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Neue Lieder und Mären

Martin Greif: Neue Lieder und Mären - Kapitel 8
Quellenangabe
typepoem
authorMartin Greif
titleNeue Lieder und Mären
publisherC. F. Amelangs Verlag
printrunErstes bis drittes Tausend
year1902
firstpub1902
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20151115
projectid536b49eb
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Deutsche Gedenkblätter.

Der alte Schleswig-Holsteiner.

(1864.)

Horch draußen, horch draußen!
Wie hell es durch die Straßen zieht.
Erbrausen, erbrausen
Hör' ich dich wieder, deutsches Lied!

Sie singen, sie dringen
Zur Stadt herein mit hellem Spiel;
Mir ist, als wenn sie bringen
Den Sohn, der einst im Kampf mir fiel.

Bereitet, bereitet
Ein Nachtmahl vor dem Bette hier,
Geleitet, geleitet
Mir neue Söhne ins Quartier!

Auf dem Schlachtfeld von Waterloo.

(1861.)

O Feld, durch einen Tag berühmt geworden
Und eingeprägt in jedes Menschen Ohr
Durch jenes ungeheure Völkermorden,
Dafür dich Gott erkor!

Man muß dich schaun in jenes Mondes Tagen,
Der dich verewigt, wenn zur Abendzeit
Die Wolken, die sich immer dichter jagen,
Verfrüh'n die Dunkelheit,

Wenn man in Ehrfurcht halb und halb in Grollen
Des Schicksalssohnes Zaubernamen nennt,
Und in den Ruf die großen Donner rollen
Am düstern Firmament,

Wenn um die Ähren rings die Blumen ranken,
Wo schwer durchs Feld der Erntewagen geht,
Und sich die Sperlinge am Tore zanken,
Darin er schwankend steht.

Am Tor der Farme, die noch am Gebälke
Bis an den First des Brandes Spuren zeigt,
Im Garten, drin die Rose und die Nelke
Aus alten Gräbern steigt,

Da kämpften sie, die braven deutschen Brüder,
Da sanken sie so früh ins Heldengrab,
Darüber wir den lichten blauen Flieder
Sehn flattern auf und ab.

Hier zieht, berauscht in ihres Volkes Siegen,
Von Britten durch manch stolzer Fremdlingszug,
Von Deutschen nahet keiner, und doch liegen
Der Brüder hier genug!

Auf deutschen Gräbern ruhen keine Kränze,
Wo Deutsche schlummern, ragt kein grüner Rain,
Geschweige, daß ihr Heldenname glänze
Auf hellem Marmelstein,

Wie in der Kirche, die nun Ruhmeshalle
Und Pantheon im stillen Waterloo,
Wo bis auf deutschen Heldenanteil alle
Benamt sind siegesfroh.

Nicht, daß mein Lied versuchte hier zu mahnen,
Ihr Grab zu schmücken, das so lang verwaist –
Erwachen wird bei hochgeschwungnen Fahnen,
Deutschland, dein alter Geist!

Es will nur auf vergess'ne Gräber zeigen,
Draus Stimmen nachts schon mancher hören wollt',
Der spähte, ob nicht Wetter endlich steigen,
Von Deutschland hergerollt,

Auf daß ein Heer annaht auf Siegeswegen,
Das würdig ist, den grünen Lorbeerkranz
Auf diesen Heldenfriedhof hinzulegen
Im Morgensonnenglanz.

Der Zukünftige.

(Vor 1870.)

Elmsfeuer glühn um Takelwerk und Rahen,
Bevor der Sturm sie beugt. Eh' das Verhängnis
Sein Haupt erhebt, schaut voll von Furcht und Bängnis
Ein Volk von fern des Sturmes Boten nahen.

Der sichre Geist nur kann die Zeit empfahen
Voll Zuversicht, und in der Welt Bedrängnis
Schaut er die Gitter fallen vom Gefängnis,
Drin sich die Freiesten gefangen sahen.

Da kommt es wohl, daß er den Sonnenwagen
Der Zukunft donnern hört aus weiter Ferne,
Davor des Weltgeists Götterpferde jagen.

Doch daß der Rechte ihn zu lenken lerne,
Stürzt mancher Phaethon zu Staub zerschlagen:
Indessen reift der Held im Schutz der Sterne.

Bei der Nachricht von dem eröffneten Bombardement von Paris.

Ehrlichs Geschütz
Mit gradem Mund
Und grobem Witz
Gibt baß euch kund,
Was Deutschland not und nütz. :,:

Erster Schuß:
Vor allem wißt,
Daß phönixgleich
In dieser Frist
Das Deutsche Reich
Vom Tod erstanden ist. :,:

Zweiter Schuß:
Zum zweiten hört,
Daß ihr am Rhein
Uns nimmer stört!
Soll unser sein,
Was ehmals uns gehört. :,:

Dritter Schuß:
Vernehmt auch klar
Das letzte Wort:
Die Zahlung bar!
Wir ziehn nicht fort,
Bis jeder Buchstab' wahr. :,:

Einzugslied.

(1871.)

Streuet dem Sieger
Kränze aufs Haupt,
Ehret den Krieger
Stirnumlaubt!

Was er vollbrachte,
Lohnet kein Lohn, –
Mutter betrachte
Stolz den Sohn!

Jubelnd aus allen
Such' ihn hervor –
Ist er gefallen,
Blick' empor!

Tröstend aus Höhen
Winkt er herab,
Engel umstehen
Fern sein Grab.

Drück' ohne Wählen
Einem die Hand,
Alle ja zählen
Uns verwandt.

Vaterlands Söhne
Narbengeschmückt,
Ruhm euch umtöne,
Lauscht entzückt.

Streuet dem Krieger
Kränze aufs Haupt,
Ehret den Sieger
Stirnumlaubt!

Nach den Einzugstagen.

(1871.)

Bleibe tüchtig, mein Geschlecht,
Wie du dich bewähret,
Wie du dich im Kampf fürs Recht
Herrlich hast verkläret.

Ist dein Herd nur wohl verwahrt,
Gönne allen Frieden,
Lebe fort nach deiner Art,
Wie es dir beschieden.

Waren doch die Väter schon
Dafür ausgezeichnet,
Und es hegte stets der Sohn,
Was sie zugeeignet.

Strebe immer wahr zu sein,
Tapfer, fromm und bieder,
Pflege auch die Sprache dein
Und die alten Lieder!

Hüte jeden Geistesschatz,
Der den Blick erhellet,
Stehe fest auf deinem Platz,
Drauf dich Gott gestellet.

Zum Sedantage 1880.

(Auf eine Friedenseiche.)

Steig' auf mit deiner Krone,
Du stolzer Eichenbaum,
Der Himmel deiner schone!
In deinem Schatten wohne
Erfüllter Zeiten Traum!

Wir pflanzten dich in Treuen
Tief in der Heimat Grund;
Wir sahn den Erbfeind dräuen,
Ihn seine Gier bereuen:
Gott war mit uns im Bund.

Wann du einst wirst erheben
Dein Haupt, an Jahren reich,
Und grünend Zeugnis geben
Von hoher Taten Leben,
Von Siegen wundergleich:

Dann ist, in Staub zerfallen,
Längst unser Bild entführt, –
Doch hin zu deinen Hallen
Wird noch der Enkel wallen,
Von ferne schon gerührt.

Versunken in dein Rauschen,
In deiner Blätter Wehn,
Wird er den Stimmen lauschen
Und Grüße mit uns tauschen
Und unsern Ruf verstehn.

Die Kornblume.

(Zu Kaiser Wilhelms Gedächtnis.)

Kornblume schlicht im Ährenfeld,
Wo du verborgen schier,
Hat Kaiser Wilhelm, unser Held,
Geneigt sich hin zu dir.

Und als es ward im Volk bekannt,
Wie er dir hold gewillt,
Schien jedes Herz dir zugewandt,
Dir, seines Sinnes Bild.

Nun stehst du ohne stolz' Bemühn
Verklärt durch seinen Glanz,
Und schmückst in immer jungem Blühn
Den vollen Erntekranz.

Dein Aug', das uns entgegenblaut,
Vom hohen Korn umwallt,
Mit stillem Gruße spricht es laut
Von seiner Huldgestalt.

Erinn'rung ruft es uns hervor
An ihn und seinen Ruhm,
Und unsichtbar erzählt ein Chor
Von seinem Heldentum.

Kaiser Wilhelms I. neunzigstem Geburtstag am 22. März 1887.

Schütz', o Himmel, unsern Kaiser,
Leg' ihm zu noch manches Jahr,
Und im Schmuck der Lorbeerreiser
Segne ihm sein weißes Haar!
Zu des Vaterlandes Wonne,
Das ihm liebevoll vertraut,
Gönn' ihm, daß noch lang' die Sonne
Auf sein mildes Antlitz schaut!

Hat doch unser Held durchmessen
Eine tatenreiche Bahn,
Und kein Alter wird vergessen,
Was er für sein Volk getan.
Der als Jüngling durfte ziehen
Mit den Vätern in den Streit,
Sah als Greis das Werk gediehen,
Dem er jede Kraft geweiht.

Um die alten Stämme wieder
Schlang er das verjüngte Band,
Und er führte heim die Brüder
An der starken Vaterhand.
Friedlich schirmt er rings die Gauen,
Die sein treuer Blick bewacht,
Und die fernsten Golfe schauen
Stolze Boote seiner Macht.

Zu Kaiser Wilhelms I. hundertjährigem Wiegenfeste.

An Otto von Leixner.

Wär' ich noch jung und regte sich so mächtig
Wie einst der Schaffensdrang mir in der Brust,
Nicht hätte mich gestimmt dein Ruf bedächtig,
Nein, des Gelingens mir zuvor bewußt,
Das sich in lichten Farben malte prächtig,
Und angefacht von der Begeist'rung Lust,
In rascher Tat versucht' ich's zu vollbringen
Und Kaiser Wilhelms hohen Ruhm zu singen.

So glaubst du mir, daß ich es zagend tue,
Da ich dir mein Verstummen muß gestehn,
Doch, wenn ich fern dem Chor auch feiernd ruhe,
In müß'ger Stille wird es nicht geschehn;
So horcht der Alpenhirt auf hoher Fluhe,
Wenn unten tief im Tal die Glocken gehn,
Und wo er wird von keinem Schritt betreten,
Da kniet er hin, im Geiste mitzubeten.

Walhallas Genosse.

Zur Aufstellung des König Ludwig-Denkmals von Ferdinand von Miller in der Walhalla am 25. August 1890.

Wo in Walhallas Saal
Germaniens Helden wohnen,
Im lichten Ruhmesstrahl,
Schaun ihn verklärt wir thronen.

Der ird'schen Krone Glanz
Ist ihm vom Haupt geschwunden,
Dafür des Helden Kranz
Ihm um die Stirn' gewunden.

Der dem, was ihn durchdrang,
Sein Leben sann zu weihen:
Durch seine Taten schwang
Er sich in ihre Reihen.

Zum dreißigsten Juli.

(Bismarcks Tod.)

Der Abendsonne stand ich zugewendet
Und sinken sah ich ihren Ball hinab,
Eh' sie der Strahlen letzte Glut versendet',
Die Weiten noch beherrschend auf und ab.
Da, wie ich hielt, von ihrem Glanz geblendet,
Dacht' ich an eines Helden einsam Grab, –
Und sein in Taten unerreichtes Leben
Schien mir in hehrem Bilde vorzuschweben.

Zur Bestattung Bismarcks im Sachsenwalde.

In die Nacht dahingeschwunden
Ist ein Held, im Kampf bewährt,
Doch, im Geist mit ihm verbunden,
Sieht sein Volk ihn heut' verklärt.
Er ja war's, der uns gegeben
Ein geeinigt' Vaterland,
Das zu neuverjüngtem Leben
Siegreich wieder auferstand.

Und wie er das Reich gegründet,
Ihm den Kaiserstuhl erbaut,
Hat er treulich auch verkündet,
Was sein Seherblick erschaut.
Auf der Bahn, die er durchschritten,
Tatlos nie ein Tag verstrich,
Und die vordem ihn bestritten,
Beugten seiner Größe sich.

Mancher Name wird verhallen,
Doch der seine bleibt genannt,
Und zu seiner Asche wallen
Pilger, die ihn nie gekannt.
In den Stamm der deutschen Eiche
Schnitt er seinen Namen ein,
Der, so hoch hinan sie reiche,
Mit ihr wird verwachsen sein.

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