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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 79
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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München, 27. Dezember 1780.

... Ich habe die ganze Opera, den Brief vom Schachtner, Ihren Zettel und die Pillulen richtig erhalten. Wegen der zwei Szenen, die abgekürzt werden sollen, ist es nicht mein Vorschlag, sondern nur mein Konsentement; und warum ich sogleich nämlicher Meinung war, ist, weil Raaff und dal Prato das Rezitativ ganz ohne Geist und Feuer so ganz monoton herabsingen und die elendesten Akteurs, die jemals die Bühne trug, sind. Wegen der Unschicklichkeit, Unnatürlichkeit und fast Unmöglichkeit des Weglassens habe letzthin mich verflucht herumgebalgt mit dem Seeau. Genug, wenn alles gedruckt ist, welches er absolument nicht hat zugeben wollen, aber doch endlich, weil ich ihn grob angefahren, zugegeben hat. Die letzte Prob ist herrlich gewesen, sie war in einem großen Zimmer bei Hof, der Kurfürst war auch da. Diesmal ist mit dem ganzen Orchester (versteht sich, das im Opernhaus Platz hat) probiert worden. Nach dem ersten Akt sagte mir der Kurstürst überlaut Bravo, und als ich hinging, ihm die Hand zu küssen, sagte er: »Diese Opera wird charmant werden. Er wird gewiß Ehre davon haben.« Weil er nicht wußte, ob er so lange dableiben kann, so mußte man ihm die konzertierende Aria und das Donnerwetter zu Anfang des zweiten Akts machen; nach diesem gab er mir wieder auf das freundlichste seinen Beifall und sagte lachend: »Man sollte nicht meinen, daß in einem so kleinen Kopf so was Großes stecke.« Er hat auch anders Tags früh beim Cercle meine Opera sehr gelobt. Die nächste Prob wird wohl vermutlich im Theater sein. Apropos, Beecké sagt mir die Täge, daß er Ihnen nach der vorletzten Prob wieder geschrieben hätte, und unter andern auch, daß des Raaffs seine Aria im zweiten Akt wider den Text geschrieben seie. »So hat man mir gesagt,« sagte er, »ich verstehe zu wenig Welsch, ist es wahr?« – »Hätten Sie mich ehender gefragt und hernach erst geschrieben! Ich muß Ihnen sagen, daß derjenige zu wenig Welsch kann, der Ihnen so was gesagt hat. Die Aria ist ganz gut auf die Wörter geschrieben: man hört das mare und das mare funesto, und die Passagen sind auf minacciar angebracht, welche dann das minacciar, das Drohen, gänzlich ausdrücken. Und überhaupt ist das die prächtigste Aria in der Opera und hat auch allgemeinen Beifall gehabt.«

Ist es wahr, daß der Kaiser krank ist? Ist es wahr, daß der Erzbischof nach München kommen soll? Hören Sie, der Raaff ist der beste, ehrlichste Mann von der Welt, aber auf den alten Schlendrian versessen, daß man Blut dabei schwitzen möchte, folglich sehr schwer für ihn zu schreiben, sehr leicht auch, wenn Sie wollen, wenn man so Alletagarien machen will, wie par exemple die erste Arie Vedromi intorno usw. Wenn Sie sie hören werden, sie ist gut, sie ist schön, aber wenn ich sie für Zonca geschrieben hätte, so würde sie noch besser auf den Text gemacht sein; er liebt die geschnittenen Nudeln zu sehr und sieht nicht auf die Expression. Mit dem Quartett habe ich itzt eine Not mit ihm gehabt. Das Quartett, wie öfter ich mir es auf dem Theater fürstelle, wie mehr Effekt macht es mir und hat auch allen, die es noch so am Klavier gehört haben, gefallen; der einzige Raaff meint, es wird nicht Effekt machen; er sagte es mir ganz allein: »Nun c'è da spianar la voce, es ist zu eng.« Als wenn man in einem Quartett nicht viel mehr reden als singen sollte! Dergleichen Sachen versteht er gar nicht. Ich sagte nur: »Liebster Freund, wenn ich nur eine Note wüßte, die in diesem Quartett zu ändern wäre, so würde ich es sogleich tun; allein ich bin noch mit keiner Sache in dieser Opera so zufrieden gewesen wie mit diesem Quartett, und hören Sie es nur einmal zusammen, dann werden Sie gewiß anderst reden. Ich habe mir bei Ihren zwei Arien alle Mühe gegeben, Sie recht zu bedienen, werde es auch bei der dritten tun und hoffe es zustande zu bringen, aber was Terzetten und Quartetten anbelangt, muß man dem Compositeur seinen freien Willen lassen.« Darauf gab er sich zufrieden. Neulich war er ganz unwillig über das Wort in seiner letzten Aria, rinvigorir und ringiovenir, besonders vienmi à rinvigorir, fünf i! Es ist wahr, beim Schluß einer Aria ist es sehr unangenehm ...

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