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Iwan Gontscharow: Oblomow - Kapitel 44
Quellenangabe
pfad/gontscha/oblomow/oblomow.xml
typefiction
authorIwan Gontscharow
titleOblomow
publisherAnaconda
year2010
isbn978-3-86647-478-9
firstpub1859
translatorHermann Röhl
correctorWolfgang Klum
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20120612
modified20170607
projectida9997c9c
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VIII.

Stolz kam mehrere Jahre lang nicht nach Petersburg. Er inspizierte nur einmal für kurze Zeit Olgas Gut und Oblomowka. Ilja Iljitsch erhielt von ihm einen Brief, in welchem Andrei ihm zuredete, selbst nach dem Gute zu fahren und das nun in Ordnung gebrachte Gut in seine eigene Verwaltung zu übernehmen; er selbst aber fuhr mit Olga Sergejewna nach der Südküste der Krim, aus zwei Gründen: wegen seiner Geschäfte in Odessa und mit Rücksicht auf die Gesundheit seiner Frau, die nach den Entbindungen leidend war.

Sie ließen sich in einem stillen Winkelchen an der Meeresküste nieder. Ihr Haus war bescheiden und klein. Wie die äußere Architektur und die ganze Ausschmückung den Stempel der Anschauungsweise und des persönlichen Geschmackes der Bewohner trug, ebenso hatte auch die innere Einrichtung den gleichen eigenartigen Stil. Eine große Menge von allerlei Sachen hatten sie selbst mitgebracht; eine Menge von Ballen, Koffern und Fuhren wurden ihnen aus Rußland und aus dem Auslande nachgeschickt.

Ein Liebhaber des Komforts würde beim Anblicke dieser äußerlich betrachtet buntscheckigen Menge von Möbeln, von alten Gemälden, von Statuen mit abgebrochenen Armen und Beinen, von zum Teil schlechten, aber durch eine Erinnerung teuren Stichen und von Nippsachen vielleicht die Achseln gezuckt haben. Allenfalls hätten die Augen eines Kenners manchmal begehrlich aufgeleuchtet bei einem Blicke auf ein oder das andre Gemälde, auf ein vor Alter gelb gewordenes Buch, auf altes Porzellan oder Steine und Münzen.

Aber inmitten dieser aus verschiedenen Zeitaltern stammenden Möbel, dieser Gemälde, inmitten der Kleinigkeiten, die für keinen andern Menschen einen Wert hatten, aber für sie beide durch eine glückliche Stunde, durch einen denkwürdigen Augenblick bedeutsam waren, in dieser Flut von Büchern und Noten spürte man den Hauch eines warmen Lebens, etwas, was den Verstand und das ästhetische Gefühl anregte; überall gab sich unermüdliche Denktätigkeit zu erkennen oder leuchtete die Schönheit menschlicher Werke, wie ringsumher die ewige Schönheit der Natur leuchtete.

Hier hatte auch das hohe Schreibpult seinen Platz gefunden, das einst Andreis Vater gehört hatte, sowie die waschledernen Handschuhe; in einer Ecke hing auch der Mantel von Wachstuch neben einem Schranke mit Mineralien, Muscheln, ausgestopften Vögeln, Proben verschiedener Tonarten, Waren und so weiter. In der Mitte von alledem prangte auf dem Ehrenplatze, mit goldenen Verzierungen und eingelegter Arbeit geschmückt, ein Erardscher Flügel.

Ein Netz von Weinreben, Efeu und Myrten bedeckte das Cottage von unten bis oben. Von der Galerie sah man das Meer, von der anderen Seite die nach der Stadt führende Landstraße.

Dort hielt Olga Ausschau nach Andrei, wenn er in Geschäften von zu Hause weggefahren war; sobald sie ihn dann erblickte, stieg sie nach unten hinab, lief durch den prachtvollen Blumengarten und die lange Pappelallee und warf sich ihrem Manne an die Brust, immer mit Wangen, die vor Freude glühten, mit strahlendem Blicke, immer mit der gleichen heißen, glückseligen Ungeduld, obwohl sie schon länger als zwei Jahre verheiratet waren.

Stolz besaß über Liebe und Ehe eine Anschauung, die vielleicht seltsam und übertrieben war, die er sich aber jedenfalls selbständig gebildet hatte. Auch hier ging er auf einem freien und, wie es ihm schien, natürlichen Wege dahin; aber welch eine mühevolle Schule der Beobachtung, der Geduld und der Anstrengung hatte er durchgemacht, bis er diese »natürlichen Schritte« zu machen gelernt hatte!

Von seinem Vater hatte er eine ernste Auffassung aller Dinge im Leben, sogar der Kleinigkeiten, übernommen; vielleicht hätte er von ihm auch die pedantische Strenge übernommen, mit der die Deutschen bei ihren Ansichten und bei jedem Schritte im Leben, darunter auch bei der Ehe, zu Werke gehen.

Das Leben des alten Stolz hatte für alle und jeden offen dagelegen wie eine Zahlentabelle auf einer Schiefertafel, und es war kein verborgener Sinn darin zu finden gewesen. Aber die Mutter mit ihren Liedern und ihrem sanften Geflüster, dann die fürstliche Familie mit ihren verschiedenartigen Charakteren, des weiteren die Universität, die Bücher und die Gesellschaft, alles dies hatte den Sohn von dem geraden Gleise abgelenkt, in dem sich der Vater bewegt hatte; und aus der farblosen Tabelle war, indem das russische Leben seine unsichtbaren Muster hineinzeichnete, ein hellfarbiges, großzügiges Bild geworden.

Andrei legte seinen Gefühlen nicht pedantische Fesseln an und ließ sogar, indem er sich nur bemühte, nicht »den Boden unter den Füßen zu verlieren«, seinen nachdenklichen Träumereien eine berechtigte Freiheit; allerdings konnte er, wenn er sich von ihnen wieder ernüchtert hatte, infolge seiner deutlichen Natur oder aus irgendwelchem andern Grunde sich nicht enthalten, daraus seine Folgerungen zu ziehen, und gewann so immer daraus eine Lehre für das Leben.

Er war frisch an Körper, weil er frisch an Geist war. Als Knabe war er wild und mutwillig gewesen; aber wenn er nicht umhertollte, so hatte er sich unter der Aufsicht des Vaters mit ernster Arbeit beschäftigt. Er hatte keine Zeit gehabt, sich Träumereien zu überlassen. Seine Phantasie hatte sich nicht fehlerhaft entwickelt, sein Herz war nicht verdorben worden; über die Reinheit und Jungfräulichkeit beider hatte die Mutter sorgsam gewacht.

Als Jüngling schonte er instinktiv die Frische seiner Kräfte und machte dann schon frühzeitig die Entdeckung, daß diese Frische Mut und Frohsinn erzeugt und jene Mannhaftigkeit heranbildet, durch welche die Seele gehärtet sein muß, um nicht vor dem Leben, wie auch immer dieses beschaffen sein mag, zu verzagen und es nicht als ein schweres Joch und Kreuz, sondern nur als eine Pflicht zu betrachten, und den Kampf mit ihm würdig zu bestehen.

Viele sorgliche Überlegungen widmete er auch dem Herzen und dessen verwickelten Gesetzen. Indem er bewußt und unbewußt die Wirkung der Schönheit auf die Einbildungskraft, dann den Übergang dieses Eindrucks in ein Gefühl, dann die Symptome, den Verlauf und den Ausgang dieses Gefühls beobachtete und, stetig um sich schauend, im Leben weiterkam, gelangte er zu der Überzeugung, daß die Liebe mit der Kraft eines archimedischen Hebels die Welt bewege und daß in ihr ebensoviel allgemeingültige, unbestreitbare Wahrheit und ebensoviel Gutes liege wie in dem Mangel an Verständnis für sie und in ihrem Mißbrauche Unwahres und Häßliches. Wo aber war das Gute, wo das Böse? Wo war die Grenze zwischen ihnen?

Bei der Frage: wo ist das Unwahre? zogen vor seiner Phantasie die bunten Masken der Gegenwart und der Vergangenheit vorüber. Lächelnd und bald errötend, bald die Brauen zusammenziehend blickte er auf die endlose Reihe der Helden und Heldinnen der Liebe: auf die Don Quichottes mit den stählernen Handschuhen, auf die Damen, an die sie dachten, mit der fünfzigjährigen beiderseitigen Treue bei der Trennung, auf die Schäfer mit den rot und weißen Gesichtern und den einfältigen, vorstehenden Augen und auf ihre Chloes mit den Lämmern.

Es erschienen vor seinem geistigen Auge die gepuderten Marquisen, in Spitzen, mit klug glitzernden Augen und einem sittenlosen Lächeln: dann die Werther, die sich erschossen oder aufhängten; ferner die verblühten alten Jungfern mit ihren ewigen Liebestränen und dem Kloster, und die schnurrbärtigen Gesichter neuerer Helden mit einem wilden Feuer in den Augen, naive und selbstbewußte Don Juans, und die Verständigen, die vor dem Verdachte zu lieben zittern und im geheimen ihre Haushälterinnen anbeten . . . alle, alle!

Bei der Frage: wo liegt denn die Wahrheit? suchte er in der Nähe und in der Ferne, in der Phantasie und mit den Augen nach Beispielen eines natürlichen, ehrenhaften, aber tiefen und unzerreißlichen Liebesverhältnisses mit einer Frau, fand aber solche Beispiele nicht; wenn er eines gefunden zu haben glaubte, so war es nur Schein, und dann folgte die Enttäuschung, und er versank in trübe Grübeleien und verzweifelte sogar.

»Offenbar ist uns Menschen dieses Gut nicht in seiner ganzen Fülle vergönnt«, dachte er; »oder diejenigen Herzen, die von dem Lichte einer solchen Liebe erhellt sind, üben eine scheue Zurückhaltung; sie sind schüchtern, verstecken sich, mögen nicht mit den nüchternen Klugen streiten; vielleicht haben sie Mitleid mit ihnen und verzeihen es ihnen um ihres eigenen Glückes willen, daß jene die Blume in den Schmutz treten aus Mangel an Boden, wo sie tiefe Wurzeln schlagen und zu einem Baume heranwachsen könnte, der ihrem ganzen Leben Schatten spenden würde.«

Er blickte auf die Ehen und die Männer und sah in ihren Beziehungen zu den Frauen immer eine Sphinx mit ihrem Rätsel; die Lösung dieses Rätsels schien nicht gefunden und nicht ausgesprochen zu sein. Und dabei dachten diese Männer nicht über solche verwickelten Fragen nach, sondern wanderten auf dem Wege der Ehe mit so gleichmäßigem, selbstbewußtem Gange dahin, als ob sie keine Fragen zu beantworten, keine Rätsellösungen zu suchen hätten.

»Haben sie nicht am Ende recht? Vielleicht ist tatsächlich weiter nichts erforderlich«, dachte er, sich selbst mißtrauend, wenn er sah, wie manche das Stadium der Liebe schnell durchmaßen, als sei sie nur das Abc, eine Vorstufe der Ehe oder gleichsam eine Form der Höflichkeit, eine Verbeugung, die man beim Eintritt in eine Gesellschaft macht, – und wie sie dann schnell zur Sache zu kommen suchten!

Sie warfen ungeduldig den Frühling des Lebens von sich, und manche sahen dann sogar das ganze Leben hindurch ihre Frauen scheel an, wie wenn sie sich darüber ärgerten, daß sie einmal dumm genug gewesen waren, sie zu lieben.

Manchen Männern verblieb die Liebe lange Zeit, einigen bis zum Greisenalter; aber es verblieb ihnen auch immer ein satyrhaftes Lächeln . . .

Die meisten endlich schritten zur Ehe in der Art, wie man ein Gut kauft; sie genossen die materiellen Vorteile der Ehe: die Frau brachte eine bessere Ordnung in den Haushalt, sie war die Wirtschafterin, die Mutter, die Erzieherin der Kinder; zu der Liebe aber stellten sie sich ebenso wie ein praktischer Gutsbesitzer zu der Lage des erworbenen Gutes, das heißt, er gewöhnt sich alsbald daran und beachtet sie dann nie wieder.

»Wie geht das zu?« fragte sich Stolz. »Ist das ein angeborenes Unvermögen infolge eines Naturgesetzes oder ein Mangel der Vorbildung und Erziehung? Wo findet sich denn diese Seelenharmonie, die niemals ihren natürlichen Reiz verliert, die keine Narrentracht anlegt, und die zwar ihre äußere Erscheinung verändert, aber nicht erlischt? Welches ist die natürliche Farbe dieses überall ausgegossenen, alles erfüllenden Gutes, dieses Saftes des Lebens?«

Er blickte prophetisch in die Ferne, und dort erschien ihm wie in einem Nebel die Idealgestalt des Gefühls und damit zugleich auch die des Weibes, das die leuchtende Farbe dieses Gefühls trug, eine so natürliche, lichte, reine Idealgestalt. »Eine phantastische Träumerei!« sagte er lächelnd, als er sich von dieser müßigen Aufregung ernüchterte. Aber die Umrisse dieser Träumerei blieben wider seinen Willen in seinem Gedächtnisse haften.

Anfangs sah er bei seinen Träumereien in dieser Idealgestalt seine zukünftige Frau im allgemeinen; als er aber dann in der herangewachsenen und herangereiften Olga nicht nur die Pracht aufblühender Schönheit, sondern auch eine zum Leben bereite und nach dem Verständnisse des Lebens und dem Kampfe mit dem Leben dürstende Kraft sah (lauter Momente seiner Träumerei): da erstand in seiner Seele die ehemalige, fast schon vergessene Idealgestalt der Liebe von neuem; er begann unter dieser Idealgestalt von Olga zu träumen und glaubte in der Ferne vorauszusehen, daß in der Harmonie ihrer Seelen sich das Wahre und Echte ohne Narrentracht und ohne Mißbrauch verwirklichen könne.

Ohne die Frage der Liebe und Ehe als ein Spiel zu behandeln und ohne irgendwelche anderen Spekulationen auf Geld, Konnexionen und Ämter damit zu verknüpfen, dachte Stolz darüber nach, wie seine äußere, bisher unermüdliche Tätigkeit sich mit dem innerlichen Leben, dem Familienleben, vertragen, und wie er aus einem Nomaden und Agenten sich in einen seßhaften Ehemann verwandeln werde. Wenn er von dieser äußeren Hast und Beweglichkeit zur Ruhe komme, wodurch werde dann sein Leben in seinem häuslichen Dasein ausgefüllt sein? Die Kinder zu erziehen und zu bilden und ihrem Leben die Richtung zu geben, das war ja gewiß keine leichte, unbedeutende Aufgabe; aber das lag noch in der Ferne; was würde er bis dahin tun?

Diese Fragen beunruhigten ihn lange und oft, und das Junggesellenleben hatte für ihn nichts Bedrückendes; es fiel ihm nicht ein, sowie sein Herz, die Nähe der Schönheit spürend, stärker zu schlagen begann, sich die Fesseln der Ehe anzulegen. Daher hatte er sogar Olga in ihren jüngeren Jahren einigermaßen vernachlässigt; er hatte sich über sie nur wie über ein liebes, zu großen Hoffnungen berechtigendes Kind gefreut; im Scherz und beiläufig hatte er in ihren begierigen, empfänglichen Geist einen neuen, kühnen Gedanken, eine treffende Bemerkung über das Leben hineingeworfen und so, ohne es zu denken und zu ahnen, in ihrer Seele ein lebendiges Verständnis für die Erscheinungen des Lebens und eine richtige Auffassung befördert, dann aber sowohl Olga als auch seinen lässigen Unterricht wieder vergessen.

Wenn er aber mitunter sah, daß bei ihr nicht ganz gewöhnliche Äußerungen des Verstandes und der Anschauung zu Tage traten, daß an ihr nichts Unwahres war, daß sie nicht nach allgemeiner Verehrung trachtete, daß ihre Gefühle in natürlicher, freier Weise kamen und gingen, daß an ihr nichts Fremdes, sondern lauter Eigenes war, und daß dieses Eigene sich durch eine solche Kühnheit, Frische und Festigkeit auszeichnete, dann war er erstaunt, wo sie das herhatte, und erkannte seine flüchtigen Belehrungen und Bemerkungen nicht wieder.

Wenn er damals seine Aufmerksamkeit auf sie gerichtet hätte, so würde er erkannt haben, daß sie ihren Weg fast allein ging, durch die oberflächliche Aufsicht der Tante von Extremen behütet, daß aber auf ihr nicht, in Form einer zahlreichen Vormundschaft, die Autorität von sieben Kinderfrauen, Großmüttern und Tanten lastete, mit den Traditionen des Geschlechtes, der Familie, des Standes, der veralteten Sitten, Gebräuche und Grundsätze; daß sie nicht zwangsweise auf einer ausgefahrenen Landstraße geführt wurde, sondern selbst einen neuen Weg verfolgte, auf dem sie sich durch ihren eigenen Verstand, durch ihre eigene Anschauung und durch ihr eigenes Gefühl ihr Geleise anlegen mußte.

Die Natur hatte sie in keiner dieser Hinsichten stiefmütterlich behandelt; die Tante herrschte nicht despotisch über ihren Willen und Verstand, und Olga erriet und begriff vieles von selbst, betrachtete vorsichtig das Leben, hörte auf dieses und jenes . . . unter anderm auch auf die Reden und Ratschläge ihres Freundes . . .

Er beachtete das alles nicht und erwartete nur von ihr vieles für die Zukunft, aber erst in weiter Ferne, ohne daß er sie sich jemals zur Lebensgefährtin ausersehen hätte.

Sie aber ließ sich aus Selbstgefühl und Schüchternheit lange Zeit nicht erraten, und erst nach dem qualvollen Kampfe im Auslande erkannte er mit Erstaunen, zu welch einem Ideal von Schlichtheit, Kraft und Natürlichkeit dieses vielversprechende und von ihm vergessene Kind sich entwickelt hatte. Dort erschloß sich allmählich vor seinem Blicke die ganze Tiefe ihrer Seele, die er ausfüllen sollte und niemals ganz ausfüllen konnte.

Anfangs hatte er lange Zeit mit der Lebhaftigkeit ihrer Natur zu kämpfen; er mußte ihren fieberhaften jugendlichen Drang hemmen, ihr gewaltiges Streben auf einen bestimmten Umfang beschränken, ihr Leben zu einem ruhigen Dahinströmen bringen. Aber das konnte er immer nur für kurze Zeit erreichen: kaum machte er vertrauensvoll die Augen zu, so war auch die Aufregung wieder da, das Leben sprudelte wieder wie eine Quelle, der unruhige Verstand und das erregte Herz stellten neue Fragen; dann mußte er die gereizte Einbildungskraft beruhigen, den Ehrgeiz bald beschwichtigen, bald anregen. Wenn sie über eine Erscheinung zu grübeln begann, so beeilte er sich, ihr den Schlüssel einzuhändigen.

Der Glaube an Zufälle und der Nebel der Halluzination verschwanden aus ihrem Leben. Hell und frei erschloß sich vor ihrem Blicke die Ferne, und sie sah in ihr wie in einem durchsichtigen Gewässer jedes Steinchen, jede Grube und dann den reinen Grund.

»Ich bin glücklich!« flüsterte sie, indem sie mit einem Blicke der Dankbarkeit ihr vergangenes Leben umfaßte, und die Zukunft befragend, erinnerte sie sich an ihren Mädchentraum vom Glück, den sie einmal in der Schweiz geträumt hatte, an jene gedankenvolle, blaue Nacht, und sie sah, daß dieser Traum wie ein Schatten durch ihr Leben schwebte.

»Womit habe ich es verdient, daß mir das zuteil geworden ist?« dachte sie demütig. Sie versank in solche Gedanken und fürchtete mitunter sogar, dieses Glück könne aufhören.

Die Jahre gingen dahin; aber die beiden wurden des Lebens nicht müde. Es war eine Stille eingetreten, der heftige Drang hatte sich gelegt; die Krümmungen des Lebens waren verständlich geworden; sie wurden mit Geduld und Mut ertragen; das Leben aber war bei ihnen beiden in Bewegung geblieben.

Olga hatte sich schon zu einem ernsten Verständnis des Lebens herangebildet; zwei Existenzen, die ihrige und die Andreis, waren zu einem einzigen Strome zusammengeflossen; wilde Leidenschaften fanden bei ihnen beiden keinen Spielraum; alles war bei ihnen Harmonie und Stille.

Es hätte scheinen können, daß sie in dieser wohlverdienten Ruhe und Seligkeit hätten einschlafen müssen, wie denn oft Menschen in stiller Zurückgezogenheit sich ihrer Seligkeit überlassen, dreimal täglich zusammenkommen, bei dem gewohnten Gespräche gähnen, in einen stumpfen Halbschlaf versinken und sich vom Morgen bis zum Abend mit dem Bewußtsein quälen, daß schon alles durchdacht, durchgesprochen und erledigt ist, daß nichts mehr zu sagen und zu tun übrigbleibt, und daß »das Leben auf der Welt nun einmal so ist«.

Äußerlich betrachtet ging es bei ihnen ganz so zu wie bei anderen Leuten. Sie standen zwar nicht mit der Morgenröte, aber doch früh auf; sie aßen gern lange beim Tee; manchmal schwiegen sie sogar wie in einer Art von Trägheit. Dann trennten sie sich und gingen ein jeder in sein Zimmer, oder sie arbeiteten auch zusammen. Nach dem Mittagessen fuhren sie auf die Felder, trieben Musik . . . wie alle Leute, und wie sich Oblomow das träumerisch ausgemalt hatte . . .

Aber von dessen Hindämmern und Niedergeschlagenheit war bei ihnen keine Spur vorhanden; sie verbrachten die Tage ohne Langeweile und ohne Apathie; ihre Blicke und Worte hatten nichts Müdes; ihre Gespräche nahmen kein Ende und waren oft recht leidenschaftlich.

Ihre hellen Stimmen erklangen in den Zimmern und tönten oft bis in den Garten; oder sie entwarfen voreinander gleichsam eine Skizze ihrer Träumerei und teilten einander leise die für die Sprache unfaßbare erste Regung eines Gedankens, sein Keimen und Heranwachsen, das kaum hörbare Flüstern der Seele mit . . .

Ihr Schweigen war manchmal ein nachdenkliches Glück, jene einzige Art des Glücks, von der Oblomow zu träumen gepflegt hatte, oder eine geistige Arbeit jedes einzelnen von ihnen an der unerschöpflichen Fülle von Fragen, die einer dem andern aufgab . . .

Oft versanken sie in schweigende Bewunderung der ewig neuen, strahlenden Schönheit der Natur. Ihren feinfühligen Seelen wurde diese Schönheit nie etwas Alltägliches: die Erde, der Himmel, das Meer, alles erweckte ihr Gefühl, und sie saßen schweigend nebeneinander, blickten mit denselben Augen und mit derselben Seele auf diese herrlichen Werke der Schöpfung hin und verstanden einander ohne Worte.

Sie blieben nicht gleichgültig, wenn der Morgen kam; sie brachten es nicht fertig, stumpfsinnig in das Dunkel der warmen, sternenhellen Nacht des Südens zu versinken. Die stete Bewegung der Denktätigkeit, die stete Angeregtheit der Seele und das Bedürfnis zu zweien zu denken, zu fühlen und zu reden, das alles hielt sie lange wach! . . .

Aber was war der Gegenstand dieser leidenschaftlichen Streitigkeiten, der leisen Gespräche, der Lektüre und der Unterhaltung auf weiten Spaziergängen?

Geradezu alles. Stolz hatte schon im Auslande sich dessen entwöhnt, allein zu lesen und allein zu arbeiten; hier, wo er nur mit Olga zusammen war, dachte er auch zu zweien. Es war ihm nur mühsam möglich, mit der ermüdenden Eile ihres Denkens und Wollens Schritt zu halten.

Die Frage, was er im Eheleben tun werde, war schon erledigt; sie hatte sich von selbst gelöst. Er mußte Olga sogar in seine geschäftlichen Arbeiten einweihen; denn in einem Leben ohne Bewegung erstickte sie, wie wenn sie keine Luft hätte.

Kein Bau, kein Geschäft, das ihr Gut oder das Gut Oblomows betraf, keine Operation der Handelsgesellschaft, nichts wurde vorgenommen ohne ihr Wissen und ohne ihre Anteilnahme. Kein Brief wurde abgeschickt, ohne daß sie ihn gelesen hätte; kein Gedanke und noch weniger seine Ausführung ging unbeachtet an ihr vorbei; sie wußte alles, und alles interessierte sie, weil es ihren Mann interessierte.

Anfangs tat er dies, weil es unmöglich war, ihr etwas zu verheimlichen; wenn er einen Brief schrieb oder mit einem Bevollmächtigten, einem Unternehmer eine Unterredung hatte, so geschah das in ihrer Gegenwart, vor ihren Augen; dann setzte er es gewohnheitsmäßig fort, und schließlich wurde es auch für ihn zur Notwendigkeit.

Ihre Bemerkungen, ihre Ratschläge, ihre Billigung oder Mißbilligung wurden für ihn zu einem unumgänglichen Prüfsteine; er sah, daß sie ebenso gut begriff wie er und nicht schlechter als er kombinierte und urteilte. Sachar ärgerte sich über diese Fähigkeit seiner Frau, und das tun viele; aber Stolz war darüber glücklich!

Und die Lektüre, das Lernen, das war eine stete Ernährung der Denkkraft, die sich dadurch immer mehr und mehr entwickelte! Olga vertrug es nicht, daß ihr irgendein Buch oder ein Artikel in einem Journale nicht gezeigt wurde, und wurde ernstlich böse oder fühlte sich gekränkt, wenn ihr Mann nicht für nötig hielt, ihr etwas zu zeigen, was nach seiner Meinung zu ernsthaft oder langweilig oder für sie unverständlich war; sie nannte das Pedanterie, Abgeschmacktheit, Rückständigkeit und schalt ihn »eine alte deutsche Perücke«. Aus diesem Anlaß kam es manchmal zwischen ihnen zu lebhaften, gereizten Szenen.

Sie wurde zornig, und er lachte; sie wurde noch zorniger und gab sich erst dann zufrieden, wenn er zu scherzen aufhörte und mit ihr seine Gedanken, seine Kenntnisse oder seine Lektüre teilte. Schließlich kam es dahin, daß alles, was er wissen oder lesen mußte und wollte, auch für sie ein Bedürfnis war.

Er drängte ihr keine gelehrte Technik auf, um dann mit der dümmsten Prahlerei, die es gibt, auf seine »gelehrte Frau« stolz zu sein. Wenn ihr im Gespräche ein einziges Wort oder auch nur eine Andeutung auf einen solchen Anspruch entschlüpft wäre, so würde er noch mehr errötet sein, als wenn sie auf eine im Gebiete der Wissenschaft gewöhnliche, einer Frau aber auf Grund der modernen Frauenbildung noch unzugängliche Frage mit einem stumpfen Blicke der Unwissenheit geantwortet hätte. Was er, und in noch höherem Grade sie, wollte, war nur dies, daß alles nicht sowohl ihrem Wissen als ihrem Verständnis zugänglich sein sollte.

Er schrieb ihr keine Zahlen und Tabellen hin; aber er sprach über alles Mögliche und las ihr vieles vor, ohne in pedantischer Weise irgendeiner nationalökonomischen Theorie oder irgendwelchen sozialen und philosophischen Fragen aus dem Wege zu gehen; er sprach mit Begeisterung und Leidenschaft; er entwarf gleichsam vor ihren Augen ein endloses, lebendiges Bild des Wissens: später entfielen zwar die Einzelheiten ihrem Gedächtnisse; aber niemals verwischte sich in ihrem empfänglichen Geiste die Zeichnung selbst, niemals verschwanden die Farben, und niemals erlosch das Feuer, mit dem er den für sie geschaffenen Kosmos erhellt hatte.

Er zitterte vor Stolz und Glück, wenn er bemerkte, wie dann ein Funke dieses Feuers in ihren Augen leuchtete, wie ein Widerhall des ihr mitgeteilten Gedankens in ihrer Rede vernehmbar wurde, wie dieser Gedanke in ihr Bewußtsein und Verständnis Eingang gefunden hatte, in ihrem Geiste umgestaltet war und nun aus ihren Worten herausschaute, nicht in trockener, strenger Form, sondern mit dem Schimmer weiblicher Anmut, und besonders wenn irgendein befruchtender Tropfen aus allem, was er gesagt, vorgelesen und veranschaulicht hatte, wie eine Perle auf den hellen Grund ihres Lebens hinabgesunken war.

Als Denker und als Künstler webte er ihr ein vernünftiges Dasein, und noch nie in seinem Leben, weder in der Studienzeit, noch in jenen schweren Tagen, als er mit dem Leben rang, sich aus dessen Umschlingungen zu befreien suchte, sich in den Prüfungen der Mannhaftigkeit abhärtete und so erstarkte, noch nie war er so vollständig in Anspruch genommen gewesen wie jetzt, wo er diese nimmer ruhende vulkanische Geistesarbeit seiner Lebensgefährtin beaufsichtigte und förderte.

»Wie glücklich ich bin!« sagte Stolz im stillen; er träumte in seiner Weise und versetze sich in die Zukunft, wo diese ersten Jahre der Ehe, gleichsam verlängerte Flitterwochen, vorbei sein würden.

In der Ferne lächelte ihn wieder eine neue Idealgestalt an: er sah Olga nicht als Egoistin, nicht als leidenschaftlich liebende Gattin, nicht als Mutter und Kinderwärterin, die dann in einem farblosen Leben dahinwelkt, von dem niemand Nutzen hat, sondern als etwas anderes, Hohes, beinah noch nie Dagewesenes . . .

Er träumte von einer Mutter, die das geistige und gesellschaftliche Leben einer ganzen glücklichen Generation schüfe und daran Teil nähme.

Ängstlich überlegte er, ob ihr Wille und ihre Kräfte auch ausreichen würden und half ihr eilig, möglichst schnell das Leben zu bezwingen und einen Vorrat von Mut für den Kampf mit dem Leben zu erwerben, – gerade jetzt, solange sie beide noch jung und stark waren, solange das Leben sie schonte oder die Schläge, die es ihnen versetzte, nicht allzu schwer erschienen, und solange das Leid in der Liebe unterging.

Es kamen für sie beide auch düstere Tage; aber diese dauerten nicht lange. Fehlschläge in der geschäftlichen Tätigkeit, der Verlust einer beträchtlichen Geldsumme, all das berührte sie kaum. Das kostete sie vermehrte Arbeit und viel Umherreisen, wurde aber dann bald vergessen.

Der Tod der Tante rief bei Olga Tränen aufrichtigen Schmerzes hervor und lag wie ein Schatten ein halbes Jahr lang auf ihrem Leben.

Der stärkste Kummer und eine stete Sorge wurde durch die Krankheiten der Kinder hervorgerufen; aber kaum war die Gefahr vorüber, so kehrte auch das Gefühl des Glücks zurück. Was ihn am meisten beunruhigte, war Olgas Gesundheitszustand. Ihre Wiederherstellung nach den Entbindungen dauerte lange, und obwohl sie wieder genas, hörte er dennoch nicht auf, sich darüber zu ängstigen: er kannte kein größeres Leid.

»Wie glücklich bin ich!« sagte auch Olga im stillen, voll Freude auf ihr Leben hinblickend, und versank in Augenblicken eines solchen Bewußtseins manchmal in tiefes Sinnen . . . besonders nach einiger Zeit, als ihre Ehe schon drei oder vier Jahre gedauert hatte.

Der Mensch ist ein sonderbares Geschöpf! Je vollständiger ihr Glück war, um so nachdenklicher und sogar ängstlicher wurde sie. Sie begann streng auf sich zu achten und bemerkte, daß diese Stille des Lebens, ihr geistiges Verweilen bei den Augenblicken des Glückes sie in Verwirrung versetzte. Sie schüttelte diese Nachdenklichkeit gewaltsam von sich ab, beschleunigte ihren Schritt auf der Lebensbahn, trachtete fieberhaft nach Lärm, Bewegung und Sorge, bat ihren Mann, sie mit in die Stadt zu nehmen, und versuchte, sich in dem gesellschaftlichen Treiben, unter den Menschen umzusehen; aber das dauerte nicht lange.

Das gesellschaftliche Treiben berührte sie nur oberflächlich, und sie eilte wieder in ihr stilles Heim zurück, um irgendeine peinliche, ungewohnte Empfindung von der Seele loszuwerden. Sie widmete sich von neuem den kleinen Sorgen des häuslichen Lebens, kam ganze Tage lang nicht aus dem Kinderzimmer heraus und erfüllte ihre Mutterpflicht in der Wartung ihrer Kinder; oder sie versenkte sich auch mit Andrei in Lektüre und Gespräche »über ernste, langweilige Gegenstände«, oder sie lasen zusammen Dichter und redeten von einer Reise nach Italien.

Sie fürchtete in einen Zustand zu versinken, der mit der Apathie Oblomows Ähnlichkeit habe. Aber wie sehr sie sich auch bemühte, von ihrer Seele diese Augenblicke einer periodischen Erstarrung, eines seelischen Schlafes abzuschütteln, so beschlich sie doch immer wieder zuerst ein Traum von Glück, eine blaue Nacht umgab sie und schlug sie in die Bande eines Dämmerzustandes; dann aber kam wieder ein nachdenkliches Verweilen, gleichsam eine Erholung vom Leben, und darauf . . . Verwirrung, Angst, Selbstquälerei und eine Art von dumpfer Traurigkeit, und undeutliche, nebelhafte Fragen wurden in ihrem Kopfe laut.

Olga lauschte achtsam; sie prüfte sich selbst, konnte aber nichts ergründen; sie vermochte nicht herauszubekommen, was ihre Seele mitunter begehrte und suchte, und doch begehrte und suchte sie etwas; sie schien sogar (furchtbar zu sagen!) sich zu grämen, als ob ihr das glückselige Leben nicht genügte, als ob sie seiner müde würde und Neues, noch nicht Dagewesenes begehrte und ihren Blick auf eine ferne Zukunft richtete . . .

»Was ist das?« dachte sie voll Entsetzen. »Kann und darf ich denn noch etwas wünschen? Wohin soll ich denn noch vorwärtsstreben? Es ist kein Raum da; es führt kein Weg weiter . . . Wirklich nicht? Habe ich den Kreis des Lebens wirklich schon vollendet? War das alles . . . alles? . . .« sagte ihre Seele und ließ manches noch unausgesprochen und Olga blickte unruhig um sich, ob auch nicht jemand gelauscht und dieses Flüstern ihrer Seele gehört habe . . . Sie fragte mit den Augen den Himmel, das Meer, den Wald . . . aber sie bekam nirgends eine Antwort: da war nur Ferne, Tiefe, Dunkelheit.

Die Natur sagte ihr immer ein und dasselbe; sie sah in ihr den ununterbrochenen, aber einförmigen Strom des Lebens, ohne Anfang und ohne Ende.

Sie wußte, wen sie über diese Unruhe befragen konnte, und bei wem sie eine Antwort finden würde; aber wie würde diese Antwort lauten? Wie, wenn dies das Murren eines unfruchtbaren Geistes oder, was noch schlimmer wäre, der Durst eines nicht für die Liebe geschaffenen, unweiblichen Herzens war? O Gott! Sie, sein Abgott, war vielleicht ein Wesen ohne Herz, mit einem trockenen, durch nichts zufriedenzustellenden Verstande! Wie würde sie bei ihm verlieren, wenn ihm diese neuen, bei ihr noch nicht dagewesenen, aber ihm gewiß verständlichen Leiden offenbar würden!

Sie verbarg sich vor ihm oder schützte Krankheit vor, wenn ihre Augen gegen ihren Willen ihre samtene Weichheit verloren und ihr Blick etwas Trockenes und Heißes bekam, wenn auf ihrem Gesichte eine schwere Wolke lagerte und sie trotz aller Anstrengungen nicht imstande war, sich zum Lächeln und Reden zu zwingen, sondern die wichtigsten Neuigkeiten der Tagesgeschichte, die interessantesten Erklärungen eines neuen Fortschrittes in der Wissenschaft, die Mitteilung einer neuen Schöpfung auf dem Gebiete der Kunst gleichgültig anhörte.

Sie wollte jedoch nicht weinen; es war dies kein plötzliches Erzittern wie zu jener Zeit, als ihre Nerven sich rührten und ihre jungfräulichen Kräfte erwachten und sich bekundeten. Nein, dies war etwas anderes!

»Was ist es denn?« fragte sie sich voll Verzweiflung, wenn sie an einem schönen, stillen Abend oder an der Wiege des jüngsten Kindes oder sogar während der Liebkosungen und Reden ihres Mannes auf einmal melancholisch und gegen alles gleichgültig wurde . . .

Sie wurde plötzlich wie von Stein und verstummte; dann machte sie sich mit erheuchelter Lebhaftigkeit etwas zu schaffen, um ihr sonderbares Leiden zu verbergen, oder sie schützte Migräne vor und legte sich schlafen.

Aber es war ihr nicht leicht, dem scharfen Blicke ihres Mannes etwas zu verbergen; sie wußte das und bereitete sich innerlich mit ebensolcher Unruhe auf eine Aussprache vor, wenn eine solche kommen werde, wie sie sich einstmals auf die Berichte über die Vergangenheit vorbereitet hatte. Die Aussprache kam.

Sie gingen eines Abends in der Pappelallee spazieren. Sie hing beinah an seiner Schulter und schwieg vollständig. Sie quälte sich mit einem ihrer unbegreiflichen Anfälle und gab, ihr Mann mochte zu reden anfangen, wovon er wollte, immer nur kurze Antworten.

»Die Kinderfrau sagt, daß Olinka in der Nacht gehustet hat. Wollen wir nicht morgen den Arzt kommen lassen?« fragte er.

»Ich habe ihr etwas Warmes zu trinken gegeben und werde sie morgen nicht spazierengehen lassen; und dann wollen wir sehen!« antwortete sie eintönig.

Sie gingen schweigend bis zum Ende der Allee.

»Warum hast du denn nicht auf den Brief deiner Freundin Sonitschka geantwortet?« fragte er. »Ich habe immer darauf gewartet, daß du mir deinen Brief geben würdest, und wäre deswegen beinahe zu spät auf die Post gekommen. Das ist schon ihr dritter Brief, den du unbeantwortet läßt.«

»Ja, ich möchte sie so bald wie möglich vergessen . . .« sagte sie und verstummte wieder.

»Ich habe Bitschurin von dir gegrüßt«, begann Andrei von neuem. »Er ist ja in dich verliebt; da wird ihn das vielleicht ein bißchen darüber trösten, daß sein Weizen nicht zum Termin an Ort und Stelle gewesen ist.«

Sie lächelte trocken.

»Ja, du hast es mir gesagt«, antwortete sie in gleichgültigem Tone.

»Was ist dir? Bist du schläfrig?« fragte er.

Das Herz begann ihr heftig zu pochen, wie das auch sonst schon bei Fragen geschehen war, die ihrem Geheimnis näher kamen.

»Nein, noch nicht«, erwiderte sie mit gekünstelter Munterkeit. »Wieso?«

»Bist du unwohl?« fragte er wieder.

»Nein. Warum vermutest du das?«

»Nun, dann langweilst du dich!«

Sie drückte ihm kräftig mit beiden Händen die Schulter.

»Nein, nein!« leugnete sie in einem Tone, der unbefangen klingen sollte, aus dem man aber doch wirklich eine gewisse Langeweile heraushören konnte.

Er führte sie aus der Allee hinaus und drehte sie mit dem Gesichte gegen das Mondlicht.

»Sieh mich an!« sagte er und schaute ihr prüfend in die Augen.

»Man könnte glauben, du seist . . . unglücklich! So seltsame Augen hast du heute, und heute nicht zum ersten Male . . . Was ist dir, Olga?«

Er faßte sie um die Taille und führte sie wieder in die Allee.

»Weißt du was: ich . . . habe Hunger!« sagte sie mit einem Versuch zu lachen.

»Lüge nicht, lüge nicht! Das kann ich nicht leiden!« versetzte er mit erheuchelter Strenge.

»Unglücklich!« sprach sie ihm vorwurfsvoll nach, indem sie ihn in der Allee anhielt. »Ja. unglücklich bin ich vielleicht dadurch . . . daß ich gar zu glücklich bin!« fügte sie in so zärtlichem, weichem Tone hinzu, daß er sie küßte.

Sie wurde dreister. Durch die wenn auch nur leicht hingeworfene, scherzhafte Vermutung, sie könne unglücklich sein, fühlte sie sich unerwartet zur Offenherzigkeit herausgefordert.

»Ich langweile mich nicht und kann mich nicht langweilen; das weißt du und glaubst gewiß selbst nicht, daß an deinen Worten etwas Wahres sei; ich bin nicht krank, aber . . . mir ist manchmal . . . so traurig zumute . . . Da hast du's, du unerträglicher Mensch, wenn man dir nun einmal nichts verbergen kann! Ja, mir ist traurig zumute, und ich weiß nicht, weshalb!«

Sie legte ihren Kopf auf seine Schulter.

»Da haben wir es also! Weshalb denn nun?« fragte er sie leise, indem er sich zu ihr hinabbeugte.

»Ich weiß es nicht«, wiederholte sie.

»Aber es muß doch eine Ursache vorhanden sein, wenn nicht in mir und nicht in deiner sonstigen Umgebung, so in dir selbst. Manchmal ist solche Traurigkeit nichts anderes als der Vorbote einer Krankheit . . . Fühlst du dich gesund?«

»Ja«, versetzte sie ernst, »vielleicht ist es etwas derartiges, obgleich ich nichts spüre. Du siehst, wie ich esse, spazierengehe, schlafe und arbeite. Auf einmal überkommt mich etwas, eine Art Hypochondrie . . . es scheint mir dann, als ob das Leben . . . als ob nicht alles in ihm enthalten wäre . . . Aber nein, höre nicht auf das, was ich sage; es ist lauter dummes Zeug . . .«

»Sprich weiter, sprich weiter!« verlangte er lebhaft. »Also es ist nicht alles im Leben enthalten; was wolltest du noch sagen?«

»Manchmal fürchte ich gewissermaßen«, fuhr sie fort, »das könnte sich ändern, ein Ende nehmen . . . ich weiß selbst nicht! Oder ich quäle mich mit den dummen Gedanken: was wird denn noch kommen? . . . Was ist denn dieses Glück . . . das ganze Leben . . .« sagte sie immer leiser und leiser, sich dieser Frage schämend, »alle diese Freuden und Leiden . . . die Natur . . .« flüsterte sie; »es zieht mich immer noch irgendwohin; nichts vermag mich zu befriedigen . . . O Gott, ich schäme mich ordentlich dieser Dummheiten . . . es ist Phantasterei . . . Achte nicht darauf, kümmere dich nicht darum . . .« fügte sie in flehendem Tone hinzu, indem sie ihn liebkoste. »Diese Traurigkeit wird bald vorübergehen, und es wird mir wieder leicht und fröhlich ums Herz werden, wie es schon jetzt wieder der Fall ist!«

Sie schmiegte sich schüchtern und zärtlich an ihn, schämte sich tatsächlich und bat gleichsam um Verzeihung für ihre ›Dummheiten‹.

Ihr Mann befragte sie noch lange, und noch lange teilte sie ihm, wie eine Kranke dem Arzte, die Symptome ihrer Traurigkeit mit, trug ihm alle die Fragen vor, die sie dumpf gequält hatten, schilderte ihm ihre seelische Verwirrung und dann – wie diese Einbildung jetzt verschwunden sei. Alles, alles sagte sie, was sie beobachtet hatte, und worauf sie sich besinnen konnte.

Stolz ging wieder schweigend die Allee entlang. Den Kopf auf die Brust gesenkt, vertiefte er sich mit seiner ganzen Denkkraft voll unruhigen Erstaunens in das unklare Bekenntnis seiner Frau.

Sie blickte ihm in die Augen, konnte aber nichts sehen; und als sie zum dritten Male an das Ende der Allee gelangt waren, ließ sie ihn nicht wieder umkehren, sondern führte ihn nun ihrerseits ins Mondlicht hinaus und sah ihm fragend in die Augen.

»Was hast du?« fragte sie schüchtern. »Du lachst über meine Dummheiten, ja? Sie ist sehr dumm, diese Traurigkeit, nicht wahr?«

Er schwieg.

»Warum schweigst du denn?« fragte sie ungeduldig.

»Du hast lange geschwiegen, obwohl du sicherlich wußtest, daß ich dich längst beobachtete; so laß denn auch mich ein Weilchen schweigen und nachdenken. Du hast mir ein nicht leicht zu lösendes Rätsel aufgegeben . . .«

»Da wirst du nun nachdenken, und ich werde mich mit der Sorge abquälen, zu welchem Resultate du so ganz allein für dich kommen wirst. Ich habe nicht gut daran getan, es dir zu sagen!« fügte sie hinzu. »Sprich lieber etwas . . .«

»Was soll ich dir denn sagen?« erwiderte er nachdenklich. »Möglicherweise ist das bei dir die Folge einer Nervenaffektion; dann kann ich nicht, sondern nur der Arzt genauer sagen, was dir fehlt. Wir müssen ihn morgen holen lassen . . . Wenn es aber das nicht ist . . .« fing er an und überließ sich dann seinen Gedanken.

»Was meinst du damit: ›Wenn es aber das nicht ist‹? Sprich!« drängte sie ungeduldig.

Er ging immer noch nachdenkend.

»Nun? Nun?« sagte sie, indem sie ihn an der Hand schüttelte.

»Vielleicht ist das ein Übermaß von Phantasie; du bist zu lebhaft . . . vielleicht aber bist du zu jener Lebensperiode herangereift . . .« schloß er halblaut, beinah nur zu sich selbst sprechend.

»Bitte, sprich laut, Andrei! Ich kann es nicht ausstehen, wenn du vor dich hin murmelst!« beklagte sie sich. »Ich habe ihm Dummheiten erzählt, und er läßt nun den Kopf hängen und flüstert etwas vor sich hin! Ich fürchte mich sogar mit dir hier in der Dunkelheit zusammen . . .«

»Ich weiß noch nicht, was ich sagen soll . . . es überkommt dich eine Traurigkeit, irgendwelche Fragen beunruhigen dich: wie soll man daraus ein klares Bild gewinnen? Wir wollen ein andermal wieder darüber reden und ins klare zu kommen suchen. Ich möchte meinen, du müßtest wieder Seebäder nehmen . . .«

»Du hast vor dich hin gesagt: ›wenn aber . . . vielleicht . . . herangereift‹. Was hast du dabei gedacht?« fragte sie.

»Ich dachte . . .« erwiderte er langsam (er sprach nachdenklich, als ob er selbst zu seinen Gedanken kein rechtes Zutrauen hätte und sich seiner Worte schämte), »sieh mal . . . es gibt Augenblicke . . . das heißt, ich will sagen, wenn das nicht ein Anzeichen irgendwelcher Affektion ist, wenn du vollständig gesund bist, dann bist du vielleicht zu jener Lebensperiode herangereift und gelangt, wo das Wachstum zum Stillstand kommt . . . wo es keine Rätsel mehr gibt, sondern das Leben sich völlig offenbart hat . . .«

»Ich glaube, du willst sagen, ich sei alt geworden?« unterbrach sie ihn lebhaft. »Untersteh dich nicht!« Sie drohte ihm sogar: »Ich bin noch jung und stark . . .« fügte sie hinzu und richtete sich gerade.

Er lachte.

»Sei unbesorgt«, sagte er. »Es scheint, du beabsichtigst, nie alt zu werden! Nein, das ist es nicht . . . im Alter sinken die Kräfte und hören auf mit dem Leben zu ringen. Nein, deine Traurigkeit und Selbstquälerei ist (wenn anders sie das ist, wofür ich sie halte) eher ein Zeichen von Kraft . . . Die suchende Tätigkeit eines lebhaften, angeregten Geistes geht manchmal über die vom Leben gesteckten Grenzen hinaus, findet natürlich keine Antwort, und dann bildet sich eine Traurigkeit heraus . . . eine zeitweilige Unzufriedenheit mit dem Leben . . . Das ist die Traurigkeit einer Seele, die das Leben nach seinen Geheimnissen fragt . . . Vielleicht geht es auch dir so . . . Wenn es so ist, dann sind das keine Dummheiten.«

Sie seufzte, aber anscheinend mehr aus Freude darüber, daß ihre Befürchtungen nun ein Ende genommen hatten und sie in den Augen ihres Mannes nicht gesunken war, sondern im Gegenteile . . .

»Aber ich bin doch glücklich; mein Geist ist nicht müßig; ich überlasse mich nicht bloßen Träumereien; mein Leben hat einen mannigfachen Inhalt – was will ich denn nun noch weiter? Wozu diese Fragen?« sagte sie. »Das ist eine Krankheit, etwas Bedrückendes!«

»Ja, vielleicht ist es etwas Bedrückendes für einen ungebildeten, schwachen Geist, der darauf nicht vorbereitet ist. Diese Traurigkeit und diese Fragen haben vielleicht vielen den Verstand geraubt; bei manchen haben sie häßliche Visionen und Irrereden zur Folge . . .«

»Das Glück fließt über den Rand der vollen Schale; es verlangt mich so sehr zu leben und da mischt sich auf einmal diese Bitterkeit hinein . . .«

»Ja, das ist der Preis, den die Menschheit für das Feuer des Prometheus zahlt! Und man soll diese Traurigkeit nicht nur ertragen, sondern sogar lieben und die Zweifel und Fragen achten: sie sind ein überfließendes Übermaß, ein Luxus des Lebens und erscheinen meist auf den Gipfeln des Glückes, wo es keine Wünsche größerer Art gibt; sie entstehen nicht inmitten des Alltagslebens; wo Leid und Not herrschen, steht den Menschen nicht der Sinn danach; die Menge geht ihren Weg, ohne diesen Nebel der Zweifel und den durch diese Fragen hervorgerufenen Kummer zu kennen . . . Aber wer mit ihnen rechtzeitig in Berührung gekommen ist, für den sind sie nicht eine Folter, sondern liebe Gäste.«

»Aber man kommt mit ihnen nicht zurecht; sie machen einen traurig und gleichgültig . . . fast allem gegenüber . . .« fügte sie in unsicherem Tone hinzu.

»Aber das dauert nicht lange. Nachher erfrischen sie das Leben«, sagte er. »Sie führen zu einer Kluft, die durch keine Bitten überschreitbar wird, und veranlassen einen dann, das Leben wieder mit größerer Liebe anzusehen . . . Sie fordern Kräfte, die schon erprobt sind, zum Kampfe heraus, gewissermaßen in der Absicht, sie nicht einschlafen zu lassen . . .«

»Daß man sich mit solchem Nebel, mit solchen Hirngespinsten abquälen muß!« klagte sie. »Alles ist hell, und da legt sich auf einmal ein düsterer Schatten auf das Leben! Gibt es denn wirklich gar kein Mittel dagegen?«

»Wie sollte es keins geben? Man muß eine Stütze im Leben haben! Hat man die aber nicht, so ist das Leben auch ohne jene Fragen unerträglich!«

»Was soll man denn tun? Sich ergeben und sich schämen?«

»Nein«, erwiderte er, »man soll sich mit Festigkeit wappnen und geduldig und beharrlich seinen Weg weiter verfolgen. Du und ich, wir sind keine Titanen«, fuhr er fort, indem er sie umarmte; »wir werden nicht wie Manfred und Faust einen kühnen Kampf mit den rebellischen Fragen beginnen und ihre Herausforderung nicht annehmen; sondern wir werden unser Haupt neigen und den schweren Augenblick in Demut durchleben; dann aber wird uns wieder das Leben und das Glück lächeln, und . . .«

»Aber wenn nun diese Fragen niemals aufhören und die Traurigkeit uns immer ärger quält? . . .« fragte sie.

»Nun gut, dann wollen wir sie als ein neues Element in unser Leben aufnehmen . . . Aber nein, das wird nicht geschehen; das kann sich bei uns nicht ereignen! Das ist nicht eine dir besonders eigene Traurigkeit; das ist eine gemeinsame Krankheit der Menschheit. Es ist dir nur ein Tropfen davon angespritzt . . . Es ist immer furchtbar, wenn der Mensch sich vom Leben losreißt . . . wenn er keine Stütze hat. Bei uns aber . . . Gebe Gott, daß diese deine Traurigkeit das ist, wofür ich sie halte, und nicht ein Anzeichen irgendwelcher Krankheit . . . das wäre schlimmer. Das wäre ein Leid, vor dem ich wehrlos und kraftlos zu Boden sinken müßte. Wenn dem aber nicht so ist, können dann wirklich ein solcher Nebel, eine solche Traurigkeit, irgendwelche Zweifel und Fragen uns unseres Glückes berauben und . . .«

Er konnte nicht zu Ende sprechen; sie warf sich wie von Sinnen in seine Arme und erstarrte in leidenschaftlicher Selbstvergessenheit für einen Augenblick wie eine Bacchantin, indem sie seinen Hals mit ihrem Armen umschlang.

»Weder Nebel, noch Traurigkeit, noch Krankheit, noch selbst der Tod!« flüsterte sie entzückt; sie war wieder glücklich, beruhigt und heiter. Es schien ihr, als habe sie ihn noch nie so leidenschaftlich geliebt wie in diesem Augenblicke.

»Nimm dich in acht, daß das Schicksal dein Murren nicht hört«, schloß er mit einer abergläubischen Bemerkung, die ihm seine zärtliche Vorsicht eingab, »und es dir nicht als Undankbarkeit anrechnet! Das Schicksal liebt es nicht, wenn man seine Gaben nicht schätzt. Bisher hast du das Leben nur mit dem Verstande kennengelernt; aber du wirst noch in die Lage kommen, es durch eigene Erfahrung kennenzulernen . . . Warte nur, bis es sein Spiel beginnt und Leid und Arbeit kommen . . . und sie werden kommen . . . dann wird dir nicht danach zumute sein, dich mit diesen Fragen zu beschäftigen . . . Schone deine Kräfte!« fügte Stolz als Antwort auf ihren leidenschaftlichen Ausbruch leise, fast als ob er nur zu sich selbst spräche, hinzu. Seinen Worten war eine gewisse Traurigkeit anzuhören, als sähe er schon in der Ferne »Leid und Arbeit«.

Sie schwieg, momentan betroffen durch den traurigen Klang seiner Stimme. Sie setzte ein grenzenloses Vertrauen auf ihn und vertraute auch seiner Stimme. Sie wurde von seiner Nachdenklichkeit angesteckt, zog sich in ihr Inneres zurück und konzentrierte ihr Denken auf einen Punkt.

Sich auf ihn stützend, ging sie mechanisch und langsam die Allee entlang; sie war in beharrliches Schweigen versunken. An der Seite ihres Mannes dahinschreitend, blickte sie ängstlich in die Ferne des Lebens, dorthin wo nach seinen Worten die Zeit der »Erfahrungen« kommen sollte, wo »Leid und Arbeit« ihrer warteten.

Sie träumte einen andern Traum, nicht von der blauen Nacht; es tat sich vor ihr ein anderes Gebiet des Lebens auf, nicht jenes klare, festtägliche, in stiller Zurückgezogenheit, inmitten eines unbegrenzten Wohlstandes, mit »ihm« allein zusammen . . .

Nein, dort sah sie eine Kette von Verlusten, von Entbehrungen, von unvermeidlichen, tränenreichen Opfern, ein Leben des Fastens und des unfreiwilligen Verzichtes auf die im Müßiggange entstandenen Launen; sie glaubte ein Weinen und Stöhnen infolge neuer, ihnen jetzt noch unbekannter Empfindungen zu hören; sie träumte von Krankheiten, von geschäftlichem Zusammenbruch, vom Tode ihres Mannes . . . Sie fuhr zusammen und wurde ganz schwach; aber mit mutiger Neugier blickte sie auf diese neue Form des Lebens, betrachtete sie entsetzt und maß ihre Kräfte ab . . . Nur die Liebe war ihr auch in diesem Traume treu geblieben; sie stand auch im neuen Leben als treue Wächterin da; aber auch sie war eine andre geworden!

Von ihrem heißen Atem, den hellen Strahlen und der blauen Nacht war dann nichts mehr vorhanden; nach Jahren erschien das als ein Kinderspiel im Vergleich mit jener fernen Liebe, die in dem schweren, harten Leben einen Platz gefunden hatte. Da hörte man keine Küsse und kein Lachen, keine bangen, nachdenklichen Gespräche im Boskett, zwischen Blumen, an einem Festtage der Natur und des Lebens . . . Alles war »verwelkt und vorbei«.

Jene unverwelkliche, unvergängliche Liebe kam machtvoll wie eine Lebenskraft auf ihren Gesichtern zum Ausdruck; sie leuchtete in der Zeit des gemeinsamen Schmerzes in einem langsam und schweigend gewechselten Blicke vereinten Leides; sie gab sich zu erkennen in der endlosen beiderseitigen Geduld gegenüber der Folter des Lebens, in zurückgehaltenen Tränen und unterdrücktem Schluchzen . . .

In Olgas nebelhafte Traurigkeit und in die Fragen, von denen sie heimgesucht wurde, mischten sich leise noch andere zwar entfernte, aber klare, bestimmte und drohende Träume.

Unter dem Einflusse der beruhigenden, festen Worte ihres Mannes, zu dem sie ein unbegrenztes Vertrauen hegte, erholte sich Olga sowohl von ihrer rätselhaften, nicht einem jeden verständlichen Traurigkeit als auch von den prophetischen drohenden Zukunftsträumen und schritt mutig vorwärts.

Nach dem Nebel kam ein heller Morgen mit den Sorgen der Mutter und der Hausfrau; nun lockten der Blumengarten und das Feld und das Arbeitszimmer ihres Mannes sie zu sich. Nur spielte sie nicht mehr in sorglosem Genusse mit dem Leben, sondern sie lebte mit einem verborgenen, kühnen Gedanken, bereitete sich vor und wartete . . .

Sie wuchs immer höher und höher . . . Andrei sah, daß sein früheres Ideal von einem weiblichen Wesen und von einer Gattin unerreichbar war; aber er war auch über das blasse Abbild desselben bei Olga glücklich: er hatte auch dieses nie erwartet.

Außerdem beschäftigte ihn lange, fast das ganze Leben hindurch, die nicht geringe Sorge, seine Würde als Mann in den Augen der ehrgeizigen, stolzen Olga auf der gleichen Höhe zu erhalten, nicht aus niedriger Rivalität, sondern damit dieses kristallhelle Leben nicht verdunkelt werde; das hätte aber geschehen können, wenn ihr Glaube an ihn auch nur ein wenig ins Wanken gekommen wäre.

Viele Frauen hegen solche Wünsche gar nicht. Wenn sie einmal verheiratet sind, nehmen sie sowohl die guten als auch die schlechten Eigenschaften des Mannes in aller Ergebung hin, fügen sich bedingungslos in die ihnen bestimmte Stellung und Tätigkeit und geben mit derselben Ergebung dem ersten zufälligen Gelüste nach, indem sie einen Widerstand gegen dasselbe von vornherein für unmöglich erklären oder nicht für notwendig halten; sie meinen, das sei nun einmal vom Schicksal so verhängt; das liege im Wesen der Leidenschaft; das Weib sei ein schwaches Geschöpf, und so weiter. Selbst wenn der Gatte durch seinen Verstand, diese bezaubernde Macht an einem Manne, die Menge überragt, sind solche Frauen zwar auf diesen Vorzug des Gatten wie auf ein wertvolles Geschmeide stolz, aber auch das nur in dem Falle, wenn dieser Verstand ihren kläglichen Weiberkniffen gegenüber blind bleibt. Wenn er es aber wagt, in die kleinliche Komödie ihrer hinterlistigen, nichtigen, mitunter lasterhaften Existenz einzudringen, dann fühlen sie sich von diesem Verstande bedrückt und beengt.

Olga kannte diese Logik der Ergebung dem blinden Schicksal gegenüber nicht und hatte kein Verständnis für die kleinen weiblichen Leidenschaften und Gelüste. Wenn sie einmal den Wert des auserwählten Mannes und seine Rechte auf sie anerkannt hatte, so glaubte sie an ihn und liebte ihn deshalb; wenn sie aber aufhörte zu glauben, so hörte sie auch auf zu lieben, wie es in ihrem Verhältnisse zu Oblomow der Fall gewesen war.

Aber damals waren ihre Schritte noch unsicher gewesen und ihr Wille schwankend; sie hatte eben erst angefangen, das Leben zu betrachten und darüber nachzudenken, sich die Elemente ihres Verstandes und Charakters zum Bewußtsein zu bringen und Material zu sammeln; die schöpferische Tätigkeit hatte sie noch nicht begonnen, die Wege des Lebens noch nicht enträtselt.

Aber jetzt glaubte sie an Andrei nicht blind, sondern mit Bewußtsein und sah in ihm die Verkörperung ihres Ideals männlicher Vollkommenheit. Je mehr und je bewußter sie an ihn glaubte, um so schwerer war es für ihn, sich auf der gleichen Höhe zu halten und der Held nicht nur ihres Verstandes und Herzens, sondern auch ihrer Phantasie zu bleiben. Sie aber glaubte an ihn so, daß sie zwischen ihm und sich keinen andern Mittler, keine andere Instanz anerkannte als Gott.

Darum hätte sie eine Verringerung der von ihr anerkannten vortrefflichen Eigenschaften auch nur um Haaresbreite nicht ertragen: jede falsche Note in seinem Charakter oder Verstande würde eine erschütternde Dissonanz hervorgerufen haben. Das einstürzende Gebäude ihres Glückes würde sie unter seinen Trümmern begraben haben, oder wenn ihre Kräfte unversehrt geblieben wären, so würde sie gesucht haben, ob . . .

Nein, solche Frauen irren sich nicht zweimal. Nach dem Dahinschwinden eines solchen Glaubens und einer solchen Liebe ist eine Auferstehung unmöglich.

Stolz war über sein voll ausgefülltes, bewegtes Leben, in welchem ein unverwelklicher Frühling blühte, außerordentlich glücklich und hegte, pflegte und hütete es eifrig, energisch und wachsam. Vom Grunde seiner Seele stieg nur dann ein Gefühl des Entsetzens in die Höhe, wenn er sich daran erinnerte, daß Olga nur um Haaresbreite vom Untergange entfernt gewesen war, daß nur der Zufall sie beide hatte den richtigen Weg finden und ihre Existenz zu einer einzigen vereinigen lassen, daß die Unkenntnis der Wege des Lebens die Verwirklichung eines verhängnisvollen Irrtums herbeiführen konnte, daß Oblomow . . .

Er fuhr zusammen. Wie? Olga in jenem Leben, das Oblomow ihr hatte bieten wollen? Sie in einer Umgebung, die sich schläfrig von einem Tage zum andern hinüberschleppte; sie eine Gutsherrin auf dem Lande, eine Wärterin ihrer Kinder, eine Hausfrau – und weiter nichts?

Alle Fragen und Zweifel und die ganze fieberhafte Lebensglut würden nur auf wirtschaftliche Sorgen gerichtet gewesen sein, auf bevorstehende Festtage und Familienzusammenkünfte, auf erwartete Gäste, auf Entbindungen und Taufen, auf die Apathie und den Schlaf des Mannes!

Die Ehe wäre nur eine Form gewesen, aber kein Inhalt, ein Mittel, aber kein Zweck; sie hätte als ein weiter, unveränderlicher Rahmen für abgestattete und empfangene Besuche, Diners, Soupers und leeres Geschwätz gedient! . . .

Wie hätte Olga dieses Leben ertragen? Anfangs würde sie krampfhaft gesucht haben, das Geheimnis des Lebens zu erraten; sie hätte geweint und sich gequält; dann hätte sie sich gewöhnt, wäre dick geworden, hätte gegessen, geschlafen und stumpfsinnig dahingelebt . . .

Nein, so wäre es mit ihr nicht gegangen: sie hätte geweint und sich gequält, wäre dahingeschwunden und in den Armen des liebenden, guten, kraftlosen Gatten gestorben . . . Arme Olga!

Aber wenn das Feuer nicht erloschen, das Leben nicht erstorben wäre, wenn die Kräfte standgehalten und nach Freiheit verlangt hätten, wenn sie wie ein starkes, scharfblickendes Adlerweibchen, das für einen Augenblick von schwachen Händen zur Gefangenen gemacht ist, die Flügel geregt und sich auf jenen hohen Felsen geschwungen hätte, wo sie einen Adler erblickt hatte, der sie an Stärke und Sehkraft noch übertraf? . . . Armer Ilja!

»Armer Ilja!« sagte eines Tages Andrei laut, als er an die Vergangenheit zurückdachte.

Olga ließ bei diesem Namen plötzlich die Hände mit ihrer Stickerei in den Schoß sinken, warf den Kopf zurück und versank tief in Gedanken. Dieser Ausruf rief in ihr Erinnerungen wach.

»Wie geht es ihm?« fragte sie dann. »Kann man das wirklich nicht in Erfahrung bringen?«

Andrei zuckte die Achseln.

»Man könnte meinen«, erwiderte er, »wir lebten in einer Zeit, wo es noch keine Post gab, und wo die Menschen, wenn sie nach verschiedenen Seiten auseinandergekommen waren, einander für tot hielten und tatsächlich ohne Nachricht verstarben.«

»Du solltest wieder einmal an einen deiner Freunde schreiben; dann würden wir wenigstens erfahren . . .«

»Wir würden nichts erfahren, als was wir ohnehin schon wissen: er lebt, ist gesund, lebt noch in derselben Wohnung – das weiß ich auch ohne Freunde. Aber wie es ihm geht, wie er sein Leben erträgt, ob er geistig gestorben ist oder noch ein Fünkchen Leben in ihm glimmt, das wird ein Fremder nicht in Erfahrung bringen . . .«

»Ach, sprich nicht so, Andrei; es ist mir schrecklich und schmerzlich, das zu hören! Ich möchte das gern wissen und fürchte mich doch davor, es zu erfahren . . .«

Sie war nahe daran, in Tränen auszubrechen.

»Im Frühling werden wir in Petersburg sein; da werden wir es selbst in Erfahrung bringen.«

»Es zu erfahren, ist nicht ausreichend; wir müssen auch alles tun, um . . .«

»Habe ich denn nicht alles getan? Wie habe ich ihm zugeredet, mich für ihn abgemüht, seine Angelegenheiten in Ordnung gebracht – aber er hat auf all das nicht reagiert! Wenn man mit ihm zusammen ist, so ist er zu allem bereit; aber sowie man ihm den Rücken kehrt, ist alles vorbei, und er schläft wieder ein. Man quält sich mit ihm vergebens ab wie mit einem Trunkenbolde!«

»Warum kehrst du ihm den Rücken?« erwiderte Olga ungeduldig. »Man muß gegen ihn ein energisches Verfahren anwenden; ihn mit in den Wagen nehmen und fortschaffen. Jetzt siedeln wir ja nach dem Gute über; da wird er in unserer Nähe sein . . . wir wollen ihn mitnehmen.«

»Wieviel Sorge er dir und mir macht!« sagte Andrei, indem er überlegend im Zimmer auf und ab ging. »Und es ist gar kein Ende davon abzusehen!«

»Belästigt dich das?« fragte Olga. »Das ist etwas Neues! Es ist das erste Mal, daß ich dich über diese Sorge murren höre.«

»Ich murre nicht«, antwortete Andrei; »ich überlege.«

»Aber warum überlegst du noch? Du hast dir selbst gesagt, daß das eine langweilige, verdrießliche Geschichte ist, nicht?«

Sie sah ihn mit einem forschenden Blicke an. Er schüttelte verneinend den Kopf.

»Nein, verdrießlich nicht, aber nutzlos; das denke ich manchmal.«

»Sage das nicht; sage das nicht!« unterbrach sie ihn. »Sonst werde ich wieder wie in der vorigen Woche den ganzen Tag über daran denken und mich abhärmen. Wenn bei dir die Freundschaft zu ihm erloschen ist, so mußt du aus Liebe zu ihm als Menschen diese Sorge tragen. Wenn du dessen müde wirst, so werde ich allein hinfahren und ohne ihn nicht fortgehen: er wird sich durch meine Bitten bewegen lassen; ich fühle, daß ich bitterlich weinen werde, wenn ich ihn geistig erstorben sehen sollte! Vielleicht werden meine Tränen . . .«

»Du meinst, sie werden ihn auferwecken?« unterbrach Andrei sie.

»Nein, sie werden ihn nicht zur Tätigkeit auferwecken, aber ihn wenigstens veranlassen, um sich zu blicken und sein Leben mit etwas Besserem zu vertauschen. Er wird nicht mehr im Schmutze leben, sondern bei seinesgleichen, bei uns. Sowie ich mich damals nur bei ihm zeigte, erwachte er auch sofort und schämte sich . . .«

»Du liebst ihn am Ende noch wie früher?« fragte Andrei im Scherz.

»Nein«, antwortete Olga ernsthaft und nachdenklich, wie wenn sie in die Vergangenheit zurückschaute. »Ich liebe ihn nicht wie früher; aber es gibt etwas, was ich an ihm liebe, etwas, dem ich, wie ich glaube, treu geblieben bin, und wovon ich mich nicht abgewandt habe wie andere . . .«

»Wer sind denn die anderen? Sprich, du giftige Schlange; stich nur zu: ich, nicht wahr? Du irrst dich. Aber wenn du die Wahrheit hören willst, so wisse: ich bin es gewesen, der dich gelehrt hat, ihn zu lieben, und der damit beinah ein großes Unheil angerichtet hätte. Ohne mich wärest du an ihm vorübergegangen, ohne ihn zu beachten. Ich habe dich darauf aufmerksam gemacht, daß er nicht weniger Verstand besitzt als andere Menschen, daß dieser Verstand nur von allerlei Kehricht bedeckt und verschüttet und im Müßiggange eingeschlummert ist. Soll ich dir sagen, warum er dir teuer ist, weswegen du ihn noch liebst?«

Sie nickte zum Zeichen der Bejahung mit dem Kopfe.

»Deswegen, weil er etwas besitzt, was wertvoller ist als aller Verstand: ein ehrliches, treues Herz! Dieses goldene Herz ist ein ihm angeborener Schatz; er hat ihn unbeschädigt durch das Leben getragen. Er hat sich von Stößen, die er erlitt, zu Fall bringen lassen und ist kalt geworden; niedergeschlagen und enttäuscht hat er die Lebenskraft verloren; aber was er nicht verloren hat, das ist die Ehrenhaftigkeit und die Treue. Sein Herz hat nie auch nur einen einzigen falschen Ton von sich gegeben, und es ist kein Schmutz an ihm haften geblieben. Keine aufgeputzte Lüge wird ihn jemals verführen und nichts ihn auf einen falschen Weg locken. Mag um ihn herum ein ganzer Ozean von Gemeinheit und Schlechtigkeit wogen, mag die ganze Welt von Gift schwellen und einen verkehrten Weg einschlagen: niemals wird Oblomow sich vor dem Götzenbilde der Lüge beugen; in seiner Seele wird es immer rein und hell und ehrenhaft aussehen . . . Das ist eine kristallhelle, durchsichtige Seele; solcher Menschen gibt es nur wenige; sie sind selten; es sind vereinzelte Perlen in der Menge! Sein Herz läßt sich durch nichts erkaufen; man kann sich auf ihn immer und überall verlassen. Das ist in ihm das Element, dem du deine Treue bewahrt hast, und darum werde ich die Sorge für ihn nie als eine Last empfinden. Ich habe viele Menschen mit schönen Vorzügen gekannt, bin aber nie einem reineren, helleren, schlichteren Herzen begegnet; ich habe viele geliebt, aber niemanden so beharrlich und so warm wie Oblomow. Wenn man ihn einmal kennen gelernt hat, kann man nicht wieder aufhören, ihn zu lieben. Ist es so? Habe ich es erraten?«

Olga schlug die Augen auf ihre Arbeit nieder und schwieg. Andrei dachte nach.

»Ist das nun wirklich alles? Oder was fehlt noch? Ach! . . .« fügte er dann, zu sich kommend, in fröhlichem Tone hinzu, »die ›taubenhafte Zärtlichkeit‹ hatte ich ganz vergessen . . .«

Olga lachte auf, legte flink ihre Handarbeit hin, lief zu Andrei, schlang die Arme um seinen Hals, sah ihm ein paar Augenblicke lang mit ihren strahlenden Augen gerade in die seinigen, legte dann den Kopf an die Schulter ihres Mannes und versank in Gedanken. In ihrer Erinnerung erstand Oblomows sanftes, nachdenkliches Gesicht, sein zärtlicher Blick, seine Ergebung, dann sein klägliches, schamhaftes Lächeln, mit dem er bei der Trennung auf ihren Vorwurf geantwortet hatte . . . und es wurde ihr so weh ums Herz, er tat ihr so leid . . .

»Du wirst ihn nicht verlassen, wirst ihn nicht aufgeben?« sagte sie, ohne die Arme von dem Halse ihres Mannes wegzunehmen.

»Niemals! Es müßte denn zwischen uns unerwarteterweise ein Abgrund sich auftun oder eine Mauer sich erheben.«

Sie küßte ihren Mann.

»Du wirst mich in Petersburg zu ihm mit hinnehmen?«

Er schwieg unschlüssig.

»Ja? ja?« fragte sie, hartnäckig eine Antwort verlangend.

»Höre mal, Olga«, sagte er und versuchte, seinen Hals von den umschlingenden Armen freizumachen: »da muß ich doch vorher . . .«

»Nein, sage Ja! Versprich es mir! Ich lasse nicht davon ab!«

»Meinetwegen«, erwiderte er; »nur nicht gleich beim ersten Mal, sondern erst beim zweiten: ich weiß, wie es dir gehen wird, wenn er . . .«

»Rede nicht weiter, rede nicht weiter! . . .« unterbrach sie ihn. »Also du wirst mich mit hinnehmen: beide zusammen werden wir alles erreichen. Allein wirst du es nicht verstehen und auch nicht wollen!«

»Sei es so! Aber es wird dich angreifen und vielleicht auf lange«, sagte er, nicht ganz zufrieden damit, daß Olga ihm seine Einwilligung abgenötigt hatte.

»Also behalte es im Gedächtnis«, schloß sie, indem sie sich wieder auf ihren Platz setzte, »daß du ihn nur dann verlassen wirst, wenn ›zwischen ihm und dir ein Abgrund sich auftun oder eine Mauer sich erheben sollte‹. Ich werde diese Worte nicht vergessen.«

 

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