Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Wolfgang Amadeus Mozart >

Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 88
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
Schließen

Navigation:

Wien, 9. Mai 1781.

Ich bin noch ganz voll der Galle! und Sie als mein bester, liebster Vater sind es gewiß mit mir. Man hat so lange meine Geduld geprüft, endlich hat sie aber doch gescheitert. Ich bin nicht mehr so unglücklich, in salzburgischen Diensten zu sein; heute war der glückliche Tag für mich. Hören Sie!

Schon zweimal hat mir der – ich weiß gar nicht, wie ich ihn nennen soll, die größten Sottisen und Impertinenzen ins Gesicht gesagt, die ich Ihnen, um Sie zu schonen, nicht habe schreiben wollen und nur, weil ich Sie immer, mein bester Vater, für Augen gehabt habe, nicht gleich auf der Stelle gerächt habe. Er nennte mich einen Buben, einen liederlichen Kerl, sagte mir, ich sollte weitergehen, und ich – litte alles, empfand, daß nicht allein meine Ehre, sondern auch die Ihrige dadurch angegriffen wurde; allein Sie wollten es so haben, ich schwieg. Nun hören Sie! Vor acht Tagen kam unverhofft der Laufer herauf und sagte mir, ich müßte den Augenblick ausziehen. Den andern allen bestimmte man den Tag, nur mir nicht. Ich machte also alles geschwind in den Koffer zusamm, und die alte Madame Weber war so gütig, mir ihr Haus zu offrieren. Da habe ich mein hübsches Zimmer, bin bei dienstfertigen Leuten, die mir in allem, was man oft geschwind braucht und (wenn man allein ist) nicht haben kann, an die Hand gehen. Auf Mittwoch setzte ich meine Reise (als heute den 9.) mit der Ordinaire fest; ich konnte aber meine Gelder, die ich noch zu bekommen habe, in der Zeit nicht zusammenbringen, mithin schob ich meine Reise bis Samstag auf. Als ich mich heute dort sehen ließ, sagten mir die Kammerdiener, daß der Erzbischof mir ein Paket mitgeben will. Ich fragte, ob es pressiert; so sagten sie: ja, es wäre von großer Wichtigkeit. »So ist es mir leid, daß ich nicht die Gnade haben kann, S. Hochfürstlichen Gnaden zu bedienen, dann ich kann (aus obengedachter Ursach) vor Samstag nicht abreisen. Ich bin aus dem Hause, muß auf meine eigene Kosten leben, da ist es nur ganz natürlich, daß ich nicht ehender abreisen kann, bis ich nicht imstande dazu bin, dann kein Mensch wird meinen Schaden verlangen.« Kleinmayrn, Moll, Bönicke und die zwei Leibkammerdiener gaben mir ganz recht. Als ich zu ihm hineinkam – NB. muß ich Ihnen vorher sagen, daß mir der Schlaucka geraten, ich sollte die Excuse nehmen, daß die Ordinari schon besetzt seie, das seie bei ihm ein stärkerer Grund – als ich also zu ihm hineinkam, so war das erste: »Nun, wann geht Er denn, Bursch?« Ich: »Ich habe wollen heute nacht gehen, allein der Platz war schon verstellt.« Dann gings in einem Odem fort: ich seie der liederlichste Bursch, den er kenne, kein Mensch bediene ihn so schlecht wie ich, er rate mir, heute noch wegzugehen, sonst schreibt er nach Haus, daß die Besoldung eingezogen wird. Man konnte nicht zu Rede kommen, das ging fort wie ein Feuer. Ich hörte alles gelassen an, er lügte mir ins Gesicht, ich hätte fünfhundert Fl. Besoldung, hieß mich einen Lumpen, Lausbub, einen Fexen – o, ich möchte Ihnen nicht alles schreiben! Endlich, da mein Geblüt zu stark in Wallung gebracht wurde, so sagte ich: »Sind also Ew. Hochfürstliche Gnaden nicht zufrieden mit mir?« – »Was, Er will mir drohen? Er Fex, o Er Fex! Dort ist die Tür! schau Er, ich will mit einem solchen elenden Buben nichts mehr zu tun haben!« Endlich sagte ich: »Und ich mit Ihnen auch nichts mehr!« – »Also geh Er!« und ich im Weggehen: »Es soll auch dabei bleiben, morgen werden Sie es schriftlich bekommen.« Sagen Sie mir also, bester Vater, ob ich das nicht eher zu spät als zu früh gesagt habe. Nun hören Sie! Meine Ehre ist mir über alles, und ich weiß, daß es Ihnen auch so ist. Sorgen Sie sich gar nichts um mich; ich bin meiner Sachen hier so gewiß, daß ich ohne mindeste Ursach quittiert hätte. Da ich nun Ursach dazu gehabt habe und das dreimal, so habe ich gar keinen Verdienst mehr dabei; au contraire, ich war zweimal Hundsfutt, das drittemal konnte ich es halt doch nicht mehr sein.

Solang der Erzbischof noch hier sein wird, werde ich keine Akademie geben. Daß Sie glauben, daß ich mich bei der Noblesse und dem Kaiser selbst in üblen Kredit setzen werde, ist grundfalsch. Der Erzbischof ist hier gehaßt und vom Kaiser am meisten. Das ist eben sein Zorn, daß ihn der Kaiser nicht nach Laxenburg eingeladen hat. Ich werde Ihnen mit künftigem Postwagen etwas Weniges von Geld überschicken, um Sie zu überweisen, daß ich hier nicht darbe. Übrigens bitte ich Sie munter zu sein, dann itzt fängt mein Glück an, und ich hoffe, daß mein Glück auch das Ihrige sein wird. Schreiben Sie mir heimlich, daß Sie vergnügt darüber sind, und das können Sie in der Tat sein; und öffentlich aber zanken Sie mich recht darüber, damit man Ihnen keine Schuld geben kann. Sollte Ihnen aber der Erzbischof ohngeacht dessen die mindeste Impertinenz tun, so kommen Sie allsogleich mit meiner Schwester zu mir nach Wien; wir können alle drei leben, das versichere ich Sie auf meine Ehre. Doch ist es mir lieber, wenn Sie ein Jahr noch aushalten können. Schreiben Sie mir keinen Brief mehr ins teutsche Haus und mit dem Paket. Ich will nichts mehr von Salzburg wissen, ich hasse den Erzbischof bis zur Raserei...

Geben Sie mir Ihr Vergnügen bald zu erkennen, dann nur dieses fehlt mir noch zu meinem itzigen Glück.

 << Kapitel 87  Kapitel 89 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.