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Neue Lieder und Mären

Martin Greif: Neue Lieder und Mären - Kapitel 2
Quellenangabe
typepoem
authorMartin Greif
titleNeue Lieder und Mären
publisherC. F. Amelangs Verlag
printrunErstes bis drittes Tausend
year1902
firstpub1902
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20151115
projectid536b49eb
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Portrait: Martin Grefi

Der Muse Wiederkehr.

Wieder nahte sich die Muse,
Winkend aus der Höhe mir,
Und, erfüllt von ihrem Gruße,
Schlug ich auf den Blick zu ihr.

Langverwehter Jugendlieder
Wonneschauer mich durchdrang,
Als mir ihre Stimme wieder
Traut und doch so hehr erklang.

Horchend lauscht' ich jedem Worte,
Das sie liebreich zu mir sprach,
Und noch stets an stillem Orte
Hallt mir's in der Seele nach.

»Was ich einst dir aufgetragen,«
Rief sie, »galt dir als Gebot,
Und doch seh' ich oft dich zagen
Wie vor aufgesparter Not.

»Aber lächeln dein auch viele,
Da dein Haar schon fast ergraut,
Schläft in deinem Saitenspiele
Doch noch mancher helle Laut.

»Fürchte nicht des Schaffens Grenze
Und verstumme nicht zu bald,
Und zumal nicht, wenn im Lenze
Neu ergrünen Berg und Wald!

»Da du lerntest zu verzichten,
Braucht dir nimmer bang zu sein:
Nicht auf jene, die dich richten,
Achte auf dein Volk allein!

»Aus dem Herzen wirst du singen,
Manchem, der dein Lied vernimmt,
Und so wird es weiter klingen,
Schlicht, wie du es angestimmt.«

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