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Nord gegen Süd. Erster Band

Jules Verne: Nord gegen Süd. Erster Band - Kapitel 15
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typefiction
authorJules Verne
titleNord gegen Süd. Erster Band
publisherDruck und Verlag von A. Weichert
correctorJosef Muehlgassner
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Dreizehntes Kapitel. Binnen wenigen Stunden

James Burbank ging nach der Tür. Er erwartete niemand. Vielleicht wurde ihm eine wichtige Nachricht aus Jacksonville von seinem Geschäftsfreunde Harvey durch John Bruce überbracht.

Es klopfte ein drittes mal ungeduldig.

»Wer ist da?« fragte James Burbank.

»Ich!« war die Antwort.

»Gilbert!« rief Fräulein Alice.

Sie hatte sich nicht getäuscht. Gilbert war in Camdleß-Bai. Gilbert erschien in der Mitte der Seinen, glücklich, ein paar Stunden bei ihnen weilen zu können. Ohne Zweifel war ihm von dem Unheil, das die Familie betroffen hatte, nichts bekannt.

Der junge Leutnant lag in den Armen seines Vaters, während ein Mann, der ihn begleitete, die Tür sorgsam schloß, nachdem er noch einmal hinausgespäht hatte.

Dies war Mars, Zermahs Mann und Gilbert Burbanks treuer Begleiter.

Nachdem Gilbert seinen Vater umarmt hatte, wandte er sich um. Er erblickte Fräulein Alice und ergriff ihre Hand, die er mit stürmischer Zärtlichkeit drückte.

»Meine Mutter!« rief er. »Wo ist meine Mutter? Ist es wahr, daß sie im Sterben liegt?«

»Du weißt also, lieber Junge?« fragte James Burbank.

»Ich weiß alles – die Pflanzung verwüstet von den Banditen von Jacksonville – Castle-House überfallen – meine Mutter – vielleicht schon tot!«

Daß der junge Mann sich in dem Lande befand, wo er persönlich so dringender Gefahr ausgesetzt war, erklärte sich folgendermaßen:

Am vergangenen Tage waren einige Kanonenboote des Kommodore Dupont in die St. John-Mündungen hineingefahren und hatten vier Meilen unterhalb Jacksonville Halt gemacht. Ein paar Stunden später war ein Mann, der sich als ein Leuchtturmwärter von Pablo ausgab, an Bord des Kanonenbootes gekommen, auf dem Gilbert als Sekondeleutnant diente. Dieser Mann hatte alles erzählt, was in Jacksonville vorgegangen war, und über den Streifzug gegen Camdleß-Bai, die Vertreibung der Neger und Frau Burbanks trostlosen Zustand berichtet.

Gilbert wurde daher von einem unwiderstehlichen Verlangen, seine Mutter wiederzusehen, ergriffen. Vom Kommandanten Stevens beurlaubt, verließ er die Flotte und bestieg eines jener leichten Boote, die man Gigs nennt. Von seinem getreuen Mars begleitet, konnte er in der tiefen Finsternis unbemerkt sein Ziel erreichen – wenigstens war er dieses Glaubens – und stieg eine halbe Meile unterhalb Camdleß-Bai an Land, weil er nicht in dem kleinen Hafen anlegen wollte, wo sich feindliche Posten befinden konnten.

Freilich konnte er nicht wissen, daß er nur in eine Schlinge gegangen war, die Texar ihm gestellt hatte. Um jeden Preis hatte der Spanier sich den Beweis verschaffen wollen, den das Gericht verlangt hatte – den Beweis dafür, daß James Burbank mit dem Feinde Beziehungen unterhielt.

Um nun den jungen Leutnant nach Camdleß-Bai zu locken, hatte ein Wärter des Leuchtturms von Pablo – ein treuer Anhänger Texars – es auf sich genommen, Gilbert davon zu benachrichtigen, was in Castle-House sich ereignet hatte, und wie es vor allem um seine Mutter stand. Der junge Mann war nun auf seiner Fahrt den Fluß hinauf von Spionen beobachtet worden. Während er durch das hohe Schilf gefahren war, hatte er, ohne es selbst zu wissen, die Leute Texars, die den Auftrag hatten, ihn zu verfolgen, irre geführt. Wenn die Spione ihn aber auch nicht am Ufer hatten aussteigen sehen, so rechneten sie doch darauf, ihn bei der Rückkehr zu ergreifen, da dieser ganze Teil des Ufers von ihnen bewacht wurde.

»Wo ist die Mutter? – Wo ist sie?« fragte Gilbert abermals.

»Hier bin ich, mein lieber Sohn!« antwortete Frau Burbank.

Sie war auf der Treppe der Halle erschienen, die sie langsam herabstieg, sich am Geländer haltend. Während Gilbert sie küßte, sank sie auf einen Diwan.

In ihrem einer Betäubung ähnlichen Schlaf hatte die Kranke das Klopfen gehört. Sie hatte die Stimme ihres Sohnes sogleich erkannt und sich mit äußerster Anstrengung aufgerafft, um zu ihm zu gehen.

»Mutter! Mutter!« rief er. »Sehe ich dich wieder! – Wie du leidest! – Aber du lebst! – O, wir werden dich wieder gesund machen! – Ja! die bösen Tage werden ein Ende nehmen! – Bald werden wir alle wieder beieinander sein! – Dann wirst du bald Genesung finden! – Fürchte nichts um meinetwillen! – Niemand weiß, daß ich mit Mars hierher gekommen bin.«

Inzwischen schien es Mars klar geworden zu sein, daß er und Gilbert noch nicht alles Unglück erfahren hätten, von dem sie betroffen worden seien. James Burbank, Edward Carrol und Stannard standen gesenkten Hauptes da. Fräulein Alice konnte die Tränen nicht zurückhalten.

In der Tat waren Dy und Zermah nicht anwesend, welch letztere doch sicher die Ankunft ihres Mannes in Camdleß-Bai geahnt und ihn erwartet hätte. Mit von Angst zusammengepreßtem Herzen hatte er sich umgesehen und fragte jetzt:

»Massa, was ist hier –?«

Im selben Augenblick rief Gilbert dazwischen:

»Und Dy? – Ist Dy schon schlafen gegangen? Wo ist meine kleine Schwester?«

»Wo ist meine Frau?« fragte Mars.

Eine Minute darauf wußten der junge Leutnant und Mars alles. Gilbert war neben Frau Burbank niedergekniet. Seine Tränen vermischten sich mit den ihren. Mars ging in wilder Verzweiflung auf und nieder.

Endlich kam seine Wut zum Ausbruch.

»Ich töte Texar!« rief er. »Ich gehe nach Jacksonville – morgen – diese Nacht noch – augenblicklich!«

»Ja, komm, Mars, komm!« rief Gilbert.

James Burbank trat ihnen in den Weg.

»Wenn etwas zu tun wäre,« sagte er, »so würde ich nicht damit gewartet haben, mein Sohn! Der Schurke hätte dann schon mit dem Leben bezahlt, was er uns angetan hat! Und wenn ich nun dich, Gilbert, und Mars auffordere, Euch in Geduld zu fassen, so geschieht es, weil uns nichts weiter übrig bleibt.«

»Gut, Vater!« antwortete der junge Mann. »Wenigstens werde ich das ganze Territorium durchsuchen.«

»Glaubst du denn, ich hätte das nicht auch schon getan?« rief sein Vater. »Nicht ein Tag ist vergangen, ohne daß wir beide Flußufer abgesucht hätten und alle Werder, die diesem Texar als Schlupfwinkel dienen könnten! Und nicht ein Zeichen – nichts, was uns auf die Spur deiner Schwester, Gilbert, und deiner Frau, Mars, hätte bringen können! Carrol und Stannard haben mit mir zusammen alles versucht. Aber bis jetzt sind unsere Nachforschungen fruchtlos geblieben!«

»Warum stellst du nicht Strafantrag in Jacksonville?« fragte der junge Offizier. »Warum zeigst du nicht Texar als Anstifter der Verwüstung von Camdleß-Bai und als Kindesräuber an?«

»Warum?« versetzte James Burbank. »Weil Texar jetzt selber der oberste in der Stadt ist, weil alle ehrbaren Leute vor den Schuften, die seinen Anhang bilden, zittern, weil der Pöbel und auch die Miliz des County auf seiner Seite stehen!«

»Ich töte Texar!« wiederholte Mars, wie von einer fixen Idee beherrscht.

»Du wirst ihn töten, wenn die Stunde gekommen ist,« antwortete James Burbank. »Augenblicklich würdest du die Lage nur noch verschlimmern.«

»Und wann wird die Stunde gekommen sein?« fragte Gilbert.

»Wenn die Bundestruppen Herren von Florida sein werden, wenn Jacksonville von ihnen besetzt ist!«

»Und wenn es dann schon zu spät ist?«

»Mein Sohn! – Mein Sohn! – ich bitte dich – sprich nicht so!« rief Frau Burbank.

»Nein, Gilbert, sprechen Sie nicht so!« rief Fräulein Alice.

James Burbank ergriff die Hand seines Sohnes.

»Gilbert, höre mich an,« sagte er. »Wir wollten wie du und wie Mars unverzüglich an Texar Rache üben, falls er sich weigern sollte, uns zu sagen, was aus seinen Opfern geworden ist. Aber im Interesse deiner Schwester, Gilbert, und im Interesse deiner Frau, Mars, hat der Zorn gegen die Klugheit zurücktreten müssen. Ohne Zweifel ist anzunehmen, daß Dy und Zermah für Texar nur Geiseln sind, durch die er sich schützen will, denn dieser Schuft muß fürchten, daß er wegen des in Jacksonville hervorgerufenen Aufruhrs und wegen der angestifteten Verwüstung von Camdleß-Bai strafrechtlich verfolgt wird. Wenn ich nicht selber davon überzeugt wäre, Gilbert, würde ich dann mit solcher Bestimmtheit für diese Annahme eintreten? Wäre ich denn dann imstande, ruhig zu warten?«

»Würde ich denn dann noch am Leben sein?« setzte Frau Burbank hinzu.

Die unglückliche Frau hatte begriffen, daß ihr Sohn in Texars Hände fiele, wenn er nach Jacksonville ginge. Und wer hätte zu einer Zeit, wo die Truppen der Union schon Florida bedrohten, einen ihrer Offiziere, den sie hatten fangen können, zu retten vermocht?

»Und nun, Gilbert,« fuhr James Burbank fort, »bist du soweit wieder Herr deiner selbst. Sprich nun. Von dem, was du uns sagen wirst, wird es abhängen, zu welchem Entschlusse wir zu gelangen haben. Unsre einzige Hoffnung ist, daß die Bundesarmee bald heranrückt. Ist der Plan, Florida zu besetzen, aufgegeben worden?«

»Nein, Vater.«

»Wo steht jetzt die Bundesarmee?«

»Ein Teil des Geschwaders geht gegen St. Augustine, um die Küste zu blockieren.«

»Aber beabsichtigt der Kommodore nicht, den St. John zu besetzen?« fragte Edward Carrol.

»Der Unterlauf des St. John ist schon unser,« antwortete der junge Leutnant. »Unsere Kanonenboote liegen im Fluß vor Anker unter dem Befehl des Kommandanten Stevens.«

»Im Flusse! Und es ist noch nicht versucht worden, Jacksonville zu erobern?« rief Herr Stannard.

»Nein, denn die Schiffe haben vor der Barre vier Meilen unterhalb des Hafens Halt machen müssen.«

»Halt machen müssen?« fragte James Burbank. »Vor einem unüberschreitbaren Hindernis?«

»Jawohl, Vater,« antwortete Gilbert,« »wegen Wassermangels. Die Flut muß erst hoch genug sein, daß wir über die Barre hinüberkommen, und auch dann ist es noch schwierig. Mars kennt die Einfahrt ganz genau, und er soll uns als Lotse dienen.«

»Warten! – Immer noch warten!« rief James Burbank. »Wieviel Tage noch?«

»Höchstens drei Tage, und wenn der Wind die Flut in den St. John treibt, nur noch 24 Stunden.«

Drei Tage noch oder 24 Stunden, wie lang dünkte den Leuten von Castle-House diese Zeit! Und wenn dann die Konföderierten einsahen, daß sie die Stadt nicht verteidigen könnten – wenn sie sie räumten, wie sie Fernandina, Fort Clinch und die andern Punkte Georgias und des nördlichen Florida geräumt hatten, würde dann nicht Texar mit ihnen flüchten? Und wo sollten sie ihn dann finden?

Aber ihn in diesem Augenblick zur Rechenschaft ziehen zu wollen, wo er selber in Jacksonville die Gesetze diktierte, das war unmöglich.

Herr Stannard fragte nun Gilbert, ob es wahr sei, daß die Truppen der Bundesstaaten im Norden eine Schlappe erlitten hätten und was er über die Niederlage bei Bentonville dächte.

»Durch den Sieg von Pea-Ridge«, antwortete der junge Leutnant, »sind die Truppen Curtis' wieder in den Besitz des Gebietes gelangt, das sie aus einen Augenblick verloren hatten. Die Stellung der Union ist ausgezeichnet, der Erfolg ist ihr auf lange Zeit gesichert. In kurzem wird in diesem Territorium unter dem Schutze unsers Geschwaders die Ruhe und Sicherheit wiederhergestellt sein.«

James Burbank fragte weiter, ob Gilbert ihnen nicht Kriegsnachrichten mitteilen könne, die nicht nach Jacksonville oder wenigstens nicht nach Camdleß-Bai hätten gelangen können?

Allerdings war gerade in letzter Zeit manches geschehen, was besonders für die Anhänger der Nordpartei in den Territorien von Florida von großer Wichtigkeit war.

Der Leser wird sich erinnern, daß infolge des Sieges bei Donelson fast der ganze Staat Tennessee wieder unter die Herrschaft der Nordstaatler gekommen war. Diese waren mit Heer und Flotte gleichmäßig vorgerückt und beabsichtigten, den ganzen Mississippi-Lauf in ihre Gewalt zu bringen.

Sie waren daher auf diesem Strom bis zur Insel Nr. 10 vorgedrungen, wo ihre Truppen mit der Division des Generals Beauregard, der den Strom zu verteidigen hatte, Fühlung nehmen sollten. Schon am 24. Februar waren die Brigaden des Generals Pope bei Commerce am rechten Mississippiufer an Land gegangen und hatten das Korps I. Thomsons zurückgeworfen. Bei der Insel Nr. 10 und der Stadt Neu-Madrid hatten sie allerdings vor einem von Beauregard angelegten System von Verschanzungen Halt machen müssen.

Wenn seit dem Fall von Donelson und Rasheville alle Positionen am Mississippi oberhalb Memphis für die Konföderierten verloren waren, so konnten doch die unterhalb dieses Punktes gelegenen noch verteidigt werden. An dieser Stelle war in Kürze eine vielleicht alles entscheidende Schlacht zu gewärtigen.

An der Reede von Hampton-Road bei der Einfahrt in den James-River hatte unterdessen ein denkwürdiger Kampf stattgefunden. Dieser Kampf bildete die Feuertaufe für die ersten Panzerschiffe, deren Verwendung die Taktik zur See völlig geändert und die Flotten der Alten und Neuen Welt umgestaltet hat.

Am 5. März waren der »Monitor«, ein Panzerschiff, das von dem schwedischen Ingenieur Erikson gebaut worden war, und die »Virginia«, wie der alte »Merrimac« nach dem Umbau getauft worden war, seeklar – der eine in Neu-York, der andere in Norfolk.

Um diese Zeit lag eine Division des Bundesheeres unter Kapitän Marston in Hampton-Road nahe bei Newport-News vor Anker. Diese Division bestand aus dem »Kongreß«, dem »St. Lorenz«, dem »Cumberland« und zwei Dampffregatten.

Plötzlich am 2. März frühmorgens erschien die »Virginia«, die der Kapitän der Konföderierten Buchanan befehligte. Begleitet von einigen andern kleinen Schiffen griff das Panzerschiff zuerst den »Kongreß«, dann den »Cumberland« an, den es mit seiner Mannschaft von 120 Mann zum Sinken brachte. Dann wandte es sich von neuem gegen den »Kongreß«, schoß ihn leck und setzte ihn in Brand. Nur der Einbruch der Nacht bewahrte die andern drei Schiffe des nordstaatlichen Geschwaders vor dem gleichen Schicksal.

Man kann sich schwer vorstellen, welchen Eindruck dieser Sieg eines kleinen Panzerschiffs über die gewaltigen Schiffsriesen der Union machte. Diese Nachricht hatte sich mit wahrhaft wunderbarer Schnelligkeit verbreitet.

Dieser Seesieg war in Jacksonville in lärmender Weise gefeiert worden. Die Konföderierten konnten nun glauben, die Schiffe der Union könnten ihnen keinen Schaden mehr zufügen. Vielleicht würde sogar infolge des Sieges von Hampton-Road das Geschwader des Kommodore Dupont sofort nach dem Potomac oder Chesapeake zurückgerufen werden. Dann wäre Florida durch keine weitere Truppenlandung bedroht.

Dieser Triumph seitens der Konföderierten war jedoch etwas verfrüht. Diese im Norden von Florida schon bekannten Nachrichten ergänzte jetzt Gilbert, indem er hinzufügte, was in dem Augenblick, wo er das Kanonenboot des Kommandanten Stevens verlassen hatte, verlautet war.

Der zweite Tag der Seeschlacht von Hampton-Road verlies in der Tat ganz anders als der erste. Am Morgen des 9. März hatte die »Virginia« eben den »Minnesota« angreifen wollen, eine der beiden Fregatten der Union, als sich ihr ein Feind entgegenstellte, dessen Anwesenheit die »Virginia« nicht geahnt hatte. Eine seltsame Maschine – »eine Käseschachtel auf einem Floß«, wie die Konföderierten es beschrieben hatten – war an der Flanke der Fregatte aufgetaucht. Diese »Käseschachtel« war der »Monitor«, den der Leutnant Warden befehligte. Er war hierher gesandt worden, um die Batterien des Potomac zu vernichten. An der Mündung des James-River angelangt, hatte Leutnant Warden aber die Kanonade von Hampton-Road gehört und war während der Nacht nach dem Kampfesschauplatz gesteuert.

Zehn Minuten voneinander entfernt, beschossen sich diese beiden furchtbaren Kriegsmaschinen vier Stunden lang. Endlich wurde die »Virginia« in der Wasserlinie getroffen und mußte, dem Sinken nahe, in der Richtung auf Norfolk abdampfen.

Der »Monitor«, der selber neun Monate später sinken sollte, hatte einen völligen Sieg über seine Rivalin errungen. Ihm Verdankte es die Bundesregierung, daß sie vor Hampton-Road die Uebermacht behalten hatte.

»Nein, Vater,« schloß Gilbert seinen Bericht, »unser Geschwader ist nicht nach Norden zurückgeworfen worden. Die sechs Kanonenboote des Kommandanten Stevens liegen vor der Barre des St. John. Ich sage Euch nochmals, spätestens in drei Tagen sind wir Herren von Jacksonville!«

»Du siehst nun selber, Gilbert,« antwortete Herr Burbank, »daß du warten und an Bord zurückkehren mußt. Aber fürchtest du nicht, daß du verfolgt worden bist, als du nach Camdleß-Bai kamst?«

»Nein, Vater, kein Mensch hat Mars und mich gesehen. Aber weshalb fragst du so, Vater?«

»Weil ich beständig eine Falle von seiten Texars fürchte. Er weiß, daß du bei der Bundesmarine stehst. Er hat vielleicht auch erfahren, daß du bei dem Kommando Stevens bist. Wenn er dich hierher hat locken wollen –«

»Fürchte nichts, Vater. Wir sind bis Camdleß-Bai gekommen, ohne daß uns jemand den Fluß hat hinauffahren sehen, und ebenso werden wir auch zurückkommen. Noch vor Tagesanbruch werden Mars und ich wieder an Bord sein.«

Mitternacht war eben vorüber. Erst in zwei Stunden konnten Gilbert und Mars aufbrechen, weil sie warten mußten, bis sie mit der zurückströmenden Flut zu der Flottille des Kommandanten Stevens würden zurückkehren können. Es war sehr finster, und sie hatten wohl Aussicht, unbemerkt ihr Ziel zu erreichen, wenn auch zahlreiche Boote auf dem Posten sein mochten, den Lauf des St. John stromabwärts von Camdleß-Bai zu überwachen.

Endlich war die Stunde des Aufbruchs gekommen. Gilbert nahm von der Mutter und Geliebten aufs zärtlichste Abschied. Mars, der die nächste Umgebung von Castle-House rekognosziert hatte, kehrte in diesem Augenblick zurück.

»Es ist Zeit,« sagte er.

»Ja, Gilbert!« sagte James Burbank. »Geh jetzt! Wir werden uns erst in Jacksonville wiedersehen!«

»Ja, in Jacksonville, und zwar morgen schon, »wenn die Flut nur die Ueberfahrt über die Barre ermöglicht, und was Texar anbetrifft –«

»Den müssen wir lebendig fangen – vergiß das nicht, Gilbert!«

»Jawohl – lebendig!«

Der junge Mann umarmte seinen Vater und drückte seinem Oheim Carrol und Herrn Stannard die Hand.

»Komm, Mars!« rief er dann.

Dem rechten Ufer entlang gingen beide eine halbe Stunde lang in schnellem Schritt. Sie begegneten niemand. An der Stelle angekommen, wo sie ihr Gig unterm Schilf versteckt hatten, stiegen sie ein und ließen sich nun von der flotten Strömung der Barre des St. John zutreiben.

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