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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 94
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Wien, Ende Mai 1781.

Vorgestern ließ mir Graf Arco sagen, ich möchte um zwölf Uhr zu ihm kommen, er würde mich erwarten. Er hat mir schon öfters so eine Post sagen lassen und der Schlaucka auch. Aber weil ich die Unterredungen hasse, wo fast jedes Wort, das man anhören muß, Lüge ist, so bin ich auch richtig – nicht gekommen; hätte es auch dermalen so gemacht, wenn er mir nicht dazu hätte sagen lassen, daß er einen Brief von Ihnen erhalten habe. Ich kam also richtig; die ganze Unterredung, die ganz gelassen, ohne Ereiferung (weil das meine erste Bitte war) vorbeiging, herzusetzen wäre ohnmöglich. Kurz, er stellte mir alles auf die freundschaftlichste Art für; man hätte schwören sollen, es ging ihm vom Herzen. Seinerseits dürfte er, glaub ich, nicht schwören, daß es mir vom Herzen ging. Mit aller möglichen Gelassenheit, Höflichkeit und der besten Art von der Welt sagte ich ihm auf seine wahr scheinenden Reden die reinste Wahrheit, und er konnte kein Wort dawider sagen. Das Ende war, daß ich ihm das Memorial und das Reisegeld (welches ich beides bei mir hatte) geben wollte. Er versicherte mich aber, daß es ihm zu traurig wäre, sich in diese Sache zu mischen, ich möchte es nur einem Leibkammerdiener geben, und das Geld nähme er erst, wenn alles vorbei wäre. Der Erzbischof schmält hier über mich bei der ganzen Welt und ist nicht so gescheit, daß er einsieht, daß ihm das keine Ehre macht; dann man schätzt mich hier mehr als ihn. Man kennt ihn als einen hochmütigen, eingebildeten Pfaffen, der alles, was hier ist, verachtet, und mich als einen gefälligen Menschen. Das ist wahr, ich bin stolz, wenn ich sehe, daß mich jemand mit Verachtung und en bagatelle behandeln will; und so ist der Erzbischof gegen mich. Aber mit gute Worte, da könnte er mich haben, wie er wollte. Das habe ich auch dem Grafen gesagt, unter anderm auch, daß der Erzbischof gar nicht wert ist, daß Sie so gut für ihn denken. Und der Schluß: was würde es auch nutzen, wenn ich itzt nach Hause gehen wollte? In etwelchen Monaten würde ich doch (ohne Beleidigung) meinen Abschied begehren, dann um diese Bezahlung kann und will ich nicht mehr dienen. »Aber warum denn nicht?« – »Weil,« sagte ich, »weil ich in einem Ort niemalen zufrieden und vergnügt leben könnte, wo ich so bezahlt bin, daß ich immer denken müßte: ach, wäre ich da! wäre ich dort! Wenn ich aber so bezahlt bin, daß ich nicht notwendig habe, auf andere Orte zu denken, so kann ich zufrieden sein, und wenn mich der Erzbischof so bezahlt, so bin ich bereit, heute noch abzureisen.« Und wie froh bin ich, daß mich der Erzbischof nicht beim Worte nimmt; dann es ist gewiß Ihr und mein Glück, daß ich hier bin. Sie werden es sehen. Nun leben Sie recht wohl, liebster, bester Vater! es wird alles gutgehen. Ich schreibe nicht im Traum, dann es hängt ja mein eigenes Wohl daran. Adieu...

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