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Neuere politische und soziale Gedichte

Ferdinand Freiligrath: Neuere politische und soziale Gedichte - Kapitel 54
Quellenangabe
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typepoem
authorFerdinand Freiligrath
booktitleWerke in neun Bänden ? Fünfter Band
titleNeuere politische und soziale Gedichte
publisherTh. Knaur Nachf., Berlin und Leipzig
editorSchmidt-Weißenfels
year
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Drei Lieder an meine Enkel.

1.

An Hermann Wiens, den Jüngsten.
Zu seinem zweiten Geburtstage, 14. März 1872.

Heil und Segen, Gruß und Kuß
Unserm Hermann Minimus!
Sonnig und mit Lerchenschlag
Grüß' ihn oft noch dieser Tag!

Mög' er wachsen, mög' er blühn!
Mög' er werden stark und kühn,
Mög' er werden brav und gut,
Recht ein treues deutsches Blut!

Mög' er jeden Augenblick
Mehren seiner Eltern Glück!
Immer ein guter Bruder sein
Siegfried, seinem Brüderlein!

So gescheh's, Arminius!
Vivat drum, und Gruß und Kuß!
Nächsten Sommer, zweifle nit,
Bringen wir dir auch was mit!

Dies schreibt dir dein Apapa,
Dies auch deine Amama,
Dieses auch der Bengel-Bongel,
Dein bekannter Ongel-Ongel!

2.

An denselben

Zu seinem vierten Geburtstage, 14. März 1874.
(Mit einem Bildchen.)

Lieber Hermann,

Im Garten singt das Meislein,
Es hüpft auf Zweig und Reislein,
Und hier kommen die sieben Geislein
Mit Schwänzlein über den Steißlein.
Die tirilieren.
Und jubilieren.
Und randalieren,
Und gratulieren.
Und richten einen großen Lärm an,
Und rufen: Vivat Hermann!
Vivat Hermann immerdar,
Jetzt und viele, viele Jahr',
Immer frisch und wohlgemut.
Immer wacker, immer gut
In Gottes und seiner Eltern Hut!
Immer fleißig – mäh, mäh, mäh! –
Über seinem A B C,
Über Bild und über Schrift
Mit dem edeln Schieferstift!
Aber mutig auch und keck
Hoch zu Roß und hoch am Reck!
Ja, mutig! Einer, dem's nicht graut,
Wenn der Wolf durchs Fenster schaut!
Ein braver Knab', ein tücht'ger Mann,
Der Seinen Glück, – und so fortan!
Bis dereinst – Piep! sagt das Meislein;
Mäh, mäh! sagen die Geislein; –
Er dasitzt als ein eisgraues Greislein!

So eins, lieber Junge,
Wie dein dich liebender und
mit Meislein und Geislein
dir von Herzen glückwünschender
Großpapa.

3.

An Siegfried Wiens, den Karussell-Enthusiasten.

Zu seinem dritten Geburtstage, 26. Februar 1874,
vom Großpapa in Stuttgart.

Glückauf, mein lieber Enkelsohn!
Nicht wahr, das trabt sich schnell?
Dein drittes frohes Jahrrund schon
Im Lebens-Karussell!

So recht! Und nun noch manches Rund
Nach drei'n, und dreimal drei'n!
Noch manches Rundum Rundum Rund,
Und wären's neunmal neun!

Nur immer stramm und fest im Sitz!
Nur immer brav und gut!
Nur immer tapfern Augenblitz,
Und frischen tapfern Mut!

Und Liebe, die du froh empfängst,
Und Liebe, die du gibst!
Gleichviel, wie lang und weit du sprengst,
Wenn du geliebt nur liebst!

So soll es sein! Jetzt und fortan!
Gott mit dir allezeit!
Glückauf, mein lust'ger Reitersmann!
Reit' zu, mein Junge, reit'!

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