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Mozarts Briefe

Wolfgang Amadeus Mozart: Mozarts Briefe - Kapitel 69
Quellenangabe
typeletter
authorW. A. Mozart
titleMozarts Briefe
publisherInsel-Verlag
editorAlbert Leitzmann
year1924
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060123
projectidc699a5b9
noteStabi Signatur A 365275
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Mannheim, 12. November 1778.

Ich bin hier den 6. glücklich angelanget und habe alle meine gute Freunde auf eine angenehme Art überraschet. Gott Lob und Dank, daß ich wieder in meinem lieben Mannheim bin! Ich versichere Sie, wenn Sie hier wären, so würden Sie das nämliche sagen. Ich wohne bei der Madame Cannabich, die nebst ihrer Familie und allen guten Freunden fast für Freude außer sich kam, als sie mich wiedersah. Wir haben uns noch nicht ausgeredet, dann sie erzählt mir alle die Historien und Veränderungen, die seit meiner Abwesenheit vorbeigegangen. Ich habe noch, solang ich hier bin, nicht zu Hause gespeist, dann es ist recht das Geriß um mich; mit einem Wort, wie ich Mannheim liebe, so liebt auch Mannheim mich, und ich weiß nicht, ich glaube, ich werde doch noch hier angestellet werden! ...

Die Seylerische Truppe ist hier, die Ihnen schon par renommée bekannt sein wird. Herr von Dalberg ist Direktor davon. Dieser läßt mich nicht fort, bis ich ihm nicht ein Duodrama komponiert habe, und in der Tat habe ich mich gar nicht lange besonnen, dann diese Art Drama zu schreiben habe ich mir immer gewunschen. Ich weiß nicht, habe ich Ihnen, wie ich das erste Mal hier war, etwas von dieser Art Stücke geschrieben? Ich habe damals hier ein solch Stück zweimal mit dem größten Vergnügen aufführen gesehen; in der Tat, mich hat noch niemal etwas so surpreniert. Dann ich bildete mir immer ein, so was würde keinen Effekt machen. Sie wissen wohl, daß da nicht gesungen, sondern deklamiert wird und die Musik wie ein obligiertes Rezitativ ist; bisweilen wird auch unter der Musik gesprochen, welches alsdann die herrlichste Wirkung tut. Was ich gesehen, war Medea vom Benda. Er hat noch eine gemacht, Ariadne auf Naxos, beide wahrhaft fürtrefflich. Sie wissen, daß Benda unter den lutherischen Kapellmeistern immer mein Liebling war. Ich liebe diese zwei Werke so, daß ich sie bei mir führe. Nun stellen Sie sich meine Freude für, daß ich das, was ich mir gewunschen, zu machen hab! Wissen Sie, was meine Meinung wäre? Man solle die meisten Rezitativ auf solche Art in der Opera traktieren und nur bisweilen, wenn die Wörter gut in der Musik auszudrücken sind, das Rezitativ singen ...

Ich bitte Sie, liebster Vater, machen Sie sich diese Sache zu Salzburg zu Nutzen und reden Sie so viel und stark, daß der Erzbischof glaubt, ich werde vielleicht nicht kommen, und sich resolviert, mir bessern Gehalt zu geben; dann, hören Sie, ich kann nicht mit ruhigem Gemüt darauf denken, der Erzbischof kann mich gar nicht genug bezahlen für die Sklaverei in Salzburg! Wie ich sage, ich empfinde alles Vergnügen, wenn ich gedenke Ihnen eine Visite zu machen, aber lauter Verdruß und Angst, wenn ich mich wieder in diesem Bettelhof sehe! Der Erzbischof darf mit mir gar noch nicht den Großen, wie er es gewohnt war, zu spielen anfangen; es ist gar nicht ohnmöglich, daß ich ihm eine Nase drehe, gar leicht, und ich weiß gewiß, daß Sie auch teil an meiner Freude nehmen werden. Adieu...

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