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Nach der Hochzeit I

Luise Mühlbach: Nach der Hochzeit I - Kapitel 7
Quellenangabe
typenovelette
authorLuise Mühlbach
titleNach der Hochzeit I
publisherVerlag von C. L. Fritzsche
year1844
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140921
projectid9a9122bf
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VI. Rattengift

Es war wenige Stunden später, als der Apotheker des Ortes eilfertigen Schrittes und mit wichtigen Mienen sich in das Haus des Herrn Thomas begab, und diesen zu sprechen begehrte. Herr Thomas war gerade damit beschäftigt, im Garten das wuchernde Unkraut aus dem Resedabeete auszujäten, als ihn der Apotheker bei dieser männlichen, würdevollen Beschäftigung überraschte. Dies brachte aber den heitern Herrn Thomas keineswegs aus seiner gewohnten Fassung, und auf seinen Knieen liegen bleibend, die Hände auf die Erde gestützt, in jener Situation, in welcher Heinrich der Vierte den englischen Gesandten einmal fragte, »haben Sie Kinder?« blickte er zum Apotheker auf, der, mit geheimnißvoller Miene ihn begrüßend fragte: »Haben Sie Ratten?«

Diese unerwartete Anrede brachte indeß den ruhigen gemächlichen Thomas ein klein wenig aus der Position, und seinen Oberleib aufrichtend, starrte er einen Moment den Apotheker an, um dann in ein lautes Lachen auszubrechen.

»Antworten Sie mir, lieber Nachbar,« sagte der Apotheker ernst. »Es ist eine wichtige Frage, die ich da an Sie richte. Haben Sie Ratten, oder Mäuse?«

»Und das nennt der Mann eine wichtige Frage,« lachte Herr Thomas. »Hören Sie, Lieber, mit der Frage müssen Sie sich an meinen Kater wenden, der kann Ihnen darüber bessere Auskunft geben. S'ist ein allerliebstes Thier, dieser Kater! O, Sie können ihn dreist fragen, er wird Ihnen schon antworten, denn er hat förmlichen Menschenverstand. Ach, aber mein früherer Kater, den meine Frau vergiftet hat, weil er ihren Dompfaffen aufgefressen, ach der war bei weitem schöner!«

»Was sagen Sie?« fragte der Apotheker erbleichend. » Einen Kater hat sie schon vergiftet?«

»Ja wohl! Wegen des Dompfaffen! Es war ein Kater, wie die Welt nicht einen zweiten hat! Dieses Thier hatte feines Gefühl, Bildung, ein zartes, empfindsames Herz! Ja, dies ging so weit, daß er mit meinem Hofhund in einem ganz freundschaftlichen, ja fast zärtlichen Verhältnisse lebte. Ach, und gerade diesen edlen Kater mußte meine Frau vergiften!«

»Hören Sie,« sagte der Apotheker jetzt, tiefsinnend. »Es thut mir leid, Ihnen eine traurige Vermuthung mittheilen zu müssen. Ich glaube, Ihre Frau hält Sie für einen Kater!«

Herr Thomas schnellte empor, und blickte starr in des Apothekers Angesicht. »Mich für einen Kater?« stammelte er dann.

»Oder für eine Ratte!« bemerkte der Apotheker mitleidsvoll.

»Auch das noch!« seufzte Thomas. »Aber hören Sie, für einen Kater und für eine Ratte kann sie mich nicht halten, sonst müßte ich ja längst verschwunden sein! Müßte als Kater ja die Ratte aufgefressen haben, daß nichts mehr von mir übrig bliebe! Was freilich der Käthe das Liebste wäre,« setzte er kleinlaut hinzu.

»Glauben Sie das wirklich? Hatten Sie Zank mit ihr?«

»Hm, ja, ein wenig!«

»So hören Sie mich! Ihre Frau war so eben bei mir; sie sagte, Sie hätten entsetzlich viel Mäuse und Ratten, und für diese Thiere wollte sie Gift von mir haben.«

»Gift!« rief Herr Blitz schaudernd. »Gift!«

»Ihr seltsames Wesen fiel mir auf,« fuhr der Apotheker fort, »sie war bleich, sie zitterte, ihre Augen rollten unstät umher; auch sagte sie mir, ich solle Ihnen nichts davon sagen, daß sie Gift geholt.«

»Das sagte sie?« fragte Herr Thomas, und aus seinen bleichen Zügen war der Ausdruck der Heiterkeit verschwunden. »Und Sie, Herr Apotheker? Gaben Sie ihr das Gift?«

»Ich sagte ihr, augenblicklich sei nichts vorräthig. In einer Stunde möge sie wieder kommen, es sich zu holen.«

»Brav, sehr brav, Herr Nachbar!«

»Wenn sie aber nun kommt, was soll ich dann thun?«

Herr Thomas ging lange sinnend auf ab, dann erheiterte sich sein Gesicht wieder, und hell auflachend sagte er: »Lassen Sie uns aus dem Ernst einen Spaß machen! Gift sieht weiß aus, Zucker auch! Meine Frau will Gift haben, geben Sie ihr statt dessen gestoßenen Zucker, sagen Sie, daß es Gift sei! Dann werden wir ja sehen, welches Ungeziefer sie vergiften will, und ob sie,« fuhr er weinerlich fort, »ob sie mich wirklich für Ungeziefer hält. Mich, der ich von meiner Mutter einen wahren Abscheu gegen Ungeziefer geerbt habe, der ich mich selber todt knackte, wenn ich so etwas wäre!«

»Ja, es wäre schrecklich,« sagte der Apotheker. »Aber jetzt, mein Freund, will ich denn in meine Apotheke zurückkehren, um Frau Katharina nicht zu verfehlen, und ihr das Gift zu geben.«

Der Apotheker war kaum in seine Wohnung zurückgekehrt, als auch schon Frau Katharina sich einstellte, und aus seinen Händen das verhängnißvolle weiße Pulver empfing.

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