenso wenig die Rede als von Vernunft; und höchst wahrscheinlich wären sie noch schlimmer, wenn sie die Kraft hätten.

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Die Dänen haben sich einrangirt in die Reihe der Nichtdenkenden. Denn so etwas wie die englische Expedition mußte durchaus vorauszusehen sein. Und ihre nachdrückliche Erklärung vor zehn Monaten für die Engländer oder die Alliirten hätte die Katastrophe ändern können, oder für die Franzosen hätte sie auf eine andere Art wenigstens eine Zeit lang sichergestellt. Sie haben das Schlimmste gethan und sind nun auf beiden Seiten verloren, entweder von dieser oder von jener. Deutschland ist durch seine alte und neue Schwachheit ganz Nullität.

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Wer frei und wahr denken will, sei allein, oder er hoffe nichts und fürchte nichts; denn für ihn sind der Dolch, der Giftbecher, die Bastille in hundert Gestalten, alten und neuen, von Potosi bis nach Kolivan.

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Den Ruhm soll der Weise verachten, aber nicht die Ehre. Nur selten ist Ehre, wo Ruhm ist, und fast noch seltener Ruhm, wo Ehre ist.

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Die schöne Stunde der griechischen Dichtung.

In Salamis zum hohen Feste kränzte
Der Sieger Aeschylus im Chore sich das Haar,
Und Sophokles, der Opferknabe, glänzte
In dem Triumphtanz am Altar;
Da brachte froh die freundlichste der Horen
Die schöne Kunde noch mit vollem Flügelschlag,
Euripides, der Liebling, sei geboren:
Dies war der Dichter Strahlentag.

Der ganze Unterschied zwischen einem reinen Republikaner und einem reinen Despoten ist, daß der Erste die Menschen als weise und gut, der Andere aber sie als schlecht und dumm annimmt. Die Erfahrung giebt dem Letztern öfter Recht als dem Ersten. Was nicht ist, sucht Jeder in seinem Sinne zu machen; und es glückt wieder dem Letzten besser.

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Gewisse Dinge glaube ich sogleich, wenn ich sie höre, so sehr haben sie den Stempel der Wahrheit; gewisse Dinge, wenn ich sie sehe; gewisse Dinge muß ich sehen und hören, um sie zu glauben; und gewisse Dinge glaube ich nicht, wenn ich sie auch sehe und höre.

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Die Privilegienkrämer müssen ein Privilegium vom Himmel haben, dumm oder schlecht zu sein: zuweilen sind sie Beides sine clausula.

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Daß die deutschen Fürsten zu regieren aufhören, ist eben kein Unglück für die Nation; aber daß die französischen anfangen, kann eins werden, wenn sich die Nation nicht furchtbar auf Schildwache setzt, welches sie, wie ich fürchte,– – nicht thun wird.

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Wer zwei Pferde vor dem Wagen lenken kann, kann nicht auch viere lenken, und ein guter Bürgermeister in Harburg ist deswegen nicht auch ein guter Bürgermeister in der Stadt jenseits des Flusses, et sic porro.

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Die meisten Leidenschaften scheuen den Tag und sind schon gefährlich genug; aber furchtbar verheerend sind die, die in der Finsterniß geboren werden und sich am Sonnenlicht nähren: Ruhmsucht und Herrschsucht.

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Es ist eine gewöhnliche Narrheit der sogenannten bessern Gesellschaft, das Gemeine für schlecht zu halten. Wo das Gemeine verachtet wird, wird das Gute nie gemein werden, welches doch der Endzweck jeder bessern Cultur ist. Bei dieser Gesinnung findet kein Gemeingeist statt; die Folge davon fühlen wir bis zur gemeinen Schändlichkeit der Nation. Blos der gemeine Mann hat noch etwas richtigen Tact der Sache. Wenn er einen wackern Patrioten bezeichnen will, sagt er wol: »Der Herr ist sehr gemein.«

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Die Pfaffen haben die Erbsünde geschaffen, und der Adel verewigt sie; die Despotie verewigt Alles zusammen.

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Der Staat sollte vorzüglich nur für die Aermeren sorgen, die Reichen sorgen leider nur zu sehr für sich selbst.

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Die Deutschen sind immer nur Barbaren und Halbbarbaren gewesen, haben sich nie zu allgemeiner Gerechtigkeit und Freiheit, nie zur Einheit des Vaterlandes erhoben. Die Kaiser haben die Verbrechen begangen, die Heiligthümer der Nation an Einzelne zu vergeuden und dadurch die Spaltung zu verewigen. Die größten Thoren sind die deutschen Weisheitskrämer, die Publicisten, welche die Documente unseres Nationalunsinns, die Goldene Bulle, den Westphälischen Frieden, die Wahlcapitulation etc. etc., lobpreisend posaunen. Alles dieses hat endlich die Nation in die jetzige Schande gestürzt.

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Deutschland wäre zu retten durch eine verbesserte Lykurgische Legislative, wenn nur die deutschen Fürsten sich zur Vernunft erheben könnten. Jeder hütet nur die Jämmerlichkeit seines ohnmächtigen Firlefanzes von Hoheit. Sie sind alle zu klein, um Bürgersinn zu haben.

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Die Bedingung der Vaterlandsliebe ist Freiheit und Gerechtigkeit. Von beiden ist in unfern europäischen Staaten nur das Minimum; die Vaterlandsliebe kann also leicht berechnet werden. Die Vaterlandsliebe der Privilegiaten ist der kochende Grimm wilder Thiere, mit welchem sie über ihren Raub wachen.

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Die Deutschen haben bei jeder Gelegenheit einen sehr gewöhnlichen Ausdruck: »Das kann ich gar nicht leiden!« und doch ist nichts Schlechtes, Vernunftwidriges, Dummes und Niederträchtiges, was seit fünfhundert Jahren und besonders in der letzten Zeit die Deutschen von innen und außen nicht gelitten hätten.

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Abendlied.

(Nach einer alten bekannten Melodie.)

Was quäl' ich mich, wie es dort draußen steht,
Wenn's leidlich nur von innen geht?
Und was kümmert's mich, was man am Jaik befiehlt?
Stehlen wird man immer, gleichviel, wie man stiehlt!
Rechtlich und vernünftig
Bleiben ewig künftig,
Und man würfelt mit dem Augenblicke.

Als Jüngling war ich plötzlich Flamm' und Gluth;
Doch legt sich nach und nach das Blut.
Wen bei jeder Schurkerei ein Aerger trifft,
Wird umsonst am Ende lauter Gall' und Gift;
Und die Gauner glotzen
Hämischer und trotzen
Zähnefletschend nur mit Hohngelächter.

Was will denn ich Ephemeridending,
Da mancher Staat zu Grunde ging?
Daß man mir zuweilen Lieb' und Freundschaft log.
Nimmt mich's Wunder, da wo man so viel betrog?
Wo uns nur Harpyen
Um den Schädel ziehen,
Von dem Indus bis zum Oronoco?

Wer wagt es hier und will vernünftig sein?
Der wag' es auch und steh' allein!
Wem der Göttin milder Himmelsblick gefällt,
Suchet sie umsonst bei uns auf dieser Welt;
Denn vor jedem Fenster
Lauern Spottgespenster,
Die am Mittag wie im Finstern schleichen.

Wer hoffnungsvoll noch in das Leben tritt.
Der firlefanze blindlings mit!
Maß er sich auf seiner ebnen Bahn ein Ziel,
Denk' er lieber stets zu wenig als zu viel,
Helfe zu dem Reigen
Dideldumdum geigen;
Und es dreht sich Alles in der Schnurre.

Mein Lauf ist bald barock genug vollbracht.
Bald schlägt's vielleicht mir Gute Nacht;
Um die Schläfe wird auch schon das Haar mir weiß,
Gar nicht lange dauert's mehr, so bin ich Greis;
Dann kommt mit der Sichel
Hain und mäht den Michel
Und bugsirt ihn hinter die Gardine.

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