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Nord gegen Süd. Erster Band

Jules Verne: Nord gegen Süd. Erster Band - Kapitel 10
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typefiction
authorJules Verne
titleNord gegen Süd. Erster Band
publisherDruck und Verlag von A. Weichert
correctorJosef Muehlgassner
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Achtes Kapitel. Die letzte Sklavin

Noch am selben Abend erzählte James Burbank den Seinen, was sich auf dem Gericht zugetragen hatte. Die Haltung der Richter in dieser Angelegenheit verdiente alles Lob. Für die Beschuldigung des Einvernehmens mit den Bundesstaatlern hatten sie faktische Beweise verlangt. Da Texar diese Beweise nicht hatte erbringen können, war James Burbank auf freiem Fuß gelassen worden.

Bei diesen verworrenen Verwünschungen war jedoch auch der Name Gilbert gefallen. Es schien kein Zweifel mehr darein gesetzt zu werden, daß der junge Mann bei der Armee der Bundesstaatler sei. War die Weigerung, hierauf zu antworten, nicht ein halbes Zugeständnis von seiten James Burbanks gewesen?

Begreiflicherweise schwebten Frau Burbank, Fräulein Alice und die ganze so schwer bedrohte Familie in nur noch größerer Angst. Würde der wütende Pöbel von Jacksonville, wenn er sich nicht an den Sohn halten konnte, nicht über den Vater herfallen? Texar hatte ohne Zweifel nur geprahlt, wenn er gesagt hatte, er wolle in wenigen Tagen den Beweis für diese Tatsache erbringen. Aber unmöglich war es nicht, daß es ihm gelang, und die Situation war dann im höchsten Maße gefährlich.

»Wäre es nicht angebracht,« sagte Herr Stannard, »ihn vor allen Dingen wissen zu lassen, daß jede Unklugheit seinerseits für die Seinen und ihn die unheilvollsten Folgen haben könne?«

»Und wie sollten wir ihn benachrichtigen?« entgegnete James Burbank. »Camdleß-Bai ist beständig von Spionen umringt. Schon der Bote, den Gilbert uns gesandt hat, ist auf seinem Rückwege verfolgt worden. Jeder Brief, den wir schreiben würden, könnte Texar in die Hände fallen, und jeder Bote, den wir absenden würden, liefe Gefahr, angehalten zu werden. Nein, wir wollen nichts versuchen, was unsere Lage noch mehr gefährden könnte. Gebe der Himmel, daß die Bundesarmee bald in Florida einrückt!«

James Burbank hatte recht. Infolge der unausgesetzten Ueberwachung der Pflanzung wäre es sehr unklug gewesen, an Gilbert Nachricht abzusenden. Im übrigen stand die Zeit nahe bevor, daß James Burbank und die Nördlichen in Florida unter dem sichern Schutze der Bundesarmee jeder Gefahr enthoben sein sollten; denn schon am folgenden Tage mußte Kommodore Dupont in Edisto in See gehen.

James Burbank erzählte dann den ersten Vorfall, der sich aus dem Gericht von Jacksonville ereignet hatte. Er berichtete, zu welcher Antwort er durch die von Texar ausgesprochenen Schmähungen bezüglich der Sklaven von Camdleß-Bai getrieben worden war. Was noch kein Staat des Südens zu proklamieren gewagt hatte, ohne durch das Schicksal des Krieges dazu gezwungen zu sein, er hatte es aus freien Stücken getan.

Eine ebenso kühne wie edelsinnige Erklärung! Die Folgen waren nicht abzusehen. Aber die Familie Burbank, von dem hohen Mut der Tat ergriffen, billigte rückhaltlos, was ihr Oberhaupt getan hatte. Carrol und Stannard hatten James Burbank warm die Hand gedrückt. Das besagte ihrerseits, daß sie ihm für diese kühne und gerechte Handlungsweise vollen Beifall zollten.

So dachte denn in Camdleß-Bai niemand daran, James Burbank zu tadeln, bis auf den Verwalter Perry, der aber zur Zeit auf seinem dienstlichen Rundgang durch die Pflanzung begriffen war und erst in der Nacht zurückkehren konnte.

Es war schon spät. Die Familie ging auseinander, nachdem James Burbank erklärt hatte, daß er schon am folgenden Tage die Sklaven von der Freisprechung benachrichtigen werde.

»Wir wollen dabei sein, James,« sagte Frau Burbank, »wenn du ihnen sagst, daß sie frei sind.«

»Ja, wir alle!« setzte Edward Carrol hinzu.

»Und ich auch, Vater?« fragte die kleine Dy.

»Ja, Herzchen, du auch.«

»Gute Zermah,« setzte das Mädchen hinzu, »wirst du dann von uns gehen?«

»Nein, mein Kind,« antwortete Zermah. »Nein! Ich werde dich nie verlassen.«

Der erste, den am folgenden Morgen James Burbank in dem umzäunten Park traf, war Herr Perry. Da noch nichts verraten worden war, wußte der Verwalter von der ganzen Sache noch nichts. Er hörte nun alles aus James Burbanks Munde, der übrigens auf eine große Verblüffung seitens seines Angestellten gefaßt gewesen war.

»O, Herr James! – O, Herr James!«

Der wackre Mann war völlig niedergeschmettert und konnte nichts anderes antworten.

»Das kann Sie doch aber nicht wunder nehmen, Perry,« sagte James Burbank. »Ich habe nun den Ereignissen vorgegriffen. Sie wissen, daß die Freisprechung der Schwarzen eine Tat ist, zu der jeder auf seine Würde bedachte Staat verpflichtet ist –«

»Auf seine Würde, Herr James! Was hat denn die Würde damit zu tun?«

»Sie verstehen das Wort Würde nicht, Perry. Sagen wir meinetwegen: auf seine Interessen bedacht.«

»Seine Interessen – seine Interessen, Herr James! Sie sagen, bedacht auf seine Interessen!«

»Unstreitig, und die Zukunft wird Ihnen den Beweis dafür liefern, mein lieber Perry!«

»Aber wo kriegt man denn nachher das Personal für die Pflanzungen her, Herr Burbank?«

»Immer noch unter den Negern.«

»Aber wenn es den Negern frei steht, nicht mehr zu arbeiten, dann arbeiten sie einfach nicht mehr.«

»Sie werden weiter arbeiten und zwar mit noch großem Eifer!«

»Aber die Ihren, Herr James? Ihre Sklaven werden doch zu allererst weglaufen!«

»Es sollte mich sehr wundern, mein lieber Perry, wenn auch nur ein einziger auf diesen Gedanken käme.«

»Aber dann bin ich ja nicht mehr der Verwalter der Sklaven von Camdleß-Bai?«

»Nein, aber Sie sind noch immer Verwalter von Camdleß-Bai, und ich glaube, Ihre Stellung wird nicht im mindesten darunter leiden, daß Sie jetzt über freie Menschen gebieten statt über Sklaven.«

»Aber –«

»Mein lieber Perry, ich habe auf all Ihre »Aber« eine Antwort bereit. Befreunden Sie sich also mit einer Handlung, die sowieso in Kürze eingetreten wäre und die meine ganze Familie, wissen Sie wohl, auf das herzlichste willkommen geheißen hat!«

»Und unsere Schwarzen wissen noch nichts davon?«

»Noch nichts,« antwortete Burbank. »Ich bitte Sie, Perry, nicht darüber zu ihnen zu sprechen. Die Leute erfahren es heute noch. Sie rufen mir alle auf 3 Uhr nachmittags nach dem Park von Castle-House zusammen und sagen bloß, ich hätte den Leuten eine Mitteilung zu machen.«

Darauf zog der Verwalter sich zurück, indem er unter Gebärden des Erstaunens wiederholte:

»Schwarze, die keine Sklaven mehr sind! Schwarze, die auf ihre Rechnung arbeiten sollen! Schwarze, die für sich selber sorgen sollen! Das heißt ja die soziale Ordnung über den Haufen werfen! Das heißt die menschlichen Gesetze umstürzen! Das ist gegen die Natur! Jawohl, ganz einfach gegen die Natur!«

Derjenige von allen Schwarzen auf der Pflanzung, der sich am meisten freuen würde, war offenbar ein zwanzig Jahre alter Bursche namens Pygmalion – gewöhnlich Pyg genannt. Da er als Hausdiener in Castle-House tätig war, wohnte er auch dort. Er arbeitete weder aus den Feldern noch in den Werkstätten oder auf den Zimmerplätzen. Er war ein alberner, eitler, fauler Bengel, dem die Herrschaft viel zu gute halten mußte. Seit die Sklavenfrage auf der Tagesordnung stand, führte er stets hochtrabende Reden über die menschliche Freiheit. Bei jeder Gelegenheit richtete er großspurige Ansprachen an seine Stammesbrüder, die ihn ungeniert auslachten. Er saß auf dem großen Pferde, wie man sagt, wenn schon ein Esel ihn hätte absetzen können. Da er aber im Grunde nicht von boshafter Natur war, ließ man ihn schwatzen. Es war vorauszusehen, daß dieser Neger die Freiheitserklärung, die ihm seine Menschenwürde wiedergeben sollte, mit hellem Jubel aufnehmen würde.

An diesem Tage wurde den Schwarzen mitgeteilt, daß sie sich im Park von Castle-House versammeln sollten. Dort sollte ihnen von dem Eigentümer von Camdleß-Bai eine wichtige Mitteilung gemacht werden.

Kurz vor drei Uhr – der für die Versammlung festgesetzten Stunde – hatte das ganze Personal die Baracken verlassen und begann sich vor Camdleß-Bai einzufinden. Die wackeren Leute waren nach dem Mittagsmahl nicht in die Felder oder auf die Arbeitsplätze zurückgekehrt. Sie hatten ein wenig »Toilette« machen wollen, die Arbeitskleider ablegen und saubere anziehen wollen, wie es ihre Gewohnheit war, wenn ihnen das Tor der Umzäunung aufgeschlossen wurde.

Ein reges Leben und Treiben herrschte infolgedessen, während Verwalter Perry von einer Baracke zur andern ging und vor sich hinbrummte:

»Wenn ich bedenke, daß man in diesem Augenblick noch diese Schwarzen zu Gelde machen könnte, weil sie noch Verkaufsware sind! Und ehe noch eine Stunde um ist, darf man sie nicht mehr verkaufen noch ankaufen. Jawohl, bis zu meinem letzten Atemzuge bleibe ich dabei: Herr Burbank und nach ihm der Präsident Lincoln und nach dem Präsidenten Lincoln alle Nordstaatler und alle Abolitionisten beider Weltteile mögen sagen und tun, was sie wollen – es ist und bleibt gegen die Natur.«

In diesem Augenblick trat Pygmalion, der noch von nichts wußte, vor den Verwalter.

»Weshalb werden wir denn zusammengerufen, Herr Perry?« fragte Pyg. »Würden Sie die Güte haben, mir das zu sagen?«

»Jawohl, Schafskopf! Weil du –«

Der Verwalter hielt inne, da er das Geheimnis nicht verraten wollte. Er kam auf einen Einfall.

»Tritt näher, Pyg!« sagte er.

Pygmalion kam dicht zu ihm heran.

»Ziehe ich dir manchmal die Ohren lang, Lümmel?«

»Jawohl, Herr Perry, weil Sie gegen jede menschliche oder göttliche Gerechtigkeit die Befugnis haben.«

»Schön, und weil ich die Befugnis habe, will ich noch einmal Gebrauch davon machen.«

Und ohne sich an das Geschrei Pygs zu kehren, und ohne ihm dabei sonderlich weh zu tun, schüttelte er ihn bei den Ohren, die schon von ansehnlicher Länge waren. Wahrlich war es dem Verwalter eine Befriedigung, ein letztesmal an einem der Sklaven sein Recht ausgeübt zu haben.

Um drei Uhr erschienen James Burbank und die Seinen vor Castle-House. In der Umzäunung waren 700 Sklaven versammelt, Männer, Frauen, Kinder – sogar etwa zwanzig jener alten Neger, die als Arbeitsunfähige ihre alten Tage in Ruhe und Frieden in den Baracken von Camdleß-Bai verleben durften.

Tiefes Schweigen trat jetzt ein. Auf einen Wink James Burbanks ließen Herr Perry und die Unterverwalter das Personal näher herantreten, so daß die Eröffnung, die ihnen gemacht werden sollte, von allen zu verstehen war.

James Burbank ergriff das Wort.

»Meine Freunde,« sagte er, »Ihr wißt, daß ein langer und blutiger Bürgerkrieg in den Vereinigten Staaten tobt. Der eigentliche Beweggrund zu diesem Kriege war die Sklavenfrage. Der Süden wollte die Sklaverei aufrecht erhalten wissen, der Norden wollte sie im Namen der Menschlichkeit in Amerika abgeschafft wissen. Gott hat die Verteidiger einer gerechten Sache begünstigt, und schon öfters ist der Sieg denen zugefallen, die für die Befreiung einer ganzen Menschenrasse kämpfen. Seit langem bin ich, wie jedermann weiß, getreu meiner Abstammung, ein Anhänger der Nordstaatler gewesen. Die Umstände haben es nun gefügt, daß der Augenblick, wo ich meine Meinung in die Tat umsetzen kann, schnell und plötzlich eintritt. Hört denn, was ich Euch im Namen meiner ganzen Familie mitzuteilen habe.«

Ein dumpfes Murmeln der Spannung wurde laut, verstummte aber sogleich wieder. Und nun machte James Burbank mit lauter, weithin schallender Stimme die folgende Erklärung:

»Von diesem Tage, dem 28. Februar 1862 an, sind die Sklaven der Pflanzung von jeder Knechtschaft frei. Sie können selbständig über sich verfügen. In Camdleß-Bai gibt es nur noch freie Menschen!«

Die ersten Kundgebungen dieser neuen Freien waren laute Hurrarufe, die auf allen Seiten losbrachen. Zum Zeichen des Dankes wurden die Arme geschwenkt, und alles drängte näher an den Vorplatz heran. Männer, Frauen und Kinder wollten ihrem Befreier die Hand küssen.

Dann schritt ein alter Neger, der älteste des ganzen Personals, bis an die ersten Stufen, die zum Herrenhause hinaufführten. Dort hob er den Kopf, und mit bewegter Stimme sagte er dann:

»Im Namen der ehemaligen Sklaven von Camdleß-Bai – die nun frei sind – haben Sie Dank, Herr Burbank, daß Sie die ersten Worte der Freiheitserklärung, die im Staate von Florida gesprochen worden sind, an uns gerichtet haben.«

Während dieser Worte war der alte Neger langsam die Stufen hinaufgestiegen. Bei James Burbank angelangt, küßte er ihm die Hände, und da die kleine Dy die Arme nach ihm ausstreckte, hob er sie in die Höhe und zeigte sie seinen Kameraden.

»Hurra! Hurra für Herrn Burbank!«

Diese Rufe erklangen laut und freudig, und der Schall mußte bis ans andere Ufer nach Jacksonville die Nachricht von dem großen Akt, der hier vollzogen worden war, hinübertragen.

Nun trat Zermah vor und ergriff das Wort.

»Meine Freunde,« sagte sie, »da wir dank der Edelmütigkeit dessen, der unser Herr war und der beste Herr auf der Welt, nun alle frei sind, so sind wir selbständig und ein jeder kann die Pflanzung verlassen und von seiner Freiheit Gebrauch machen. Ich selber werde dem Zuge meines Herzens folgen, und ich bin überzeugt, daß die meisten von Euch ebenso handeln werden. Seit sechs Jahren bin ich in Camdleß-Bai. Mein Mann und ich haben hier gelebt und wünschen uns nichts weiter, als hier zu sterben. Ich bitte Herrn Burbank, uns als Freie zu behalten, wie er uns als Sklaven behalten hat. Und diejenigen, die dasselbe wünschen –«

»Alle! – Alle!«

Und diese tausendfach wiederholten Worte zeigten, wie hochverehrt der Besitzer von Camdleß-Bai war, der nun nochmals sich an seine Leute wendete. Er sagte, daß alle, die auf der Pflanzung bleiben wollten, unter den neuen Verhältnissen auch bleiben könnten. Es handelte sich nur noch darum, auf Grund gemeinsamen Uebereinkommens den Lohn für die freie Arbeit und die Rechte der neuen Freien festzusetzen.

Er setzte hinzu, daß jeder Neger für seine Familie und seine Person eine schriftliche Freiheitserklärung jetzt erhalten werde, laut welcher er berechtigt sein solle, in der Menschheit die Stelle einzunehmen, auf die er ein Anrecht habe.

Dies wurde jetzt von den Unterverwaltern besorgt.

Da James Burbank schon lange entschlossen gewesen war, seine Sklaven für frei zu erklären, waren diese Akten schon vorbereitet, und diese Papiere wurden nun verteilt.

Das Ende dieses Tages war der Freude geweiht; die Familie Burbank nahm an der Festlichkeit teil und empfing die aufrichtigsten Freundschaftsbezeugungen und die Versicherungen herzlichster Ergebenheit.

Am Abend war die Familie Burbank bei der Tafel in Castle-House in wahrhaft glückseliger Stimmung. Ein größeres Vertrauen in die Zukunft beseelte alle. In wenigen Tagen war die Sicherheit Floridas völlig hergestellt. Auch war keine schlimme Nachricht von Jacksonville eingetroffen.

Bei dieser Abendmahlzeit war der Verwalter Perry zugegen, der sich mit dem Geschehenen wohl oder übel abfinden mußte. Ja er hatte seinen Platz sogar gegenüber dem Aeltesten der Neger, der auch von James Burbank eingeladen worden war, zum wirksamen Zeichen dafür, daß die Freisprechung für den Herrn von Camdleß-Bai keine hohle Phrase wäre. Draußen tönte lautes Freudengeschrei; der Park war hell erleuchtet von den an verschiedenen Punkten der Pflanzung angebrannten Freudenfeuern.

Gegen acht Uhr war auf der ganzen Pflanzung alles zur Ruhe gegangen. Aber als sollte ein so gut begonnener Tag nicht gut zum Ende kommen, wurde die Stille plötzlich durch Stimmengewirr unterbrochen, und James Burbank erhob sich sogleich und öffnete das Tor der Halle.

Draußen standen einige Männer, die sehr laut sprachen.

»Was gibt's?« fragte James Burbank.

»Herr Burbank,« antwortete einer der Verwalter, »ein Boot hat angelegt.«

»Von wo kommt es?«

»Vom linken Ufer.«

»Wer ist an Bord?«

»Ein Bote, der von der Obrigkeit von Jacksonville an Sie gesandt worden ist.«

»Und was will er?«

»Er verlangt Ihnen eine Mitteilung zu machen. Soll er herkommen?«

»Gewiß.«

Frau Burbank war zu ihrem Mann getreten. Fräulein Alice trat rasch an ein Fenster, während Herr Stannard und Edward Carrol aus die Tür gingen. Zermah nahm die kleine Dy bei der Hand und stand auf. Alle hatten jetzt die Ahnung, daß ein ernster Zwischenfall bevorstände.

Der Verwalter war nach dem Landungssteg gegangen. Zehn Minuten später kehrte er mit dem Boten zurück, der im Kahn von Jacksonville nach Camdleß-Bai gefahren war.

Es war ein Mann in der Uniform der County-Miliz. Er wurde hereingeführt und begehrte Herrn Burbank zu sprechen.

»Der bin ich! Was wollen Sie von mir?«

»Ihnen diese Zustellung übergeben.«

Der Bote überreichte ihm ein zusammengefaltetes Aktenstück – das an einer Ecke das Siegel des Gerichts trug.

James Burbank öffnete es und las wie folgt:

»Laut Verfügung der in Jacksonville neu eingesetzten Obrigkeit wird jeder Sklave, der entgegen dem Willen der Südpartei für frei erklärt wird, ohne weiteres aus dem Territorium ausgewiesen.

Binnen achtundvierzig Stunden wird diese Maßregel vollzogen. Bei Widerstand wird mit Gewalt vorgegangen.

Gegeben zu Jacksonville, am 28. Februar 1862.
Gezeichnet: Texar.«

Die Obrigkeit, zu der man Zutrauen hatte haben können, war gestürzt worden. Von seinen Anhängern unterstützt, stand Texar seit kurzem an der Spitze der Stadt.

»Welche Antwort soll ich überbringen?« fragte der Bote.

»Keine!«

Der Bote ging und wurde nach seinem Kahn zurückgebracht, der ihn wieder an das linke Ufer des Flusses trug.

Auf Anordnung des Spaniers also sollten die ehemaligen Sklaven der Pflanzung verjagt werden. Weil sie frei geworden waren, sollten sie nicht mehr das Recht haben, auf dem floridischen Territorium zu leben! Camdleß-Bai sollte all seines Personals beraubt werden, mit dem James Burbank seine Pflanzung zu verteidigen gehofft hatte.

»Frei unter solcher Bedingung?« rief Zermah. »Nein, niemals! Ich weise die Freiheit zurück, und da ich bei Ihnen bleiben will, gnädiger Herr, will ich lieber wieder Sklavin werden!«

Und Zermah nahm ihren Freiheitsschein, zerriß ihn und fiel vor James Burbank auf die Knie.

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