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Novellen und Erzählungen

Franz Freiherr von Gaudy: Novellen und Erzählungen - Kapitel 6
Quellenangabe
typefiction
authorFranz von Gaudy
titleNovellen und Erzählungen
publisherBibliographische Anstalt
addressBerlin
year1890
firstpub
seriesFranz Freiherrn Gaudys poetische und prosaische Werke
volumeVierter Band
printrunNeue Ausgabe
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100825
projectid31f4dc0c
status1
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4. Heimkehr.

Rannte zum Tode betrübt auf der Chaussee fort, immer gerade aus – wohin, wußt' ich selber nicht. Ging unter dem Promenieren nachdenklich in mein Leben zurück und fand, daß keine Gerechtigkeit mehr auf Erden zu finden, wenn vierjährige fürstliche Küchendienste mit Fußtritten gelohnt würden, und eine Ballettänzerin wirkliche Statisten straflos entführen dürfe. Fand Summa Summarum, daß die Welt entsetzlich im argen liege und ich es mit allen Mühseligkeiten und Fährlichkeiten doch zu weiter nichts als einem Lumpen gebracht habe.

Wir hatten just wieder April. Der Morgen gemahnte mich an den unseligen, an welchem ich so leichtsinnig ins Blaue gelaufen. Wie damals, strich ein leiser Wind durch die Pappeln und silberglänzenden Blätter der Espen; wie damals schmetterte der Fink, knarrten die Frachtwagen, bellte der Spitz. Von weitem sah ich ein Chausseehäuschen, fast wie unseres. Bohnenlaube – Malven im Gärtchen – Steinbank vor der Thür – frappante Ähnlichkeit. Ein alter Mann saß vor der Thür – Samtkäppchen, Brille auf der Nase, – rieb mir die Augen – es war kein Spuk und wahr und wahrhaftig mein Alter, mein Vaterhaus! Da erkannte ich denn so recht deutlich Gottes Führung in der Entführung, rannte spornstreichs auf den Alten zu und rief: Herzvater, kennt Er mich denn noch? Und will Er sich des verlaufenen Taugenichts erbarmen? Herzvater, will Er? –« Mir standen die hellen Thränen im Auge, und ich mochte dem Vater vor Scham gar nicht ins Gesicht schauen. Der alte Herr streckte beide Hände aus, hielt mich beim Kopf fest, zitterte vor innerer Bewegung und konnte lange Zeit kein Wort vorbringen. Endlich aber brach er los: »Ungeratener Junge – seinem alten Vater schlaflose Nächte gemacht – nichts als Gram und Kummer und Not. – Na, na – aufstehen – nur hier bleiben, alles vergeben und vergessen – nur nicht wieder in die weite Welt laufen!« – Als ich nun vernahm, daß alles gut stände und der Vater Gnade für Recht ergehen lassen wolle, fiel ich ihm um den Hals und jubelte laut: »Ja, Herzvater, also soll's sein. Und den kleinen Fabri mit Schwaben und Lüneburg will ich studieren, wie Er's will. Und was ich Ihm sonst noch an den Augen absehen kann, das soll treulich geschehen, so wahr ich der Josef bin.

Daraufgingen wir versöhnt ins Haus, und hatten meine Weltfahrten, Gott sei es gedankt, hiermit ein fröhliches Ende.

 

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