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Nachkommenschaften

Adalbert Stifter: Nachkommenschaften - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer Bergquell
authorAdalbert Stifter
year1952
publisherDroemersche Verlagsanstalt
addressMünchen
titleNachkommenschaften
pages316-334
created20011019
sendermikpok@cityweb.de
firstpub1864
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»Hören Sie mich an«, begann er. »Es lebt seit Jahrhunderten ein Geschlecht, das immer etwas anderes erreicht hat, als es mit Heftigkeit angestrebt hat. Und je glühender das Bestreben eines dieses Geschlechtes war, desto sicherer konnte man sein, daß nichts daraus wird. Und nicht etwa durch das Schicksal wurden diese Leute aus ihren Bahnen geworfen; denn dann wäre ja mancher darin geblieben, weil Schicksal und Zufall nicht folgerichtig sind, sondern jeder verließ selber freiwillig und mit Freuden seinen Kampfplatz und wendete sich zu ändern Dingen. Manche erreichten über Ansammlung der Mittel zu ihrem Zwecke den Zweck nicht. Sie waren alle höchst begabte Leute, einen einzigen ausgenommen, welcher ein gewöhnlicher Mensch war, und weil sie solche Begabungen hatten, so wählten sie frühzeitig schon irgendeine Tätigkeit, spornten diese zu höchstem Feuer und erreichten auch Erfolge, die andere Menschen in Erstaunen setzten; aber es genügten ihnen die Erfolge nicht, und sie warfen das Zeugs weg. Ich weiß nicht, wenn einmal einer gekommen wäre, der das Höchste in seinem Fache hervorgebracht hätte, ob auch er von demselben wieder gewichen wäre, ich weiß es nicht, weil der Fall nicht vorgekommen ist; ich glaube aber, dieser Mann wäre eine Ausnahme seines Geschlechtes geworden und hätte es zu seltenen Ehren gebracht, wenn er nicht, auch noch andern Gedanken nachjagend, all sein Tun für Stückwerk gehalten und es zu dem Plunder geworfen hätte. Wer kann das wissen. So merkwürdig ist aber das Geschick dieses Geschlechtes, daß selbst der gewöhnliche Mensch, der, wie ich Ihnen sagte, dazu gehörte, diesem Geschicke nicht entgehen konnte. Obwohl er nicht durch hohe Begabung zu vorzeitiger Tätigkeit getrieben und von ihr wieder abwendig gemacht wurde, so reichte sein Pfund doch gerade hin, zu tun wie alle seine Väter, Vettern und Muhmen, nämlich ein Ungetüm von Zeit und Kraft einem Dinge zuzuwenden, um es dann gehen zu lassen und ein anderes zu ergreifen. Ich kenne dieses Geschlecht außerordentlich genau, ich bin selbst einer davon, und zwar jener gewöhnliche Mensch, von dem ich Ihnen gesagt habe. Ich habe selber getan wie meine Angehörigen. Ich habe von denen erzählen gehört, welche vor uns gelebt haben, und ich habe beobachtet, was die gefördert haben, die mit mir gleichzeitig sind, und habe besonders die jüngeren beobachtet. Und gerade so wie diese' jüngeren benehmen Sie sich, mein Herr. Sie haben sich der Landschaftsmalern ergeben nicht des Geldes wegen, nicht des Ruhmes wegen, nicht aus Eitelkeit; denn Sie verbergen Ihre Bilder, zeigen sie nicht, wollen sie nicht verkaufen, sondern Sie streben nach eigener Billigung, wollen den Dingen ihr Wesen abringen, wollen die Tiefe erschöpfen, darum wählen Sie sich einen Gegenstand, der so ernst, schwierig und unbedeutend ist, daß ihm die ändern aus dem Wege gehen würden, dieses Moor. Sie verfolgen Ihren Zweck mit einer Kraft und Hartnäckigkeit, die zum Bewundern sind, Sie lassen alles, was sonst die Jugend bewegt, beiseite liegen, ja Sie versagen sich die Befriedigung der gewöhnlichen Bedürfnisse, um nur Ihrem Ziele zuzusteuern, und Sie sind in Ihren Arbeiten zu Ergebnissen gekommen, die ganz ungewöhnlich sind. Ich verstehe Bilder, und wenn Sie mich einmal in meinem Hause besuchen wollten, würden Sie nicht unbedeutende Erzeugnisse der Malerkunst älterer Zeiten bei mir finden. Ihre Entwürfe, die ich genau angesehen habe, gehören zu dem Allerbesten, was die neue Kunst hervorgebracht hat, an Wahrheit übertreffen sie alles, was jetzt da ist; und eben deswegen werden Sie eines Tages sagen: Das ist doch noch nichts als leeres Getue, ich werfe es zum Teufel. Noch eins ist, das zu beachten kommt. Alle Nachkommen unseres Ahnherrn, auf den wir noch zurückzählen können, haben fast wie mit Eigensinn ohne erhebliche Ausnahmen braune Haare und braune Augen bei freundlicher Farbe des Angesichtes. Sie besitzen diese Merkmale auch, als sollte Ihr Körper mir auch noch die Anzeige geben, welche mir Ihr Geist gegeben hat. So sind die Dinge, und so habe ich aus ihnen über Sie geschlossen.«

»Ich habe Sie Ihre Ansichten entwickeln lassen«, entgegnete ich auf die Rede meines Nachbars, »und bin jetzt weniger betroffen über Ihren Ausbruch, als ich es war, da ich ihn eingangs Ihrer Mitteilung hörte, weil ich damals glaubte, er ruhe auf irgendeinem untrüglichen Fuße und raube mir wider meinen Willen meinen Lebensinhalt. Jetzt aber kann ich Ihnen mit Beruhigung sagen: Ich werde nie meinem Streben untreu werden, und ich werde nie der Landschaftsmalerei entsagen, mögen die Ergebnisse derselben sein, welche sie immer wollen. Ich kann dieselben nicht voraussehen; aber wenn man mir mein Tun nimmt, hat mein Leben gar keinen Wert und gar keinen Reiz, auch nicht den allergeringsten, und was man Vergnügen, Freude, Wonne, Seelenfülle, Geistesbefriedigung, Daseinsabschluß und dergleichen nennt, ist für mich dann nicht mehr als das Stäubchen, das in der Sonne spielt, oder der Sand, den der Bettler zertritt.«

»Das ist gerade auch eines der Merkmale mit«, entgegnete mein Nachbar, »und bestärkt mich in meiner Ansicht. Jeder unseres Geschlechtes war von der Unaufhörlichkeit seines Strebens schlechterdings durchdrungen, bis es aufhörte.

Die Männer jagten nach ihrem Zwecke, die Frauen duldeten und kämpften danach, bis es nichts war. Da war der uralte Echoz – Vornamen gab es damals noch kaum – der machte die Römerzüge des rotbartigen Friedrich mit, er dürstete nach ritterlichem Ruhme, nach Taten, die keiner nachtun könnte, nach schönen Waffen, Pferden, Kleidern, er wollte wie Buren, der Stammvater der Staufen, auf einem hohen Berge eine Burg bauen, ein hohes Fräulein ehelichen und ein Geschlecht gründen, dessen Glanz noch weiter über die Erde gehen sollte als der der Staufen.

Er erwarb Reichtum, er heiratete ein hohes Fräulein und verwaltete im Alter einen großen Hof und ritt herum, seine Rinder, Schafe, Zuchtpferde zu zählen.

Sein Urenkel wollte den besten Wildstand in einem gezäunten, ungemein großen Gehege gründen, den es im Deutschen Reiche geben sollte, und rodete endlich das Gehege zu Wiesen und Feldern und mochte wohl der Roderer geheißen haben.

Ein anderer, Peter Roderer, lebte mit Söhnen und Töchtern auf seinem Hofe und hielt Ordnung und suchte alles kennen zu lernen, was gute Landwirte tun, um ihr Anwesen emporzubringen; denn er wollte die beste Wirtschaft, die es geben kann, herstellen. Dann zog er gegen die Türken und ward ein Vorkämpfer und Führer, der geachtet wurde, und er starb in hohen Ehren, entfernt von seinem Hofe, den er nicht mehr sah.

Dann war ein anderer Peter Roderer, welcher nach Reichtum strebte, um ein strahlendes Haus zu gründen, das der Neid aller im Gaue sein sollte; darum preßte er Cider aus Äpfeln und suchte dieses Getränke im Lande zu verbreiten, sowie auch eine edle Obstzucht zu begründen, weshalb er allerorten treffliche Bäume suchte und pflanzte. Seine Söhne waren die Roderer Peter Buben. Sie waren vier und hatten ganz gleichen Sinn. Ihr Vater hatte ihnen einen mäßigen Hof in Tissenreit hinterlassen. Sie waren in ihrem Alter sehr nahe, denn jeder der Jüngeren war von dem Nächstälteren ungefähr um ein und ein halbes Jahr verschieden. Sie hatten im Sinn, nicht einen Hof allein zu besitzen und zu bewirtschaften wie Bauern, sondern sich zu heben und Edelsitze zu gründen. Jeder wollte Reichtum sammeln, dann ein schönes, reiches Mädchen heiraten, ein eigenes Anwesen herstellen und so fortwachsen.

Um dies auszuführen, beschlossen sie, den väterlichen Hof gemeinschaftlich zu verwalten, alles, was nur immer aus ihm zu ziehen wäre, in Geld zu verwandeln, und wenn genug Geld vorhanden wäre, es zu teilen, den Hof in die Teilung einzubeziehen und dann ihr beabsichtigtes Leben zu beginnen.

Sie legten das gröbste Bauerngewand an und gingen in hölzernen Schuhen. Sie unterzogen sich der härtesten Haus- und Feldarbeit, hatten gar keinen Knecht, sondern Tagelöhner und benötigten nur eine einzige Magd. Am Sonntage zog ein jeder einen besseren Rock und lederne Stiefel an, und so gingen sie in ihre eine halbe Wegstunde entfernte Pfarrkirche. Auf dem Heimwege zogen sie zur Sommerszeit Stiefel und Rock aus, gingen auf bloßen Füßen und trugen Stiefel und Rock über der Schulter. Am Nachmittage dieses Tages saßen sie auf dem steinernen Gange im Innern ihres Hofes und aßen jeder ein Stück weißen Brotes als Sonntagsgabe, oder im Winter in der gemeinschaftlichen kleinen Stube. Nie trank einer der vier einen Schluck Wein oder Bier oder Branntwein. Den Cider ihres Vaters und den sie selber machten, verkauften sie, und was der Hof trug, wurde an Käufer abgelassen. Die Roderer Peter Buben starben unvermählt, jeder über neunzig Jahre alt und hießen immer die Roderer Peter Buben.

Silber befand sich in Säcken, in Strümpfen, in alten Stiefeln, in hölzernen Kistchen oder Tiegeln. Zum Erben war Karst, der Mann ihrer Nichte, eingesetzt, der arm war, das Seinige zu Rate hielt und gerne Geld sammelte. Als Karst das Silber erhielt, ward er wahnwitzig, lebte in Saus und Braus, verschwendete alles und starb mit seiner Frau im Elende. Mit dem Roderer Peter Buben wären die Roderer Peter Buben ausgestorben, wenn es nicht noch einen Roderer Peter Buben gegeben hätte, einen fünften, der aber nie so geheißen hat; denn als das Volk den Namen Roderer Peter Buben schöpfte, da sie gemeinschaftlich als junge Menschen ihren Hof verwalteten, war er schon lange nicht mehr zu Hause. Er war schon zu Lebzeiten seines Vaters fortgegangen. Er hieß Friedrich.

Friedrich Roderer war ein räudiges Schaf. Er konnte schon als Jüngling, als Jüngster unter den Brüdern, das Streben des Vaters nicht teilen. Ihm lag nichts an Obstzucht oder andern Dingen des Hauses, noch auch befreundete er sich mit den Geldneigungen der Brüder, die sie schon in der Kindheit gezeigt hatten, sondern er schweifte in der Gegend herum, wußte alle Vogelnester, kannte alle Hunde, wußte wie sie hießen und wem sie gehörten, ritt auf allen Pferden, die auf der Weide waren und deren er habhaft werden konnte, floh die Schule, verschleuderte jeden Pfennig, den er bekam; führte alle Buben der Gegend, weiche wie er nicht viel in dem väterlichen Hause waren, zu Schlachten an oder zu Zügen in den Wäldern, oder sie fingen Fische und Krebse in den Bächen und brieten sich dieselben an einem Feuer, das sie angelegt hatten, und wenn er die Strafe des Vaters fürchtete, schlief er oft mehrere Nächte in einer Höhle oder unter einem überhängenden Steine, der ihn vor dem Nachttaue schützte.

Der Vater suchte ihn zu bessern, er redete ihm zu, er züchtigte ihn empfindlich; aber durch die Strafe wurde er nur störriger. Seine Mutter war schon vor langer Zeit gestorben. Später ließ er sich einen langen Bart wachsen und ging zu den Gauklern, welche auf dem Seile tanzten, durch Reifen Luftsprünge machten, Feuer fraßen, Bänder spieen und ihre Körper in die staunenswertesten Stellungen brachten. Er kam weit von seiner väterlichen Gegend weg, und man hörte lange nichts mehr von ihm.

Von den Gauklern ging er zu den Schauspielern und stellte die verschiedensten Handlungen und Gemütsbewegungen der Menschen dar. Er wollte das deutsche Schauspielwesen auf den Gipfel der Kunst erheben, und was er in der Kindheit so sehr geflohen hatte, die Bücher, das wurde jetzt sein Lieblingsgegenstand. Fast Tag und Nacht las er, oder er schrieb oder ließ davon nur ab, um seinen Kameraden darzutun, welche Sachen schön und würdig seien und wie man sie am herrlichsten darstellen könne. Als die Preußen Schlesien angriffen, zog er gegen sie ins Feld und ging nun nie mehr zu den Schauspielern oder Gauklern zurück, sondern blieb unter den Soldaten, brachte es vorwärts, und wie er einst die Lotterbuben seiner Heimat zu Spielschlachten angeführt hatte, so führte er jetzt Männer zu wirklichen, und die Zahl, die unter ihm stand, wurde stets größer. Er kam zu Hab und Gut, heiratete ein reiches Fräulein und mehrte dadurch den Besitz.

Was die vier Roderer Peter Buben in neunzig Jahren nicht zuwege bringen konnten, das erreichte der räudige Friedrich im Spiel und Sprunge. Er wohnte im Alter auf einem ihm zugehörigen Edelsitze, obwohl er selber nie nach dem Adel, der ihm hätte gegeben werden können, strebte.

Von der Erbschaft der Roderer Peter Buben hatte er nur ein Teilchen bekommen, man weiß nicht, ob durch das Gesetz oder auf eine andere Weise. Das arme Töchterchen Karsts, Mathilde, nahm er zu sich.

Dieser Friedrich Roderer war mein Urgroßvater, und von ihm stammen alle Roderer. Seltsam ist es, daß alle, so wie er den vollen Bart als Seiltänzer trug – wie er als Krieger war, wissen wir leider nicht mehr –, auch den vollen Bart trugen; aber im Widerspruche mit ihm trugen sie nicht einen langen, sondern einen auf drei Zoll zurückgestutzten Bart. Die zahlreichen Roderer, die von ihm stammen und ins Grab gestiegen sind, sah ich mit diesem Barte abgebildet, und die noch leben, kenne ich mit diesem Barte. Bei einigen, wie bei mir, ist er weiß geworden. Und haben Sie nicht auch wie unser Geschlecht einen kurzen, braunen Vollbart?«

»Das ist ein Zufall«, sagte ich, »jetzt ist es in vielen Männerkreisen Sitte, einen kurzen Vollbart zu tragen. Mir gefällt die Sitte, und mir ist bequemer, meinen Bart mit Schere und Kamm zu behandeln als mit dem Schermesser.«

»Daß Ihnen diese Sitte gefällt, zeigt schon, daß Sie mit unserem Geschlecht gleich fühlen«, sagte Roderer, »wir trugen den Bart, da er noch nicht Sitte war.«

Er schwieg ein Weilchen, dann sagte er: »Wollen Sie denn von mir nicht auch etwas hören?«

»Dem würde ich die größte Teilnahme schenken«, sagte ich.

»Freilich«, antwortete er, »weil ich vor Ihnen sitze und weil das Gegenwärtige immer mehr Kraft und Recht hat als das Abwesende. So hören Sie denn.

Von den vier Söhnen Friedrichs, nachdem einer von den Wölfen zerrissen worden war und einer sich in den deutschen Orden begeben hatte, heirateten zwei, mein Großvater Peter, der zweitjüngste, und der jüngste, Joseph. Auch die vier Töchter heirateten und auch das angenommene Kind Mathilde. So wurden wieder Roderer und solche, denen von weiblicher Seite her Rodererblut in den Adern rann. Mein Vater hieß gleichfalls Peter, sowie ich wieder Peter heiße. Mein Vater besaß ein kleines Anwesen und trieb einen lebhaften Linnen- und Flachshandel. Vier Söhne und vier Töchter gebar ihm meine Mutter. Unsere Eltern erzogen uns sorgfältig und unter angenehmen Verhältnissen. Mein Vater las sehr gerne in geschichtlichen und wissenschaftlichen Büchern. Jede Zeit, die er frei hatte, widmete er fast ganz dem Lesen. Er hatte eine eigene Lampe und ein Pult erfunden, um nachts oder wenn er krank war, im Bette lesen zu können. Man sagte, daß er in seiner Jugend darangegangen sei, eine Weltgeschichte zu schreiben. Wir haben nie etwas davon zu Gesichte bekommen.

Wir besuchten die Schulen und gehörten zu den besten Schülern. Ich weiß noch wie heute, wie dann in den freien Schulmonaten oft andere Roderer zu uns auf den Hof kamen und wie wir dann Spiele hielten. Unter den Mädchen, welche auf dem einen oder dem andern Wagen von der einen oder der andern Seite zuweilen zu uns geführt wurden, war auch Mathilde, die Enkelin jener Mathilde, die von dem Obersten in das Haus genommen worden war. Das Mädchen hatte sehr schöne rosige Wangen, braune Haare und bedeutend große, braune Augen. Es war stille und schien ein wenig unwissend. Es schloß sich gerne an mich an, und wenn es die Vettern neckten oder sogar im Übermute nach ihm schlugen, stellte es sich an meine Seite, als ob es dadurch schon geschützt wäre. Als ich heranwuchs, kam ein großes Unglück in die Roderer. Alle starben in kurzer Frist, ohne daß eben eine Seuche im Lande war, an verschiedenen Übeln so zusammen, daß nur mein Vater mit seinen Kindern und ein Sohn Josephs, ein Witwer, übrigblieb. Dieser Sohn Josephs, der selber wieder Joseph hieß, war ein alter, gebrechlicher Mann, und bei ihm war Mathilde; sie wurde wenig beachtet, erhielt, was sie brauchte und blieb unwissend. Ich war in der gelehrten Schule einer der besten Zöglinge; vor allem rissen mich die Dichter zur Begeisterung hin, und wie mein Vater Geschichtsschreiber las, so las ich fast immer, wie nur eine freie Minute gegönnt war, Dichter.

Die alten Griechen hatte ich sehr bald inne, ich ging zu den Römern, die mir weniger behagten, und dann zu den Neueren. Ich schwamm in einem Meer von Wonne, wenn ich mich in der Welt der Dichtungen bewegen konnte, und es stiegen dann Gestalten von Helden, erhabenen Frauen und von feenhaften Mädchen mit Engelswesen im höchsten Maße in meiner Seele empor. Und so wuchs der Wunsch und Entschluß heraus, Heldendichter zu werden. Alle Heldenbücher wurden wieder vorgenommen, die alten und die unserer ersten blühenden Zeit. Ich wählte Adam zu meinem Stoffe, die Makkabäer, Karl den Großen, Otto und Friedrich den Rotbart.

Alle Dinge, welche sonst Jünglinge meines Alters erfreuen, berührten mich nicht mehr, außer die Welt meiner Dichtungen. Ich bedurfte nur sehr wenigen Schlafes, wählte absichtlich sehr einfache Nahrung und war immer bei meinen Schriften oder Büchern. Und wenn ich viele Stunden zu einem einzigen Verse brauchte, so wendete ich die Stunden an, bis der Vers leicht und schön floß und tiefe Gestaltung hatte wie bei Homeros. Ich hatte oft freudige Schauer, wenn nach langem Schmieden eine herrliche Wendung gelang. Ich lernte zu meinem Zwecke Sprachen: Sanskrit, Hebräisch, Arabisch und fast alle europäischen Sprachen. Ich spreche sie noch mit einiger Fertigkeit. Da las ich nun das Größte, was in diesen Sprachen vorhanden war. Es war groß und außerordentlich; dennoch aber nicht so groß und nicht so außerordentlich wie die Wirklichkeit. Ich beschloß, alle Heldendichter zu übertreffen und die wirkliche Wahrheit zu bringen, und da sehr viele Zeit mit Sprachenlernen und Lesen vorübergegangen war und ich mein Ottolied wieder las und das Makkabäerlied, welche beide Entwürfe meine besten Arbeiten waren, reichten sie nicht an das Vorhandene, und da ich mit Anwendung aller meiner Zeit und Kraft Neues dichtete und dasselbe nicht größer war als die bestehenden Lieder und die wirkliche Wahrheit nicht brachte, dichtete ich nicht mehr und vertilgte alles, was ich gemacht hatte. Nur die Bücher, die ich kennengelernt hatte, waren und blieben zuzeiten meine Freunde. Was ich jetzt tun sollte, wußte ich nicht. Es war eine Leere gekommen. Da trat eine Zeit heran, die alles änderte. Mein Vater starb eines plötzlichen Todes in der Fülle seiner besten Kraft. Ein stürzender Wagen hatte ihn erschlagen. Meine Mutter geriet in Verzweiflung, und der Gedanke, wer denn jetzt ihre Kinder in der Welt feststellen werde, marterte ihr Herz. Sie mußte das Geschäft unseres Vaters fortführen.

Forderungen wurden angemeldet, ausstehende Schulden geleugnet, Handelsfreunde drückten uns, Gerichtskosten liefen auf, frühere Verluste vermehrten sich, und als man, um diesem Dinge ein Ende zu machen, das Geschäft zuletzt auflöste, zeigte sich bei der Abwicklung, daß uns fast nur das kleine Anwesen geblieben war, das kaum mehr als die dringendsten Bedürfnisse zu decken imstande war.

Da sagte ich nun, meine häusliche Erziehung sei schon lange vollendet, ich sei der Älteste, ich wolle meinen Geschwistern kein Faserchen entziehen, ich werde in die Welt gehen und mir Eigentum erwerben, um mich und meine Geschwister erhalten zu können und der Mutter zum Gütchen noch Beiträge zu leisten. Ich packte sogleich meine Sachen. Reisegeld nahm ich nur als Vorschuß, und sogleich verließ ich das Haus. Meine Sprachkenntnisse kamen mir nun sehr zustatten. Ich konnte in jedes Land Europas gehen. Ich ging aber nach Amsterdam. Nicht einmal mehr einen Gulden hatte ich im Vorrate, als ich dort ankam; aber wie ich früher mit der größten Ausdauer und mit allen Entbehrungen für meine Dichtungsarbeiten gekämpft hatte, so kämpfte ich jetzt für Erlernen und Fruchtbarmachen der Handelsgeschäfte.

Ich fand sogleich, da mir alle Bedingungen recht waren, einen Platz; und Fäßchen oder Kistchen auf Schubkarren fahren oder Packe tragen oder Gegenstände in Mörsern stoßen oder Waren in den kleinsten Abteilungen zum Verkauf senden oder Truhen, Fächer und Gläser säubern, alle Gänge verrichten, nachts öfters wachen und aufpassen, das tat ich nun so genau und sicher, wie ich einst mit vielem Feilen meine Verse gemacht hatte. Ich war in hohem Maße sparsam, und schon nach vier Monaten konnte ich das mir vorgeschossene Reisegeld an die Meinigen zurückgeben. Jedes Stückchen Silber oder gar Gold, das mir eigen geworden war, suchte ich nach meinen erlangten Kenntnissen zu verwerten, und ehe noch die Augen meiner Umgebung auf mich gerichtet waren, hatte ich schon mein kleines Nebengeschäft, das mir Gewinn abwarf und das ich nach dem Wachsen meiner Erfahrungen vervollkommnete. Ich jagte jedem Heller Erwerb nach, und meine Habe in den kürzesten Fristen mit dem kleinsten Erträgnisse zu verwerten, galt mir mehr als größere Gewinne nach längeren Zeiten.

Man wurde auf meine Verbindung aufmerksam und zog mich auf höhere Stufen der Tätigkeit und der Gehalte und vergrößerte so meinen Gesichtskreis und meine Kraft. Nach nicht langer Zeit wurde ich im Schreiben, Rechnen und in Geschäften im großen verwendet, und wieder nach nicht langer Zeit leitete ich fast unabhängig ein ausgedehntes Geschäft in mehreren Sprachen und führte mein kleineres daneben in immer weiteren « Kreisen. Nach weniger Jahren, als ich je gedacht hatte, war ich selbständig, der Name Peter Roderer, auf ein Handelspapier geschrieben, galt in ganz Amsterdam, und ich wurde für einen festen Mann gehalten.

In Frankfurt am Main hatte ich einst ein Mädchen kennengelernt, welches so fein und ätherisch war wie die in meinen Dichtungen und so schön wie die Prinzessinnen in den alten und neuen Heldenliedern. Ich hatte das Mädchen oft gesehen, mit ihr gesprochen und war oft als Gast und in Geschäften in dem Hause seines reichen Vaters gewesen. Es hatte mir zuzeiten Stimmungen eingeflößt, wie ich sie einst bei meinen Dichtungen hatte. Jetzt aber ging ich zu Josephs Mathilde und sagte: ,Mathilde, willst du mein gutes, treues Weib werden?' Ihre großen, braunen Augen sahen mich noch größer, als sie waren, an, füllten sich mit Tränen, und sie sagte: ,Vetter Peter, ich gehe gerne mit dir, und ich will dir untertänig und treu sein, solange ich lebe.1 Und die größte Perle, das größte Juwel habe ich in mein Haus getragen und das größte Glück mit ihr in mein Leben. Sie ist mir eine sanfte, aufopfernde, liebende, treue, sorgsame Gefährtin durch alle Jahre gewesen und lebt noch in der Reinheit ihres Wesens neben mir, und jetzt in ihrem Alter ist sie in meinen Augen weit schöner, als je die Fee aus Frankfurt in meinen jungen Augen gewesen ist. Die Hochzeit wurde auf dem Gütchen meiner Mutter gehalten, und alle meine Geschwister waren zugegen. Meine Brüder hatten die kleineren Unterstützungen, die ich ihnen früher, und die größeren, die ich ihnen später zukommen ließ, fast nicht gebraucht und statteten mir jetzt alles zurück, wie ich ihnen einst mein Reisegeld zurückerstattet hatte. Sie hatten jeder ein Geschäft gegründet und waren aufrechte und rechtschaffene Männer.

Die Schwester war an einen jungen, tüchtigen Mann verlobt. Alle konnten wir uns dahin vereinigen, der Mutter ein schönes, fröhliches Leben zu verschaffen. Als wir einmal in der unteren Stube, ehe das Essen aufgetragen war, um den buchenen Tisch in der Art saßen wie einst als Kinder und als die Mutter auf einer Bank neben dem großen, grünen Ofen saß, sagte sie: ,Alle Freuden der Welt nehmen ein Ende, nur die Freuden einer Mutter an ihren Kindern nicht.' Wir alle hatten Tränen in den Augen, und da wir nach dem Auftragen der Speisen die Mutter zu dem Tische gezogen hatten, konnte einige Zeit das Essen nicht in den rechten Gang kommen. Ich ging mit Mathilde nun nach Amsterdam, und sie wurde das Bild jeder häuslichen Tugend. Sie strebte weniger nach Glanz. Was ihr an Kenntnissen fehlte, erwarb sie sich in meinem Umgange, wie weit ich es für meine Gattin als nötig erachtete, und mit ihr verlebte ich unter dem Drange und den Sorgen der Geschäfte wieder manche Zeiten meiner früheren Dichtungen, wenn wir uns in ein Buch oder in Erwerbungen aus dem Gebiete der Kunst teilten. Da uns der Himmel einen Sohn und eine Tochter geschenkt hatte, widmete sie sich den Kindern wie eine Mutter und Magd.

Als eine Reihe von Jahren vergangen war, als meine Mutter das irdische Leben verlassen hatte und als meine Habe so angewachsen war, wie ich es nie zu meiner Lebensweise erwartet hatte oder bedurfte, trat ich das Geschäft ab, zog mein Eigentum aus demselben, ging mit ihm nach Deutschland zurück und kaufte mir das Gut Firnberg, wo ich nun der Ruhe lebe, wenn man die Bewirtschaftung von Garten, Wiese, Feld und Wald, von Meierhof, Geflügel, Schafstall und allerlei Dingen Ruhe nennen kann. Gegen die Geld- und Handelsgeschäfte ist es Ruhe, und es ist die ursprünglichste Beschäftigung des Menschen. Ich habe mir auch zum Ziele gesetzt, mit meinem Erworbenen einzelnen Menschen oder der Menschheit überhaupt Gutes zu erweisen, soweit ich es vermag. Es gewährt mir dies ein besonderes Vergnügen. Wir können auch jetzt mehr Zeit den Büchern und Gemälden widmen, als wir es sonst zu tun imstande waren. Ich werde hier sterben. Es ist stets ein merkwürdiges Zeichen der Roderer gewesen, daß sie immer in der Welt zerstreut waren, keiner Gegend angehörten, bald hier, bald da auftauchten und wieder verschwanden, es gehört dies zu ihrem begabten oder unsteten Wesen und mehrt dieses Wesen hinwiederum. Ich möchte einen festen Stamm der Roderer in dieser Gegend gründen und ihn an diese Gegend heften, und wenn meine Nachkommen so denken wie ich, so trocknen sie das Moor völlig aus, verwalten ihre «liegende Habe, genießen das Erworbene, vermindern es nie, vermehren es dagegen, wirken gut für die Menschen hier, verwachsen mit ihnen, werden stetig und ruhig, bleiben stets bürgerlich und sagen: ,Peter Roderer, der Amsterdamer, ist der erste gewesen, der sich hier ansässig gemacht hat.' Nun, wie es der Himmel lenken will! So ist es mit mir, und Sie sehen, wie seltsam oft die Bestrebungen sind und wie seltsam die Erreichungen. Ich wollte auf Ihre Lebensweise keinen Einfluß nehmen, ich erkenne in Ihrem Wesen und in Ihren Bestrebungen, daß dies eitel wäre; ich habe gesagt, was ich gesagt habe, weil Sie mich so sehr an die Roderer erinnern. Nehmen Sie meine Worte freundlich auf, wie sie freundlich gegeben sind.«

»Ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre Mitteilungen und für Ihr Vertrauen«, sagte ich, »es gewähren mir die Lebensbilder, in welche Sie mich haben blicken lassen, Belehrung und Anregung, und ich sehe es deutlich, daß es gut ist, jedes Streben zu achten, insofern es nicht nach Schlechtem geht, und in dem Eigenen zu verharren, solange einen der eigene Geist nicht zu etwas anderem führt.«

»So spreche ich auch«, sagte mein Nachbar, »und was Sie hier behaupten, wird einem im Alter noch viel klarer, als es in der Jugend gewesen ist. Die Triebe zu Dingen sind in die Herzen gepflanzt und in die der bedeutenderen Menschen mehr als in die der andern, oder vielmehr: Die stärkere Triebe haben und kräftiger nach ihnen handeln, werden eben bedeutendere Menschen.«

»Und kämpfen sich aber auch leichter zur Klarheit durch als die andern«, sagte ich.

»Freilich«, antwortete er, »und genießen das Leben doppelt, während die unbestimmten und Zaudernden kaum recht anfangen zu leben, am wenigsten aber irgendein Wesen aus sich entwickeln; denn die Tat ist das Leben.«

Er hatte während seiner Erzählungen sein Bier ausgetrunken; er war weit länger sitzengeblieben als an andern Abenden und hatte es abgelehnt, daß man ihm noch etwas in sein Glas einschenke. Jetzt stand er auf, lüftete seine Haube und sagte: »Leben Sie wohl, genießen Sie der Ruhe und gehen Sie morgen recht eifrig wieder an Ihre Geschäfte.«

»Ich wiederhole noch einmal meinen Dank für die Zeit, welche Sie mir geschenkt haben«, sagte ich, »für die Mitteilungen und wünsche Ihnen gute Nachhausekunft und eine glückliche Nacht.«

»Amen«, sagte er und ging den Hügel hinunter; ich hörte noch seinen Wagen fortfahren und stieg dann die Treppe zu meiner Kammer empor.

»Nun, das wär' doch das teufelsmäßigste«, sagte ich zu mir selber, »wenn ich zu diesen tollen Roderern gehörte! Warum habe ich ihm denn nicht gesagt, daß ich Roderer heiße?«

Ich ging in mein Bett und schlief mit all den Vettern und Muhmen ein, die mir vielleicht nach Roderers Erzählung zugehören konnten.

Was die Zerstreutheit der Roderer in der Welt anbelangt, so trifft dieses bei uns so gut ein wie bei den Roderern des Herrn Peter Roderer. Mein Vater ist erst von Siebenbürgen nach Wien übergesiedelt; der eine Oheim wohnt in Mähren, der andere ist auch erst kurz in Wien, und der Großoheim hat die vielen Hasen alle in Schlesien geschossen. Ich selber bin noch gar kein Ansässiger, indem ich seit der Zeit meiner Großjährigkeit oder eigentlich schon seit jener Zeit, als ich die Landschaftsmalerei zu betreiben begonnen habe, am wenigsten bei meinen Eltern in Wien, am häufigsten aber an verschiedenen andern Stellen gewesen bin, wie ich ja jetzt eben auf einem kargen, graugrünen Hügel sitze, der an dem Lüpfinger Moor steht, einen Apfelbaum und ein kleines Wirtshaus trägt und auf den ein mittelgroßer, kurz weißhaariger und kurz weißbärtiger Mann hinaufsteigt und eine Geschichte von Roderern erzählt. Ich muß mich doch jetzt um meine Roderer erkundigen; ich habe diesen Zweig der Wissenschaften bisher schändlich vernachlässigt, um meine Roderer mit den Roderern des Herrn Peter Roderer vergleichen zu können.

Es war sehr merkwürdig, daß am andern Tage, als mir Roderer gesagt hatte, ich werde mein Malen aufgeben, die Arbeiter kamen, um mir ein Blockhaus auf dem Lüpfhügel zu bauen. Ich hatte nämlich dem Lüpfner Wirte ein Stück Grundes abgekauft, um in einem Blockhause nebst einem Schlafgemache ein sehr großes Zimmer zu errichten, daß ich in demselben mein großes Bild malen könnte, wozu mir ein Kämmerlein des Wirtes viel zu klein wäre. Ich wollte nämlich so wie der Heldendichter Peter Roderer die wirkliche Wirklichkeit und dazu die wirkliche Darstellung derselben immer neben mir haben. Freilich sagt man, es sei ein großer Fehler, wenn man zu wirklich das Wirkliche darstelle: Man werde da trocken, handwerksmäßig und zerstöre allen dichterischen Duft der Arbeit. Freier Schwung, freies Ermessen, freier Flug des Künstlers müsse da sein, dann entstehe ein freies, leichtes, dichterisches Werk. Sonst sei alles vergeblich und am Ende. – Das sagen die, welche die Wirklichkeit nicht darstellen können. Ich aber sage: Warum hat denn Gott das Wirkliche so wirklich und am wirklichsten in seinem Kunstwerke gemacht und in demselben doch den höchsten Schwung erreicht, den ihr auch mit all euren Schwingen nicht recht schwingen könnt? In der Welt und in ihren Teilen ist die größte dichterische Fülle und die herzergreifendste Gewalt. Macht nur die Wirklichkeit so wirklich, wie sie ist, und verändert nicht den Schwung, der ohnehin in ihr ist, und ihr werdet wunderbarere Werke hervorbringen, als ihr glaubt und als ihr tut, wenn ihr Afterheiten malt und sagt: Jetzt ist Schwung darinnen.

In Wien ist eine Landschaft. Vorne geht über Lehm ein klares Wasser, dann sind Bäume, ein Wäldchen, zwischen dessen Stämmen man wieder in freie Luft sieht. Der Himmel hat ein einfaches Wolkengebäude. Das ist mehrere hundert Millionen Male auf der Welt gewesen, und doch ist die Landschaft die gewaltigste und erschütterndste, die es geben kann. Ich werde mein Moor in meinem Blockhause malen. Die Arbeiter, die ich schon lange erwartete, sind gekommen, und die Arbeit hat begonnen. Ich habe einen Baumeister aus der Gegend genommen, der nach meiner Zeichnung baut, und habe ihm Auftrag zum Kaufe trockenen Bauholzes gegeben. Das Glashäuschen im Angesichte des Dachsteins habe ich nicht erbaut; aber ein Blockhaus im Angesichte des Lüpfinger Moores erbaue ich.

An dem Tage nach dem Gespräche mit Roderer malte ich freilich nicht; denn an diesem Tage wurde die Lage des Hauses abgesteckt und wurden die Erdarbeiten begonnen, wobei ich, namentlich bei der Absteckung, gegenwärtig sein wollte. Der Baumeister hatte mir versprochen, rüstig bei der Hand zu sein und viele Leute zu stellen, daß das Haus in wenigen Wochen fertig sein könnte. Wirklich kamen in den nächsten Tagen, während der Bauplatz geebnet und geordnet wurde, immerwährend Wagen mit den getrockneten und behauenen Stämmen, aus deren Übereinanderlage mein Blockhaus gebaut werden sollte, und es kamen Zimmerer, welche die Fügungsglieder in die Bäume arbeiteten. Auch die Bäume zu dem Gerüste waren aufgestellt worden, und nun hatte man mit der Gerüstung begonnen. Endlich konnte auch zur Fügung der Stämme geschritten werden. Ich verlor viele Zeit während dieser Arbeiten und während des fortschreitenden Baues; denn ich brach häufig meine Beschäftigung ab und ging auf den Bauplatz, um zu schauen oder dreinzureden. Der Herr Roderer erschien auch zuweilen, stand freundlich da, schaute zu und war uns mit Rat und Anleitung behilflich. Bei einer solchen Gelegenheit erfuhr ich auch, daß die behauenen Stämme von ihm gekauft worden waren und daß ich in bezug auf ihre Trockenheit und Dauer sehr gut versorgt sei, indem sie zu gehöriger Zeit, da ihr Saft zurückgetreten war, geschlagen und dann in mäßiger Luft übertrocknet und endlich erst bebauen worden seien. ,Ich habe also', dachte ich, ,von dem Bauholze erhalten, von dem mir meine Wirtin erzählt hat, daß es dem Herrn Roderer übriggeblieben sei, weil jetzt niemand abbrenne.'

Eine widerwärtige Sache begann für mich während der Zeit des Baues.

Hatten nun die Leute seit jenem närrischen Kirchweihfeste, an welchem sie die Wirtin zu mir eingeladen hatte, Lust bekommen, zu dem Lüpfwirtshause zu gehen, oder hatte sich das Gerücht von meinem Baue und dem Zwecke desselben ausgebreitet und die Neugierde erregt – genug, selten konnte ich jetzt mit Herrn Roderer allein an dem Baume sitzen, immer kamen Leute aus Lüpfing oder anderswoher und saßen bei uns. Auch die Trefflichkeit des Bieres, welche Herrn Roderer zum Heraufsteigen und zum Trinken eines Glases seit langem schon bewogen hatte, wurde jetzt neu entdeckt, der Ruf wurde verbreitet, und das Lüpfwirtshaus gesucht, was dem Wirte sehr angenehm und der Wirtin sehr erfreulich war; denn er zeigte stets ein fröhliches Angesicht, sie lächelte immer und redete zu gehöriger Zeit mit sich selber. Mich sprechen die Leute gerne an, wollen mich unterhalten, wollen meine Zwecke kennenlernen, auch an Versuchen, meine Bilder zu sehen zu bekommen, fehlte es nicht, die ich aber immer auf das entschiedenste zurückwies. Nur wenn schwere Wolken am Himmel hingen und ein Gewitter oder einen Sturm befürchten ließen, war ich zuweilen mit Roderer allein, und wenn dann die Wolken sich mehr verzogen und plötzlicher Wetterwechsel nicht zu befürchten war, blieb er wieder wie öfter länger bei mir sitzen, und wir redeten über verschiedene Dinge. Er hatte bedeutende Kenntnisse, und wir redeten oft vieles von der Kunst.

Als es einmal abends sehr sanft, aber sehr dicht und nachhaltig regnete und kein einziger Mensch in dem Lüpfwirtshause als Gast anwesend war als nur ich allein und als ich in der Wirtsstube mein Abendessen verzehrt hatte und nach demselben ein wenig mit dem Wirte, der neben mir saß, sprach, kam auch die Wirtin herzu und fragte, ob sie Erlaubnis hätte zu reden, sie wolle mir seit langem her etwas sagen.

Ich rückte ihr einen Stuhl hin und sagte, sie möge sich zu uns setzen und reden.

»Ach, diese Ehre!« sagte sie. »Ich setze mich schon zu Euch, weil Ihr es erlaubt, und rede.«

Nachdem sie sich mit einigen verschämten Gebärden auf den Stuhl gesetzt hatte, sagte sie: »Es wäre schon längst unsere Schuldigkeit gewesen, uns bei Euch zu bedanken; es ist aber nicht Gelegenheit gewesen, und ich habe meinem Manne gesagt, heute müsse es sein. Nicht nur, daß bei dem Baue alle Zimmerleute und Taglöhner und Handlanger ihre Kost bei uns verzehren und ein Stück Geld ins Haus bringen, seid Ihr ein berühmter Herr und habt in Eurer Aufführung ein gutes Benehmen, daß der hochgeborene Herr Roderer ungebührlich lang bei Euch sitzt, der fast immer in seinem Wagen hin und herfährt oder auf seinen Füßen hin und hergeht, und die Leute kommen aus Lüpfing Euch zu sehen, so vornehm sie dort sind, sie mögen ein Kaufgewölbe haben oder die Brandschreiberei führen, sie sehen, daß unser Bier sehr gut ist, und wir müssen Euch danken. Christian, wir müssen wohl danken.«

»Der Herr weiß es, daß wir dankbar sind, weil seinethalben Leute zu uns kommen«, sagte der Wirt. »Unsere Worte sind nicht so geschickt; aber er sieht wohl, daß wir es gut mit ihm meinen.«

»Ja gut«, sagte die Wirtin, »freilich gut. Darum sage ich Euch, Ihr müßt unter die Leute gehen, Ihr müßt nach Lüpfing gehen, Ihr müßt zu dem hochgeborenen Herrn Roderer gehen, dort ist es sehr schön-, Ihr sehet Bilder und Gärten, und ein sehr schöner Graf wird die Susanna heiraten. Er ist der Graf von Sternberg, und die Mutter ist eine recht freundliche Frau, sie redet mit jedem Kinde. Es kann aber auch sein, daß der Baron Waldheim die Susanna heiratet, sie sagen, es sei noch nichts gewiß, oder der Baron Geller. Sie gefällt auch noch andern, sie tun, als ob sie eine Königstochter wäre. Ich sage aber, daß sie den Grafen heiraten wird, weil ein Graf mehr ist als ein Baron, und er hat zwei sehr schöne Füchse vor einem dunkelbraunen Wagen, und ich habe sie schon in dem dunkelbraunen Wagen fahren gesehen. Und zu andern Leuten müßt Ihr auch gehen, daß Ihr nicht so allein seid, man sieht auch keine Menschen, die Ihr malt, statt daß Ihr Bäume und Kräuter malt. Das habe ich Euch sagen wollen, und ich habe es Euch jetzt gesagt.«

»Und ich danke Euch recht schön, liebe Frau Wirtin«, antwortete ich, »wenn ich von Euch fortgehe, so gehe ich nach Wien. Das ist eine ungeheuer große Stadt, mehr als zweihundert Lüpfing hätten in ihr Platz, und mehr als fünfhundertmal mehr Menschen sind dort als in Lüpfing, und auch Vornehme, die ein Kaufgewölbe haben und die auch mehr als Brandschreiber sind. Mit vielen von ihnen gehe ich um, solange ich in Wien bin. Wenn ich aber zu Euch herauskomme, so will ich keine Menschen und gehe mit Eidechsen und Fliegen um.«

»Ja, das ist recht gut«, sagte die Wirtin, »aber wann kommt Ihr denn nach Wien? Da baut Ihr Euch ein neues, hölzernes Haus bei uns, und wer sich ein Haus baut, wird darin wohnen, und da werdet Ihr immer darin sein, und wenn Ihr auch bei uns esset und trinket oder wenn Ihr Euch ein Dienstmädchen nehmt, das ich Euch empfehlen würde, so sind das doch nicht Leute für Euch. In Lüpfing sind zwei Maler, welche die Zimmer und Kirchen recht schön malen; aber der eine hat ein Weib und hat Kinder, und beide gehen abends, wenn sie mit ihrem Werke fertig sind, in das Posthaus. Nun, Ihr sitzt bei uns jetzt auch abends, wenn es schön ist, mit mehreren Leuten bei dem Apfelbaum, aber Ihr redet ja nicht mit ihnen, nicht die Hälfte von dem, was der hochgeborene Herr nur redet. Wir könnten Euch einen vornehmen Verschlag bauen, wie ihn andere Gasthäuser haben, daß die Leute darin sitzen können, und Ihr könntet ihn recht schön ausmalen. Ihr malt keine Vögel und Heilige, da habe ich eine unerhört große Blähe, auf Hölzern ausgespannt, in Eurem Zimmer gesehen, die angestrichen ist und auf der Ihr malt, aber es sind schon wieder lauter Wolken darauf gemalt, und da werdet Ihr die Blähe in das neue Haus nehmen und werdet fort und fort malen, zu niemandem gehen, vielleicht nicht einmal zu uns herüber, und da müsset Ihr in Eurer Seele gemütskrank werden.«

»Nun, ich verspreche Euch, liebe Frau Wirtin«, antwortete ich, »Frau Anna, wie Euch Euer Mann immer heißt, Frau Anna, ich verspreche Euch, nicht krank zu werden; ich werde überhaupt nicht leicht krank und gehe ja viel herum und bin viel in freier Luft.«

»Ja, in freier Luft«, sagte sie, »unten an dem Sumpfe, wo die Leute krank werden, und da sitzt Ihr auf einem lächerlichen, kleinen Stühlchen und malt und geht höchstens ein paar Hühnerschritte von einer Stelle zur andern.«

»Im Winter«, antwortete ich, »male ich an dem großen Bilde nicht, denn ich male auf dem großen Bilde Euer Land rings hier herum, und da muß es zum Malen Sommer sein, daß ich oft hinaussehen kann, damit ich es recht genau mache, und wenn ich im Winter nicht nach Wien gehe, so werde ich Stiefel von Juchtenleder anziehen und werde im Schnee nach Lüpfing gehen und mich dort vielleicht in das Posthaus verfügen und da essen und trinken. Und auch sonst will ich im Schnee zu allerlei Menschen gehen.«

»Ja, ja, zu Menschen«, sagte sie, »zu Menschen, sonst werdet Ihr noch krumm und dumm.«

»Nun ja, zu Menschen, ich will zu Menschen gehen«, sagte ich, »Euer Wort ist gut gemeint, und ich danke Euch.«

»Ja, es ist gut gemeint«, erwiderte sie, »und der Christian meint auch so.«

Wir redeten dann noch eine Weile von dem vornehmen Verschlage, den die Wirtin für ihre Gäste bauen wollte. Ich riet ihr, den Apfelbaum zu lassen, der freue die Leute mehr als ein sogenannter Verschlag, der ihnen nichts Neues ist und den sie überall treffen. Und sollte ihr Haus immer besuchter werden und sollte durchaus ein Verschlag gebaut werden müssen, so würde ich ihr beistehen und würde selber einen Maler aus Wien bringen, der ihr den Verschlag weit besser ausmalen würde, als ich es könnte.

Sie knixte und dankte, als ich fortging, und freute sich, daß ich so viele Höflichkeit besitze.

Ich ging in mein Gemach empor, um mich zur Ruhe zu legen.

Mein Haus wurde wirklich in einigen Wochen fertig. Ich ließ die zwei Zimmer im Innern leicht täfeln, mit Lehm überziehen, anwerfen und mattgrün tünchen. Da alles sehr ausgetrocknet war, zog ich ein. Ich feierte gleichsam ein Fest und fühlte mich froh und leicht, als ich in dem hohen, weiten Zimmer mit den großen Fenstern war. Ich stellte jetzt meine Gerüste so, daß das rechte Licht in ruhigem Strome auf die Fläche fallen konnte, auf der ich malte. Ich änderte in Freudigkeit auch alle meine andern Dinge. Ich nahm eine Magd nicht, sondern ließ mir, was ich brauchte, von dem Lüpfwirtshause herüberbringen, und was aufzuräumen und zu ordnen war, besorgte die Frau Wirtin. Ich hatte die Einrichtung getroffen, daß sie mein Schlafgemach, ohne durch die große Stube gehen zu müssen, betreten konnte. Die große Stube hatte ich für den Fall meines Weggehens zum Absperren gerichtet. An Geräten hatte ich zwei lange Tische, ein Bettischchen, mehrere Stühle, eine Bank um den grünen Kachelofen, zwei große Schreine für meine Sachen und Kleider und ein Bettgestelle. Alles war aus weichem Holze gefertigt und grau wie die Wände angestrichen. Ich wollte nämlich nicht, daß irgend eine Farbe entschieden in der Wohnung herrsche. Ich führte Roderer in mein Haus, er lobte den Bau und die ganze Anordnung. Das erste, was ich in meinem Hause tat, war, daß ich mit Hilfe zweier Arbeiter, deren Geschicklichkeit ich in der Bauzeit kennengelernt hatte, den Goldrahmen auspackte, zusammenstellte und auf dem großen Gerüste, welches dafür bestimmt war, das große Bild in ihn fügte. Es paßte vollkommen. Was mir immer geschah, wenn ich ein Bild zum erstenmale in einen Rahmen tat, nämlich, daß es mir größer, aber auch ansehnlicher erschien, geschah auch jetzt, und zwar in höherem Maße. Das Bild erschien mir wirklich als ganz ungewöhnlich groß, so daß, wenn ich es aus diesem Blockhause würde fortbringen wollen, ich den Rahmen zerlegen und das Bild würde rollen müssen, sonst müßte ich, wenn ich es in einer Kiste gespannt und im Rahmen fortbringen wollte, eine Wand des Hauses umlegen. Was bis jetzt gemalt war, erschien mir auch entsprechend. Ich wollte nun mit Eifer fortfahren. Den Rahmen legte ich nicht mehr auseinander, sondern hüllte ihn in Linnentücher und stellte ihn an die Wand zur Bereitschaft, wenn ich ihn wieder brauchen würde.

Ich malte nun fast immer an dem Bilde, denn was ich an Entwürfen dazu von außen her bedurfte, hatte ich mir schon größtenteils gemacht, nur selten mußte ich auf ein paar Stunden hinausgehen und mir etwas aufnehmen, öfter trat ich auf den Hügel vor meinem Hause, um einen Überblick über das Ganze zu machen. Die Teile sah ich aus meinen Fenstern, die nach der Richtung gingen, nach welcher das Bild gemalt wurde. Und so fuhr ich fort. Weil ich jetzt weniger in die Luft kam, so mußte ich Spaziergänge machen. Daß der Wirtin mein jetziges Tun gänzlich mißfiel, konnte ich deutlich sehen; sie sagte aber nichts mehr, nur erzählte sie mir öfter, was in Lüpfing, in Kiring, in Zanst und anderwärts geschähe und welche Feste und Lustbarkeiten es da gäbe. Auch beschrieb sie schöne Gegenden, die da oder dort wären. Das größte aber werde vorbereitet zur Feier des fünfhundertjährigen Bestehens von Lüpfing, da der erste Stein zur Kirche gelegt wurde, wie sie jetzt ist. Vorher soll eine Stadt dagewesen sein, die aber untergegangen ist. Wer nach Lüpfing gehe, könne sich von den Vorrichtungen zu dem Feste, das am Bartholomäustage gefeiert werde, überzeugen.

Ich ging täglich eine Zeit herum.

Es war ein schöner Fußweg, links von meinem Hügel an gegen den Wald. Im Walde kam man auf einen trockenen, sandhaltigen Geleisweg, der von dem Fußwege in senkrechter Richtung rechts führte und in die Straße mündete, die auf der andern Seite des Moores gegen Lüpfing und Firnberg lief. Es war dies dieselbe Straße, auf der Roderer heimfuhr, wenn er an dem Apfelbaum gewesen war, und an der ich die Gesellschaft gesehen hatte, welche mir hinter meinem Rücken in meine Malerei hatte schauen wollen.

Auf dem Waldwege gehen, war sehr angenehm. Er war breit und glatt, nach dem stärksten und längsten Regen gleich wieder trocken, an seinen beiden Seiten standen festgereiht die dunkeln Fichten, Schatten und Wohlgeruch verbreitend. Ich will von dem Vogelgesange nicht reden, der aber doch auch in Betracht kommt, da im Moore höchstens der Kiebitz schreit und auf dem Lüpfhügel etwa der Schlag des Rotschwänzchens gehört wird. Selten begegnet man auf diesem Wege einem Menschen, da er hauptsächlich nur im Winter zum Holzführen gebraucht wird, weswegen man gar oft ein grünes Kräutlein oder eine schöne Blume auf ihm emporwachsen sieht. Ich hatte diesen Weg schon häufig beschatten und kannte den Wald um ihn sehr gut. Diesen Weg wählte ich daher nun größtenteils zu meinem täglichen Spaziergange. Ich ging von meinem Hause aus an der linken Seite des Moores hinunter, wo man bald den Wald erreicht, dann den langen Waldweg gegen rechts und endlich am rechten Ufer des Moores zu meinem Hause zurück. Dazu brauchte ich je nach meinem Ausschreiten zwei oder zwei und eine halbe Stunde. Diese Zeit konnte ich opfern.

Eines Tages, als ich um elf Uhr auf dem geraden Waldwege fortschritt, kam eine weibliche Gestalt gegen mich. Es war Susanna. Ich schritt gegen sie dahin, sah sie an und erschrak; denn sie war wirklich eine Königstochter. Die Wangen waren lieblich und fein, die großen, glänzenden, braunen Augen sahen mich an, der Mund war ernst, und ihr Gang war frei und einfach. Ich lüftete meinen Hut zum Gruße, sie neigte ein wenig ihr Angesicht, und wir waren aneinander vorüber.

Auf der Straße draußen fand ich ihren Wagen auf sie warten. Er war mit den Braunen bespannt, die sie entführt hatten, als sie damals hinter meiner Malerstelle gestanden war. Jener nankinggelbe Graf war also auch wahrscheinlich der Graf Sternberg gewesen.

Dem Herrn Roderer sagte ich abends nicht, daß ich heute seine Tochter gesehen habe. Er redete auch von keinem Begegnen.

Ich sah sie ein anderes Mal wieder auf diesem Wege, und dann wieder.

Ich ging jetzt gar keinen andern Weg als diesen. Ich sah sie mehrere Male, und endlich täglich.

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