Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ferdinand Freiligrath >

Neuere politische und soziale Gedichte

Ferdinand Freiligrath: Neuere politische und soziale Gedichte - Kapitel 38
Quellenangabe
pfad/freiligr/polisozi/polisozi.xml
typepoem
authorFerdinand Freiligrath
booktitleWerke in neun Bänden ? Fünfter Band
titleNeuere politische und soziale Gedichte
publisherTh. Knaur Nachf., Berlin und Leipzig
editorSchmidt-Weißenfels
year
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090420
projectid5606544c
Schließen

Navigation:

Drei Sonette an Karl Buchner

1.

Am Mittelrheine, zu der Lorlei Füßen,
Wo bei den Heiden weiland Sankt Goar
Der erste Christ und Salmenfänger war,
Da schwingt sich auf ein heiterernstes Grüßen.

Es fliegt nach Süd, wo Hessens Buchen sprießen;
Dort steht bekränzt ein stiller Hausaltar,
Und jubelnd drängt sich froher Kinder Schar,
Die, selbst ein Festkranz, blühend ihn umschließen.

Dort senkt es sich, dort macht es freudig Halt;
Es flog ihm zu auf wohlbekannten Wegen,
Und fand im Suchen seine Stätte bald.

Und recht von Herzen ruft es ihm entgegen
(So laut, daß rings die Grafenstraße schallt):
Zum schönsten Feste Glück und Gottes Segen!

2.

Die Grafenstraße! – Nennt sie sich von Grafen?
Und welch' ein Graf denn hat sie wohl gehoben?
Oft fragt' ich so; doch kann ich just nicht loben,
Daß meine Fragen kund'ge Deutung trafen.

Jetzt ward mir's klar! Ich hört' in ihrem Hafen
Fernab die Welt und ihre Wellen toben;
Sie gab mir freundlich echter Freundschaft Proben;
Sie sah mich lachen, weinen, trinken, schlafen!

Drum muß ich's wissen nach der Dinge Laufe,
Und weiß es auch, und gegen Wild- und Raugraf
Will ich's verfechten, ernstlich und im Spaße:

Es hob die Gute weiland aus der Taufe
Nicht Telegraf, nicht Geograf, nicht Gaugraf –
Sie ist, gottlob, die Auto-Grafenstraße.

3.

Noch ein Sonett? Daß uns Apoll behüte! –
Ich bitte sehr! nur dies noch ist im Sack!
Es geht mir just im Gratulantenfrack,
Wie jenem Heros der Studentenmythe!

Der trug einmal aus lauter Hast drei Hüte:
Kopf unterm Strohhut, preßt er links den Claque,
Indes die Rechte, nach der Zeit Geschmack,
Mit rundem Filze grüßend sich bemühte.

So keucht' er an auf feierlicher Stätte,
Verspätet freilich und verlegen zwar,
Doch fromm bedacht, daß seine Seel' er rette!

Ich fürchte sehr, ich gleich' ihm auf ein Haar:
Drei Hüte nicht, doch leg' ich drei Sonette
In später Eil' auf deinen Festaltar.

 << Kapitel 37  Kapitel 39 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.