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Gutenberg > Wolfgang Amadeus Mozart >

Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 93
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Wien, 26. Mai 1781.

Sie haben ganz recht, so wie ich ganz recht habe, mein liebster Vater! Ich weiß und kenne alle meine Fehler; aber kann sich denn ein Mensch nicht bessern? kann er sich nicht schon wirklich gebessert haben? Ich mag die Sache überdenken, wie ich will, so sehe ich, daß ich mir und Ihnen, mein bester Vater, sowohl als meiner lieben Schwester am besten in allem werde behelfen können, wenn ich in Wien bleibe. Es scheint, als wenn mich das Glück hier empfangen wollte; mir ist, als wenn ich hierbleiben müßte. Und das war mir schon so, als ich von München abreisete. Ich freuete mich ordentlich nach Wien und wußte nicht warum. Geduld müssen Sie noch ein wenig haben, dann werde ich Ihnen bald in der Tat zeigen können, wie nützlich uns allen Wien ist. Glauben Sie sicherlich, daß ich mich ganz geändert habe; ich kenne außer meiner Gesundheit nichts Notwendigers als das Geld. Ich bin gewiß kein Geizhals, dann das wäre für mich sehr schwer, ein Geizhals zu werden, und doch halten mich die Leute hier mehr zum Kalmäusern geneigt als zum Verschwenden, und das ist zum Anfang immer genug. Wegen den Skolaren kann ich so viele haben, als ich will; ich will aber nicht so viel, ich will besser bezahlt sein als die andern, und da will ich lieber weniger haben. Man muß sich gleich anfangs ein bißchen auf die hintern Füße setzen, sonst hat man auf immer verloren, muß mit den andern immer den allgemeinen Weg fortlaufen. Wegen der Souscription ist es ganz richtig, und wegen der Opera wüßte ich nicht, warum ich zurückhalten sollte. Graf Rosenberg hat mich, da ich ihm zweimal Visite machte, auf die höflichste Art empfangen und hat bei der Gräfin Thun mit van Swieten und Herrn von Sonnenfels meine Opera gehört. Und da Stephanie mein guter Freund ist, so geht alles.

Glauben Sie mir sicher, daß ich nicht den Müßiggang liebe, sondern die Arbeit. In Salzburg, ja, das ist wahr, da hat es mich Mühe gekost und konnte mich fast nicht dazu entschließen. Warum? Weil mein Gemüt nicht vergnügt war. Sie müssen mir doch selbst gestehen, daß in Salzburg, wenigstens für mich, um keinen Kreuzer Unterhaltung ist. Mit vielen will ich nicht umgehen, und den meisten andern bin ich zu schlecht. Für mein Talent keine Aufmunterung! Wenn ich spiele oder von meiner Komposition was aufgeführt wird, so ists, als wenn lauter Tisch und Sesseln die Zuhörer wären. Wenn doch wenigstens ein Theater da wäre, das was hieße; dann in dem besteht meine ganze Unterhaltung hier. In München, das ist wahr, da hab ich mich wider Willen in ein falsches Licht bei Ihnen gestellt, da hab ich mich zu viel unterhalten. Doch kann ich Ihnen bei meiner Ehre schwören, daß ich, bevor die Opera in scena war, in kein Theater gegangen und nirgends als zum Cannabichschen gekommen bin. Daß ich das meiste und stärkste auf die Letzt zu machen bekommen habe, ist richtig, aber nicht aus Faulheit oder Nachlässigkeit, sondern ich bin vierzehn Tage, ohne eine Note zu schreiben, gewesen, weil es mir ohnmöglich war. Ich habe es freilich geschrieben, aber nicht ins reine. Da ist dann freilich viel Zeit verloren, doch reuet es mich nicht. Daß ich hernach zu lustig war, das geschah aus jugendlicher Dummheit. Ich dachte mir: wo kömmst Du hin? nach Salzburg! Mithin mußt du dich letzen! Das ist gewiß, daß ich in Salzburg nach hundert Unterhaltungen seufze und hier nach keiner einzigen; dann in Wien zu sein ist schon Unterhaltung genug. Vertrauen Sie sich sicher auf mich, ich bin kein Narr mehr, und daß ich ein gottloser, undankbarer Sohn seie, werden Sie ja wohl noch weniger glauben. Mithin vertrauen Sie sich ganz auf meinen Kopf und mein gutes Herz, es wird Sie gewiß nicht reuen. Wo hätte ich denn das Geld schätzen lernen können? Ich habe noch zu wenig unter den Händen gehabt. Ich weiß, wie ich einmal zwanzig Dukaten gehabt habe, so glaubte ich mich schon reich. Nur die Not lernt einem das Geld schätzen. Leben Sie wohl, liebster, bester Vater! Meine Schuldigkeit ist nun, daß ich durch meine Sorge und meinen Fleiß hier das gutmache und ersetze, was Sie durch diesen Vorfall verloren zu haben glauben. Das werde ich auch gewiß und mit tausend Freuden! Adieu...

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