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Nach dem großen Kriege

Wilhelm Raabe: Nach dem großen Kriege - Kapitel 13
Quellenangabe
typenovelette
authorWilhelm Raabe
titleNach dem großen Kriege
publisherGrote'sche Verlagsbuchhandlung
printrunVierte Auflage
year1902
firstpub1861
correctorreuters@sabc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130720
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Zwölfter Brief.

Sachsenhagen, am 39. August,
im Jahre des großen Hungers 1817.

Endlich, endlich wieder ein Lebenszeichen von Dir! Was bist Du für ein Mann, Sever? was bist Du für ein Freund? Seit dem November vorigen Jahres kommen alle Briefe, welche ich Dir nach Berlin schicke, zurück mit der Aufschrift:

»Nicht aufzufinden!«

Ich erwarte täglich ein Schreiben, welches mir Deine neue Adresse, Deinen neuen Aufenthaltsort ankündigt; – vergeblich warte ich.

Was ist aus dem Murrkopf Sever geworden?

Ich lasse ein Inserat in die Spenersche Zeitung, in die Vossische Zeitung, in den Rheinischen Merkur einrücken und fordere einen gewissen verschollenen Doktor der Medizin S. ... auf, ein Lebenszeichen von sich zu geben, wenn er noch lebe; oder durch nächtliche spukhafte »Ansagung« sein Abscheiden mir zu melden, im Fall er das Zeitliche gesegnet haben sollte. Bereit war ich, in die Unterwelt hinabzusteigen und tief aus dem Erebos die Seelen der abgeschiedenen Toten herauf zu beschwören, um den Sever unter ihnen zu suchen.

Das sechzehnte Jahr des neunzehnten Jahrhunderts geht zu Ende, das siebenzehnte beginnt; – keine Nachricht von Sever! Das Jahr 1817 nimmt seinen ungesegneten Fortgang; das deutsche Volk hungert leiblich und geistig ...

Wo ist der Sever geblieben?

Ja, wo ist er geblieben? Seinen Ranzen hat er gepackt, den alten Ziegenhainer mit den eingeschnittenen Namen von fünf deutschen Universitäten, von welchen sämtlich er relegiert wurde, hat er aus dem Winkel gegriffen: das Elend des Vaterlandes von der Seele los zu werden, hat er den Staub desselben von den Sohlen geschüttelt; – er ist nach Rom gegangen, und der Kollaborator Wolkenjäger zu Sachsenhagen mochte nach Belieben über solch' unerklärliches Verschwinden seine Gedanken haben, seine Glossen machen. Während der Kollaborator Fritz Wolkenjäger zu Sachsenhagen nicht im mindesten eine Ahnung davon hatte, wohin er sein Osterprogramm De foro romano senden möge, auf daß es dem Sever richtig zu handen komme, wandelte dieser boshafte Mensch und verräterische Freund auf dem römischen Forum selbst und pfiff auf des lateinischen Schulmeisters Osterprogramm.

Aber die Götter rächten solchen Verrat an der Freundschaft: Fritz Wolkenjäger durfte den glücklichsten Tag seines Lebens feiern und – Sever wußte nichts davon! Fritz führte die geliebte Braut als sein Weib heim, und Sever konnte sich, durch eigene Schuld, nicht darüber freuen. Frau Anna Wolkenjäger läßt Dich fein grüßen, Severus, und empfiehlt sich Deiner Gunst und Gnade. Sie fürchtet sich ein wenig vor Dir, dank den vortrefflichen Schilderungen, welche ich ihr von Dir gemacht habe, dank einigen Deiner Briefe, welche ich ihr gezeigt habe. Sie meint, es werde Dir gewiß nicht recht sein, daß ich sie zur Frau genommen habe. Ist dem so, Alter? Sie hat eine recht üble Meinung von dem Sever, und ich werde mich hüten, ihr eine bessere beizubringen; selbst muß der schwarze Mann kommen und sich in ein helleres Licht stellen, und seine Vortrefflichkeiten im vollen Glanze strahlen lassen. Die Frau Oberlehrerin – ich bin auch Oberlehrer geworden durch ein allerhöchstes Reskript – die Frau Oberlehrerin Wolkenjäger soll nach eigener Prüfung richten und ihr Urteil berichtigen; also komm Sever und zeige Dich.

Ich fühl's, ich sollte eigentlich nicht also scherzen über einen, dem der Adler an der Leber frißt. Glaube mir, Sever, ich weiß, weshalb Du Dich auf solche Weise selbst verbannt hast.

Auch aus Deinem römischen Briefe klingt der alte Schmerz hervor; der alte Schmerz in vielleicht noch schlimmerer Weise. Zwischen den Gräbern des Römertums hast Du die Ruhe nicht gefunden. Du bist noch immer krank, mein armer Freund; aber solche kranke Leute, wie Du bist, braucht das Vaterland leider, und so müssen wir sie bemitleiden und dürfen nicht wünschen, daß es anders sei.

Wann wird die Zeit gekommen sein, wo es solche deutsche Krankheit nicht mehr giebt? Nun wir haben manche böse Seuche überwunden im Laufe der Jahrhunderte, den Veitstanz, den schwarzen Tod, das schleichende Leiden der Empfindsamkeit und andere mehr: wir werden auch Deines Übels genesen sein, wenn die Sonne ein einiges, starkes, freies Volk auf der germanischen Erde bescheinen wird.

Doch Du verbittest Dir ja alle Herzensergüsse über die politischen und sozialen Zustände der Heimat und verlangst nur in nuce einen Abriß von alle dem, was dem Schulmeister Fritz in Sachsenhagen bis zum heutigen Tage begegnet ist.

Dein Wille geschehe, obgleich Du es nicht verdienst. Ich weiß eigentlich auch nicht viel zu erzählen; mein Leben läuft jetzt so still hin, ein Tag gleicht so sehr dem anderen, daß wirklich einem anderen als dem Freunde kaum etwas zu sagen wäre. Während des Winters lief ich im Schnee ein spitzwinkliges Dreieck zwischen meiner Wohnung, der Schule und der Schmiede und trat selten aus dieser Bahn heraus, gleich einem Gefangenen im Kerker. Ich war aber ein glücklicher Gefangener und begehrte nichts weiter von der Welt, die außerhalb der Thore meines Städtchens lag. Am Weihnachtsabend wurde dem Ännchen zum erstenmal ein deutscher Christbaum angezündet, und die Schmiede strahlte im echten Weihnachtsglanze.

Die Tanne war vom Vetter Kaltenborn vom Trautenstein geschickt, und der Leutnant der Legion, Wolfgang Bart, und ich putzten sie an im Geheimen, und sowohl der alte als der junge Soldat waren vollständig befähigt zu solcher Aufgabe.

Wie oft ging dem Leutnant vor Seligkeit die Pfeife aus! »Kamerad,« rief er mehr als einmal, »Kamerad, solltet Ihr es wohl für möglich gehalten haben, das Unsereiner noch einen Apfel vergolden kann?«

»Ja Leutnant,« sagte ich, »das ist das Schöne, daß solches dem Deutschen angeboren wird. Kein Franzmann, kein Kosak, kein Teufel kann ihm diese Kunst ablernen und noch weniger, sie ihm rauben.«

»'s muß wohl wahr sein,« sagte der Alte; denn wenn einer ein Leben geführt hat, in welchem man solches vergessen kann, so bin ich das. Und seht nur, mache ich meine Sache nicht gut?«

»Vortrefflich!« rief ich, und der Legionär warf sich mit verdoppeltem Eifer auf sein Werk.

Von Zeit zu Zeit trat er zurück, den Gesamteindruck der Tanne in sich aufzunehmen. Wie rieb er sich dann die Hände!

»Soll das Ännchen aber Augen machen!« rief er. »Dem armen Kinde ist so etwas auch noch nicht geboten; – es lebe das Vaterland für einen regelrechten Christabend.«

»Tretet nicht in den Korb mit den Honigkuchengeschöpfen, Leutnant!« rief ich.

»Hurra!« schrie der alte Soldat, »die hätten wir ja beinahe vergessen! Himmeltausenddonnerwetter, und ich habe alle Läden ausgekauft, um alle Kreaturen in Zucker und Mehl zusammen zu haben! Hier, seht, was sagt Ihr zu diesem alten Blücher, Schulmeister? O Annie, Annie, wie wirst Du die Augen aufsperren!« – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

In der rechten Stunde führten wir das Ännchen ein in die deutsche Weihnachtsfeier, und jedermann in der Schmiede brachte seine Gaben dar. Dann lief der Schulmeister mit dem süßen Bräutchen durch die Kinderfreude der halben Stadt Sachsenhagen; das Ännchen mußte ja lernen für künftige glückliche Jahre, um den stolzen Stand einer deutschen Mutter einst recht ausfüllen zu können. Mit unaussprechlicher Rührung belauschte ich, wie seit dieser heiligen Nacht die Röte der Gesundheit leise, leise dem bleichen Gesichtchen wiederkehrte. –

Wir feierten nach altem Brauche die Neujahrsnacht und fingen mit hoffenden Herzen das neue Jahr an. Der Schnee verging, es wurde wieder Frühling und das Osterfest brachte mir meine Anstellung als Oberlehrer samt ungeheurer Gehaltszulage. Das Ännchen aber erfuhr jetzt, was für ein sonderbares Tier der deutsche Hase ist. Wir suchten die bunten Eier des Meister Lampe unter den Büschen und dem Gesträuch des Gartens. Unter einem grünen Stachelbeerbusch fand Annie das Reskript mit dem großen roten Siegel in einem Nest voll roter, blauer und gelber Eier. Sie hatte wohl Grund, die Hände über dem Kopfe zusammen zu schlagen.

Zu Pfingsten, dem »Fest der Freude«, fand Ännchen, zu neuer Verwunderung nach löblicher uralter Sitte ganz Sachsenhagen mit grünen Birken geschmückt. Vor die Thür der Schmiede hatten Hennig, der Braunschweiger, und der Oberlehrer Wolkenjäger die »Maien« aufgepflanzt. Wir zogen an diesem Tage, im holdesten Sonnenschein in den Wald und trafen auf einem der Vorberge des Gebirges mit der Verwandtschaft vom Trautenstein zusammen. Auch der Köhler vom Seigergrund erschien daselbst und spielte dem jungen Volk auf der Geige zum Tanze auf. Während dieses Tanzes verlor der Braunschweiger Hennig sein Herz an Jungfer Hannchen Kaltenborn vom Trautenstein, des Vetters Kaltenborn älteste Tochter.

Nun ist es Sommer geworden; ach, ein böser, hungriger Sommer! Die armen Leute haben recht ihre Not; es giebt viel Elend im Land; manch einer sieht mit zagendem Herzen dem Winter entgegen und fragt sich: was daraus werden soll?

Am 26. Juni ist auch zu Celle unser armer Freund Ernst Schulze sanft entschlafen. Seine Sehnsucht nach Italien ist nicht erfüllt worden; er ist zu einem schöneren Lande hinübergegangen. Sänger der Liebe und Schönheit, und Soldat der Freiheit ist er den vorangegangenen Genossen gefolgt, und nach klinge ihm sein eigenes Wort:

»Seliges Los! wer im frühesten Glanz der entfalteten Schönheit
Hinsinkt, vielen geliebt, vielen noch lange beweint.«

Er ist nur neunundzwanzig Jahre alt geworden; – sanft ruhe seine Asche!

Still durchlebten wir den Juli, und still haben wir vor fünf Tagen, am 25. August, unsere Hochzeit gehalten. Seit fünf Tagen ist Anna von Rhoda mein herziges Weib. Wir haben kein großes Festmahl erduldet, und Trompeten und Pauken haben uns nicht die Sinne verwirrt und die Ohren betäubt.

Als das Ännchen im Brautschmuck dem Leutnant weinend in den Armen lag, schluchzte auch der Alte wie ein Kind, und es dauerte geraume Zeit, ehe er sich soweit gefaßt hatte, daß er mit beiden Armen sein liebliches Pflegetöchterlein von sich abhalten, sie von oben bis unten beschauen und ausrufen konnte:

»Sollte man es für möglich halten, daß das aus dem winzigen schreienden Ding geworden ist, welches ich bei Talavera fand und vor mich auf den Sattel hob. Ach, Annie, Annie, Annie, Gott segne Dich, daß Du es bei dem alten, rauhen Burschen, dem Wolfgang Bart, so lange ausgehalten hast. Kamerad, Ihr müßt mit einer Glückshaube geboren worden sein, weil Euch der Himmel mein Ännchen gegeben hat. O, Annie, Annie, vergiß den alten Kriegsknecht nicht ganz um den jungen Schulmeister; – o, Annie, Annie, was würde das schwere Dragonerregiment der Legion sagen, wenn es Dich so sehen könnte! Wie würden sie über die kleine Annie staunen und Hurra rufen und die Säbel senken! Ach, Annie, vergiß die Dragoner der Legion nicht ganz, da Du nun eine lateinische Schulmeistersfrau bist!«

Einmal über das andere versicherten Fritz und Ännchen dem Alten, daß sie nicht ohne ihn leben könnten, und schluchzend beteuerten sie, daß sie sich nie von ihm trennen würden.

»Weißt Du wohl noch, Annie,« sagte der Leutnant, »weißt Du wohl noch, wie auf Malta der Rittmeister Ellerhorst zum Sterben kam und Du ihm die Sterbegebete vorlesen mußtest? Er legte Dir die Hand auf den Kopf und sah uns an und sagte: Kameraden, dies kleine Mädchen ist die verkörperte Erinnerung an alles, was die Heimat liebes und gutes und schönes hat; Kameraden, bringt das Ännchen in das Vaterland zurück! ... Darauf fiel er zurück und war tot. Damals verstand wohl keiner, was der Rittmeister meinte; aber jetzt, jetzt weiß ich, was der Rede Sinn war. Schulmeister, die Legion hat das arme verlassene Ännchen in das Vaterland zurückgebracht; nun umschließe Du es mit Deinem Herzen und gieb ihm darin die Stelle, wo es in Glück und Liebe ruhen mag, nachdem es so lange draußen in der Fremde verloren war und verwaist umherwanderte.«

Das war unsere Brautrede, Sever, und eine schönere ist wohl selten gehalten worden. –

In der Abenddämmerung verließen Ännchen und ich, Hand in Hand, die Schmiede, und die Gebrüder Bart standen auf der Schwelle und sahen uns nach. Ich führte mein Weib unter ihr eigenes Dach, – ein hübsches altes Häuschen in der Nähe der Schule, auf der Stadtmauer, ein Nestchen, aus dessen Fenstern man die Aussicht über den Wiesengrund zu den blauen Bergen hat, welche – ich meine die Aussicht, welche ich Dir, Sever, wenn ich nicht irre, früher schon einmal beschrieben habe. Auch wir haben ein Gärtchen mit einer Holunderlaube vor dem Fenster, und die Brüstung der Stadtmauer dient uns zur Gartenmauer. In dieser Laube saßen wir an unserem Hochzeitstage noch tief in die warme Nacht hinein ganz allein mit uns. Die Sterne flimmerten über uns, und unsere Herzen waren voll Seligkeit.

Alles, alles war gut geworden; jeder Mißklang war verhallt; – eins hatte in dem anderen seine Heimat gefunden; – es war Friede, Friede! – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Wie das alles gekommen war, wie das alles so kommen mußte, das auszusagen wird wohl unsere ganze Lebenszeit in Anspruch nehmen. –– – – – – – – – – – – – –

Jetzt sitze ich in der holden Herbstnacht über diesen Brief. Der Schein der Lampe spielt auf den Blättern des Weinstockes vor den geöffneten Fenstern. Am Fenster lehnt das Ännchen; sie hat mir zugewinkt und hält den Finger an den Mund. Drunten durch den Wiesengrund, an der Stadtmauer von Sachsenhagen vorüber, ziehen wandernde Studenten und singen im vollen Chor:

Ans Werk, ans Werk mit Herz und mit Hand,
Zu bauen das Haus, das Vaterland!
Ans Werk, ans Werk und laßt euch nicht Ruh,
Gegraben, gehämmert zu und zu!
Mit Händen hart, mit Händen weich
Behauen die Steine zum Bau für das Reich:
Ans Werk, ans Werk, sei's Tag, sei's Nacht,
Keine Rast bis das Haus zu Stand gebracht –
      Ans Werk, ans Werk!

Wühlt auf den Grund und fürchtet euch nicht,
Wenn nieder das alte Gemäuer bricht;
Grabt tief, nur tief und achtet es klein,
Wenn brechen die wilden Gewässer herein!
Ihr sorgenden Männer, zum Bund! zum Bund!
Und leget dem Vaterhaus den Grund,
Und leget den Grund dein Vaterland,
Ans Werk, ans Werk mit Herz und Hand –
      Ans Werk, ans Werk!

Was kümmert Euch Hohn, was kümmert Euch Spott?
Ihr baut ja die feste Burg in Gott!
Was kümmert Euch jegliches Menschenleid!
Ihr baut ja den Herd der kommenden Zeit!
Wälzt Stein auf Stein nach dem rechten Lot; –
Was kümmert euch andere Lebensnot?
Ans Werk, ans Werk für das Vaterland,
Mit brennender Stirn, mit wunder Hand –
      Ans Werk! ans Werk!

Ihr Meister vom Bau, ihr Gesellen gut,
Die die Fugen ihr kittet mit Herzensblut,
Laßt nimmer euch irren und haltet euch recht,
Es ist keine Stunde zum Bau zu schlecht!
Laßt nimmer euch täuschen durch falsches Wort,
Laßt schaufeln und hämmern, laßt mauern uns fort!
Ans Werk, ans Werk durch Tag und Nacht,
Bis das Vaterhaus unter Dach gebracht –
      Ans Werk! ans Werk!

Es harret das Weib, es harret das Kind,
Ohne Heimat die Frauen und Kinder sind!
O denket der Kraft, die vergebens verglüht,
O denket des Geist's, der vergebens versprüht,
Weil der Heimatherd fehlt dem Vaterland;
O schaffet mit Herz und Hirn und Hand!
Es wohnt sich so gut unter eigenem Dach,
O laßt euch nicht irren, o lasset nicht nach –
      Ans Werk, ans Werk!

Nicht irren laßt euch, o lasset nicht nach,
Auch schlummerts sich gut unter eigenem Dach:
O denkt, wen die Arbeit fordert ins Grab,
Den senken wir mit in den Grund hinab;
Und der Grund ist unser, es schlafen darin
Die toten Väter von Anbeginn; –
Aus der Helden Asche soll steigen das Haus,
Ans Werk, ans Werk! o haltet aus –
      Ans Werk! ans Werk!

Keine Hand ist so schwach, keine Kraft so gering
Sie mag thun zu dem Bau ein gewaltig Ding:
Mancher Geist gar stolz, von gar hellem Schein
Mag doch nur verwirrend leuchten darin!
O bietet die Herzen, o bietet die Hand,
Daß sich hebe der Herd im Vaterland!
Ans Werk, ans Werk, es ist Gottes Will'!
Fluch dem, der dem Ruf nicht folgen will:
      Ans Werk! ans Werk!

Immer dasselbe Wort! immer dieselbe Klage! immer dieselbe Hoffnung und derselbe gute Wille! Wo werden aber die jugendlichen Sänger sein, wenn »das Vaterhaus« unter Dach gebracht ist, und die Krone der Ehren von seinem Giebel leuchtet über alle Lande der Welt?

Leise schließt Ännchen das Fenster und blickt mir über die Schulter in meinen Brief an den Sever.

»Sage ihm, er möge bald zurückkommen in das Vaterland,« flüstert sie. »Sage ihm, er fände in der Fremde doch nicht, was er suche! Sage ihm, ich, das Ännchen, wisse das!«

Also, Sever, lieber Sever – kehre bald zurück in das Vaterland, Du findest doch nicht das was Du suchst in der Fremde; Ännchen hat's erfahren.

Fritz Wolkenjäger.

 

* * *

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