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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 85
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Wien, 4. April 1781.

... Sie wollen wissen, was in Wien mit uns, aber hoffentlich eigentlich mit mir vorgehet, dann die beiden andern zähle ich nicht zu mir. Ich habe Ihnen schon letzhin geschrieben, daß mir der Erzbischof hier eine große Hindernis ist; dann er ist mir wenigstens hundert Dukaten Schade, die ich ganz gewiß durch eine Akademie im Theater machen könnte. Dann die Dames haben sich mir schon selbst angetragen, Billetts auszuteilen. Gestern kann ich wohl sagen, daß ich mit dem Wiener Publikum recht zufrieden war. Ich spielte in der Akademie der Witwen im Kärntnertortheater. Ich mußte wieder neuerdings anfangen, weil des Applaudierens kein Ende war. Was glauben Sie, wenn ich nun, da mich das Publikum einmal kennt, eine Akademie für mich gebe, was ich nicht da machen würde? Allein unser Erzbischof erlaubt es nicht, will nicht, daß seine Leut Profit haben sollen, sondern Schaden. Doch dies kann er bei mir nicht zuwegen bringen; dann wenn ich hier zwei Skolaren habe, so stehe ich besser als in Salzburg, ich brauch sein Logis und seine Kost nicht. Nun hören Sie! Brunetti sagte heut beim Tisch, daß der Arco ihm vom Erzbischof aus gesagt hätte, er sollte uns sagen, daß wir das Diligencegeld bekommen werden und bis Sonntag abreisen sollten; übrigens wer noch bleiben wolle, o Vernunft! könne bleiben, doch müsse er auf seine Faust leben, er bekomme keine Tafel und kein Zimmer mehr von ihm aus. Brunetti, qui ne demande pas mieux, leckte alle zehn Finger darnach; Ceccarelli, der gerne hier wäre, aber nicht so bekannt hier ist und den Gebrauch nicht so weiß wie ich, will poussieren, etwas zu bekommen; wo nicht, so geht er in Gottes Namen, dann er hat kein Logis und keine Tafel in ganz Wien, wo er nicht zahlen muß. Als man mich fragte, was ich zu tun entschlossen wäre, antwortete ich, ich ignoriere noch bis dato, daß ich weg solle, dann bevor mir Graf Arco nicht selbst sagt, so glaube ich es nicht, und ihm werde ich mich dann schon entdecken. Schmecks! Bönicke war dabei und schmutzelte. O, ich will dem Erzbischof gewiß eine Nase drehen, daß es eine Freude sein soll, und mit der größten Politesse, dann er kann mir nicht aus. Genug, im zukünftigen Briefe werde ich Ihnen mehr davon schreiben können. Sein Sie versichert, daß, wenn ich nicht recht gut stehe und meinen Vorteil nicht recht gut sehe, ich gewiß nicht hierbleib. Wenn ich aber das haben kann, was soll ich nicht davon profitieren? Sie ziehen unterdessen zwei Besoldungen und haben mich aus dem Brot. Bleib ich hier, so versichere ich Sie, daß ich Ihnen bald werde Geld nach Haus schicken können. Ich rede im Ernst, und wo nicht, so komme ich zurück. Nun Adieu, nächstens mehr und alles! ...

Ich versichere Sie, daß hier ein herrlicher Ort ist und für mein Metier der beste Ort von der Welt; das wird Ihnen jedermann sagen; und ich bin gerne hier, mithin mache ich es mir auch nach meinen Kräften zunutze. Sein Sie versichert, daß ich mein Absehen nur habe, soviel möglich Geld zu gewinnen; dann das ist nach der Gesundheit das beste. An meine Torheiten denken Sie nicht mehr, die habe ich längstens von Herzen bereut. Mit Schaden wird man witzig, und ich habe itzt als andere Gedanken ...

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