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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 97
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Wien, 13. Juni 1781.

Bester aller Väter! Wie herzlich gerne wollte ich Ihnen nicht ferners noch meine besten Jahr an einem Orte aufopfern, wo man schlecht bezahlt ist, wenn dies allein das Übel wäre. Allein schlecht bezahlt und obendrein verspottet, verachtet und kujoniert, das ist doch wahrlich zu viel. Ich habe für des Erzbischofs Akademie hier eine Sonate für mich, dem Brunetti und Ceccarelli ein Rondeau geschrieben, habe bei jeder Akademie zweimal gespielt und das letztemal, da alles aus war, eine ganze Stund noch Variationen (dazu mir der Erzbischof das Thema gab) gespielt, und da war so ein allgemeiner Beifall, daß, wenn der Erzbischof nur ein wenig ein menschliches Herz hat, er gewiß hat Freude fühlen müssen; und anstatt mir wenigstens seine Zufriedenheit und Wohlgefallen oder meinetwegen gar nichts zu zeigen, macht er mich aus wie einen Gassenbuben, sagt mir ins Gesicht, ich soll mich weiterscheren, er bekäme hundert, die ihn besser bedienten als ich. Und warum? Weil ich nicht eben den Tag abreisen konnte, da er sich es eingebildet hat; ich muß vom Hause weg, muß von meinem Gelde leben und soll nicht die Freiheit haben, abzureisen, wenn es mir mein Beutel gestattet, da ich dazu in Salzburg nicht nötig war und der ganze Unterschied in zwei Tägen bestund. Der Erzbischof hat mir zweimal die größten Impertinenzen gesagt, und ich habe kein Wort gesagt; noch mehr, ich habe bei ihm mit dem nämlichen Eifer und Fleiß gespielt, als wenn nichts wäre; und anstatt daß er meinen Diensteifer und mein Bestreben ihm zu gefallen erkennen sollte, geht er eben in dem Augenblick, da ich mir eher was anders versprechen konnte, zum drittenmal auf die abscheulichste Art von der Welt mit mir um. Und damit ich nur gar kein Unrecht habe, sondern gänzlich recht behalte, es ist, als wenn man mich mit Gewalt weghaben wollte. Nu, wenn man mich nicht haben will, es ist ja mein Wunsch. Anstatt daß Graf Arco meine Bittschrift angenommen oder mir Audienz verschafft oder geraten hätte, selbe nachzuschicken, oder mir zugeredet hätte, die Sache noch so zu lassen und besser zu überlegen, enfin, was er gewollt hätte, nein, da schmeißt er mich zur Tür hinaus und gibt mir einen Tritt im Hintern. Nun, das heißt auf teutsch, daß Salzburg nicht mehr für mich ist, ausgenommen mit guter Gelegenheit dem Herrn Grafen wieder ingleichen einen Tritt im Arsch zu geben, und sollte es auf öffentlicher Gasse geschehen. Ich begehre gar keine Satisfaktion deswegen beim Erzbischof, dann er wäre nicht imstande, sie mir auf solche Art zu verschaffen, wie ich sie mir selbst nehmen muß; sondern ich werde nächster Täge dem Herrn Grafen schreiben, was er sich von mir zuverlässig zu gewarten hat, sobald das Glück will, daß ich ihn treffe, es mag sein, wo es will, nur an keinem Ort, wo ich Respekt haben muß.

Wegen meinem Seelenheil sein Sie ohne Sorgen, mein bester Vater! Ich bin ein fälliger junger Mensch wie alle andern und kann zu meinem Trost wünschen, daß es alle so wenig wären als ich. Sie glauben vielleicht Sachen von mir, die nicht also sind. Der Hauptfehler bei mir ist, daß ich nach dem Scheine nicht allzeit so handle, wie ich handeln sollte. Daß ich mich geprahlt hätte, ich esse alle Fasttage Fleisch, ist nicht wahr; aber gesagt habe ich, daß ich mir nichts daraus mache und es für keine Sünde halte, dann Fasten heißt bei mir sich abbrechen, weniger essen als sonst. Ich höre alle Sonn- und Feiertäge meine Messe und, wenn es sein kann, die Werktäge auch, das wissen Sie, mein Vater. Mein ganzer Umgang mit der Person von schlechtem Rufe bestund auf dem Ball, und den hatte ich schon lange, ehe ich wußte, daß sie von schlechtem Rufe seie, und nur darum, damit ich meiner gewissen Contredansetänzerin sicher seie; dann konnte ich, ohne ihr die Ursach zu sagen, nicht auf einmal abbrechen, und wer wird jemand so was ins Gesicht sagen? Habe ich sie nicht auf die Letzt öfters angesetzt und mit andern getanzt? Ich war auch diesfalls ordentlich froh, daß der Fasching ein Ende hatte. Übrigens wird kein Mensch sagen können, daß ich sie sonstwo gesehen hätte oder in ihrem Hause gewesen seie, ohne für einen Lügner zu passieren. Übrigens sein Sie versichert, daß ich gewiß Religion habe; und sollte ich das Unglück haben, jemals (welches Gott verhüten wird) auf Seitenwege zu geraten, so spreche ich Sie, mein bester Vater, aller Schuld los. Dann nur ich allein wäre der Schurke; Ihnen habe ich alles Gute sowohl für mein zeitliches als geistliches Wohl und Heil zu verdanken...

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