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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 95
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Wien, 2. Juni 1781

Aus meinem letzten Schreiben werden Sie vernommen haben, daß ich mit dem Graf Arco selbst gesprochen habe. Gott Lob und Dank, daß alles so gut vorbeigegangen ist! Sein Sie ohne Sorge, Sie haben von dem Erzbischof nicht das Geringste zu befürchten; dann Graf Arco sagte mir nicht ein Wort, daß ich bedenken sollte, daß es Ihnen schaden könnte. Und als er mir sagte, daß Sie ihm geschrieben und sich sehr über mich beschwerten, so fiel ich gleich in die Rede und sagte: »Mir gewiß nicht? Er schrieb mir so, daß ich öfters glaubte närrisch darüber zu werden. Allein ich mag die Sache bedenken, wie ich will, so kann ich halt nicht« usw. Als er mir sagte: »Glauben Sie mir, Sie lassen sich hier zu sehr verblenden; hier dauert der Ruhm eines Menschen zu kurz; von Anfang hat man alle Lobsprüche und gewinnt auch sehr viel, das ist wahr. Aber wie lange? Nach etwelchen Monaten wollen die Wiener wieder was Neues.« – »Sie haben recht, Herr Graf,« sagte ich, »glauben Sie denn, daß ich in Wien bleibe? Ei beileibe, ich weiß schon wohin. Daß sich dieser Fall eben in Wien ereignet hat, ist der Erzbischof Ursach und nicht ich. Wüßte er mit Leuten von Talenten umzugehen, so wäre das nicht geschehen. Herr Graf, ich bin der beste Kerl von der Welt, wenn man es nur mit mir ist.« – »Ja, der Erzbischof«, sagte er, »hält Sie für einen erzhoffärtigen Menschen.« – »Das glaube ich,« sagte ich, »gegen ihn bin ich es freilich; wie man mit mir ist, so bin ich auch wieder. Wenn ich sehe, daß mich jemand verachtet und gering schätzet, so kann ich so stolz sein wie ein Pavian.« Unter anderm sagte er mir auch, ob ich denn nicht glaube, daß er auch öfters üble Worte einschlucken müßte. Ich schupfte die Achseln und sagte: »Sie werden Ihre Ursachen haben, warum Sie es leiden, und ich habe meine Ursachen, warum ich es nicht leide.« Das übrige wissen Sie aus meinem letzten Schreiben. Zweifeln Sie nicht, mein liebster, bester Vater, es ist gewiß zu meinem und folglich auch zu Ihrem Besten. Die Wiener sind wohl Leute, die gerne abschießen, aber nur am Theater, und mein Fach ist zu beliebt hier, als daß ich mich nicht soutenieren sollte. Hier ist doch gewiß das Klavierland! Und dann, lassen wir es zu, so wäre der Fall erst in etwelchen Jahren, ehender gewiß nicht. Unterdessen hat man sich Ehre und Geld gemacht, es gibt ja noch andere Örter, und wer weiß, was sich dieweil für eine Gelegenheit ereignet...

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