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Gutenberg > Martin Greif >

Neue Lieder und Mären

Martin Greif: Neue Lieder und Mären - Kapitel 4
Quellenangabe
typepoem
authorMartin Greif
titleNeue Lieder und Mären
publisherC. F. Amelangs Verlag
printrunErstes bis drittes Tausend
year1902
firstpub1902
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20151115
projectid536b49eb
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Naturbilder.

Doppelte Zuflucht.

Dort lädt mich tiefer Schatten,
Erstreckt auf sonn'ge Matten,
Dahinter tief im Blauen
Die Berge auf sich bauen,

Hier winkt mit ihrem Frieden
Allein und abgeschieden
Die gnadenreiche Schwelle
Der stillen Waldkapelle.

Wohin soll ich mich wenden,
Wo Heil mir lassen spenden?
Soll ich ins Grün enteilen?
Soll ich hier betend weilen?

Sehnsucht nach den Bergen.

Den stillen Bergen eil' ich zu,
Daß in das Herz mir kehrt die Ruh;
Erst, wenn ihr Friede mich umfängt,
Weicht, was die Seele mir bedrängt,
Ja, nur allein in ihrem Schoß
werd' ich der Qualen wieder los
Und nur in ihrer Hut allein
Zufrieden mit mir selber sein:
Den stillen Bergen eil' ich zu,
Daß in das Herz mir kehrt die Ruh'.

Doppelter Weg.

Vorwärts gehen meine Schritte
In die enggerückten Berge,
Die mich unbekannt umgeben,
Aber rückwärts fliehn die Wellen,
Und mein Herz eilt heim mit ihnen.

Nähe des Gebirges.

Siehst du die Berge wieder blauen,
Entronnen dem Gewühl der Stadt,
Ihr Anblick wird dich mehr erbauen,
Als dir dein Herz verheißen hat.

Ein Zauber scheint dich zu erfassen,
Der dich zurück nach ihnen zieht,
Wie wenn ein Glück du dort verlassen,
Das sonst dich allerorten flieht.

Sonnenaufgang im Gebirge.

Ein Dämmerweben spielt im Mondenschein,
Das erste Rot ist schon entquollen
Und zucket in die Nacht hinein
Bis zum Zenith, dem sternenvollen.

Kaum scheidet sich dem Auge schwach
Das nächste auf den Dämmerpfaden,
Erspähen kann ich nicht den Bach,
Noch selbst des Stromes Silberfaden.

Die Nebel hängen an den Höhn,
Zerflattert in dem wald'gen Bette
Zu stillen, wundersamen Seen
Vor tieferblauter Alpenkette.

Wie sie den riesenhaften Bogen
von Gipfel fort zu Gipfel zieht!
Und farbig, Streif an Streif gezogen,
Der Himmel fabelhaft erglüht!

Schon scheint, in jedem Augenblicke
Vollende sich das Morgenrot,
Und aus den Feuerwolken zücke
Des Tages goldnes Machtgebot.

Jetzt sind die Berge sanft entzündet –
Purpurisch aus dem Flammenschoß,
Von Blitzen tausendfach verkündet,
Ringt sich das Glutgestirne los.

Macht der Ferne.

Auf einem Eiland wie im Traum
Umschau' ich rings den See,
Doch kann mich locken heute kaum
Der Alpen Duft und Schnee.

Die Dörfer, allumhergestreut,
Sie such' ich mit dem Blick
Und horche auf ihr fern Geläut',
Als rief' es mich zurück.

Ja, dorthin sehnt das Herz sich mir,
Ob sie auch fremd ihm sind,
Und ich vergessen wollte hier,
Daß ich ein Menschenkind.

Und doch, wie kommt's, daß ohne Wahl
Sich fügen muß die Brust,
Daß dies Gefühl mit einem Mal
So tief mir wird bewußt?

Wie kommt's, daß mir so nah' gebracht,
Was kaum mehr drang an mich? –
O Zug der Ferne, stille Macht,
Wer kann begreifen dich?

Ein Wandertag.

Wird es im Gewölke lichter?
Prüfend schaut' ich oft empor,
Doch mir schien es, immer dichter
Sammle sich der Nebelflor.

Schon beschloß ich umzukehren,
Da, voll Jubel über mir,
Ließ sich eine Lerche hören,
Und ich faßte Mut mit ihr.

*

Da ich aus der Stadt geeilet,
War's ein Turm, zu dem ich strich,
Doch, wo sich die Straße teilet,
Mußt' ich schon bedenken mich.

Dort das Dorf und seine Felder,
Menschenspuren allerwärts,
Hier die still verschwiegnen Wälder, –
Wohin zieht es mehr das Herz?

*

Die Vöglein singen munter
Im maiengrünen Wald,
Die Isar treibt hinunter
Ein Floß und schwindet bald.

Wohl taucht nach einer Weile
Dem Blick es wieder auf,
Der Kuckuck voller Eile
Hat wenig acht darauf.

*

Die Sonne stand am Rande
Der kühlen Erde fast,
Ein Dorf nur weit im Lande,
Das winkte mir zur Rast.

Kaum konnt' ich es ereilen,
Eh' Nacht den Schritt gehemmt –
Ach! nur drei kleine Meilen
von Haus und schon so fremd!

Bestehen im Wechsel.

Über mahdbereite Wiesen,
Noch einmal vom Tau verklärt,
Blick' ich zu den Alpenriesen,
Deren Pracht dort immer währt.

Doch auch ihre starre Dauer
Eine Frist umspannt sie nur,
Und mich überkommt ein Schauer
Vor dem Walten der Natur.

Abend nach dem Gewitter.

Aufgehellt hat sich der Himmel,
Ja, er flammt in trunkner Röte,
Wie wenn er, der Schwermut müde,
Rosen statt der Wolken böte.

Auch die Amsel, heller jubelnd,
Läßt nicht ab, ihr Lied zu singen,
Könnte doch im Nest der Schlummer
Keinen holdern Traum ihr bringen.

Sonnenuntergang.

In Feierstille ruht das Tal,
Die Sonne will sich neigen.
Schon taucht hinab ihr goldner Strahl,
Da flammt empor er noch einmal,
Verklärt ihr Bild zu zeigen.

Lichtwechsel auf Erden.

Noch wob um mich den Schimmer
Der volle Mondenglanz,
Als, mitten im Geflimmer,
Er war entschwunden ganz.

Da, wo der Strahl, der bleiche,
Im matten Zwielicht lag,
Erschien dem Erdenreiche
Der neugeborne Tag.

Auf der Wanderung.

Wie lacht mir allerwegen
Das kaum betretne Tal
In seiner Pracht entgegen
Beim frühen Morgenstrahl.

Von einer Höh' zur andern
Schweift der entzückte Blick,
Und ruft mir im Entwandern
Noch oft sein Bild zurück.

Die Mittagssonne.

Die Mittagssonne glühet
vom Himmel her mit Macht,
Wo sich der Weg mir ziehet
In tiefer Waldesnacht.

Schon deckt der Stämme Schatten
Rings mehr und mehr mich zu,
Und nach des Tags Ermatten
Find' ich im Schlummer Ruh.

An einen Bergsee.

O See mit deinem grünen Schoß,
Umkränzt von almenreichen Hügeln,
Du scheinst allein vorhanden bloß
Das Unermeßliche zu spiegeln.

Ist doch das Bild der Alpenwelt
In deinen Tiefen zu erschauen,
Dem sich des Himmels Bild gesellt,
Umstrickend uns mit süßem Grauen.

Scirocco im Gebirge.

Die Luft ist schwül und brennend heiß,
Die Berge sind verhangen,
Viel mehr, als ich es selber weiß,
Scheint mir das Herz befangen.

Der Weg, den ich gefahren bin,
Will sich mir endlos dehnen,
Und nach der fernen Heimat hin
Zieht mich ein wachsend Sehnen.

Verregnet.

Regen, nichts als Regen
Am verlass'nen Ort,
Früher Nacht entgegen
Gießt es immer fort,
Voller stets und breiter
Wird des Gusses Lauf,
Klatschend immer weiter
Fällt der Regen drauf.
Und wie zu verrinnen
Nimmer scheint die Flut,
Legt sich in mir drinnen
Mehr der Reisemut,
Wo in enger Klause
Sich die Zeit mir dehnt,
Und das Herz nach Hause
Sich verdrießlich sehnt.

Die Nebelbank.

Nicht ein Wölklein schwimmt im Blauen,
Unverhüllt in ihrem nackten,
Steilen Zug, dem wildgezackten,
Läßt die Alpenwand sich schauen.

Nur, wo sie sich türmt, die kahle,
Scheint Gewölke sich zu ballen,
Und in leisem Niederwallen
Sinkt die Nebelbank zu Tale.

Der junge Bach.

Kaum, daß es geboren
Im Bergesschoß,
So reißt sich das Bächlein
Von Klippen los!

Wie wählt es so sicher
Den rechten Lauf,
Wie nimmt es so treulich
Die Brüder auf!

Und wann es beruhigt
Erst ganz und gar,
Wie leuchtet das Antlitz
Ihm frisch und klar!

Wie plaudert es gerne
Mit sich allein,
Dabei es doch möchte
Vernommen sein.

O dürfte noch lange
Es wandern so,
Trotz nahender Sorgen
Noch jugendfroh!

Der verirrte Falter.

Tief im Korn, das ich durchstrichen,
Jüngst ich einen Falter fand:
Lang' bin ich ihm nachgeschlichen,
Bis er mir zuletzt entschwand.

Gaukelnd, wie auf blum'ger Wiese,
Durch die Ähren trieb er hin,
Und ein Traum vom Paradiese,
Kam mir plötzlich in den Sinn.

Abend im Erntefeld.

Schon breiten sich die Abendschatten,
In toter Stille ruht das Feld,
Die Lerche nur will nicht ermatten
In ihrem Flug zum Himmelszelt.

Ihr Nest, in Ähren tief verborgen,
Gesichert ist's für diese Nacht,
Und weiter wird der Schöpfer sorgen,
Der über ihrem Leben wacht.

Sonntag im Felde.

Die Ernte schon im Feld begann,
Doch, um sie heimzufahren,
Läßt kein dazu bereit Gespann
Sich nah' und fern gewahren.

Wie kommt's, daß es so stille bleibt,
Da längst doch tagt der Morgen
Und auch zur Arbeit Sorge treibt,
Bis daß die Frucht geborgen?

Horch! da beginnt von ferne her
Ein feierlich Geläute,
Und jetzt frag' ich nicht länger mehr,
Was rings die Ruh bedeute.

Schlummer im Gefilde.

Schlummerhauch der Abendstille
Hüllt in Schweigen Berg und Tal,
Nur der Herden dumpf Gebrülle
Unterbricht sie manches Mal.

In die Ruhe um so trauter
Tönt der Glocken Feierklang:
Alle Brunnen werden lauter,
Und ihr Plaudern wird Gesang.

An die Sonne.

Glühende Sonne,
Scheidest du traurig
Oder in Wonne?

Hier in den Lüften
Wird es so schaurig,
Wie in den Grüften.

Dort zum Gefilde,
Atmend in Düften,
Grüßest du milde.

Glühende Sonne,
Scheidest du traurig
Oder in Wonne?

Der Sichel verfallen.

Vom vertobten Sturm gebogen,
Ängstlich noch die Ähren wogen,
Die schon voll gereift heran.
Sieh', jetzt an des Feldes Rande
Blitzt es auf im Sonnenbrande!
Leuchtend mit erfrischtem Blicke
Schaut im Korn die fremde Wicke
Ahnungslos den Schnitter an.

Friedhof im Gebirge.

Es reihen sich die Berge
Rund um den Friedhof her,
Die aber hier gebettet,
Erblicken sie nicht mehr.

Sie schau'n auf andre Berge,
Zu andrer Täler Lauf,
Denn eine andre Sonne
Ging über ihnen auf.

Der Wanderer und die Ache.

»Wohin, o Ache, gar so schnell?«
»»Zum Fluß, so muß ich wähnen;
Ich ahnt' ihn schon, als ich noch Quell,
Nach ihm geht all mein Sehnen.««

»Und doch, du hättest andre Wahl,
Folg' mir, du wirst mir's danken,
Erblickst du ihn mit einem Mal
Den See, den spiegelblanken.«

»»Mag sein, daß er wohl traut genug
Und stiller'm Sinn auch lieber,
Doch folg' ich meinem eignen Zug
Und eile ihm vorüber.««

Die Seerose.

Die bleiche Wasserrose
Taucht aus dem See hervor,
Als stieg' aus seinem Schoße
Sie sehnsuchtsvoll empor.

Dem stillen Mond entgegen
Schlägt ihren Blick sie auf –
Sich schlafend hinzulegen,
Bricht an der Sonne Lauf.

Tannicht im Felde.

Es liegt im Feld ein finst'rer Tann
Im regungslosen Schweigen,
Kein leises Wehen stört den Bann
Der Ruhe, die ihm eigen.

Du nahst dich mit gespanntem Ohr
Und suchst ihn zu belauschen,
Doch dringt kein Laut aus ihm hervor,
Kein Flüstern und kein Rauschen.

Die Dorfflur.

Weit in das Land blick' ich hinaus:
Kein Baum vor mir, kein Hof, kein Haus,
Nichts als nur Ähren allumher,
Fast uferlos, gleichwie ein Meer.
Nur wo die ferne Straße zieht,
Hinaus die Pappelreihe flieht –
Dort, wo sie sich im Duft verlor,
Tritt blendend hell ein Dorf hervor.

Das verschwundene Schloß.

Verschlungne Pfade ziehen
Im Wald zum lichten Hang,
Die steilen Ufer fliehen,
Der Fluß stürmt talentlang.

Ein Schloß hat da gestanden
In längst vergangner Zeit,
Doch seine Mauern schwanden
Trotz ihrer Mächtigkeit.

Noch findest du die Stelle
Bei der Zisterne dort,
Nur unten rauscht die Welle,
Wie einst noch immer fort.

Morgenstille im Park.

Leise seh' ich an den Bäumen
Leise sich die Blätter regen,
Wie wenn sie sich im Bewegen
Überließen süßen Träumen.

Wohl ein Säuseln hin und wieder
Läßt sich in den Wipfeln hören,
Ohne doch das Herz zu stören,
Das sich hier ließ sinnend nieder.

Im Bergwald.

Der Hardt mit seinen Stämmen
Steigt auf gar feierlich,
Und doch fühlt ein Beklemmen
Vor ihm das Herz in sich.

Wohl dringt in seinen Frieden
Von außen her kein Ton,
Doch, eh' der Tag geschieden,
Bedeckt die Nacht ihn schon.

Die Waldkapelle.

Als ich heut auf stillem Pfade
Mich der Waldkapelle nahte,
Schien im fahlen Wetterschein
Wie verwandelt sie zu sein,
Die sonst winkt, ein Bild der Gnade.

Hielt sie auch die Arme offen,
Aufzurichten zages Hoffen –
Durch die Pforte, aufgetan,
Sah Maria streng mich an,
Wie mich noch kein Blick getroffen.

Gleich als ob, die voller Hulden,
Hingeneigt um unsre Schulden,
Sänftigt ihres Sohnes Zorn,
Fürder an der Liebe Born
Keinen Fehl mehr wolle dulden.

Über mir das Donnerrollen
Hielt ich für des Himmels Grollen,
Und ich floh zurück ins Tal –
Da vom Turm mit einem Mal
Klang der Ruf der Gnadenvollen.

In der Bannmeile der Stadt.

Die Flur im weiten Kreise
Liegt da, vom Pflug bestellt:
Das starre Bahngeleise
Durchschneidet fruchtbar Feld.

Ein Zug, vorbeigeflogen,
Eilt schon der Ferne zu: –
Die Sonn' am Himmelsbogen
Geht ernst und still zur Ruh'.

Morgenstille.

Noch herrscht auf allen Wegen Nacht,
Da kaum es dämmert leise,
Kein Mensch noch hat sich aufgemacht,
Die Vöglein aber sind erwacht
Und singen Gott zum Preise.

Nähe der Ferne.

Des Bergstocks hoher Gipfel
Winkt aus dem Holz schon nah,
Und frei steht jeder Wipfel,
Um ihn zu zählen da.

Doch richten wir im Wandern
Uns nach der Quelle Lauf:
Ein Rücken nach dem andern
Steigt waldig vor uns auf.

Der Regenbogen im Gebirge.

Das Wetter hatte sich gezogen
Schon tiefer ins Gebirg hinein,
Da spannte sich der Regenbogen
Auf einmal um ein Felsgestein.

Mit Staunen mußt' ich ihn betrachten,
Der licht die Öde übergoß,
Bis, eh' es noch begann zu nachten,
Er wie ein Traum vor mir zerfloß.

Vollmondnacht.

Dämmerhafter Mondenschein
Hält die Welt umschlossen,
Um das ferne Felsgestein,
Um den Strom ergossen.
Schlummer hüllt die Erde ein,
Nur die Zirpe, wach allein,
Singt noch unverdrossen.

Nähe des Sees.

Hinter diesem well'gen Hügel,
Der sich wölbt zum Berge schier,
Liegt des Sees gedehnter Spiegel
Offen da, so ahnt es mir.

Eilend schreit' ich durch die Buchen
Dem geschützten Ufer zu,
Sehnsuchtsvoll ihn aufzusuchen,
Wo er schläft in tiefer Ruh'!

Tosen in der Einsamkeit.

Tiefe, dunkle Einsamkeit
herrscht umher voll Schweigen,
Nur im Horst der Reiher schreit,
Wo die Fichten steigen.

Auch der Wildbach, immerzu
Tobt er dort im Schlunde,
Und sein Echo ohne Ruh'
Hallet in der Runde.

An einen Bergsee.

Ernster See, der du ergossen
Träumst in deiner Berge Hut,
Wo, von Felsen eingeschlossen,
Atmet deiner Wellen Flut,
Durch die Stille, die dir eigen,
Und die doch vernehmlich spricht,
Lehre mich des Stolzes Schweigen
Vor der Feinde Angesicht!

Im Tobel.

In enger Felsschlucht steh' ich da,
Dem lauten Gießbach zugewendet,
Der dort, hervorgebrochen nah',
Den Schaum zur Tiefe niedersendet.

Rings herrscht in starrer Wildnis Schoß
Der Urwelt Nacht mit ihren Schauern,
Und flüchtig webt ein Dämmer bloß
Um die betropften Felsenmauern.

Wo ihr Gestein, verwittert grau,
Emporschickt die geborst'nen Tannen,
Seh' ich im unbewegten Blau
Den Himmel sich darüber spannen.

Der Weiler im Hochgebirge.

Seewärts, abgeschieden,
Vom Gebirg umblaut,
In des Kirchleins Frieden
Liegt der Weiler traut.

Dunkle Tannen steigen,
Wo die Ache tost,
Nah' in hehrem Schweigen
Winkt des Kreuzes Trost.

Der Scharnitzpaß.

Finst'rer Tannen grade Wipfel
Und darüber schroffe Gipfel,
Deren nacktes Felsgestein
In den Himmel starrt hinein!

Abgehoben von dem Bilde,
Wie ein mattengleich Gefilde,
Hang und Gründe, frisch gemäht,
Deren Duft zur Höhe weht.

Klüfte, die das Joch umgähnen
Und zur Tiefe schroff sich dehnen,
Fels, der nah' zum Felsen drängt
Und mit Macht den Paß verengt!

Dicht dabei der Älpler Sitze
Mit des Kirchturms grüner Spitze!
Schäumend aus der Berge Tor
Grün auch bricht der Fluß hervor.

Die Wettertanne.

Die Wettertanne fristet
Sich hin auf steilem Grat,
Sie ist dazu gerüstet,
Daß sie den Sturm empfaht.

Von welchem Joch er brauset,
Aus welcher Kluft er bricht,
Der Wettertanne grauset
Vor seinem Wüten nicht.

Und ob sie auch gebogen
Mit allen Ästen schwankt,
Sie ist zu hart erzogen,
Als daß im Sturm sie wankt.

Wenn alte Waldeswipfel
Der Föhn im Tal zerschellt,
Ist sie's, die ihren Gipfel
Frei in die Wolken hält.

Sturmanzeige.

Wenn lang' der Himmel klar geblieben,
Und wir gewohnt der Bläue sind,
Kann er am hellsten Tag sich trüben,
Vor einem jäh erhob'nen Wind.

Und wär' auch dieser bald verstrichen,
Kein Wölklein drohte fern und nah' –
Der schon zur Weite schien entwichen,
Der Sturm vor Nacht noch ist er da.

Arbersee.

Im Schatten hoher Wände
Rührt sich sein Spiegel kaum,
Als sollt' er ohne Ende
Da liegen wie im Traum.

Und doch trägt er die Schrecken
Der Wildheit all im Schoß:
Wenn Donner ihn erwecken,
So bricht im Zorn er los.

Der Bayerwald.

Gelagert Berg an Berg und Kupp' an Kuppe
Und doch verloren in der losen Gruppe,
Gehüllt in tiefes Schweigen fern und nah',
Voll Ernst liegt er mit seinen Wäldern da.

*

Geschwung'ne Berge, falt'ge Gründe,
Bestockte Moose, wirre Schlünde –
Könnt' einsam dort im Flug allein
Der Reiher ich im Blauen sein!

*

Erhab'ne Kuppen,
Die einsam stehn,
Dazwischen Gruppen,
Gedehnt zu sehn.

Mit jeder Halde
Entflieht ein Stück
Vom Bayerwalde
Mir mehr zurück.

Nähe des Berglandes.

Noch dehnt sich zur Weite
Das ebene Land,
Da winkt schon zur Seite
Die bergige Wand.

Aus Schluchten entsendet
Sie Kuppen herfür,
Und nimmermehr wendet
Der Blick sich von ihr.

Stets näher und näher
Enthüllt sich die Pracht,
Ein kreisender Häher
Die Wildnis bewacht.

Vom Leben geschieden,
Und doch ihm vereint,
In thronendem Frieden
Das Bergdorf erscheint.

In der Sächsischen Schweiz.

Vom trümmergleichen Felsgestein
Führt in den tiefsten Schlund
Der Pfad durchs Laubgewölb' hinein
Zum stillsten Waldesgrund.

Kein Laut wird rings umher erlauscht,
Huscht nicht ein Reh vorbei;
Du fürchtest, wenn es oben rauscht,
Daß es die Windsbraut sei.

Doch wenn aus eil'gen Wolken dann
Ein kurzer Regen bricht,
Wie leuchtet der verschwieg'ne Tann
Im gold'nen Sonnenlicht!

Eintritt in die Ebene.

Nicht Felsen mehr umringen
Mich starr nach allen Seiten,
Der Blick kann wieder dringen
Zu blauverlor'nen Weiten.

Gelockt von Strom und Bächen,
Kann Sehnsucht wieder wagen
Fort über Höh'n und Flächen
Zum Meer mich hin zu tragen.

Zum Rhein.

Ein Stündlein noch zu reisen,
Ein Stündlein noch zum Rhein,
Dort wo die Pappeln weisen,
Da muß sein Bette sein.

Da muß im Schilf er liegen,
Wohin der Bach sich trägt,
Anstatt dahin zu fliegen,
Wo er die Woge schlägt.

Hei, ihr gelass'nen Wellen,
Könnt ihr nicht schneller ziehn?
Ich will den Gruß bestellen –
Wohl früher komm' ich hin.

Das verlassene Schloß.

Aus seinem verwilderten Garten
Blickt träumend das alte Schloß,
Als wollt' es noch immer erwarten
Die Herrschaft samt ihrem Troß.

Nicht läßt sich aus seinem Innern
Vernehmen der kleinste Laut,
Und winkend nur voll Erinnern
Sein Turm in die Weite schaut.

Frühlingsboten.

Wieder sind sie erschienen in der Sonne
Hold mit farbigem Blick des Frühlings Kinder:
Anemonen und Primeln samt Narzissen,
Und mit herzigem Gruß zumal die Veilchen,
Die so oft uns die Blumenzeit verkündet;
Wieder kehrten sie alle ohne Säumen.

Vorfrühling.

Noch stehn im Wald und tiefen Tal
Die Sträucher wie die Bäume kahl,
Und kaum verrät die starre Flur
Vom Frühling eine leise Spur.

Und doch erfüllt die klare Luft
Ein himmelfarbig blauer Duft,
Und heimlich blühend dort am Bach
Ist schon das Weidenkätzchen wach.

Aprilwetter.

Sprühregen, drein die Sonne scheint,
Jetzt da und jetzt auch schon vorüber,
So kurz, wie wach der Säugling weint:
Er wendet sich und schlummert lieber.

Sprühregen! Jetzt der Himmel blau,
Und jetzt von Wolken überzogen,
Nun lachend über allem Grau
Im Wunderschein der Regenbogen.

Maifrost.

Auf der Blüten Maienschnee
Liegen Winterflocken,
Sie zu tilgen, die zur Höh'
Falsch sich ließen locken.

Wie ein Traum ist morgen schon
Wohl dahin ihr Prangen:
Früher als der Lenz entflohn,
Ist ihr Glück vergangen.

Regentag im Sommer.

Rauschend geht der Regen nieder
Aus der Wolken Schoß;
Ließe sich die Sonne wieder
Einmal sehen bloß!

Von der Höhe Dunst umzogen,
Zuckt nur matt ihr Kern;
Am verhang'nen Himmelsbogen
Wandert sie uns fern.

Preis des Herbstes.

Schönste Zeit im ganzen Jahre,
Tage vor dem ersten Schnee,
Wolkenlose, sonnenklare,
Euch gebührt des Preises Höh'.

Wohl an Blumen müßt ihr darben,
Tückisch kalter Nächte Raub,
Doch es malt mit bunten Farben
Herbst das reichgestufte Laub.

Purpurn glänzt die Hagebutte,
Und aus Beeren, groß und klein,
Träuft in die bereite Butte
Bläßlichrot der süße Wein.

Apfelmostes Mittelgüte
Macht dem Obst uns zugetan,
Holder noch als ihre Blüte
Lacht die volle Frucht uns an.

Pflaumen, Äpfel, Birnen, Quitten,
Die uns vom belad'nen Baum
In den Schoß die Zweige schütten –
Ihren Reichtum birgst du kaum!

Mag der Sturm den Wald entlauben,
Steht der Winter vor der Tür,
Zeit der Nüsse, Zeit der Trauben,
Sei gepriesen für und für.

Spätherbst im Gebirge.

Im Hochwald herrscht Verlassenheit,
Sein Laub ist halb verblichen,
Die Berge sind schon angeschneit,
Der Sommer ist entwichen.

Wohl schimmert noch ein lichtes Grün
Auf winterlichen Hängen,
Und spätgeborne Dolden blühn,
Die hin zur Sonne drängen.

Herbst im Sommer.

Währt zu lang' ein Regen fort
Und die Bäche gehn geschwollen,
Fallen siehst du da und dort
Blätter, kaum hervorgequollen.

Seufzer dringen durch die Luft
Und ein Stöhnen durch die Wälder,
Grabesfeuchter Nebelduft
Dehnt sich hin durch Flur und Felder.

Mitten in der Sommerszeit
Kommt dir an den Herbst ein Mahnen,
Wie des Glückes Flüchtigkeit
Wir erst, wenn es schwindet, ahnen.

Nachsommer.

Es leuchtet der Himmel
Im späten Strahl,
Auf lachende Wiesen
In Berg und Tal.

Rings öffnen sich Kelche,
Die wunderzart –
O zeige dich, Seele,
Von gleicher Art!

Am herbstlichen Seeufer.

Düstere Wogen
Kommen gezogen
Seufzend heran –
Einsamer Tage
Herbstliche Klage
Kündet sich an!

Herbstblumen.

Blumen duften durch den Garten,
Doch es sind nur späte Blumen,
Keine Rosen stehn dabei.
Drum, wie lieblich sie auch duften,
Mehr der Trauer als der Freude
Wecken sie im Herzen auf.
Meldet jede doch darunter
Nur dasselbe wie die andre,
Daß der Glanz des Sommers fliehe,
Daß der Herbst schon angebrochen,
Daß der Winter nicht mehr fern.

Erfülltes Dasein.

O zarte Apfelblüte,
Wie blickst du traut mich an!
Dein Bild spricht zum Gemüte,
Die du zu inn'rer Güte
Mit Schönheit angetan.

Die Blumen auf der Wiese
Sind schmucker nicht als du,
Doch du bist doppelt süße,
Du stammst vom Paradiese,
Die Biene fliegt dir zu.

Und wenn sich stolz're Dolden
Mit dir entblättern bald, –
Wo sind sie hin, die Holden –?
Sieh, dann entsteigt dir golden
Des Apfels Wohlgestalt.

Du webst nicht nur im Glaste
Der prangenden Natur,
Daß sich dein Stamm belaste
Im Herbst, scheinst du zu Gaste
Im Blütenmonde nur.

Dein Leben ist beschlossen
Im Schmucke nicht allein,
Befruchtet fortzusprossen,
Genießen und genossen,
Vollkommen willst du sein.

Herbstseufzer.

An der Primel, an der Rose,
An der Nelke leerer Stelle
Steht die Malve – Blumenlose,
Wie auch wechselt ihr so schnelle!

Novemberstimmung.

Die Flur umher
Es kalt durchweht,
Wo nirgend mehr
Ein Blümlein steht.

Im Wald zerstiebt
Das welke Laub –
Die ich geliebt,
Sind alle Staub.

*

Sich frühe neigt
Der Sonne Lauf,
Am Himmel steigt
Der Mond herauf.

Es füllt sich sacht
Das Sternenzelt.
Sie sind erwacht
In jener Welt.

Winternähe.

Still ist's auf der Flur geworden,
Winter naht mit Macht heran,
Eis'ge Schauer aus dem Norden
Künden ihn bedrohlich an.

Und es ist ein eilig Sterben,
Das die letzten Blüten rafft,
Unter tödlichem Verfärben
Überall nur Öde schafft.

Wo gedrängt die Blumen standen,
Starrt die Eine, Gift im Schoß,
Wo wir tau'ge Kelche fanden,
Spinnt um sie der Nebel bloß.

Fort sind auch die Vöglein alle,
Die wir oft im Wald belauscht,
Und bei deren süßem Schalle
Herzensblicke wir getauscht.

Einsam krächzen heis're Raben
Über die erstorbne Flur,
Bis auch sie im Schnee begraben
Mit des Sommers letzter Spur.

Blieb vom alten Grün der Wiesen
Nur ein Schimmer noch zurück,
Eine Nacht nimmt hier auch diesen: –
Traum ist alles Erdenglück.

Winters Anfang.

Noch nicht verging die letzte Spur
Des alten Laub's an allen Bäumen,
Wenn auch die fahlen Blätter nur
Vom Sommer, dem entschwund'nen, träumen.

Noch nicht verblich auf kahler Flur
Das letzte, helle Grün der Wiesen,
Wenn auch gebückte Halme nur
Uns Sturm und Kälte übrig ließen.

Winterlied der Meise.

Wo auf winterlicher Flur
Noch kein Hälmlein zu erschauen,
Mahnt vom Wald her eine Meise
Auf die Sonne zu vertrauen,
Die für eine Weile nur
Uns entwandert auf der Reise.

Die Alpen im Winter.

Die Alpen zu erschauen
In ihrer Winterpracht,
Wo sie empor sich bauen,
Hatt' ich mich aufgemacht.

Doch die erst winkend standen
In vollstem Firnenglanz,
Als ich mich nahte, schwanden
Vor meinem Blick sie ganz.

Die starren Eisgefilde
Umfloß ein Nebelmeer –
Verhüllt vom Wolkenbilde,
Sah ich sie selbst nicht mehr.

Im Bergwald.

Tannen stehn und Tännchen schweigend
Um mich her im Abendlicht,
Wo die Sonne, schon sich neigend,
Licht hervor aus Wolken bricht.

Daß ich nicht den Pfad verfehle,
Folg' ich ängstlich ihrem Schein.
Nirgend um mich eine Seele –
Wo wird heut mein Obdach sein?

Am südlichen Meeresgestade.

Nochmals Drosselgesang und Rosendüfte,
Nochmals sprossende Frucht im gleichen Jahre!
Wahrlich, ein Wunder geschah, so muß ich glauben,
Wenn ein Zauber nicht gar mich hold umfangen.
Da so rings sich gewandelt Erd' und Himmel,
Möchte nun auch der Strom balsamischer Düfte
In mein Innerstes einen Hauch mir senden,
Und genesener Brust in neuem Sprossen
Dann und wann ein gedämpftes Lied entsteigen!

Gegen die Adria hin.

Tannenwipfel hinter Tannenwipfeln –
Meilenlang nichts andres zu erblicken
Als nur Wald, durch den sich endlos weiter
Auf der immer gleich bewachs'nen Fläche
Grau der blasse Winternebel dehnet.

Nahe reiht sich deutlich Stamm zum Stamme,
Doch die fernern deutet an ihr Umriß.
Und was seltsam sich dahinter breitet,
Ist's die Luft mit ihren trüben Wolken?
Ist's das Meer mit seiner weiten Flut?

An der Adria.

Des Golfes Küsten weisen
Zum offnen Meer hinaus,
Der Adler nur im Kreisen
Mißt mit dem Blick ihn aus.

Fern blaut das Karstgerölle,
Von Dächern übersät,
Davor durch seine Helle
Der Leuchtturm sich verrät.

Ihm nahe scheint zu schlafen
Der Masten dichter Wald, –
Ein Schiff verläßt den Hafen
Und ist verschwunden bald.

Scirocco am Meer.

Schwarz ziehen die Wolken am Himmel,
Auf wühlet Scirocco das Meer,
Gleich stürmender Rosse Getümmel
Rollt Woge um Woge daher.

Wenn schäumend im Überstürzen
Jetzt eine brandend sich brach,
Jagt schon mit blinderem Wüten
Im Sturz die andere nach.

Die Cypresse.

Schweigsamer Schwermut Bild, o immer grüne Cypresse,
Weder der Sommer berührt noch auch der Winter dein Haupt,
Unverlierbar behältst du den Schmuck der geselligen Blätter:
Frevel beginge die Hand, die sich erkühnte des Raubs.
Doch wem immer ein Blatt im Fallen die Stirne berührte,
Ewig bliebe der jung, aber noch keinem geschah's.

Schloß Karneid.

Auf steilem Fels den kühnen Bau
Rings eingetaucht ins lichte Blau,
Sieht stumm im faltig grünen Kleid
Zur Schlucht hinab das Schloß Karneid.

Mit seiner Zinnen alter Macht
Das Eggental sein Blick bewacht,
Von da zu ihm der Ache Fall
Wie träumend dringt im Widerhall.

Rosanna.

Rosanna, wildschäumende,
Die du, einsam geboren
In der eisigen Bergschlucht,
Unbändigen Mutes hervorbrichst,
Und mit stürmisch tanzenden Wellen
Hüpfest den Armen des Stroms entgegen:
Einer weidlichen Jungfrau gleichst du,
Einer speertragenden, kühnen,
Die dem im Traum gesehenen
Heißersehnten, starken Helden
Jubelnd entgegenfliegt,
Aber genaht ihm jetzt,
Nach kurzem schämigen Stocken
An sein pochendes Herz sich wirft,
Um sich nimmer von ihm zu trennen.

Rückkehr aus Italien.

Gestern noch auf sonn'gen Fluren,
Heute auf bereiftem Moor,
Und im Geiste ohne Spuren
Ging ein solcher Wandel vor?

Nein, ich fühl' in stillem Busen,
Welches Glück ich mit mir nahm,
Da ich im Geleit' der Musen
In die Heimat wiederkam.

Auf der Memel.

Ein Schiff fährt auf der Memel,
Im Lauf zurück gewandt,
Dem Wellenzug entgegen
Die Segel ausgespannt.

Sein Steuer steht gebogen,
Umsprüht vom lichten Schaum,
Doch, wie ich hin auch horche,
Ein Rauschen hör' ich kaum.

Das Schiff schwimmt wie von selber
Den stillen Strand entlang,
Bis seinen Bord ein Nebel
Auf trüber Flut verschlang.

Im Hafen.

Schiff an Schiff und Mast an Mast
Drängen sich im Hafen,
Doch an Bord jed' Leben fast
Scheint wie eingeschlafen.

Aber siehst du näher zu,
Rings sich Hände regen,
Und es tritt dir aus der Ruh'
Tatendrang entgegen.

Haffmündung.

Das Haff wirft seine Wellen
Empor am Molodamm,
Wo schäumend sie zerschellen
Mit ihres Gischtes Kamm.

Der Schwall mit kühnem Drange
Wälzt sich zur off'nen See:
Am hohen Wogengange
Verrät sich ihre Näh'.

An der Düne.

Das arme Gras der Düne
Wächst kümmerlich, doch zäh';
Es gleißt der Halm, der grüne,
Als färbte ihn die See.

Wohl, wenn heran sie brandet
Und wirft empor den Schaum,
Hält er, vom Sturm versandet,
Dort Stand der wilden kaum.

So von dem Drang der Wogen
Schon fast im Keim bedroht,
Neigt er sich leicht gebogen,
Als lach' er aller Not.

Schneezauber.

Schnee, ein seltsamer Bildner bist du wahrlich!
Schaffst Gestalten und ahnst doch nichts von ihnen.
Blumen trägt an das Fenster mir dein Atem,
Wie sie zierlicher nicht das Treibhaus einschließt.
Und dazwischen auch, wunderlich zu schauen,
Lässest kühn du erscheinen fremde Pflanzen.
So erfinderisch ahmst du nach die Tropen
Und verwandelst zum Saal dafür den Garten,
Den mit glänzendem Prunk du rings erfüllest,
Daß, von diesem geblendet, sinkt das Auge.
Aber herrlicher noch durchwirkst den Wald du,
Der als weiter Palast dem Blick sich auftut,
Mit den säulengetrag'nen, lichten Hallen
Labyrinthisch gedehnt, daß ihn durchwandernd
Einem Zauberer nah' wir uns vermuten,
Der unsichtbar sich hält in seinem Reiche.
Schnee, ein seltsamer Bildner bist du wahrlich!

Blumen bei Nacht.

Blumen, wie schaut ihr so fremd mich an
In der tiefen Nacht,
Wo sich zaubrisch aufgetan
Eurer Kelche Pracht!

Glaube, daß ihr mit dem Mond
Grüße heimlich tauscht,
Vom Gefühl, das in ihm wohnt
Wie in euch, berauscht.

Die Aloe.

O köstliche Blume,
Die selten nur sprießt,
Wo Trieb ohne Schranke
Ins Üppige schießt!

So streben zum Ruhme
Unzählige auf,
Des Weisen Gedanke
Reicht träumend hinauf.

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