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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 84
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Wien, 24. März 1781.

... Was Sie mir vom Erzbischof schreiben, hat, was seinen Ehrgeiz meine Person betreffend kitzelt, insoweit seine Richtigkeit; allein was nutzt mich alles dies? von diesem lebt man nicht. Glauben Sie nur sicher, daß er mir hier gleich einem Lichtschirm ist. Und was gibt er mir denn für Distinktion? Herr von Kleinmayrn, Bönicke haben mit dem Erlauchten Graf Arco eine Extratafel; das wäre Distinktion, wenn ich bei dieser Tafel wäre, aber nicht bei den Kammerdienern, die außer dem ersten Platz beim Tisch die Lüster anzünden, die Tür aufmachen und im Vorzimmer bleiben müssen, wenn ich darin bin, und bei die Herren Köche. Und dann, wenn wir wo Hingerufen werden, wo ein Konzert ist, so muß der Herr Angelbauer heraus passen, bis die Herren Salzburger kommen, und sie dann durch einen Lakai weisen lassen, damit sie hinein dürfen. Wie das der Brunetti so im Diskurs erzählt, so dachte ich mir: Wartet nur, bis ich einmal komme. Als wir also letzthin zum Fürst Gallizin müssen, sagte mir Brunetti nach seiner höflichen Art: »Tu, bisogna che sei qui sta sera alle sette, per andare insieme dal principe Gallizin; l'Angelbauer ci condurrà.« Ho risposto: »Va bene, ma se in caso mai non fossi qui alle sette in punto, ci andate pure, non serve aspettarmi, sò ben dove stà e ci verrò sicuro.« Ich ging also mit Fleiß, weil ich mich schäme, mit ihnen wohin zu gehen, allein hin. Als ich hinaufkam, stund schon der Herr Angelbauer da, dem Herrn Bedienten zu sagen, daß er mich hineinführen sollte. Ich gab aber weder auf den Herrn Leibkammerdiener noch Herrn Bedienten acht, sondern ging gerade die Zimmer durch in das Musikzimmer, dann die Türen waren alle offen, und schnurgerade zum Prinzen hin und mache ihm mein Kompliment, wo ich dann stehenblieb und immer mit ihm sprach. Ich hatte ganz auf meinen Ceccarelli und Brunetti vergessen, dann man sahe sie nicht; die steckten ganz hinterm Orchester an die Mauer gelehnt und traueten sich keinen Schritt herfür. Wenn ein Kavalier oder Dame mit dem Ceccarelli redet, so lacht er immer, und redet so jemand mit dem Brunetti, so wird er rot und gibt die trockensten Antworten. O, ich hätte viel zu schreiben, wenn ich alle die Szenen, die es schon, dieweil ich hier bin und ehe ich kam, wegen dem Erzbischof und Ceccarelli und Brunetti gegeben hat, beschreiben wollte. Mich wundert nur, daß sich der – des Brunetti nicht schämt; ich schäme mich anstatt seiner. Und wie der Kerl so ungern hier ist! Das Ding ist ihm halt als zu nobel, so am Tisch, das glaub ich, sind seine vergnügtesten Stunden. Heute hat der Prinz Gallizin den Ceccarelli zum Singen begehren lassen, das nächste Mal wird es wohl mich treffen. Ich gehe heute abends mit Herrn von Kleinmayrn zu einem seiner guten Freunde, zum Hofrat Braun, wo mir alle sagen, daß er der größte Liebhaber vom Klavier seie. Bei der Gräfin Thun habe schon zweimal gespeist und komme fast alle Täge hin; das ist die charmanteste, liebste Dame, die ich in meinem Leben gesehen, und ich gelte auch sehr viel bei ihr. Ihr Herr ist noch der nämliche sonderbare, aber gutdenkende, rechtschaffene Kavalier. Beim Grafen Cobenzl habe auch gespeist und das wegen der Gräfin von Rumbeck, seiner Muhme, die Schwester vom Cobenzl in der Pagerie, welche mit ihrem Herren in Salzburg war.

Nun ist meine Hauptabsicht hier, daß ich mit schöner Manier zum Kaiser komme, dann ich will absolutement, daß er mich kennen lernen soll. Ich möchte ihm mit Lust meine Opera durchpeitschen und dann brav Fugen spielen, dann das ist seine Sache. O, hätte ich gewußt, daß ich die Fasten nach Wien kommen würde, hätte ich ein kleines Oratorio geschrieben und zu meinem Vorteil im Theater gegeben, wie es hier alles macht. Ich hätte leicht vorher zu schreiben gehabt, weil ich die Stimmen alle kenne. Wie gerne gäb ich nicht ein öffentliches Konzert, wie es hier der Brauch ist, aber es wird mir nicht erlaubt, das weiß ich gewiß. Dann stellen Sie sich vor, Sie wissen, daß hier eine Sozietät ist, welche zum Vorteil der Witwen von den Musici Akademien gibt; alles was nur Musik heißt, spielt da umsonst, das Orchester ist hundertachtzig Personen stark. Kein Virtuos, der nur ein bißchen Liebe des Nächsten hat, schlägt es ab darin zu spielen, wenn er von der Sozietät aus darum ersucht wird; dann man macht sich auch sowohl beim Kaiser als beim Publikum darum beliebt. Starzer hatte den Auftrag, mich darum zu bitten, und ich sagte es ihm gleich zu, doch müßte ich vorher meines Fürsten Gutachten darüber vernehmen, und ich hatte gar keinen Zweifel, weil es eine geistliche Art und unentgeltlich, nur um ein gutes Werk zu tun, ist; er erlaubte es mir nicht. Die ganze Noblesse hier hat ihm dieses übelgenommen. Mir ist es nur wegen diesem leid, ich hätte kein Konzert, sondern (weil der Kaiser in der Proszenloge ist) ganz allein (die Gräfin Thun hätte mir ihr schönes Steiner-Pianoforte dazu gegeben) präludiert, eine Fuge und dann die Variationen Je suis Lindor gespielt. Wo ich noch das so öffentlich gemacht habe, habe ich allzeit den größten Beifall erhalten, weil es so gut gegeneinander absticht, und weil jeder was hat; aber pazienza! ...

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