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Gutenberg > Martin Greif >

Neue Lieder und Mären

Martin Greif: Neue Lieder und Mären - Kapitel 3
Quellenangabe
typepoem
authorMartin Greif
titleNeue Lieder und Mären
publisherC. F. Amelangs Verlag
printrunErstes bis drittes Tausend
year1902
firstpub1902
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20151115
projectid536b49eb
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Lieder.

Im Morgenlicht.

Wolkenloses Morgenlicht,
Atm' ich dich im Kühlen,
Mächtig aus der Seele bricht
Altes Jugendfühlen.

Ja, ich bin noch, der ich war,
Einst in jenen Tagen,
Da sich machte offenbar
Heiß des Herzens Schlagen.

Trotz der Jahre blieb ich doch,
Der ich ward geboren;
was ich liebte, lieb' ich noch –
Nichts ging mir verloren.

Glück im Traum.

Jüngst im Traume stieg ich nieder
In mein fernes Jugendtal,
Wo ich sang die früh'sten Lieder,
Wo ich litt zum erstenmal.

Munter lief des Baches Welle,
Wie voreinst, entgegen mir,
Und die Flur lag morgenhelle,
Die so oft durchwandelt wir.

Und ich hatte sie gefunden,
Die mir lange schon entschwand;
Ja, sie schien mir nie entschwunden,
Als sie wieder vor mir stand.

Früher Gram.

Wen in jungen Tagen
Früher Gram beschleicht,
Ihn befällt ein Zagen
Künftig allzuleicht.

Schon ein trüber Himmel
Macht das Herz ihm schwer:
Lautes Lustgetümmel
Lockt ihn nimmermehr.

Immer möcht' er weilen
In der Einsamkeit,
Doch die Wunde heilen
Wird dort keine Zeit.

Der verschwundene Brief.

Mir flog aus lieben Händen
Vor Nacht ein Brieflein zu,
Nun such' ich's aller Enden
Und komme nicht zur Ruh'.

Was es enthielt, aufs neue
Geht mir es durch den Sinn,
Stand doch von Lieb' und Treue
So manches Wort darin.

Wie konnt' es weg mir kommen,
Das ich gelesen kaum?
Hat's fort der Wind genommen?
Empfing ich's nur im Traum?

Monatsrosen.

Monatsrosen, frühe Rosen,
Nur zu bald seid ihr verblüht!
Wie zu Mut dem Freudelosen,
Weiß nur, wer umsonst geglüht.

Monatsrosen, späte Rosen,
warum blüht ihr noch einmal?
Nimmermehr dem Hoffnungslosen
Endet seine tiefe Qual.

Ihr Fenster.

Zieht mich's in die Gasse,
wo einst ihr Fenster war,
Nur mühsam ich mich fasse,
Schwand auch so manches Jahr.

Die Scheiben traulich blinken
Und sehn doch öde her –
Ach, ihre Grüße winken
Von dort mir niemals mehr!

Doch drängt mich's, hinzustarren,
So trüb' mir auch zu Mut,
Als könnt' ich sie erharren,
Die längst im Grabe ruht.

Bitte.

O nimm mir nicht der Hoffnung Schimmer,
Die immer noch mein Herz durchdringt,
Sollt' ich es auch erleben nimmer,
Daß sie mir je Erfüllung bringt!

Genesen werd' ich so vom Wahne,
Ich sei geschaffen nicht zum Glück,
Denn wenn ich wieder Frohes ahne,
Kehrt auch der Mut mir bald zurück.

Hat sich ein Regen lang ergossen,
Da, eh' noch das Gewölke flieht,
Erfährst du's, daß dein Aug' erschlossen
Ein Stück vom blauen Himmel sieht.

Nähe der Heimat.

Ich stand auf sonn'gem Hügel
Und sah ins weite Tal,
Sah dort die Städte liegen,
Die Dörfer ohne Zahl.

Doch alles überglänzte
Der blinkend helle Rhein;
An einem Pappelwege
Hing bald mein Blick allein.

Dort lag mit ihren Türmen
Die alte Heimat mir,
Die ich erblickt nicht wieder,
Seitdem ich schied aus ihr!

Wohl fühlt' ich bald sich trüben
Von Tränen mir den Blick:
Der Traum der Jugendliebe,
Er kehrte mir zurück.

Neuerwachte Hoffnung.

O, ist es wahr,
Daß du mich liebst,
Mir immerdar
Noch Hoffnung gibst?

Schon lang ist's her,
Daß ich gefragt,
Seither nicht mehr
Hab' ich's gewagt.

Nicht fern, nicht nah
Dacht' ich daran –
Doch nein, doch ja –
Ich hab's getan.

In Stunden oft,
Da ich allein,
Hab' ich gehofft
Einst dein zu sein.

Dann dacht' ich mir
Im Herzen froh,
Es sei bei dir
Wohl – ebenso.

Du schwiegest nur,
Weil Sehnsucht still
Nicht ihre Spur
Verraten will.

Bekenntnis wider Willen.

Du hast mir manchmal leid getan,
Ließ ich mir's auch nicht merken an,
Doch spricht ein Blick im stillen
Oft gegen unsern Willen.

Wohl machtest du es ebenso
Und schienst vor andern immer froh.
So kam mir nie die Frage:
Was heimlich an dir nage.

Doch was verschwiegen Mund dem Mund,
Das ward mir durch dein Auge kund,
Als ich in stummem Harme
Dich schloß in meine Arme.

Heimlicher Trost.

Im fernen, tiefen Himmel
Ein Sternlein wohnt allein,
Das letzte im Gewimmel
Stellt es sich abends ein.

Ich schick', es zu erkunden,
Oft Blick um Blick hinauf,
Und ist es auch verschwunden,
Die Seele sucht es auf.

Besuch in der Heimat.

Zurück nach langen Jahren
Kam ich ins Vaterhaus,
Von wo ich war gefahren
Einst in die Welt hinaus.

Doch sah ich, eingetreten,
Eh' ich noch kam zu Wort,
Daß Einlaß ich erbeten
An einem fremden Ort.

Mich überfiel ein Zagen,
Genug mir wußt' ich schon,
Und ohne langes Fragen
Macht' ich mich stumm davon.

Die Morgenglocken.

Die Morgenglocken klingen
Die mich auch rufen wach:
Mir ist, sie wollten dringen
Zu mir in mein Gemach.

Vom ernsten Klang erhoben,
Falt' ich die Hände still,
Ihn in der Höh' zu loben,
Der Frist mir schenken will.

Unverhoffter Trost.

Stille saß ich und allein
In der düstern Klause,
Keine Stimme drang herein
Von dem Weltgebrause.

Doch es wollte nicht auch Ruh'
In das Herz mir kehren,
Und ich mußte immerzu
Trüben Grillen wehren.

Aus vergang'nem Lebenslauf
Quälten manche Stunden,
Stieg mir schon ein Bild herauf,
Nie mir ganz entschwunden.

Aber eilig, wie es kam,
Schwand es hin auch wieder,
Und es zog verstärkter Gram
Mir die Seele nieder.

Da erhob mit einem Mal
Sich des Mondes Helle
Und ergoß mir seinen Strahl
Auf die öde Schwelle.

Wie erfüllt von Himmelsluft
Fühlt' ich nahen Frieden,
Und mir kehrte in die Brust,
Was mir längst geschieden.

Des Halbgenesenen Wanderung.

Es teilen sich die Wolken,
Der See liegt voller Ruh';
Ich eile wieder hoffend
Den nahen Bergen zu.

Mit jedem neuen Schritte
Erhellt sich mehr ihr Grün
Und läßt mir vor den Sinnen
Das Leben reicher blühn.

Und werd' ich nur erst wieder
In ihrem Schoße sein,
So kehrt wohl auch ihr Friede
Mir bald im Herzen ein.

*

Vom nächtlichen Schlummer gekräftigt
Entwandr' ich frohgemut,
Mit leichtem Sinnen beschäftigt
In schirmender Berge Hut.

Da stürzt sich der Bach mir entgegen
Mit seiner unbändigen Kraft,
Und gleich auch spür' ich ein Regen
Der alten Leidenschaft.

Verborgenheit der Liebe.

Ehrenpreis und Gundelrebe
Unter Busch und Dornen blühn;
Daß sie einzig sich nur lebe,
Ist der Liebe größt' Bemühn.

Wenn in ihrem Glück verborgen
Eines bloß vom andern weiß,
Gleichen beide ohne Sorgen
Gundelrebe, Ehrenpreis.

An eine Jugendgefährtin.

Der schönste Mai liegt hinter mir,
Ach! schon in weiter Ferne,
Entflogen bis zum Himmel schier,
So weit fast wie die Sterne.

Erinnern kann ich mich mehr kaum
Der Zeit, als er mir blühte,
Und oft ist es mir wie ein Traum,
Daß einst dein Herz mir glühte.

Letzte Liebe.

Läßt unbeweint mich mein Geschick
Dereinst zu Grabe gehn,
Ich weiß, es wird in deinem Blick
Mir eine Träne stehn.

Was mich geliebt, es schied dahin
Auf Nimmerwiederkehr,
Und wenn ich dir doch teuer bin,
Du bist es mir noch mehr.

Ganz so wie du.

Ich kannt' ein Kind von holder Art,
Wie eine Frühlingsblume zart,
Ganz so wie du.

Was nur der Seele Blick gewahrt,
Das hatte sie mir offenbart,
Ganz so wie du.

Zu leuchten meiner Lebensfahrt,
Schien sie vom Glück mir aufgespart,
Ganz so wie du.

Mein Stern.

Mir leuchtet ein Stern am Himmel,
Der einsam dort scheint zu stehn
In allem lichten Gewimmel,
Und auch wenn kein Schimmer zu sehn.

Der Stern, der immer mir wieder
Bei Nacht am Himmel erscheint –
Und der beseelt meine Lieder:
Sie ist es, die lang' ich beweint.

Rückkehr vom Schattenlande.

Geweihten Spuren nachzugehn,
Gewährt der Seele Reiz,
Und glaube, Teure, mir,
Wenn uns Erinnerung verbleibt,
Im andern Leben noch
An dieses hier,
So werd' ich oft und oft dahin
Wo wir verborgen vor der Welt geträumt,
Als treuer Schatte kehren, dein gedenk.
Du aber wirst gewiß das gleiche tun.
So werden wir begegnen uns von selbst,
Den Traum der Erde weiter spinnend dort,
wo er uns abbrach, allzufrühe nur.

Sonntag.

Rings nur Morgenstille –
Längst der Tag schon graut.
Horch, jetzt wird die Stimme
Einer Glocke laut!

Kaum hat sie erhoben
Ihren Feierklang,
Schallt auch schon im Chore
Ehr'ner Lobgesang.

Muttersegen.

Am Wanderstab ins Tal
Blick' ich zum letztenmal
Und sende meinen Blick
Zum Städtlein fern zurück,
Das alles mir umfängt,
Dran noch mein Leben hängt:
Im stillen Kämmerlein
Die alte Mutter mein,
Von der ich Abschied nahm
Und kam und wieder kam,
Von der ich los mich riß,
Der Rückkehr nicht gewiß,
Die ach! vom Bette her
Sich von mir trennte schwer,
Wohl jetzt nach mir hinaus
Schickt ihre Stimme aus.
Mir ist's, ich hör' ihr Wort,
Und lange klingt mir's fort,
Und immer muß ich stehn
Und immer rückwärts sehn.

*

Wie ward mir nach so schweren Dingen
Im Herzen leicht so bald,
Ich könnte mit der Drossel singen
Zur Wette dort im Wald.

Wie rüstig lenk' ich meine Schritte,
Als in der Jugendzeit, –
»Frau Wirtin, einen Trunk, ich bitte!«
Wie eilt sie gleich bereit!

Was macht, daß alles auf den Wegen
Den Wand'rer gern erblickt? –
Das wirkt der Mutter reicher Segen,
Den sie ihm nachgeschickt.

Abendgebet.

Wohl, das Tagwerk ist vollbracht,
Ruhe naht mit hehrem Frieden,
Alles webt in hoher Macht;
Selbst das Aug', vom Schlaf gemieden,
Fühlt, daß Einer droben wacht:
Lenk' es, Herr, wie du's beschieden.

Der Unbehauste.

Wann es Abend wird
Und ich einsam noch ziehe,
Brech' ich oft in Tränen aus.

Selbst die Wolke dort
Findet im Felsengeklüfte
Einen Ort, zu rasten, leicht.

Ich nur, einst das Kind
Einer liebenden Mutter,
Weiß nicht, wo ich nächtigen soll.

Klage des Einsamen.

Ach, was sind die See'n, die himmlisch blauen,
Was die Berge mit beschneiter Spitze,
Bunte Wälder, taubeglänzte Auen,
Wenn ich nicht ein liebend Herz besitze,
Dem ich, was ich fühle, kann vertrauen?

Des Ledigen Sehnsucht.

Laß mich nicht zu lange weilen,
Ruhe fehlt mir sonst und Mut,
Könntest du mein Stüblein teilen, –
Glücklich, der nicht einsam ruht!

Der in holderregter Stille
Morgens schon im Abend lebt,
Dessen treubelohnter Wille
Nichts mehr zu erreichen strebt,

Der das Glück der eignen Tage
An dem Wohl des andern mißt
Und dabei die eigne Plage,
Ja, den eignen Schmerz vergißt.

Dankbar seinem guten Sterne
Lebt er unverdrossen hin,
Kaum der Zukunft dunkle Ferne
Kümmert und beschäftigt ihn.

Ruf der Mitternacht.

Aus tiefem Schlummer auferwacht,
Rief mich ein ferner Klang;
Der Stundenschlag der Mitternacht,
Er war's, der zu mir drang.

Und lang' mußt' ich ihm sinnen nach –
So schlief ich wieder ein:
Der durch den Mund der Glocke sprach,
Der Herr nur konnt' es sein.

Banges Erwachen.

Schon beginnt ein sichtbarlich
Dämmerweben,
Morgenglocken rufen mich
Neu ins Leben.

Möcht' es doch die Hoffnung sein,
Nicht der Kummer,
Die mich lädt zum Tagwerk ein
Aus dem Schlummer.

Ernst der Einsamkeit.

Einsamkeit, wie lieb' ich dich,
Göttin holder Träume!
Nie geschieht es, rufst du mich,
Daß ich lässig säume.

Und doch beb' ich auch vor dir,
Seh' ich streng dich thronen
In der Gletscher Eisrevier,
Wo nur du kannst wohnen.

Grauen der Dunkelheit.

Wann die Abendschatten kommen,
Bangt mir vor der Dunkelheit,
Und ich fühle mich beklommen,
Wie in tiefer Einsamkeit,

Da erschrocken meine Seele
Wähnt, es öffne sich das Grab –
Und in seine dunkle Höhle
Blicke schauernd ich hinab.

Sorgen der Liebe.

Am lichten, blauen Morgen,
Den frischer Tau noch tränkt,
Gewölke, halbverborgen
Von leisem Hauch gelenkt,
Sich aufs Gebirge senkt –
So, Liebe, geht's mit deinen Sorgen!

Fruchtlose Abwehr.

»Sie soll mich niemals mehr berücken!«
Ich schwur's und hatte endlich Ruh' –
Da kam sie wieder – vor Entzücken
Mußt' ich ans Herz sie jubelnd drücken
Und ihr mein Unrecht gab ich zu:
O Herz, wie töricht doch bist du!

Quartier im Walde.

Im finst'ren Wald noch spät allein
Ein Vöglein singt erwacht,
Wie würde bang' doch mir da sein
So eine lange Nacht!

Und doch, hätt' ich geahnt, wie's mir
Ergangen in der Welt,
Ich hätte mir mein Nachtquartier
Im Wald wohl auch bestellt.

Vergänglichkeit.

Kaum sind die Veilchen fort,
Primeln und Nelken,
Fangen die Rosen an
Auch schon zu welken.

Frühling und Sommerszeit
Kurz ist ihr Prangen –
Schönheit und Liebe sind
Balde vergangen.

Nachleben.

Als ich im Tau die Rose brach,
Schien schnell ihr Duft zu fliehn,
Nun kehrt er wieder allgemach,
Und trunken atm' ich ihn.

Mir ist, als ob sie neu erstand
Und mit erhöhter Lust,
Wie uns ein Glück erst, wenn es schwand,
Vollkommen wird bewußt.

Vergangen.

Wohin, o Blatt, des Weges,
Wohin so rasch im Wind?
»Ich suche, wo die Rosen,
Des Sommers Rosen sind!«

Die wirst du nimmer finden,
Die Rosen frisch und rot,
Die sind schon lang' verdorret
Und du scheinst selbst wie tot.

An eine Rose.

Du sollst nicht schmachten, o Rose,
Ich netze und tränke dich,
Wenn auch im sinkenden Schoße
Dein Schimmer dir fast verblich.

Du sollst dein Prangen nicht büßen
Und welken nicht vor der Zeit:
Verbleichend noch will ich dich grüßen
Als Bild der Vollkommenheit.

Mit Alpenblumen.

Edelweiß und Raute
Grüßt dich, Stern an Stern,
Just das heimlich Traute
Blüht den Menschen fern.

Bringt es nach dem Tale
Kühnen Finders Glück,
Ruft es tausend Male
Dir die Alm zurück.

Geheime Zwiesprache.

Was zieht dich zum verschwieg'nen See?
Ist's Lust im Herzen, ist es Weh?
Mich deucht, es könne kaum allein
Das eine noch das and're sein.

Was aber lockt dir dann den Sinn
Zur hauchbewegten Welle hin? –
Ein Sehnen war's, als ich noch jung,
Nun, da ich alt – Erinnerung.

Abendklänge.

Wieder ist ein Erdentag
Mit der Sonne hingeschieden,
Heute liegt, wo Gestern lag.
Sterne, steigt empor den Müden,
Daß die Seele hoffen mag,
Sprechet uns von Himmelsfrieden.

*

Traute abendliche Stille,
Wie erquickst du nach dem Tag,
Mild dazu die Dämmerhülle,
Wo der Strahl der Sonne lag: –
Komm', o holde Nacht, erfülle,
Was das Herz ersehnen mag!

*

Duft mit Vogelsang vermischet,
Geist in wonnigem Verein,
Kühle, die das Herz erfrischet,
Laßt den Abend lauschig sein,
Hecken, die ihr uns umbüschet,
Laßt kein fremdes Aug' herein!

An den Mond.

O Mond, der seine Strahlen
Empfängt aus ferner Welt,
Wer kann den Zauber malen,
Der dich umfangen hält,

Wenn in erhellten Nächten
Du deine Sphäre wölbst,
Sich Sterne dir verflechten
Viel ferner als du selbst.

Du folgst dem Abendrote
Nach letzter Tagespracht,
Als ausgesandter Bote
Geheimnisvoller Nacht.

Lied der Einsamen.

Wieder, o Rosen,
Seh' ich euch blühn,
Seit ich verstoßen,
Wieder euch glühn.

Weinend zurücke
Schau ich nicht gern,
Schmeichler im Glücke,
Bleibet mir fern!

Das letzte Wölklein.

Flur und Wald im jungen Prangen,
Frühlingslächeln allerwärts!
Was uns ängstet, ist vergangen
Und es atmet leicht das Herz.

Nur ein Wölklein, noch verblieben,
Scheint zu zögern im Entfliehn,
Wie den Blick die Schatten trüben,
Die uns durch die Seele ziehn.

Erhellter Abend.

Schöner kann der Tag nicht enden!
Sieh, wie sich die Sonne eilt,
Ihren späten Strahl zu senden
Durchs Gewölk', das sich geteilt.

Rings die Flur, die regenmüde,
Glänzt von perlenlichtem Tau,
Und ins Herz ergießt sich Friede
Aus des Himmels tiefem Blau.

An die Einsamkeit.

Tröstlich stille Einsamkeit,
Balsam du der Wunden,
Die nach ausgetobtem Streit
Erst das Herz empfunden –

Wund ist, ach! auch meine Brust
Und vom Schlaf gemieden:
Schenke mir, der Not bewußt,
Schenk' mir deinen Frieden!

Meerfahrt.

Wir saßen im Schiffe
Und blickten umher,
Wir sahen hernieder
Aufs wogende Meer.

Auf schlafendem Grunde
Unendlich bewegt,
Den Frieden im Schoße
Und immer erregt.

Dort steigen die Wellen,
Dort fallen sie zu –
O kehrte nur einmal
Dem Herzen die Ruh!

*

Es stößt und es hämmert
Im eisernen Raum,
Und jeder darüber
Versinket in Traum.

Dem trocknet die Tränen
Die wehende Luft,
Der folget mit Sehnen
Dem scheidenden Duft.

Der hoffet sich Rückkehr
Zum heimischen Strand,
Ein andrer die Heimat
Im lockenden Land.

Öde der Nacht.

Die Nacht aus öder Ferne
Hüllt spurlos alles ein,
O zeigt euch dort, ihr Sterne,
Und laßt mich nicht allein!

Nicht kann ich sie verstehen
So tiefe Einsamkeit:
Von eurem Blick gesehen
Weicht mir Verlassenheit.

Christenlied.

Aus »Nero«.

Christus, hoher Sieger
Über Nacht und Tod,
Hilf uns, treuer Krieger,
In der letzten Not.

Der du in der Höhe
Unser aller Hort,
Über Leid und Wehe
Hebe, Christ, uns fort.

Der du einst verlassen
Hoch am Kreuze hingst,
Lasse dich umfassen,
Wie du uns umfingst.

Der du nahmst die Sünde
Sterbend aus der Welt,
Rette, überwinde,
Siege, starker Held.

Ostern.

Frühlings Auferwachen
Kündet Berg und Tal,
Gras und Blumen lachen
Rings im Sonnenstrahl.

Aus der Wälder Schweigen
Dringt der Vöglein Chor;
Glockentöne steigen
Feierlich empor.

Frühlingslied.

Aus »Nero«.

Der Liebe Zeit, der goldne Frühling kam,
Die Zeit der sprossenden Blumen und Bäume.
Alle sind sie erschienen wiederum,
Primel, Narzisse und auch die vielblätt'rige Rose,
Um die rauschenden Quellen blühen sie
Und um der belaubten Bäume Gipfel.
Grüner als Efeu steht die Ulme da,
Von dem rankenden Rebstock dicht umschlungen,
Voll Wohlgerüche ist des Himmels Luft
Und voll herwandernder Vögel.
Unaufhörlich singt die Nachtigall
Vom schwankenden grünen Zweig herab
Der selbstvergessenen zarten Braut,
Girrend vor Sehnsucht.

Frühlingslieder.

Noch verrät kein Halm der Erde
Nach dem langen Winterleid,
Daß sie bald sich schmücken werde
Mit dem lichten Sommerkleid.

Doch der Himmel, strahlend offen,
Wie in hehrer Glorienpracht,
Bürgt für unser gläubig Hoffen,
Daß der Frühling bald erwacht.

*

Lenz, wer wieder dich erlebt,
Mag sich deiner Pracht erfreuen,
Doch, den man zuvor begräbt,
Ihm auch wirst du Blüten streuen.

Und es ist am Ende gleich,
Ob es so, ob so wird werden,
Wenn nur du, an Knospen reich,
Wiederum erscheinst auf Erden.

*

Der Weißdorn prangt im Blütenkleid,
Verflogen ist sein Winterleid,
Seit Lenz gekehrt zur Erden.
Da alles lacht in Berg und Tal,
Versuche, Herz, doch selbst einmal
Auch wieder froh zu werden.

*

Verlor'nes Trillern
Im blauen Raum,
Und leis Gezwitscher
Von jedem Baum –
Ob wohl der Frühling
Gar nur ein Traum?

*

Geendet hat die Maienzeit
Den winterlichen Harm:
Der Himmel strahlt von Herrlichkeit,
Die Sonne leuchtet warm.

Die Erde prangt in junger Pracht,
Und alles atmet Lust,
Du selbst auch fühlst den Lenz erwacht
In froh befreiter Brust.

*

Wieder schallt von allen Zweigen
Unser lieber Sängerchor,
Und der Lerche Triller steigen
Jubelvoll zum Licht empor.

Jung und alt, sie lauschen wieder
Dem gewohnten süßen Schall,
Sind es doch die alten Lieder,
Die ertönen überall.

*

Mein ganzes Herz erschließet sich
Der Vöglein vollen Chören,
Und dennoch dünkt es süßer mich,
Sie zwitschern nur zu hören.

Solch leiser Ton zur Maienzeit,
Im Hauch bald froh, bald trübe,
Umschließt in seiner Seligkeit
Den ganzen Traum der Liebe.

*

Wolkenloser Maientag!
Im Ergrünen Busch und Hag
Und, soweit das Auge reicht,
Sprossen, das der Hoffnung gleicht. –
Ist's ein Wunder, daß die Welt
Dem Betrübten selbst gefällt?

*

Auch der Mai bringt dunkle Tage,
Die nicht trüber könnten sein,
Da das Herz in uns wird zage
Mitten selbst im Blumenschein.

Aber mag die liebe Sonne
Auch einmal in Wolken stehn,
Gleich verkehrt sich Weh in Wonne,
Wenn wir sie nur wiedersehn.

*

Herz, wozu die bangen Träume
Und nun gar in diesen Tagen,
Da selbst die entlaubten Bäume
Wieder neue Blätter tragen?

*

Wenn sich Natur im Lenz erfrischt,
Welch frohe Augenweide,
Und doch ist ihr auch beigemischt
Ein Zug von herbem Leide.

Wohl siehst du prangen rings die Welt,
Verjüngt im Frühlingsschimmer,
Doch daß er auch dein Herz erhellt
Darfst du erhoffen nimmer.

*

Alles froh im frischen Drange,
Alles voller Seligkeit,
Herz, nur dir allein ist bange
Mitten in der Maienzeit!

Was ist Arges dir geschehen,
Das dich so verstimmen kann?
Denkst du wohl allein zu stehen
Noch im winterlichen Bann?

Horch, die scheuen Finken schmettern,
Von des Daseins Lust erfüllt!
Sieh den Strauß von lichten Blättern,
Der aus morscher Eiche quillt!

*

Zum erstenmal in meinem Leben
Vergaß ich heut' den ersten Mai,
Wie konnte das sich nur begeben,
Da ich ihn so gesehnt herbei?

Lag es am trüben Regentage,
Der mir der Sonne Blick verbarg?
Geschah es, weil beim Drosselschlage
Der Blick mir fiel auf einen Sarg?

*

Lenz, du kommst so trüb' mir vor,
Wie wenn du der Herbst:
Fürchte, daß im Nebelflor,
Du dich gar entfärbst.

Alles grün und doch wie grau
Wald und Wiesenplan!
Selbst die Blümlein auf der Au
Schau'n verzagt mich an.

Wohl ein einz'ger Sonnenblick
Macht sie wieder froh. –
Herz, auch dir im Jugendglück
Bangte oftmals so.

Maienwonne.

Ein hohes Wunder ist geschehen,
Das alles Harren reich belohnt,
Mit seiner Lüfte mildem Wehen
Erschienen ist der Maienmond.

Und was April in seiner Tücke
Verdorben fast in einer Nacht,
Das hat zu aller Wesen Glücke
Der Holde wieder gut gemacht.

Die Heide und am Wald die Hecken
Ergrünten schier am gleichen Tag,
Und Schatten fängt schon an zu decken
Den sonn'gen Hang am wilden Hag.

Im Walde lacht die Erdbeerblüte,
Der Schleedorn blüht, ob kahl noch auch,
Kein Wäldchen, drin sich nicht verriete
Des Maienglöckleins Wunderhauch.

Rings füllen sich die sanften Wiesen
Zu einem bunten Blumenfeld,
Und den betauten Morgen grüßen
Die Könige der Sängerwelt.

Zart in des Apfelbaumes Düften
Verkündet schon der Apfel sich,
Und überweht von Frühlingslüften
Umhaucht die Flur uns wonniglich,

Zumal wenn aus der Abendwolke
Ein warmer Regen niedersprüht
Und dichter Schwarm vom Flügelvolke
Der Zitterpappel Turm umzieht.

Gepaarte Turteltauben steigen
Im Frührot aus dem Forst empor,
Des Birkhahns vorsichtsloser Reigen
Gibt keckes Ziel dem Feuerrohr.

Und manches Paar verliebter Seelen
Sich abends in die Haine winkt,
Wo dicht am Pfad, den sie sich wählen,
Die Pracht zu tausend Kränzen blinkt.

Ihm ruft von nah' und fernen Hügeln
Der Kuckuck unaufhörlich zu,
Und nebenan mit Blumenflügeln
Sitzt Psyche leicht gestörter Ruh'.

An den Mai.

Wie bist du kurz, o Maienmond,
Mit deinen holden Tagen!
Kaum daß mein Auge dein gewohnt,
Soll es dir schon entsagen.

Wie du die Flur in einer Nacht
Mit Blüten oft bekleidest,
So schwindet plötzlich deine Pracht,
Ob zögernd du auch scheidest.

Wohl werden wir uns noch erfreun
Auch an des Sommers Kindern,
Die spät erst bläss're Farben streun
Und ihre Düfte mindern.

Wer aber grüßte dein Gefild
Im lichten Schmuck nicht lieber? –
O ginge nur dein lächelnd Bild
Nicht gar so bald vorüber!

Verlorener Mai.

Was hilft der lichte Maienschein
Dem, dessen Herz sich fühlt allein?
Erweckt doch, was da blüht umher,
Verlassenheit ihm um so mehr.
Für alle Farben ist es blind
Das Auge, dem die Träne rinnt,
Wie grau erscheint ihm alles Grün: –
Der Mai kann nur dem Frohen blühn.

Ahnung im Mai.

Es kommt einmal ein Maientag –
Wer weiß, wie bald er dämmern mag!
Der Blüten streut rings um dich her,
Doch dir wird keine duften mehr,
Der Strahlen sendet durch die Welt,
Doch dir ins Aug' kein Strahl mehr fällt,
Der Lieder weckt im Jubelton,
Doch dir erklang das letzte schon.
Es kommt, es kommt ein solcher Tag –
Wer weiß, wie bald er dämmern mag!

Letzte Liebeszeichen.

Letzte Liebeszeichen
Schwanken um ein Grab,
Gleich als wollten reichen
Sie zu ihm hinab.

Wohl auch mag sie lenken
Oft hinan ein Wehn,
Wie im Schmerz wir denken
An ein Wiedersehn.

Entmutigung.

Ein tiefes Ermatten
Beschleicht mir den Willen
Bisweilen im stillen,
Als neigt' ich zur Gruft.
Kaum, daß ich mir's hehle,
Mir schwindet die Seele,
Wie Aglei im Schatten
Verlieret den Duft.

Gewittersegen.

Noch ist das Herz betäubt vom Donnerschlage,
Wie uns bestürzt ein jähes Mißgeschick,
Da winkt ihm nach gewittervollem Tage
Versöhnlich zu des Abends Scheideblick.

Der Himmel tut sich auf, sein Blau erscheinet,
Die Sonne äugelt, nein, sie flammt hervor,
Der Wolken letztes Heer es steigt vereinet
Als Rauch am leuchtenden Gebirg empor.

Wohl sind des Zornes Spuren nicht geschwunden,
Doch webt um sie ein so gerechter Schein,
Gleich reifem Glück, das du erst spät gefunden,
Und das du drum nun doppelt nennest dein.

In Wald und Busch getrost die Sänger schmettern,
Vielstimmig und doch wie aus einer Brust:
Der Glanz des Lorbeers ruht auf allen Blättern,
Und was gelitten, fühlt erhöhte Lust.

Späte Veilchen.

Noch einmal ein Veilchenstrauß
In so spätem Monde,
Liebe, Liebe, halte aus,
Früh im Lenz belohnte!

Sommerlied.

Rosen leuchten, Lilien prangen
Und, benachbart ihrem Flor,
Dringt von Büschen überhangen,
Der Narzissen Stern hervor:
Alle blühen sie gesellig,
Jedem Auge wohlgefällig.

Einer nur, fern allem Glücke,
Wenn er trüb die Blicke senkt,
In der Stille gern zurücke
An das frühe Veilchen denkt,
Das geblüht bevor noch wieder
Stand in Pracht der junge Flieder.

Flucht des Sommers.

Des Sommers Rosen prangen
In ihrem letzten Flor,
Daß er schon bald vergangen,
Schwebt leise nur dir vor.

Der Blick hat sich gewöhnet
Ans lang entbehrte Grün,
Wo Vogelschall ertönet
Lauscht nicht das Ohr mehr hin.

Es schwelgen alle Sinne
Und wissen kaum davon –
Wie uns ein Glück wird inne
Erst wann es schon entflohn.

An die Spätrose.

Spätling, o weiße Rose,
Was schwankst du in der Luft
Und streust aus deinem Schoße
Allein noch zagen Duft?

Wo warst du, da die Schwestern
In dichtem Flor geblüht,
Wie kommt es, daß du gestern
Erst sommerlich erglüht?

Zwar sind in frühem Scheiden
Verblättert jene auch,
Doch Jugend gibt für Freuden
Gern ihren letzten Hauch.

Du sehnest dich nach Glücke
Und weißt nicht, was es ist:
Es steht in deinem Blicke,
Daß du nicht glücklich bist.

Du fühlest dich verlassen
Und träumst von Liebe doch,
Ja, könntest du erblassen,
Du würdest bleicher noch.

Erinnerung an den Sommer.

Noch ist in Wald und Flur
Nicht alles Grün verblichen,
Noch nicht die letzte Spur
Des Sommers ganz entwichen.

Die Lüfte wehen mild
Und wecken mir im Innern
Vergangner Freuden Bild
In leuchtendem Erinnern.

Herbstlieder.

Des Herbstes Nähe läßt sich spüren
Tagtäglich mehr und allerwärts,
Doch die verhangnen Berge rühren
Zumal mir das erschrockne Herz.

Ich weiß nicht, ist's erwachte Trauer,
Die mich an lang Verlornes mahnt,
Erfüllen mich geheime Schauer,
Vor dem, was erst der Seele ahnt?

*

Wenn das Laub zur Erde gleitet,
Fängt es herbstlich an zu wehn,
Ob das Herz auch widerstreitet,
Muß es doch sich eingestehn:

Nichts mehr winkt ihm von der Fülle,
Die es ahnend sprossen sah,
Und beraubt der Zauberhülle
Liegt das Leben vor ihm da.

Seufzen meint es zu vernehmen,
Wo ihm Wonneschall erklang,
Und es ziehn der Liebe Schemen
Stumm mit ihm den Pfad entlang.

*

Der Wind durchfährt die geräumte Flur,
Entschwungen hat sich die Lerche,
Heimwandernde Schafe blöken nur
Und drängen sich eng im Pferche.

Die Bäume stehen schon halb entlaubt,
Die Blätter sind im Verfärben –
O Herz, dem lebend die Hoffnung geraubt,
Was hält dich noch ab zu sterben?

*

Vor des Jahres letzten Blüten
Bleib' ich oft wie träumend stehn,
Und ich kann es kaum verhüten,
Sie mit Tränen anzusehn.

Zeigen sie in ihrem Weben
Alle doch ein gleich Geschick,
Da nur währen soll ihr Leben
Einen kurzen Augenblick.

*

Trübe Nebel spinnen
Um mich fern und nah:
Immer muß ich sinnen,
Daß der Herbst schon da.

In den Duft verloren,
Dehnt sich hin die Flur:
Alles scheint geboren,
Um zu sterben nur.

*

Was macht den späten Herbst so trübe,
Auch wenn die Tage sonnenklar?
Kommt's daher, daß das Laub verblichen,
Nachdem die Sommerzeit verstrichen,
Das wiederkehrt doch jedes Jahr?
Gedenkt das Herz vergangner Liebe,
Die, eh' ein Zagen es beschlichen,
Mit allen Freuden ihm entwichen,
Für immer ihm verloren war?

*

Der Mond umseufzt den kahlen Baum,
Das Laub zerstiebt im Scheiden,
Wo bist du hin, o Sommertraum,
Wohin mit deinen Freuden?

Wohl sah ich auch im Frühlingslicht
Manch Blütenblatt schon fallen,
Doch stimmte mich so traurig nicht
Wie heut' solch' Niederwallen.

Herbstträume.

Noch einmal ein linder Tag,
Voll von Sonnenwärme!
Wer sich gern erinnern mag,
Weiß, warum ich schwärme.

Zwar die Blätter allerwärts
Fallen von den Bäumen,
Und es möchte selbst das Herz
Still auch ruhn und träumen –

Was im Glück ich einst besaß,
Tritt mir vor die Sinne,
Was ich allzufrüh vergaß,
Wird zu spät mir inne.

Dort die Wandervögel ziehn,
Wo sie hin begehren,
Meine Jugend mußte fliehn –
Ohne Wiederkehren.

Wohl erwacht in solcher Luft
Leicht nach ihr ein Sehnen, –
Wie an einer offnen Gruft
Stürzen mir die Tränen.

Des Winters Kommen.

Wolkenlos, in reiner Bläue
Strahlt zur Welt der Himmel nieder,
Ja, es ist, als kehre wieder
Dorther uns der Lenz aufs neue.

Und doch hat das Sturmgetöse
In der Höhe zugenommen:
Daß der Winter angekommen,
Künden seine rauhen Stöße.

Winternähe.

Verwandelt stehn die Bäume,
Vom scharfen Nord entlaubt,
So welken, ach! die Träume,
An die ich lang' geglaubt.

Was treu mir schien verbunden,
Das streifte leicht sich ab,
Bis alles hingeschwunden,
Was einst mir Hoffnung gab.

Auch jener frohe Glaube,
Der Jugend Freund, verblich,
Er schwand, der Zeit zum Raube –
Der Winter nahet sich.

Allein ist mir geblieben,
Was mir Natur verlieh:
In eingesenkten Trieben
Des Liedes Melodie.

Laub im Winter.

Purpurnes Laub im weißen Schnee,
Schau' ich dich an, wird mir so weh!

Da noch ein Blatt dem andern glich,
Durchdrangen tausend Blüten dich.

Jetzt, da du trägst ein brennend' Rot,
Bist du vergangen fast und tot.

Winternacht.

Schon kehrt die Zeit, da Tag um Tag
Die Sonne früher sinket,
Dagegen kaum mehr schwinden mag,
Was dort an Sternen blinket.

Und während so sich um uns her
Die Nacht beeilter breitet,
Wird uns vertrauter mehr und mehr
Das Bild, das sie begleitet.

Und wohler wird dem Blick dabei,
Da er dort liest geschrieben,
Wo unsre künft'ge Heimat sei,
Wie die auch unsrer Lieben.

Zu Träumen wird das Herz gestimmt,
Die Tränen ihm entlocken,
Zumal, wenn es von fern vernimmt
Den Klang der Abendglocken.

Nachwort zu den Liedern.

Wenn dereinst durch manche Hand
Wandern diese Lieder,
Bin ich längst ins ferne Land
Eingegangen wieder.

Doch mir ahnt, der Seelen Zug
Wird hinüberreichen,
Und Erinn'rung oft genug
Mich auch dort beschleichen.

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