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Neuere politische und soziale Gedichte

Ferdinand Freiligrath: Neuere politische und soziale Gedichte - Kapitel 43
Quellenangabe
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typepoem
authorFerdinand Freiligrath
booktitleWerke in neun Bänden ? Fünfter Band
titleNeuere politische und soziale Gedichte
publisherTh. Knaur Nachf., Berlin und Leipzig
editorSchmidt-Weißenfels
year
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Düsseldorff 22. May 1855.

Im Thon: Willstu nicht der Bloemlein warten?

Damon, jener vielgenannte
Pfeifer auff dem Haberrohr,
Damon, den sein Land verbannte,
Ginge jüngstens für das Thor,
Im Exile sich des Mayen
Und der Thonkunst zu erfreuen.

Auff dem neubegrünten Raine
Schritt er auff und ab und sann;
Sasze dann auff einem Steine
Nieder, der beliebte Mann;
Zog herfür auch die Vertraute
Seiner Einsamkeit, die Flaute.

Bald zu blasen er begunte
(Feld und Wiese waren Ohr!)
Alle Stücklein, so er kunte,
Künstlich auf dem Haberrohr.
Doch zumeist, bald hoch bald tiefe,
Blus er dieses: » Heinrich schliefe!«

Drauff erhub er seine Stimme,
Süsz und ohne Räuspern gar,
Dasz die Landschaft ümm und ümme
Wirklich fast voll Staunens war,
Und der Themsegott mit Schallen
Schier den Fluthkrug liesze fallen.

Itzo,« sang er, »wo vom Küssen
Föbi Kraut und Blume scheust;
Wo der Rhein mit breiten Güssen
Maytranck durch die Lande geust;
Wo die Fische ziehn in Schaaren
Und die Vögel neu sich paaren:

Itzo will sich auch vermählen
(Lange feind dem Ehestand!)
Heinz, der Bruder meiner Seelen,
Kustos von der Welt genannt!
Hand in Hand mit seiner Käthen
für den Altar will er treten!

Heil der Frommen, Heil der Guten,
Die nach langem Saus und Braus
Bindet diesen Leichtgemuthen!
Die zuerst ein eigen Haus
Mit des Weibes treuem Walten
Bau'n ihm hilfft und auch erhalten!

Mög' es ihnen wohl gerathen!
Feste sey es auffgericht't!
Mögen sie mich bald als Pathen
Brauchen: – wenn beim Ersten nicht,
Dann, ich will auch artlich bitten,
Doch beim Zweiten oder Dritten!

Eia, wer itzt zu Euch träte!
Eia, wer anitzo frisch:
Heil dir, Heinz! und: Heil dir, Käthe!
Rufen könnte übern Tisch!
Wer sich sanfte liesze träncken
Anthon, den berümbten Schencken!

Doch fernab mit bleicherm Haare,
Geht der Mann des Saytenspiels,
Der nun wieder schon vier Jahre
Würgt das Beefsteak des Exils;
Dessen Maytranck (armer Schlucker!)
Essig, krause Müntze, Zucker!

Nemlich jene herbe Brühe,
Die der Britten roher Stamm
Allemal im Jahre frühe
Auszgeust auff gebratnes Lamm.
Zwar als Brühe leidlich schmäckt sie,
Doch als Maytranck halb nur kleckt sie.

Ach, ihr ahnt es nicht, ihr Lieben,
Was es heiszt, verschlagen sein!
Maytranck, Freunde – Nichts geblieben!
Still doch: Alles noch ist mein!
Weib und Kind auff fremder Schwelle
Meine deutsche Feuerstelle!

Diese sind's, die mir beschwicht'gen
Mein offt ungeduld'ges Hertz,
Dasz selbst ausz der Gruft des flücht'gen
Wie ein Strahl noch blitzt der Schertz,
Dasz ich, Kind noch und Poete,
Jubeln kann: Heil, Heinz und Käthe

Also sang der Tugendreiche
Durch den auszgestreckten Heyn!
Schnitte noch in eine Eiche
Die verehrten Nahmen ein;
Drüber zwo verschlungne Hände,
Drunter: Prosit ohne Ende!

Denn so, wiederümm mit Blasen,
Ging er heime, ernst doch froh;
Schritte zu, auf feuchtem Rasen,
Seinem Ruhsitz Monpopo;
Hoffende, wie dasz sein Lallen
Ihnen möge dasz gefallen!

Londen, in Verlegung des Authoris

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