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Christoph Martin Wieland: Oberon - Kapitel 43
Quellenangabe
typepoem
booktitleOberon
authorChristoph Martin Wieland
year1990
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
pages1-293
isbn3-15-000123-4
titleOberon
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1780
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Langon, II. 46. Eine kleine Stadt an der Garonne, berühmt durch ihren Wein, der für den besten unter den weißen Bourdeaux-Weinen, Vins de Grave genannt, gehalten wird. »Melanges tirés d'une grande Bibliotheque«. Vol. 36 p. 94.

Laudan, X. 43. Laudanum, eine aus Opium zubereitete Arzney von der Erfindung des berühmten Paracelsus, steht hier für jedes andere Kordial.

Magd, III. 18. Magd, Maget, Magad, Maid, Meyd, sind verschiedene Formen eines Wortes, welches in seiner ältesten Bedeutung eine ungeschwächte junge Frauensperson, eine Jungfrau im eigentlichen Verstande, bedeutete. »Es heißt im Deutschen Magd (sagt D. Luther) ein solch Weibsbild, das noch jung ist, und mit Ehren den Kranz trägt und in Haaren geht.« In diesem Sinne wird Maria in einem alten Kirchenliede die reine Magd genannt. Im »Heldenbuch«, »Theuerdank«, u. a. heißen junge Damen vom ersten Rang edle Meyd oder Magd, ohne daß eben auf die fysische Bedingung der Jungfräulichkeit Rücksicht genommen wird. Magdthum bezeichnet daher im alten Deutschen sowohl den jungfräulichen oder ledigen Stand, als was man jetzt in engerer Bedeutung Jungferschaft nennt.

Mahneh, XI. 33, auch Salam genannt, ist eine unter den Türken und Maurischen Sarazenen gewöhnliche Art von geheimen Liebesbriefen, wobey Blumen, Spezereyen und tausend andere Dinge, als symbolische Zeichen, die eine gewisse abgeredete Bedeutung haben, statt der Worte gebraucht werden. In Plants Türkischem Staatslexikon ist ein Beyspiel davon gegeben, wo eine Weinbeere, ein Strohhalm, eine Jonquille, ein seidener Faden, Papierschnitzel, ein Schwefelhölzchen, eine Pistazie, eine verwelkte Tulpe und ein Stückchen Goldfaden, in einem Beutel der Geliebten überschickt, ihr ungefähr so viel sagen, als: »Holdes Mädchen, erlaube daß ich dein Sklave sey und laß dir meine Liebe gefallen. Ich brenne vor Sehnsucht nach dir, und diese Flamme verzehrt mein Herz. – Meine Sinne verwirren sich. Ach möchten wir doch zusammen auf Einem Bette ruhen! Ich sterbe, wenn du mir nicht bald zu Hülfe kommst.« – Eine ähnliche Probe theilt Lady Worthley Montague im vierzigsten der oben angezogenen Briefe ihrer Korrespondentin mit. Ihrem Berichte nach ist mit jedem symbolischen Zeichen dieser geheimen Sprache ein gewisser Vers aus einem Dichter kombiniert; und sie sagt, sie glaube, es sey eine Million Verse zu diesem Gebrauch bestimmt; – was, wenn wir auch neun Zehntheile von der Million fahren lassen, diese Sprache zu einer der schwersten in der Welt machen würde.

Mahom, II. 5 und öfters. Eine in den alten Französischen Rittergedichten, Fabliaux, u. d. ziemlich allgemeine komische Abkürzung des Nahmens Mahomed, wenn von dem großen Profeten der Sarazenen die Rede ist.

Manichäer, II. 23, war in Hüons Zeiten ein eben so gemeiner als verhaßter Ketzernahme, wobey man sich das abscheulichste dachte, ohne sich darum zu bekümmern, was die wirklichen Anhänger des Manes ehemahls gelehrt hatten oder nicht. Der Kaplan konnte also dem tief studierten Manne, der sich so positiv gegen die Geister erklärte, keinen schlimmern Streich spielen, als ihm einen Nahmen anzuhängen, den jener nicht auf sich sitzen lassen durfte, wenn er den anwesenden Laien nicht ein Gräuel werden wollte. Daher vermuthlich der Fechterkniff, im Fortgang des Streits sich hinter so viel Latein zurück zu ziehen, daß die Zuhörer, und vielleicht auch der orthodoxe Kaplan selbst, ihm nichts weiter anhaben konnten.

Märtrerberg, IX. 6. Montmartre bey Paris, so genannt, weil nach ehemahligem gemeinem Glauben der heilige Dionysius Areopagita mit seinen Gefährten S. Rustikus und S. Eleutherus den Martertod auf diesem Berg erlitten haben soll.

Herzog Nayms, I. 52. Die alten Ritterbücher von Charlemagne und den Helden seiner Zeit sprechen viel von einem Herzog Naymes von Bayern, als dem weisesten Mann an Karls Hofe, für dessen Rath dieser Kaiser immer besondere Achtung getragen habe. Bekannter Maßen kennt die Geschichte dieser Zeit keinen andern Herzog in Bayern als den unruhigen Tassilo. Ich habe dem seltsamen Nahmen Naymes überall nachgespürt, und nichts gefunden, als daß in dem Zedlerischen Universal-Lexikon ein Nainus oder Nämus als ein General der Bayern unter Karl dem Großen aufgeführt wird, ohne die Quelle, woraus diese Angabe geschöpft ist, anzuzeigen.

Obsiegen, III. 20, (einem) auch ansiegen, eine Altdeutsche Form, für einen besiegen, bezwingen.

Ok, die Sprache von Ok, I. 12. Die so genannte Romanische (romana rustica) Sprache, die nach der Zerstörung der Römischen Herrschaft in Gallien vom Volke gesprochen wurde, theilte sich in zwey sehr ungleichartige Mundarten, in deren einer das dermahlige Französische Bejahungswörtchen oui, oil, in der andern hingegen ok ausgesprochen wurde. Diese letztere, die in dem mittäglichen Frankreich herrschte, hieß daher la langue d'oc, und wurde späterhin die provenzalische genannt. S. die Einleitung vor le Grands »Fabliaux ou Contes du XII. et XIII. Siecle«.

Pan, der große Pan, II. 18. Eine im Munde Scherasmins fast zu gelehrte Anspielung auf das bekannte Mährchen von dem Ägyptischen Schiffer Thamos, dem, als er einst, unter der Regierung des Kaisers Tiberius, an den Echinadischen Inseln vorbey fuhr, nach einer plötzlich erfolgten Windstille eine Stimme von den Paxischen Inseln her zu dreyen Mahlen befahl: so bald er den Hafen Pelodes (an der Küste von Epirus) erreicht haben würde, sollte er mit lauter Stimme ausrufen: Der große Pan sey gestorben. Thamos hatte diesen seltsamen Auftrag wieder vergessen, als er durch eine abermahlige Windstille, die ihn im Angesicht des Hafens Pelodes befiel, daran erinnert wurde: und kaum hatte er den Tod des großen Pans ausgerufen, so ließ sich ein großes Wehklagen und Gewinsel in der Luft hören, wie von unsichtbaren Personen, die an dieser Nachricht ganz besondern Antheil nähmen, und ihr Erstaunen und Leidwesen darüber bezeigten. Das merkwürdigste an dieser schönen Geschichte ist, daß Plutarch in seiner Abhandlung von den Ursachen, warum die Orakel aufgehört hätten, sie einem gewissen Ämilianus in den Mund legt, der sie von seinem Vater, als einem unmittelbaren Augen- und Ohrenzeugen, gehört zu haben versicherte. – Übrigens ist es, in Rücksicht des bekannten Gebrauchs, welcher in der Folge von dieser Erzählung gemacht wurde, eben nicht unmöglich, daß Scherasmin gelegentlich von seinem Pfarrer etwas von ihr gehört haben könnte, wiewohl ihm nichts davon im Gedächtniß geblieben, als die isolierte Vorstellung, wie still und todt es auf einmahl in der Natur werden müßte, wenn der große Pan wirklich zu sterben kommen sollte.

Pär (Pair) des Reichs, I. 48. Es bedarf wohl kaum erinnert zu werden, daß unser Dichter auch hier, da sein Held sich (als Herzog von Guyenne oder Aquitanien) einen Pär des Reichs nennt, in der 49sten Stanze von Fürsten des Kaiserreichs spricht, und in dieser Qualität das Recht seinen Ankläger zum Zweykampf heraus zu fordern geltend macht, nicht der Geschichte, sondern den Ritterromanen von Charlemagne folgt, welche wahrscheinlich erst im XII. und XIII. Jahrhundert ausgeheckt wurden. Der unbekannte Mönch, der seinen aus den abenteuerlichsten Erdichtungen zusammen gestoppelten Roman »de Gestis Caroli M. et Rolandi«, um ihm das Ansehen einer wahren Geschichte zu geben, dem Erzbischof Tilpin von Rheims (den er Turpin nennt) unterschob, hatte so wenig Kenntniß und Begriff von Karl dem Großen und seiner Regierung, daß er nicht nur die Gebräuche, Sitten und Lebensweise der so genannten Ritterzeiten, sondern sogar die ganze Verfassung von Frankreich, wie er sie unter Ludwig VII. und Filipp August (unter deren Regierung er lebte) fand, in die Zeit jenes großen Königs der Franken hinüber trägt. Daher denn auch die vorgeblichen zwölf Pärs desselben, die in diesen Romanen als die zwölf großen erblichen Kronvasallen erscheinen, da man doch damahls eben so wenig von Erb-Kronvasallen als von bestimmten Vorzügen und Vorrechten einiger derselben vor allen übrigen wußte, indem alle vom König unmittelbar belehnte Baronen eben darum, weil sie alle einander gleich waren, Pares Franciae hießen, und, in so fern ein jeder nur von seines gleichen gerichtet werden konnte, den Hof der Pärs, la Cour des Pairs, ausmachten. Von wem und zu welcher Zeit die ehemahls ungeheure Menge der Baronen oder Pärs von Frankreich auf zwölf (sechs geistliche und sechs weltlicheJene waren, der Erzbischof von Rheims, der Bischof Herzog von Laon, der Bischof Herzog von Langres, der Bischof Graf von Beauvais, und die Bischöfe von Chalons sur Marne und von Noyon; Diese, die drey Herzoge von Burgund, Normandie und Guyenne, und die drey Grafen von Flandern, Champagne und Toulouse. ) eingeschränkt worden, ist eine eben so problematische oder vielmehr unauflösbare Frage in der Französischen Geschichte, als der Ursprung der Kurfürsten in der Deutschen: aber so viel ist gewiß, daß von diesen zwölf Pärs erst unter Ludewig VII. Erwähnung geschieht. S. »Les Moeurs et Coutumes dans les differens tems de la Monarchie Franç. au Tome VI. de l'Hist. de France de le Gendre«.

Recke, III. 47. Ein veraltetes Wort für Riese. Es wurde ehemahls auch von andern tapfern und streitbaren Männern gebraucht, und die alten Sueven werden in dieser Bedeutung in dem Lobgesang auf den Heiligen Anno St. 19. gute Reckin genannt. In den alten Isländischen Mythen heißen ihre Heerführer oder Landeshauptleute (Könige) Landrecken.

Rennen, I. 35. »Bey einem offnen Rennen,« d. i. in einem Turnier; ein in dem alten »Amadis aus Gallien« und ähnlichen Werken häufig vorkommendes Wort. Noch gewöhnlicher hieß es ein Stechen, Stechspiel, Ritterstechen; daher Stechhelm, ein Turnierhelm, der das ganze Gesicht bedeckte und nur zum Sehen und Athmen Öffnungen hatte, – Stechpferd, ein starkes zum Turnieren abgerichtetes Pferd, Stechbahn, Stechzeug, u.s.w. ein scharfer Stecher, III. 12. Reiten wurde ebenfalls als ein Synonym von turnieren, oder eine Lanze mit einander brechen, gebraucht; daher ein Ritt, III. 10. Für Turnier wurde damahls auch Turney gesagt: II. 19, im Feld und im Turney.

Schimpf, I. 26. »In Schimpf und Ernst,« d. i. in Ritterspielen und in gefährlichen Abenteuern, wo Leib und Leben gewagt wurde. – Schimpf wird hier in der veralteten Bedeutung von Spiel und Scherz gebraucht. Noch im 15ten Jahrhundert waren scherzen und schimpfen gleichbedeutend. So heißt es zum Beyspiel (nach Adelungs Zeugniß) in einer zu Straßburg 1466 gedruckten Deutschen Bibel: »Abimelech sah in (ihn, den Isaak) schimpfen mit Rebekka seiner Hausfrauen.« – Es wird aus Schimpf noch Ernst werden, ist eine Redensart, die noch itzt in Oberdeutschland zuweilen gehört wird.

Stange, für Speer oder Lanze, V. 65, kommt in dieser Bedeutung noch in Luthers Bibelübersetzung vor, Matth. 26,47.

Stapfen, einher stapfen, VI. 42, ein veraltetes aber mahlerisches Wort, für stark und fest auftreten.

Sultanin, IX. 5, (Sequin) eine Türkische Goldmünze, deren Werth hier, wo es auf eine sehr genaue Bestimmung nicht ankommt, etwa einem Goldgülden oder halben Maxd'or gleich angenommen werden kann.

Unangemuthet, III. 39, d.i. ohne eine Anmuthung zu dieser Person zu spüren, ohne daß sein Herz ihm etwas für sie sagt, ohne daß sie ihn interessiert. Muth (Mod, Mûat, Mûoth) hieß bey den alten Angelsachsen, Franken und Allemannen animus bene vel male adfectus, das Gemüth, oder was wir figürlich das Herz nennen, und Muthen war so viel als das Gemüth in Bewegung setzen, anziehen. Daher Anmuth, was unser Herz anspricht, anzieht. Das Zeitwort anmuthen scheint also vorzüglich dazu geschickt zu seyn, wenigstens in vielen Fällen die Stelle des fremden und unsern Puristen anstößigen interessieren zu ersetzen; zumahl wenn unsre Schriftsteller sich entschlössen, dieses Wort in dem Sinne, worin es ansinnen oder zumuthen (d. i. verlangen daß ein anderer über eine gewisse Sache eben so gemuthet sey wie wir) heißt, nie wieder zu gebrachten. Von etwas angemuthet oder unangemuthet seyn oder werden, wäre diesem nach so viel als davon interessiert oder nicht interessiert werden: und in diesem Sinne scheint unser Dichter das von ihm vermuthlich zuerst gebrauchte Wort unangemuthet genommen zu haben.

Ventregris, II. 20. Ein nur in Scherasmins Munde duldbarer, wiewohl ehemahls dem König Heinrich IV. von Frankreich sehr geläufiger, Gaskonnischer Schwur, statt Ventre-Saint-Gris.

Verdrieß, I. 41. Die alte Form des Wortes Verdruß, welche hier mit gutem Bedacht der gewöhnlichen vorgezogen worden ist.

Verluppt, III. 36. »Ganz in verlupptem Stahl,« d. i. in bezauberten Waffen. Luppen, verluppen hieß in der alten Allemannischen Sprache vergiften; daher verlüppte Pfeile. Weil aber, wie Wachter wohl anmerkt, im gemeinen Volksglauben giftmischen und zaubern verwandte und associierte Begriffe sind, so bekamen die Worte luppen, verluppt, auch die Bedeutung von zaubern und bezaubert. So sagt zum Beyspiel König Tyrol (beym Goldast):

Der konnte luppen, (d.i. zaubern) mit die (dem) Speer;

und der Dichter Nithart (ebenfalls in Goldasts Paraenet.) Zöverluppe für Zauber, fascinum magicum.

Versehen, IV. 63. Etwas versehen, d. i. schicken, verfügen, kommt in dieser veralteten Form und Bedeutung öfters in Luthers Bibel vor.

Versteinen, VIII. 61, zu Stein werden, statt des gewöhnlichen versteinern, wo das r in der Endsylbe überflüssig und sogar unrichtig ist. Wenn man verbessern, verschönern, verkleinern, vergrößern sagt, so geschieht es darum, weil etwas besser, schöner, kleiner, größer werden soll als es war. Bey versteinert hingegen ist die Rede nicht davon, etwas noch steinerner als es ist, sondern etwas, das kein Stein war, zum Stein zu machen.

Wage, V. 72, VII. 22. Für das, was man bey einer Entschließung wagt. Wage ist in dieser Bedeutung ein zwar veraltetes, aber wenn es am rechten Orte steht, jedem verständliches, und kaum entbehrliches Altdeutsches Wort. Auch Wagestück, welches in einigen Provinzen noch gehört wird, für eine gefahrvolle Unternehmung, verlangt mit gleichem Recht wieder in Umlauf zu kommen.

Wehre für Gewehre, I. 43. Wehrgeschmeide, III. 4, für Waffenschmuck, Waffenrüstung. – Wörter, die in der Dichtersprache erhalten zu werden verdienen.

Weib, III. 58 »da steht vor ihm ein göttergleiches Weib,« – wird hier in der Altdeutschen Bedeutung gebraucht, vermöge deren es, wie das Griechische gyne, eine jede Frauensperson, ohne Rücksicht auf Geburt, Stand und Alter bezeichnet. So kommt das Wort Wib beständig bey den Minnesängern vor, wiewohl schon Walther von der Vogelweide in einem seiner schönsten Lieder sich sehr darüber ereifert, daß man zu seiner Zeit (im 13ten Jahrhunderte) schon einen Unterschied zu machen anfing, weil die vornehmern nicht mehr Weiber sondern Frowen (Frauen) heißen wollten. Indessen sagen noch itzt in Oberdeutschland Personen von Stande, wenn von ihres gleichen die Rede ist, – »Sie ist ein schönes Weib«; und auch in unsrer neuern Dichtersprache ist das Wort Weib von mehrern wieder in seine alte Würde eingesetzt worden. Denn, wie der eben benannte edle Minnesänger sagt:

Wib muß immer sin der Wibe höhster Nahme.

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